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Die «uzelire Kummer 10 ^j.

Zugletch

Amttiches Hrgan für Stadt- itrtö Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Die l'Afp. Zeil« 15 A

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' Nr. 87. Freitag

* Amtliches.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Kinderstrohhut. Zwei Knabenmützen. Ein Feder­halter. Ein Pfund Malzkaffee. Ein Hundemaulkorb.

Hanau am 14. April 1893.

Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.

In der letzten Zeit sind auf dem alten deutschen Friedhof verschiedene zum Schutz von schmiedeeisernen Kreuzen angebrachte Zinkhüllen entwendet worden, und grobe Beschädigungen an Grabsteinen und Grabkreuzen vorge­kommen. Diese Beschädigungen zeugen von außergewöhnlicher Rohheit und Zerstörungswuth.

Es wir deßhalb darauf aufmerksam gemacht, daß Beschädigungen der beschriebenen Art nach §§. 168, 303 und 304 des Strafgesetzbuchs mit Mk. 1000 Geldstrafe oder mit Gefängniß bis zu zwei bezw drei Jahren bestraft werden. Der Stadtrath hat eine Belohnung von Mk. 25 für Denjenigen ausgesetzt, der den oder die Thäter so zur Anzeige bringt, daß dieselben bestraft werden können.

Hanau am 11. April 1893.

Der Stadtrath :

5097 Heraeus.

Stadtgräben.

Wegen Reinigung und Durchströmunq der Stadtgräben werden die­selben am Montag den 1. Mai d. Js. während des ganzen Tages abgelassen sein.

Ich mache Interessenten mit dem Hinzufügen hieraufaufmerksam, daß dies Ablassen während des ganzen Sommers an jedem ersten Montag eines Monats bis zum Spätherbst stattfinden wird.

Hanau den 5. April 1893.

Der Oberbürgermeister

4723 I. V.: Heraeus.

t Zum Währungsstreite.

Diejenige Waare eignet sich am besten zum Werthmesser für alle übrigen Woaren, b. h. für die Aufgabe des Geldes, die neben den Eigen­schaften der Dauerhaftigkeit und der Bequemlichkeit im Gebrauche die Eigen­schaft besitzt, selbst, als Waare, möglichst geringen Werthschwankungen zu unterliegen. Je weniger ihr Werth gleich bleibt, um so größere und häufigere Veränderungen müssen in der Geldform aller übrigen Waaren, d h der Preise, entstehen. Daß dies ein großer Nachtheil für das wirth- fchaftliche Leben ist, ist eine allgemein anerkannte Wahrheit; in den Ländern, die^ ihre Währung auf ein Metall von stark schwankendem Werthe ge­gründet haben, ist ohne jeden Vortheil für die Produzenten von Waaren, belonders für die ländlichen, die keine Börsenbildung besitzen, ein Objekt . lur die große Spekulation gegeben, die sich alle Vortheile des Steigens und fallens des allgemeinen Werthmessers zu Nutze macht.

* Der Werth von Gold und Silber richtet sich wie der aller neueren Waaren vor Allem nach der größeren oder geringeren Leichtigkeit ihrer Ge­winnung. Der Abg. Leuschner, ein Vorkämpfer für die Doppelwährung sBimetallisijnus), hat kürzlich eine Tabelle für die jährliche Gold- und Silberprodliiktion veröffentlicht, aus der sich Folgendes ergibt: Die Gold- Produktion , war am stärksten nach der Entdeckung der kalifornischen Gold- betrug 1851-1855 199 300 kg, Äs folgende Jahrfünft â 700 kg, allmählich sank sie dann bis zum Jahre 1887, bis die letzte verbkffeite Ausnutzung der australischen und südafrikanischen Minen wieder eine Steigerung der Produktion brachte, die sich aber immer noch mit 181600 kg im Jahre 1890 und 189 900 kg im Jahre 1891 innerhalb «r früher bereits erreichten Menge gehalten hat. Ein ganz anderes Bild oietet die Erntwickelung der Silberproduktion dar. Von Zeitraum zu Zeit­raum, zuletzt von Jahr zu Jahr weist die Produktion ausnahmâloseine

den 14, April 1^93

beträchtliche Erhöhung aus. In den Jahren 185155 betrug sie 886100 kg, 1891 dagegen 4 4 67 600 kg. Die Veränderung im Werthe des Silbers innerhalb der letzten 2030 Jahren beträgt nicht weniger als 40 pCt., wogegen sich der Werth des Goldes nur um kaum 3 pCt. verändert hat. Das vergangene Jahr besonders zeichnete sich durch einen beispiellosen Preis­sturz des Silbers aus. Von 44 Pence im Januar wurde das Metall auf 39 Pence im März in London geworfen, konnte sich im Juni auf 41 ki Pence erholen, mußte dann aber ohne Unterbrechung auf 38 Pence und sogar darunter fallen. Der Rückgang betrug nicht weniger als 14 pCt.

Nun sagen die Bimetallisten zwar, die Schuld an der Silberent- werthung liege nicht in der Massenproduktion, sondern in dem Uebergange großer Länder zur Goldwährung, und die Währungsgesetzgebung dieser Länder brauche nur das Silber als Währungsmetall in ein sestes Ver­hältniß zu Gold zu setzen, um auch dem Silberwerthe die Eigenschaft der Stetigkeit zu verleihen. Aber dieser Zuvei sicht widerspricht schon die ein­fache Thalsache, daß Silber immer mehr zu einem beliebig vermehrbaren Metall geworden ist. Man beachte, was kürzlich der Fachmann Ottomar Haupt ausführte:Die mir aus Australien vorliegenden Mittheilungen gehen dahin, daß in den berühmten Brother Hill-Minen, die 1885 nur 35 000 Unzen erzeugten, im vorigen Jahre über 10 Millionen Unzen zum Durchschnittspreise von 16 Pencen erbeutet wurden. Allein bekanntlich handelt es sich hier eigentlich um Bleiminen, denn Silber wird nur als Nebenerzeugniß gebaut. Dadurch stellten sich die Gestehungskosten dafür 1892 auf elwa 89 Pence. In Kalifornien ist das Verhältniß noch viel günstiger; unlängst wurde eine amerikanische Silberstatistik veröffentlicht, in welcher die Gestehungskosten für Silber in diesem Theil Amerikas mit Nichts eingestellt waren. Es ist bekannt genug zudem, daß die Ent­silberung von Golderzen nur wenige Pence kostet. Wirft sich nun auch Rußland noch auf die Ausbeute neuerschlossener Bleiminen, bei denen, wie gesagt, Silber nur als Nebenertrâgniß betrachtet werden wird, so läßt sich thatsächlich gar nicht absehen, wie weit das immer größer werdende An­gebot den Preis n^d) werfen kann."

Vollends ohne den Beitritt Englands wäre, wie auch Bimetallisten zugeben, von der Doppelwährung der erwünschte Erfolg nicht zu erwarten. England ist aber durchaus nicht geneigt, dazu überzugehen, und man kann es ihm nicht verdenken, wenn man folgende Stelle einer Rede des Premier­ministers Gladstone liest:Habe ich Recht, wenn ich behaupte, daß Festig­keit das wesentliche Erforderniß für ein Zirkulationsmittel ist? Ist das der Fall, so möchte ich wissen, wie Sie das gegenwärtige Zirkulationsmittel, welches unter den schwierigsten Verhältnissen sich in unserem Lande niemals um mehr als 3 oder 4 Prozent verändert hat, dadurch verbessern können, das Sie ihm ein Metall beigesellen, das gegenwärtig bis zur Ausdehnung von 40 Prozent sich verändert hat und für das Diejenigen, welche es mit den günstigsten Augen betrachten, ein weiteres Schwanken von 25 oder 30 Prozent voraussehen. Nehmen Sie an, daß dies Alles durch Fest­stellung eines Werthverhältnisses ins Reine zu bringen ist? An welchem Tage wollen Sie ein solches Verhältniß festsetzen? Und wenn Sie Ihr Verhältniß feststen, welches wird denn da der Stand der Märkte am nächsten Tage sein für die Waaren, für welche Sie ein Verhältniß fest­setzen ? Glauben Sie, daß Jemand, der Geld zu erhalten hat, damit zufrieden sein wird, weniger zu nehmen, weil Sie von Ihrem Gesichts­punkte ausgehend ihm gesagt haben, er solle sich mit einer weniger werth­vollen Waare zufrieden geben, als er erwartete? Ich glaube es nicht. Ich betrachte die aktuellen Thatsachen, welche ich vor mir habe und ich frage: Gibt es irgend einen Zeitraum während der letzten 30 Jahre, da Sie an einem bestimmten Tage durch Gesetz ein Werth Verhältniß zwischen Gold und Silber hätten festsetzen können, und da Sie nicht genöthigt ge­wesen wären, das Verhältniß immer wieder von Neuem zu ändern? Wenn dem so ist, welches soll unsere Währung sein? Sollen wir sie wählen auf Grund ihrer Festigkeit, oder sollen wir sie aus Grund dessen wählen, daß sie unbegrenzter und fortdauernder Veränderung unterworfen werde?"

Ebenso wie England bedarf jeder andere große Kulturstaat eines Mittels für den Waarenaustausch und für die Bezahlung der Arbeit mit der Eigenschaft,daß es morsen sein wird, was es heute ist, und was es morgen ist, auch am nächsten Tage sein wird."