anlangenden Dampfers hatten sich daselbst zahlreiche Personen, unter ihnen der Hafenkommandant, auch viele Damen, insgesammt achtzig Personen, auf dem Dampfersteg versammelt, als dieser plötzlich einbrach und die darauf zusammengedrängten Personen in das an jener Stelle etwa 1 Faden tiefe Meer stürzten. Es gelang, fast alle Verunglückten zu retten.
Nishny-Nowgorod, 25. April. Der Eisgang auf dem Oka- stusse hat große Verheerungen unter den Schiffen angerichtet, welche dort am Quai überwinterten. Siebzig Flußfahrzeuge verschiedener Größe sind vom Eise stark beschädigt worden, vierzig sind gesunken. Vierzehn Fahrzeuge hat das Eis mit fortgerissen, auch drei Dampfer sind schwer beschädigt worden. Ein Verlust an Menschen ist nicht zu beklagen, der materielle Schaden aber ist sehr groß.
Konstantinopel, 26. April. Der Kommandant des französischen Mittelmeergeschwaders Admiral Vigne ist mit 45 Offizieren gestern Abend an Bord des Avisoschiffes „Tronde" hier eingetroffen. Die Ankunft der Kaiserlichen Dacht „Jzzeddin" mit weiteren 50 Offizieren wird erwartet. Die französischen Offiziere dürften bis zum Sonnabend hier verbleiben.
New-Uork, 26. April. Das in verschiedenen Zeitungen verbreitete Gerücht über eine Feuersbrunst im Trocaderotheater in Chicago ist wahrscheinlich daraus zurückzuführen, daß die Rüstkammer des Miliz- regiments, woselbst die Trocaderokapelle konzertirte, in Brand gerieth. Ter entstandene Schaden beträgt, wie die „Fr. N." melden, nicht über 20 000 Dollars.
New-Uork, 26. April. Ein Personenzug stieß heute in der Nähe von Sommerset (Pennsylvanien), als er ein abschüssiges Terrain herabfuhr, mit einem Güterzuge zusammen. Mehrere Wagen des Personenzuges wurden zertrümmert. Bisher wurden sieben Leichen aufgefunden.
Bremen, 26. April. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Fulda" ist gestern in New-Dork angekommen.
London, 25. April. Der Castle-Dampfer „Dunottar-Castle" ist aus der Ausreise gestern in Capetown angekommen.
New Uork, 26. April. Der Postdampfer „Chester" der American Linie in Liverpool ist gestern wohlbehalten hier angekommen.
9ldV = $Ott, 24. April. Der Dampfer „France" von der National-Dampfschiffs-Kompagnie (C. Mesfing'schen Linie) ist hier eingetroffen.
Depeschen-Bnrean „Herold".
26. April, abends 9 Uhr:
Deutscher Reichstag.
Eingegangen ist der Bericht der Militärkommission und die Interpellation Richter, betr. der staatsbürgerlichen Rechte der Personen des Beurlaubtenstandes.
Der Gesetzentwurf, betr. Nachtragsetat, wird nach debatteloser erster Lesung an die Budgetkommission verwiesen.
Es folgt der mündliche Bericht der Geschäftsordnungskommission über den Antrag Stadthagen, betr. Geruhmigung der Strafverfolgung des Abgeordnete Stadthagen wegen angeblicher Verletzung des § 352 des R.-Str.-G.-B. Die Kcmmission empfiehlt die Annahme, desgleichen Abg. Singer (Soz.). Der Antrag wird angenommen.
Erste Lesung des Antrages Barth-Rickert, betreffend Abänderung des Wahlgesetzes für den deutschen Reichstag mit demselben Antrag Gröber.
Abg. Barth (freist) begründet den Antrag. Der Entwurf bezwecke die möglichste Sicherung des Wahlgeheimnisses.
Abg. Gröber befürwortet seinen mit dem Antrag Barth gleichlautenden Antrog und hofft, daß das Gesetz noch vor der nächsten Reichs- tagswahl zu Stande komme.
Abg. Blos (Soz.) empfiehlt die Wahl an Sonntagen vorzunehmen; er sympathisirt mit dem Anträge.
Nach Schlußbemerkungen Rickerts und Gröbers ist der Antrag und die erste Lesung erledigt.
Der Antrag Pieschel, betr. Aufführung der justifizirendcn Kabinets- ordres in den Bemerkungen des Rechnungshofes des deutschen Reiches zu den allgemeinen Rechnungen über den Reichshaushalt, wird angenommen.
Der Präsident theilt das Ableben des Abg. Tettan (kons.) mit.
Donnerstag: Spionagegesetz, Wuchergesetz und Entwurf, betreffend Abzahlungsgeschäfte.
Landtag.
Abgeo rdn e te nh aus.
Kommunalsteuervorlage. § 27 handelt von der Steuerpflicht. Hierzu liegen mehrere Anträge vor. Nach einer längeren Debatte wird § 27 nach dem von den Nationalliberalen gestellten Amendement, welches die nicht am Orte wohnenden Theilhaber an Gesellschaften mit beschränkter Haftpflicht zur Steuer herangezogen wissen will, nicht aber die Gesellschaften selbst, in der Fassung der Kommission angenommen.
Die M 28 bis 30 werden ohne Debatte erledigt. § 30a handelt von den besonderen Gemeindesteuern. Der Paragraph bestimmt, das im
Tarif der Staats einkommensteuer enthaltene Steigerungsverhältniß darf nicht zu Gunsten der oberen Stufen geändert werden.
Abg. Hitze (Zentr.) beantragt die Streichung dieses Satzes.
Abg. v. Iagow (kons.) empfiehlt die Ablehnung des Antrages.
Nach einer kurzen Debatte, in welcher die Abgg. Bachem und Huene für den Antrag Hitze eintreten, wird § 30a mit diesem Antrag und einer redaktionellen Aenderung angenommen. Die §§ 31, 32 und 33 werden debattelos, desgleichen § 34 in der Fassung von Zedlitz, betr. die Heranziehung von Beamten zu der Kommunalsteuer durch ein besonderes Gesetz zu regeln nebst einer Resolution von der Acht, fordernd die Beseitigung der kommunalen Sleuervorrechte der Beamten, angenommen.
Nächste Sitzung Freitag.
Berlin, 26. April. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" sagt anläßlich der gestrigen Ahlwardtdebatte, unseres Erachtens legen die Blätter zu viel Gewicht auf die Person Ahlwardts, während der Ahlwardtismus allein eine erörternde Beleuchtung verdient. Den Giftstoff, der diese Agitation der Volksseele zuführt, hat zu lange Zeit gelassen bekommen zu wirken. Das Versäumniß gut zu machen ist sehr schwer. Die Erkenntniß ist wohl schon allgemein, daß der Antisemitismus soweit er überhaupt ernst genommen werden kann, seinen verderblichsten Feind in Rektor Ahl- wardt hat.
Berlin, 26. April. Die „Post" meldet aus Petersburg: Die russische Antwortnote auf die deutschen Vorschläge, betr. den Handelsvertrag, sei nach Berlin abgegangen.
Berlin, 26. April. Das Urtheil im Prozeß Hugo Löwy lautet auf ein Jahr und neun Monate Gefängniß wegen 7 Fällen von Unterschlagung. Die neun Monate werden durch die Untersuchungshaft als verbüßt erachtet. Die Frage des betrügerischen Bankerotts wurde vor die Geschworenen verwiesen.
München, 26. April. Das Befinden des Großherzogs von Luxemburg hat sich soweit gebessert, daß die Uebersiedelung nach Schloß Hohenburg demnächst erfolgen wird.
Wien, 26. April. Eine gestern stattgehabte Versammlung streikender Zimmergehilfen beschloß, so lange zu streiken, bis die Meister alle Forderungen den Gehilfen bewilligt hätten. Die Zimmergehilfen der Vorstädte Wiens haben sich dem Streik angeschlofsen.
Paris, 26. April. Der Bürgermeister von Brest erhielt ein Schreiben des Baron Mohrenheim, welches den Dank des Czarewitsch ausdrückt für die ihm geschenkte Bronzestatue. Die Statue stellt französische Soldaten dar.
Bukarest, 26. April. Die Exkönigin Natalie von Serbien wird in den nächsten Tagen hier eintreffen.
27. April, vormittags 9 Uhr:
Berlin, 27. April. Die „Nordd. Allg. Ztg." stellt eine Anzahl Berechnungen richtig, welche in der „Freis. Ztg." über das französische und deutsche Budget nicht recht angegeben seien. Es sei unwahr, daß Deutschland im Frieden mehr Geschütze bespanne als Frankreich und Rußland. Es werde dabei verschwiegen, daß Frankreich und Rußland schon im Frieden viel mehr bespannte Munitionswagen aufweise wie Deutschland. Ferner werde verschwiegen, daß die italienischen und österreichisch-ungarischen Bataillone im Frieden viel schwächer als die im Vergleich angeführten russischen und französischen Bataillone seien.
Berlin, 27. April. Die aus 21 Mitgliedern bestehende Kommission zur Untersuchung der Ahlwardtschen Akten hat sich gestern konstituirt. Nach erfolgter Konstituirung wurde das weitere Vorgehen besprochen. Die Kommission trilt heute um 10 Uhr zusammen und wurde Ahlwardt zu dieser Sitzung vorgeladen. — In parlamentarischen Kreisen wird angenommen, der Antrag des Zentrums wegen Aufhebung des Jesuitengesetzes komme nächsten Mittwoch im Reichstage zur Verhandlung.
Rom, 27. April. Das Kaiser- und Königspaar und die übrigen Fürstlichkeiten wohnten dem Gartenfeste bei, welches einen glänzenden Verlauf nahm. — Heute Mittag 2 Uhr 20 Minuten erfolgt die Abreise des Kaiserpaares nach Neapel; das Königspaar und ein zahlreiches Gefolge reisen mit dem Kaiserpaare.
Paris, 27. April. Charles Ferry stellt seine, im Jahre 1880 zu Gunsten seines Bruders Jules Ferry abgelehnte Kandidatur für die Kammer auf. — Nach der „Cocarde" erregt die Reise der Prinzessin von Sagan nach Rom großes Aufsehen. Dieselbe soll durch die Prinzessin Laetitia dem Papst vorgestcllt werden.
London, 27. April. Es wird allgemein angenommen, die zweite Lesung der Homerule-Vorlage werde 2—2^2 Monate dauern, da fast zu jedem Artikel Amendements eingebracht werden.
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
Kleinere den Thatsachen entsprechende Mittheilungen über Vorkommnisse in hiesiger Stadt und derer Umgebung sind stets willkommen und werden entsprechend vergütet.)
Personal-Chronik (aus dem „Amtsblatt").
Ernannt: der außerordentliche Pfarrer Rollmann in Wachenbuchen zum Gehülfen des Pfarrers Kaufe! in Marköbel.
27. April 1893.