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Nr. 77.

Samstag den 1. April

1893

Ostern-Frükling.

Es geht ein Klingen und Wogen, Ein Rauschen durch die Natur, Nun kommt der Lenz gezogen Durch Auen, Wald und Flur. Er kommt auf W ndesflügeln, In Sturm und Wetterbraus, Er weht von Bergen und Hügeln Die Nebel ins Land hinaus. Osterklänge, Festessânge Tönt der Glocken melodischer Chor Zum ewigen Himmelsdome empor.

And wie die Nebel versinken Zm dunklen Erdenschlund, And sonnige Strahlen erblinken Auf grünendem Thalesgrund,

Da tönt's in Aethers Gefilde Wie himmlischer Gesang, So klar und hell und milde Wie Engelschores Klang:

Aus Todesbanden

Christ ist erstanden, Frühling ist zum Leben erwacht Aus des eisigen Winters Macht.

Und des Frühlings lebend'ge Fluthen, Der Sonne erwärmender Strahl, Entfachen des Lebens Gluthen Auf Erden allzumal.

Des Lenzes Kräfte beleben Das zagende Menschengemüth, Daß geboren zu neuem St, eben Der Hoffnung Blume erblüht.

Preisende Lieder Erschallen wieder Zu des Schöpfers ewigem Thron, Der uns gesendet den göttlichen Sohn.

Es waltet die göttliche Liebe Noch jetzt auf dem Erdenrund, Und des Lenzes grünende Triebe, Sie geben sie heute uns kund. So mag auch in Lenzeswehen Der Krim in der Menschenbrust Zur Nächstenliebe erstehen, Des Guten und Edlen bewußt.

Oitersänge,

Frühlingsklâ ge Schwingen sich heute himmelwärts Tönend aus dankbarem Menschenherz.

Metha H eyden

Ostern 1893.

Ostern, das viel ersehnte und in He fern Jahre früh erschienene Auf- eistehungèfest, es bringt uns diesmal in Wirklichktit seinen vielbesungenen Begleiter, den Frühlina, in sener ganzen Macht und Gewalt. Während die letzten Jahre uns schon daran gewöhnt hatten, Ostern und Frühling als eine zwar gebräuchliche, aber selten genug wirklich in die Erscheinung tretende Zusammenstellung zu betrachten, schwingt sich diesmal auf lauen Windesflügeln der junge Lenz am Osterfeste durch die Lande, vor sich her treibend des Winters letzte Ueberbleibsel und vergeffene Wahrzeichen einer überwundenen Zeit. Wieder lächelt die Sonne auf die aus langem Winter- schlafe erwachende Flur hernieder, wieder schwellen die Bäume und sprießen die Gräser, frei von Banden rieseln die Wellen, die Bäche und Flüffe und frei und leicht hebt sich die Menschenbrust, befreit von beklemmender Bürde. Die Glocken vom Tburme, sie läuten das heilige Osterfest ein und den Frühling. So hat sich denn wieder die Kunde von des befreienden Auf- erstehungsfestes Macht bewährt, wieder hat es seinen siegreichen Einzug gehalten und mit ihm der ersthnte, erwünschte holde Lenz.

Wie sich dereinst aus dem starren Eis und toten Gestein der Früh­ling loslöste und das Leben emporsproß aus der Nacht des Todes, so brach auch dereinst aus dem düsteren Reiche des Heidenthums siegend, gewaltig, eine neue Welt schaffend, eine Welt des Friedens, der Liebe und der Ein­tracht, das Christenthum hervor. Und mit dem Dfieifjte, dem Feste der Auferstelung des EUöstrs aus dunkler Todesnacht, wurde die Rettung des Menschengeschlechtes aus geistiger Umnachtung besiegelt. Auch damals, da gab es wohl einige, die in dem geistigen Winter, der über der Mensch­heit lagerte, nach dem Frühling dürsteten und sich bangen Herzens fragten: Will es denn nienals Frühling werden?" Und der Frühling kam den Wartenden, den Bangenden, den Zagenden und es kam die Erlösung der Menschheit durch den göttlichen Tuloer. Wir aber, denen mit dem heiligen Osterfeste der Frühling naht, wir sind unserem Schöpfer doppelt dankbar, daß er uns in jedem neuen Jahr immer wieder den sichtbaren Beweis seiner Allgüte gibt, daß die verhe ßungèvolle KundeChrist ist erstanden" immer und immer vor unseren Augen in den Geschicken der Menschen ihre Kraft bewährt.

Ein jedes der christlichen Feste hat ja seine hohe sittliche Bedeutung und es ist kaum möglich, einem vor dem anbeien den Vorzug zu geben, »eil eben ein jedes ein wichtiges Glied in dem Bestände des Christenthums Übet. Wenn man aber von der rein äußerlichen Feier der Feste abfleht Mb ihre innerliche Bedeutung betrachtet, leider wird heutzutage viâch |

mehr aus die äußerliche Festivität geachtet, als auf die ursprüngliche Be­deutung des Festes, dann ist unzwe selbst das Osterfest von jeher, jetzt und für alle Zeiten das wichtigste i er ch istlichen Feste. Denn abgesehen davon, daß es gleichsam den siegenden, versöhnenden Abschluß der LZdens- geschichte Christi bildet, abgesehen davon, daß es ganz und gar dazu an­gethan ist, des Menschen Brust mit neuen Hoffnungen, neuen Plänen, neuem Leben zu ersüllen, abgesehen davon, daß es uns den ersehnten Früh­ling bringt, es hat noch eine hohe wichtige Bedeutung für die Zukunft. Gleichwie es vor mehr denn achtzehnhundert I ihren der Roheit, dem Aber­glauben, dem Fanatismus und dem Despotismus nicht gelang, in der Todes grust die Lehre des Christenthums zu ertöten, wie sie im Gegentheil desto siegreicher aus dem Todesgrauen mit des Heilandes Auferstehung das Fild behauptete, so wird auch in alle Ewigkeit kein Zelotismus, keine Frivolität, kein Despotismus und kein noch so schon schillernder Unglaube die reine, hohe, ideale Lehre des Christenthums zu ertöten im'tanbe sein. Und daß dies nimmer geschehen werde, dafür ist uns gleichsam als stets sichtbarer Beweis das Osterfest gegeben.

Mehr denn manch' anderes christliche Fest ist das Osterfest auch das Fest der Familie. Gilt Weihnachten in erster Linie als das Fest der Kleinen, so ist Ostern durch die in die Festzeit fallende Konfirmation das Fest derer, die die Kinderschuhe ausgetreten haben und nun inr Begriffe stehen, in die christliche Gemeinschaft als voll berechtigte, aber auch als voll verpflichtete Mitglieder ausgenommen zu werden. Mit dieser Aufnahme in die christliche Gemeinde ist auch meist der Eintritt in das Lcben verbunden, die Wahl eines Lebensberufes, der Beginn ernster, zielbewußter Arbeit. Nicht allein die Pflicht der Seelsorger, noch mehr die der Famitienhâupter ist es, die jungen Leute, die unerfahren in die Welt und das L.ben hinaus­treten, vorzubereiten und anzuleiten für ihr späteres Dasein, sie vor allem der Menschheit löchstes Gut schützen zu lernen: die Arbeit! Ist doch auch unseres Heiland» s Leben ein thatenreiches, arbeitsvolles gewesen und ist doch die Arbeit das köstlichste Geschenk des Himmels, das uns geworden.

So möge denn auch diesmal das heilige Osterfest, das Auferstrhungs- fest neue Kraft zur Arbeit weckrn, zur Arbeit für die lieben Singet origen und für das AUgemernwrhl, zur rastlosen Thätigkeit auf dem Gebiete, das jtbem angewiesen. Und möge frohe Arbeitslust erstehen, neue Schaff ns- fieudigk.it aus den Tagen des Festes, von denen wir wünschen, daß sie unseren lieben Lesern fein mögen:

Recht frohe Feiertage!