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Die Lspall. Seite 20 A
Die Walt. Seite 30 A
Nr. 106. Samstag den 6. Mai 1893
Stadtkreis Hanau.
Aasschreiben.
Der am 22. April 1883 geborene Schulknabe Emil Petrausch von hier hat am 1. d. Mts., morgens, mit seinen Schulbüchern die elterliche Wohnung verlassen und ist bis heute noch nicht wieder dahin zurückgekehrt.
Derselbe ist für sein Alter etwas klein, jedoch aufgeweckt, von untersetzter Statur, hat hellblonde, kurzgeschnitiene Haare, blaffe Gesichtsfarbe, blaugraue Augen, rundes Gesicht, trägt dunkelblauen Joquetanzug mit kurzen Kniehosen, hellgelbes, wollenes Hemd mit weißem Umlegkragen, schwarzem oder auch gestreiftem Shlips, schwarze Strümpfe, hohe Knopfstiefel und blaue Kappe mit geradem Schilde und Anker.
Es wird ergebenst ersucht, nach dem Vermißten Nachforschungen anzustellen, denselben im Betretungssalle anzuhalten und Nachricht hierher gelangen lassen zu wollen.
Hanau am 4. Mai 1893.
Königliche Polizeidirektion.
J.-N. k.4486. I. A.: Dr. Köhler, Regierungsassessor.
Landkreis Hanau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Unter Bezugnahme auf §. 508 des Reglements für die Hessische Brandversicherungsanstalt vom 19. März 1880 wird hiermit zur Kenntniß der Interessenten gebracht, daß die Gebühren der Brandschadenstaxatoren für Ausstellung von sog. Verwendungsbescheinigungen über verbaute Brandentschädigungsgelder in den Fällen von den Brandbeschädigten zu tragen find, wo es sich um Abs chlagszah luge n handelt, welche von den Interessenten dergestalt beeilt werden, daß der Baubeamte die erforderliche örtliche Prüfung nicht gelegentlich, sondern nur mittelst besonderer Reise vornehmen kann.
Hanau am 3. Mai 1893.
Der Königliche Landrath
V. 3535. v. Oertzen.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Entlausen: Ein kleiner gelber Hund mit weißer Blesse, m. Geschl.
Gefunden: Ein Maschincnöler.
Hanau am 6. Mai 1893.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Kekarmtmachrmg.
Von den städtischen Behörden ist unter dem 10. Januar und 13. Februar 1893 ein Baufluchtlinienplan an der Wilhelmsbrücke auf Grund des Gesetzes vom 2. Juli 1875 betr. „die Anlegung und Veränderung von Straßen rc." beschossen und aufgestellt worden.
Nachdem auch die Genehmigung Seitens Königlicher Polizeidirektion unter dem 21. v. Mts. erfolgt ist, so wird der Plan gemäß § 7 des Gesetzes vom 2. Juli 1875 zu Jedermanns Einsicht von heute an im Stadtbauamt Zimmer 24 des Rathhauses aufgelegt und werden Einwendungen bis zum"29. d. Mts. entgegenrenommen.
Hanau den 1. Mai 1893.
Der Oberbürgermeister
6003 J. V.: Heraeus.
Kekünntmachnng.
Nachdem der Bebauungsplan der Verbindungsstraße zwischen Philipps- ruher Allee und Werft gemäß § 7 des Gesetzes vom 2. Juli 1875, betreffend die Anlegung und Veränderung von Straßen und Plätzen.in Städten und ländlichen Ortschaften, vier Wochen lang zu Jedermanns Einsicht aufgelegen hatte und innerhalb dieser präklusivischen Frist eine Ein spräche gegen diesen Plan nicht erhoben worden ist, wird derselbe auf Grund des §. 8 des angezogenen Gesetzes hiermit endgültig festgestellt.
Ich bringe solches mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis!, daß der Plan fortan zu Jedermanns Einsicht auf dem Stadtbauamte aufliegt.
Hanau den 3. Mai 1893.
Der Oberbürgermeister
6212 I. V.: Heraeus.
Tagesschau.
Berlin, 5. Mai. Seine Majestät der Kaiser und König begaben Sich am Mittwoch Abend sofort nach der, wie bereits gemeldet, um 10 Uhr 45 Minuten erfolgten Ankunft beider Majestäten auf der Wildparkstation, von dort nach Berlin, um im Reichskanzlerpalais mit dem Reichskanzler Grafen von Caprivi zu konferiren. Die Rückkehr nach dem Neuen Palais erfolgte nachts 1 Uhr 15 Minuten.
Berlin, 5. Mai. Der „Reichsanzeiger" erklärt die Nachricht für unbegründet, daß der Staatssekretär des Reichspostamts Dr. Stephan sich nach Königsberg begeben würde, um wegen der Schwierigkeiten zu verhandeln, welche der Herstellung einer Fernsprechverbindung mit Berlin in Königsberg bereitet werden.
München, 4. Mai. Der Zustand des Königs Otto von Bayern hat sich, wie die „A. R. C." aus Mür chen erfährt, in den letzten Tagen sehr verschlechtert. Der König vollendete brkanntlich am 27. April sein 45. Lebensjahr. Von stimm Geburtstag wußte er selbst nichts. Er gericth in eine hochgradige Aufregung, als die Herren seiner nächsten Umgebung ihm ihre Glückwünsche darbringen wollten. Seitdem weigert sich der König, Nahrung zu sich zu nehmen und findet auch keinen Schlaf. Die Aerzte glauben, daß die bisher guten Körperkräfte des Kranken dabei schnell schwinden werden.
München, 4. Mai. Dem nächsten Landtau werden, wie man der „Köln. 3 " von hier berichtet, zwei Vorlagen über die Binnenschifffahrt zugehen. Den weitreichenden Plänen des Thronfolgers Prinzen Ludwig kommt die Regierung dadurch entgegen, daß einige hunderttausend Mark zu einer Untersuchung über die Ausführbarkeit der geplanten Erweiterung des Main-Donaukanals gefordert werden sollen. Dabei dürften sich nach Ansicht fachmännischer Kreise Schwierigkeiten und Kosten unvergleichlich viel größer herausstellen, als j tzt von den Freunden des schönen aber praktisch kaum durchführbaren Gedankens angenommen wird. Zw ihns wird von der Regierung die Weiterlegung der Mainkette von Miltenberg bis Würzburg beantragt werden, was gleichzeitig die Uebernahme ober Außerbetriebsetzung der jetzt bis Miltenberg vorhandenen privaten Mainkette bedingen würde. Zwischen Miltenberg und Würzburg würden bedeutende Stromkorrektionen vorzunehmen sein, deren Kosten sich auf mehrere Millionen beziffern.
Stuttgart, 5. Mai. Der „Staatsanzeiger für Württemberg" veröffentlicht die Pensionirung des bisherigen württembergischen Gesandten Freiherrn von Maucler in Wien und die Ernennung des bisherigen Ge- sandten in Petersburg Frechern von Varnbüler von und zu Hemmingen zu dessen Nachfolger.
Wien, 5. Mai. Wie die „Politische Korrespondenz" aus Budapest meldet, werden die Delegationen am 25. Mai nach Wi n <hiberufen; die Thronrede wird am 27. Mai verlesen werden. (Reichsanz.)
Pest, 5. Mai. Der Kaiser empfing eine Deputation des Muni- zipiums, welche für die Erhebung der Statu Pe zur Haupt und Residenzstadt banste. Auf die Ansprache des Führers erwio-rie her Kaiser, er zweifle nicht, daß die Munizipalverlretnng v n P.st ihre T ue und Anhänglichkeit, deren Bestätigung er in so vielln Füllen Hub instu sondere auch jetzt bei seiner Ankunft mit Freuden bemetft habe, unter allen Umständen beweisen werde. (RH. K.)
Brüssel, 5. Mai. „Etoile", die Rede Caprivis bcspr-chend, sagt: Derselbe stellte sich nicht nur unter Schutz Woles, sondern ruf noch das Andenken seines Vorgängers wach, und so müsse der Re chstag nach dem Despotismus Bismarcks selbst, noch unter dem Despotismus des Andenkens leiden.
Brüssel, 4. Mai. Bei der hiesigen Englischen Bark wurden von Schwindlern gefälschte Checks im Betrage von 120 000 Frau c o. versilbert.