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Nr. 96.
Dienstag den 25. April
1893
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Amtliches.
Landkreis Hanau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes. IH
Der außerordentliche Pfarrer Rollmann, seither in Wachenbuchen, ist Seitens des Königl. Konsistoriums zum Gehülfen des Pfarrers Kaus el zu Marköbel bestellt worden.
Hanau am 24. April 1893.
Der Königliche Landrath
V. 3327. v. Öertzen.
Zum Schlachtviehbeschauer des Gutsbezirks Neuhof ist an Stelle des August Nicolaus der Königliche Förster Nöhring bestellt und verpflichtet worden.
Hanau am 17. April 1893.
Der Königliche Landrath
V. 3150. v. Oertzen.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Zugelaufen am 19. d. Mts.: Ein großer Ulmer Doggenhund, schwarz mit grauen Flecken, gestutzten Ohren, weißen Zehen und langer Ruthe; Empfangnahme bei Philipp Sterlepper zu Bergen.
Entlaufen: Ein kleiner gelber Hund mit weißerBlesse m. Geschl.
Abhanden gekommen: Ein 10 Tage altes Gänschen.
Verloren: Eine goldene Kravattennadel.
Gefunden: Ein rother Sonne-schirm (am 22. d. Mts. auf dem Wochenmarkt stehen geblieben). Ein Kinderschuh.
Hanau am 25. April 1893.
ftukttons-angetge.
Dienstag den 9. Mai d. Js., von 9 Uhr vormittags ab, sollen hier- selbst ungefähr 100 Gestütpferde, bestehend aus Mutterstuten (meistens be- bedeckt), Fohlen und 4jährigen Hengsten, Wallachen und Stuten, meistbietend gegen Baarzahlung verkauft werden.
Sämmtliche 4jährigen und älteren Pferde sind mehr oder weniger Zeritten. Die zum Verkauf kommenden gerittenen Pferde werden am 8. Mai von 7 bis 10 Uhr vormittags unter dem Reiter, sowie sämmtliche am 7. und 8. Mai von 4 bis 6 Uhr nachmittags auf Wunsch an der Hand gezeigt.
Listen über die zur Auktion gelangenden Pferde werden am 25. April zum Versandt rc. fertig gestellt sein uns auf Ansuchen zugeschickt werden.
Für Personenbeförderung zu den bezüglichen Zügen von und zum Bahnhof Trakehnen wird am 7., 8. und 9 Mai gesorgt sein.
Trakehnen den 22. März 1893.
Der Landstallmeistcr gez.: von Frankenberg.
t Pretzstimmen zur Militärvorlage.
Ein süddeutsches Blatt, der „Schwäbische Merkur", erörterte die Verantwortlichkeit des Reichstages für die Folgen, die eine Ablehnung der Militärvorlage in einem einstigen Kriege nach sich riehen könnte:
„Wenn diese Tausende in einer Sache, die sehr nahe berührt, bis jetzt wenigstens in öffentlichen Blättern nicht reden wollten, so ist das eigentlich nur ein Zeichen ihrer Disziplin und ihres Vertrauens zur Heeres - lertung. In der Unterhaltung sind schon da und dort recht ernste Worte über das Verhalten unserer politischen Parteien und ihrer Vertreter im Reichstage gesprochen worden, und man darf sich darüber keineswegs wundern, denn der Reservist, der Landwehrmann, sie alle wissen recht gut, daß die Stunde der Revanche, die die Franzosen mit Ungeduld erwarten, recht plötzlich eintreten kann und nach den Gesinnungen derselben eintreten muß.^ Das wissen insbesondere alle Diejenigen, die im Feldzug 1870/71 in nähere Berührung mit den Franzosen gekommen sind. Dieser Erwägung zollten sich unsere politischen Parteien auch nicht verschließen, und ebenso
wenig der anderen, daß wir mit unserer dermaligen Organisation an Zahl und Ausrüstung in der Unterlegenheit sein werden. Was es aber heißt, sich in erheblicher Minderzahl zu wissen und dennoch kämpfen zu müssen, das kann nur der sagen, der thatsächlich in dieser Lage war. Unsere Württemberger wissen davon zu erzählen! Hätten sie nicht festiglich der Oberleitung vertraut, von der sie wußten, daß sie zur rechten Zeit Unterstützung senden werde, sie hätten jenen ungleichen Kampf nicht mit dem Muth und der Zähigkeit durchführen können, wie sie gethan haben. Das Bewußtsein' zahlenmäßiger Ueberlegenheit oder Unterlegenheit gibt dem Soldaten Vertrauen oder demoralisirt ihn, der Ausgang hängt häufig von diesem Bewußtsein ab. — Und trotzdem sollte das Ungeheuerliche möglich sein, daß unser Volk seinen Söhnen, seinen besten Jünglingen und Männern eine Lage schaffen will, in der die Aussicht auf Sieg nach der Rechnung mit Zahlen höchst unwahrscheinlich ist! Das Volk will das nicht, und die Millionen von Militärpflichtigen erst recht nicht, und sie haben doch auch mitzureden! Wird trotzdem die wohlerwogene Forderung der verbündeten Regierungen nicht so weit als möglich zugestanden, dann mögen Diejenigen für alle Möglichkeiten die Verantwortung tragen, welche dagegen sind. Sie haben kein Recht, den Söhnen des Volkes in der Stunde der Noth einen ungleichen Kampf zu- zumuthen."
Ebenso wie das nationalliberale schwäbische Blatt bringt jetzt auch die liberale, dem Freisinn nahestehende „Weserzeitung" einen Artikel, in dem es wörtlich heißt: „Die Freisinnigen begehen den großen Fehler einer Ueberschätzung des Wirthschaftlichen und einer Verblendung gegen die großen Gefahren, die ihrer von uns ebenfalls vertretenen Wirthschaftspolitik eben durch ihre eigene Halsstarrigkeit drohen. Die Erhaltung des Friedens hängt von der Stärke Deuischlands ab, und diese Stärke ist nicht in dem Maß gewachsen, wie sie den Zweck sichert. Und wenn wir nicht stark genug sind, um den Friede: zu erzwingen, oder wenn andere ihn muthwillig brechen, so müssen wir im Felde Lsieger bleiben, wenn wir nicht Einbußen erleiden sollen, gegen welche die Schäden einer verkehrten Wirthschaftspolitik verschwindend sind und welche die verhângniß- vollste Rückwirkung eben auf unsere Wirthschaftspolitik äußern müssen. Die Sicherheit des Vaterlandes ist eine so große Aufgabe, daß wir willig schwere Lasten für sie übernèhmen, das sollte die freisinnige Partei bedenken, sie sollte nicht die wirthschaftlichen Lasten abwehren durch Dinge, die uns noch viel theurer zu stehen kommen; man muß lieber selbst die Ladung unter den Kessel Heizen, als das ganze Schiff stranden lassen; man muß nicht propter vitam perdece vitae causas. . . . Möchte die Fraktion die Gefahren, die hier vorliegen, beherzigen, ohne daß wir den Teufel an die Wand malen." Schärfer, als es hier geschieht, kann die „Fraktionspolitik" nicht verurtheilt werden. Schließlich sei noch auf die einzige Rettung hingewiesen, die die „Weserzeitung" darin erblickt, „daß sich in zwölfter Stunde in allen Betheiligten das Gefühl der ungeheuren Verantwortung Bahn bräche und daß alle zu der Einsicht kommen, jeder müsse Opfer bringen, damit das große Ziel erreicht werde."
In der „Täglichen Rundschau" in Schweidnitz findet sich ein Artikel aus sachkundiger Feder, in dem noch einmal die Schwierigkeiten und Opfer eines Krieges, den wir mit einem nach Zahl und Organisation überlegenen Gegner führen müßten, erörtert und die Geger der Vorlage mit ihrem Schlagwort: „Keine Erhöhung der Präsenzstärke" als verhängnißvolle Rathgeber des Volkes dargestellt werven.
Unsere zentrale Lage bedingt es, daß wir eine Organisation haben müssen, welche uns gestattet, stärkere Kräfte im Bedarfsfälle aufzustellen, als Frankreich besitzt und der Ueberschuß unserer Bevölkerung über die des westlichen Nachbarlandes bietet uns reichlich die Mittel dazu. Wie unter diesen Umständen eine Partei das Feldgeschrei erheben kann: „Keine Erhöhung der Präsenzzahl!" erscheint geradezu unfaßlich.
Bei der Behandlung der Militärvorlage gewinnt cs den Eindruck, als ob alle Welt von der Ansicht durchdrungen sei, es handle sich nur um zweijährige Dienstzeit. Diese Frage tritt zurück gegen die Forderung einer Erhöhung der Präsenzziffer des Friedensstandes; diese ist der eigentliche, der vornehmlichste Kernpunkt der ganzen Vorlage. Gegen die falsche Anschauung, daß wir eine Erhöhung unserer Streitkräfte im Frieden nicht bedürfen, müssen alle Kräfte eingesetzt werden, denn ohne sie kommen die