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Nr. 72.
Samstag den 25. März
1893
Amtliches.
Stadtkreis Hanau.
Ausschreiben.
Am 27. Februar l. Js. entfernte sich der unten näher signalistrte Schuhmacher Christian Engel von Gießen unter Umständen aus der elterlichen Wohnung, die darauf schließen lassen, daß er einen Selbstmord begangen, oder doch wenigstens geplant hat.
Es wird um gefällige Nachforschung nach dem Verbleib des re. Engel und um Nachricht hierher gebeten.
Signalement: Mittelgroß, von schmaler Statur, hat dunkelblonde Haare, ohne Bart. Bekleidet war derselbe mit blau und schwarz gestreifter Hose, Rock und Weste braun karrirt, schwarz und weißgestreiftem Hemd, ohne Hemdenkragen und Binde und olne Hut, alten Schnürschuhen ohne Strümpfe. Derselbe ist am 23. August 1875 geboren.
Gießen den 21. März 1893.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen
Fresenius.
Wird veröffentlicht.
Hanau am 22. März 1893.
Königliche Polizeidirektion.
P. 2359. J. A.: Dr. Köhler, Regierunzsassefsor.
In der Nacht vom 19. auf den 20. d. Mts. ist im Main bei Wörth der ledige Schiffer Heinrich Dechent von dort ertrunken.
Die Leiche war bis jetzt nicht aufzufinden. Dechent war 17 Jahre alt, 1,55—1,58 m groß, hatte blonde Haare und ziemlich kräftigen Körperbau und war mit Hose, Hemd und Socken bekleidet.
Falls die Leiche im jenseitigen Bezirk gelândet wird, ersuche ich erge- brüst, hiervon Mittheilung anher zu machen.
Obernburg am 21. März 1893.
Königliches Bezirksamt.
Vorstehendes Ausschreiben wird mit dem Ersuchen veröffentlicht, falls die Leiche des rc. Dechent innerhalb des Stadt- oder Landkreises Hanau aufgefunden werden sollte, sofort mir, als auch dem Königlichen Bezirksamt Obernburg hiervon Anzeige zu erstatten.
Hanau am 23. März 1893.
Königliche Polizeidirektion.
P. 2386. I. A.: Dr. Köhler, Regierungsaffessor.
Landkreis Hanau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Die Maul- und Klauenseuche in Alzenau (Bayern) ist erloschen.
Hanau am 23. März 1893.
Der Königliche Landrath
T 2354. J. V.: Schneider, Kreissekretär.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Der Schreiner Hermann Albert von Großkrotzenburg ist als Todtenbeschauer genannter Gemeinde bestellt und verpflichtet worden.
Hanau am 23. März 1893.
Entlaufen: Ein Fox-Terrier mit schwarz- und weißem Kopfe m. Geschl.
Gesunden: Ein Zigarrenetuis nebst Zigarren und ein Notizbuch. Ein Tritt von einem Veloziped. Eine Brille. Ein schwarzer Glaeähand- Huh (linker).
Verloren: Eine silberne Zylinderuhr mit Sekundenzeiger.
Hanau am 25. März 1893.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. {Realschule zu Kanau.
1. Been n des Schuljahres 1893/94: Montag den 10* April I 1893
JI. Entgegennahme der Anmeldungen, wobei Geburts- und Impf
schein oder Schein über die Wiederimpfung und Bbgangszeugniß vorzulegen sind, am 6., 7. und 8. April, vormittags von 9—12 Uhr, im Geschäftszimmer des Direktors.
III. Aufnahmeprüfung: Montag den 10. April 1893, vormittags 8 Uhr.
Hanau den 21. März 1893.
Der Realschuldirektor
»r. Schmidt. 3997
Kanâelssekule.
Oeffentliche Prüfung:
Montag den 27. März, vormittags von 9—11 Uhr, in der Aula der Realschule.
Hanau den 21. März 1893.
Der Dirigent der Handelsschule
Dr. Schmidt.__ ______ 3998
Mit. Mklbiilhk fortbiiilimgsslhilie,
E r b i e n g a s s e 1.
Zum Besuche der Ausstellung von Schülerarbeiten, welche Sonntag den 26. März von 11 bis 4 Uhr und von Montag den 27. März bis Montag den 3. April täglich von 10 bis 4 Uhr geöffnet sein wird, labet der Unterzeichnete hierdurch ergebenst ein.
Hanau den 24. März 1893.
Thormählen, 4140
Dirigent der gewerbl. Fortbildungsschule.
Tagesschau.
Berlin, 24. März. Der „Reichanzeiger" veröffentlicht: 1) Gesetz zur Ergänzung der Gesetze, betreffend Postdampfschiffsverbindungen mit überseeischen Ländern, vom 6. April 1815 und vom 27. Juni 1887. Vom 20. März 1893. 2) Gesetz, betreffend die Anwendung der für die Einfuhr nach Deutschland vertragsmäßig bestehenden Zollbefreiungen und Zollermäßi ,ungen gegenüber Rumänien und Spanien. Vom 23. März 1893.
Berlin, 24. März. Gestern fand, der „Kreuzztg." zufolge, im Kultusministerium unter dem Vorsitz des Direktors der Medizinalabtheilung, Dr. Bartsch, eine Konferenz von Vertretern der beteiligten Ministerien statt, um Maßregeln für den Fall des Wiederausbruchs der Cholera zu berathen und insbesondere Grundsätze über die zur Abwehr der Seuche etwa erforderlichen Kosten zu vereinbaren.
Berlin, 24. März Vom Beginn des Etatsjahres bis zum Schluß des Monats Februar 1893 haben die Einnahmen der Reichspost- und Telegraphenverwaltung 224 396 980 M. (gegen denselben Zeitraum des Vorjahres + 10 147 147 M.), die Einnahmen der Reichseisenbahn- verwaltung 53 741 000 M. (+ 1 234 000 M.) betragen.
Berlin, 24. März. S. M. Kanonenboot „Iltis", Kommandant Kapitänlieutenant Graf von Baudissin, ist am 23. März dieses Jahres in Shanghai eingetroffen.
Berlin, 24. März. Ahlwardl's Hauptzeuge, auf den er sich im Reichstag gegenüber dem Kriegsminister wiederholt berief in Bezug auf die anglblich von der italienischen Regierung zurückgewiesenen 60 000 Flintenläufe ist der in Dolingen entlassene Buchhalter Scharwächter. Der „Freis. Ztg." wird authentisch mitgetheilt, daß derselbe vor kurzem in B.rlin wegen Diebstäls und Unterschlagung, begangen in seiner Stellung bei der Firma Max Hahn, Berlin, Zimmerstraße 64, zu fünf Wochen Gefängniß verurtheilt worden ist. Wegen Verraths von Geschäftsgeheimnissen (als Spion für eine Konkurrenzfirma, welcher er Briefe mit Bestellungen auslieferte) konnte er nicht' bestraft werden, weil es hiergegen keinen Gestzparagraphen gibt. Weiterhin erschien auf dem Bureau der „Freis. Ztg." unter Namensangabe ein Herr, der mit Scharwächter bis in die letzte Tage zusammen in dem Adreßbureau von Robert Tesmer, Berlin SW., Charlottenstraße 64, gearbeitet hat. Dort hat Scharwächter wiederholt vor ihm und anderen Zeugen geäußert-, daß Ahlwardt's ganze Auslassungen über die Solinger Fabrik vollständig erlogen feien. Er, Schar wächier, habe an der Firma in Solingen einen Racheakt ausüben wollen, weil ihm das Entlassungsz ugwß derselben nicht genügte. Dieser Scharwächter, auf den sich Ahlwardt im Reichstage berief, hat auch bereits lange