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Nr. 94. Samstag den 22 April 1893
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Amtliches.
Von beachtenswerther Seite ist darauf hingewiesen worden, daß die auf der Straße feilgehaltenen Mineralwässer, wie Selterser, Sodawasser u. a. m. an die Abnehmer stets eiskalt verabfolgt werden und daß der Genuß so kalten Wassers, welcher schon in normalen Zeiten leicht ernste Verdauungsstörungen von längerer Dauer nach sich ziehe, beim Drohen der Cholera die Neigung zu ähnlichen Elkrankungen befördere.
, Im Auftrage des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten werden daher die Verkäufer von Mineralwässern im Ausschanke hiermit angewiesen, das Getränk fernerhin, gleichviel ob die Cholera droht, oder nicht, nur in einem der Trinkwassertemperatur entsprechenden Wärmegrade von etwa 10° Gels. abzugeben. Gleichzeitig wird das Publikum vor dem Genusse eiskalter Getränke überhaupt, also auch des zu kalten Biers, insbesondere aber der Mineralwasser gewarnt.
Cassel am 17. Oktober 1892.
Der Regierungspräsident.
J. V.: v. Pawel.
Tagesschau.
Berlin, 21. April. Der Kaiser verlieh dem Herzog von Genua das Großkomthurkreuz des hohenzollern'schen Hausordens, dem Herzog von Aosta den schwarzen Adlerorden, dem Grafen von Turin das Großkreuz des rothen Ablerordens und dem Herzog der Abruzzen den rothen Adlerorden erster Klasse. " ’ (Fr. N.)
Berlin, 21. April. Die Kommission des Herrenhauses, welcher der Entwurf des Gesetzes über Aenderung des Wahlverfahrens überwiesen ist, hat beschlossen: Erstens die Dreitheilung der Urwâhlerabtheilungen wiederherzustellen und die Zwölftheilung abzulehnen. — Zweitens in dem 8 1, wie das Abgeordnetenhaus ihn im Gegensatze zur Regierungsvorlage gestaltet hat, das zweite Alinea, welches die seltsame Bestimmung einführen wollte, daß bei der Steuerberechnung der Urwähler, die den Betrag von 2000 Mark übersteigende Staatseinkommensteuer nicht zur Anrechnung kommen solle, zu streichen. Ein zwischen den konservativen Parteien des Herren- und des Abgeordnetenhauses vereinbarter Kompromißantrag, bei dem Mehr über 2000 Mark nur die Hälfte der Steuerbeträge in Anrechnung zu bringen, war vorher angenommen worden, fiel aber wieder durch die Ablehnung des ganzen Alineas. Mit dieser Stre chung der Verschlechterung, welche Konservative und Zentrum im Abgeordnetenhause erfunden hatten, wurde der Paragraph angenommen. — Die Streichung des 8 4, welche beantragt war, wurde abgelehnt. Die übrigen Paragraphen wurden angenommen. Eine Gesammtabstimmung über das ganze Gesetz wurde bis zur zweiten Lesung, welche morgen stattfindet, vertagt. (K. Tbl.)
Das „Köln. Tbl." schreibt: Was wird das nun eigentlich mit den Ahlwardtdokumenten? So fragt man sich nachgerade doch im Reichstage. Herr Ahlwardt hat seiner Zeit klipp und klar behauptet, bei der Bildung des Reichsinvalidenfonds sei das deutsche Volk um viele Millionen betrogen, wofür er die Beweise in der Tasche habe. Nun kommt er nach langer Pause endlich mit einem Antrag, durch welchen der Reichskanzler um Untersuchung über verschiedene Geschichten aus den 70er Jahren ersucht wird. Es handelt sich um die rumänischen Eisenbahnen, die Schöpfung Strousbergs, und die Beziehungen der Berliner Bankhäuser Diskontogesellschaft und Bleichröder zu dieser Sache, in die auch der heutige Finauzminister Miquel, damals Bankvorstand, mit hineingezogen wird. Diese ganzen Geschichten gehen aber doch heute den Reichstag absolut nichts mehr an, hier handelt es sich nur um Ahlwardt'sche Beweisdokumente, von welchen bis zur Stunde nichts zu erblicken ist.
Der „Voss. Ztg." zufolge ist der bisherige kaiserliche Richter in Herbertshöhe auf Neuguinea, Assesior Geisler, als Vizekonsul nach Apia auf Samoa und der bisherige Sekretär beim Schutzgebiet der Marschall- mseln, Hauptmann a. D. Brandeis, an Stelle des Assessors Geisler nach Herbertsböde versetzt worden.
München, 21. April. Das heutige Bullettin über das Befinden des Großherzogs von Luxemburg konstatirt eine ziemlich unruhige Nacht. Doch sei das Allgemeinbefinden vollkommen befriedigend und der Krank- Heitsverlauf ein normaler.
Rom, 21. April. Der Papst empfing, nach den „Fr. N.", fünfhundert belgische Pilger. Auf die Begrüßungsadresse erwiderte der Papst, er habe mit großem Bedauern die jüngsten Störungen des öffentlichen Friedens und die drohenden Vorgänge vernommen. Um die Wiederkehr einer solchen Bewegung hintanzuhallen, sei cs nothwendig, daß die Arbeiter im Einverständnisse mit den Arbeitgebern unter der Leitung ihrer geistlichen Hirten, wie es die Kirche lehre, vorginqen.
Rom, 21. April. Es ist herrliches Wetter, der Zudrang des Publikums zum Derby Reale auf dem Capannelle ist außerordentlich. Der Hof begab sich um 2 Uhr dorthin. Der Kaiser und der König fuhren in einem vierspännigen Mylord. Es folgten zwei Wagen für die Suite, hierauf kamen die Kaiserin und die Königin, der Prinz von Neapels der Herzog von Oporto und die übrigen Fürstlichk-iten. Mehr als 7000 Personen hatten sich auf dem Capannelle eingefunden. Bei der gegen 3 Uhr erfolgenden Ankunft auf dem Capannelle wurden die deutschen und italienischen Majestäten von dem versammelten Publikum mit jubelnden Zurufen durch Erheben von den Sitzen und Schwenken mit Tüchern herzlich und enthusiastisch begrüßt. — Nach dem Eintreffen auf dem Rennplätze nahmen die Fürstlichkeiten auf der Tribüne Platz, der König und der Herzog von Aosta erklärten den kaiserlichen Majestäten das herrliche Panorama, in dessen Hintergründe die Alvanerberge mit Frascati im Sonnenschein leuchteten. Den Ehrenpris des Königs, 24 OÖO Lire für Vollblutpferde italienischer Zucht von 1890, gewann Festuca (Besitzer Don Rocriao), den zweiten Jan-sans-peur (Besitzer der Herzog von Marino). Die Majestäten und Fürstlichkeiten kehrten um öVi Uhr unter dem brausenden Jubel des Publikums nach dem Quinnal zurück. Die Rückfahrt bot das prächtigste Bild. Um acht Uhr war beim Königspaare Fa- miliemafel. Das Kaiserpaar, die italienischen und auswärtigen Fürstlichkeiten wohnten derselben bei und begaben sich mit dem Königspaar um zehn Uhr zur Falstaffaufführung in das Argentineratheater. (Fr. N.)
Paris, 21. April. Nach hier vorliegenden Meldungen aus Angers ist dort gestern zwischen Gendarmen und Streikenden, welche die Arbeitenden zur Einstellung der Arbeit zu veranlassen suchten, ein Zusammenstoß vorgekommen, wobei einige Personen verwundet wurden.
Petersburg, 21. April. Nach dem „Reichsanz." aus Koslow ist die Eisenbahnverbindung mit Tambow und Woronesch durch Schneeverwehungen gestört. Unweit Koslow blieb im Schnee ein Personenzug stecken, dessen Passagiere auf Pferden nach Koslow geschafft wurden. Aus Nischny Nowgorod wird ebenfalls starker Schneefall gemeldet, sodaß der Verkehr durch Schlitten wieder ausgenommen werden mußte. Selbst in Sebastopol und in der Krim ist Schnee gefallen.
New-Uork, 20. April. Durch neue Cyklone wurden in Alabama, Mississippi und Arkansas große Verwüstungen angerichtet, zahlreiche Personen wurden getödtet oder verwundet. Die Ernte ist verloren, die Ge- sammtvcrluste belaufen sich auf hunderttausend Dollars. Der Mississippi ist mit Thicrleichen bedeckt. Ein furchtbarer Sturm wüthete ferner am Michigansee; die Wasserwerke von Milwaukee, welche am äußersten Ende des Kanals, etwa eine Meile von dcm See entfernt liegen, wurden von den Wogen fortgerissen. Es ist unmöglich, den Arbeitern Hilfe zu bringen; einige zwanzig von ihnen sind ertrunken, nur einem gelang es, sich zu retten. (Reichsanz.)
Bremen, 21. April. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Weimar" ist gestern in Baltimore angekömmen.
New - Nork, 21. April. Der Postdampfer „Riynland" von der „Red Star Linie" ist von Antwerpen gestern wohlbehalten hier angekommen.
Philadelphia, 20. April. Der Postdampfer „British Prince" von der American Linie in Liverpool ist vorgestern wohlbehalten hier angekommen.
Depeschen-Bnrean „Herold". 21. April, abends 9 ühr:
Deutscher Reichstag.
Eingegangen ist der Gesetzentwurf, betreffend Abwehr von Viehseuchen. Ein Antrag Stadthagen's (Soz.), betreffend Ertheilung der Er--
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