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Hanauer Anzeiger.

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Nr. 61.

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Amtliches.

Von beachtenswerther Seite ist darauf hingewiescn worden, daß die auf der Straße feilgehaltenen Mineralwässer, wie Selterser, Sodawasser u. a. m. an die Abnehmer stets eiskalt verabfolgt werden und daß der Genuß so kalten Wassers, welcher schon in normalen Zeiten leicht ernste Verdauungsstörungen von längerer Dauer nach sich ziehe, beim Drohen der Cholera die Neigung zu ähnlichen Erkrankungen befördere.

Im Auftrage des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medifinalangelegenheiten werden daher die Verkäufer von Mineralwässern im Ausschanke hiermit angewiesen, das Getränk fernerhin, gleichviel ob die Cholera droht, oder nicht, nur in einem der Trinkwassertemperatur ent­sprechenden Wärmegrade von etwa 10° Cels abzugeben. Gleichzeitig wird das Publikum vor dem Genusse eiskalter Getränke überhaupt, also auch des zu kalten Biers, insbesondere aber der Mineralwasser gewarnt.

Cassel am 17. Oktober 1892.

Der Regierungspräsident.

J. V.: v. Pawel.

Stadtkreis Hanau.

Nachstehende Bekanntmachung wird hiermit veröffentlicht.

Hanau am 8. März 1893.

Königliche Polizeidirektion.

P. 2006. J. A.: Dr. Köhler, Regierungsassessor.

Bekanntmachung.

Am 5. l. Mts. wurde in dem Ellerstadter Walde die Leiche eines etwa 30 Jahre alten unbekannten Mannes, der wie folgt beschrieben wird, an einem Baum erhängt aufgefunden: 1,70 m groß, blonde Haare, grau­blaue Augen, spitze Nase, rothblonder, nicht kräftiger Schnurrbart, gekleidet mit blauem Cheviot Sackrock und Weste, braun-, grau- und blaugestreiften Hosen, grauer Unterjacke und Unterhosen, roth und blaugestreiftem Oxkord- hemd, grauem, weichem Filzhut, trug Leibriemen statt Hosenträger, Halb­schuhe, ein Taschentuch gez.J. S.

Man bittet, etwaige zur Feststellung der Persönlichkeit dienende Mit­theilung baldigst anher gelangen zu lassen.

Darmstadt, 7. März 1893.

Großherz0jliches Polizeiamt.

F e Y.

Bekanntmachung.

Das Ausschreiben vom 17. o. MtS. P. 1422Hanauer Anzeiger" Nr. 42, betreffend das Ausfi! den der Leiche des ertrunkenen Bauernsohnes Siegfried Giegerich von Eiserbach, Bezirksamt Obernburg, ist erledigt.

Hanau am 9. März 1893.

Königliche Polizeidirektion.

P. 2005. J. A.: Dr. Köhler, Regierungsassessor.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Vom Wasenmeister eingesangen: Drei schwarze Hofhunde m. Geschl.

Verloren: Eine goldene Damen-Zylinderuhr mit Reisekettchen (in der Nähe der Station Pulverfabrik.

Gefunden: Eine schwarze Schürze. Ein Hundemaulkorb.

Hanau am 13. März 1893.

Stadtkreis Hanau.

Vekanulmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Unter Bezugnahme auf die staenäthliche Bekanntmachung vom 5. Juli ». Js. bringe ich hierdurch zur Kenntniß, baß außer in den am 20. Juli ®. Js. veröffentlichten Straßen zur Zeit in folgend-» Straßen die städti­schen Siele betriebsfähig fertiggestellt sind und vom 15. März ab Hausanschlüsse an dieselben siatlfinben können:

1) Altgasse, 2) Bogenstraße, 3) Fischergafse, 4) Französische Allee

Montag den 13. März

1893

(Ostseite), 5) Französische Allee (Nordseite), 6) Gärtnergasse, 7) Hain­gasse, 8) Herrngasse, 9) Heumarkt, 10) In den türkischen Gärten, 11) Kanalthor, 12) Kanaltborplatz, 13 > Kinzigstraße, 14) Kleinegasse, 15) Kiämerstraße, 16) Lothringergasse, 17) Marktplatz (nördl. Seite), 18) Marktplatz (südl. Seite), 19) Neue Anlage (zwischen Bebraer Bahnhofstr. und Nürnbergerthor), 20) Nutzall e, 21) Nürnbergerstraße, 22) Nürn­berger thor, 23) Nordstraße, 24) Poradeplatz (südl. Seite), 25) Nebengasse (Neustadt), 26) Rosenstraße , 27) Römerstraße , 28) Sterngasse, 29) Webergasse, 30) Wilhelmstraße.

Hanau am 3. März 1893.

Der Oberbürgermeister

I. V.: Heraeus. 3113

Höhere Töchterschule.

Anmeldungen für das neue Schuljahr werden vormittags von 10 bis 12 Uhr im Schulgebäude, Steiuleimerstraße 37, entgegengenommen. Hierbei sind die Geburts- ut d Impfscheine vorzulegen.

Die Anstalt ist für zehn Schuljahre eingerichtet und enthält zehn aufsteigende Stufenklassen mit einjährigen Lehrkursen.

In die unterste Klasse werden in der Regel nur diejenigen Kinder aus­genommen, w-lche 6 Jahre alt sind oder das 6. Jahr bis zum 1. Juli vollenden. Es können jedoch auch Kinder, welche dieses Lebensalter bis Ende September erreichen, sofern sie in körperlicher und geistiger Beziehung zum Schulbesuche reif erscheinen, Aufnahme finden.

Hanau den 4. März 1893. 3028

Der Schuldirektor

Junghenn.

t Das Kohlensyndikat

Mit dem 1. März hat sich im Ruhrgebiet eine Kohlenverkaufs­vereinigung einSyndikat" von Kohlenzechen gebildet, welches den Zrmck hat, die Produktion von Kohlen dem Bedarf entsprechend auszudehnen o^er zu beschränken, sowie den Preis der Kohlen für die Gesammtheit der Werke festznstellen und nach Umständen zu erhöhen, und so einerseits dem Sinken der Kohlenpreise emgegenzutreten, anderseits dem Wettkampf unter den Kohlenzechen, der oft dahin geführt hat, daß sie sich, um Bestellungen heranzuziehen, im Preise unterbieten, ein Ende zu bereiten; fortan soll jede Zeche Aufträge, die sie erhält, der Veikaufsvereinigung (demSyndikat") übergeben, nicht aber selbst zur Ausführung bringen.

Dieser Zusammenschluß ist eines der größten wirthschaftlichen Ereig­nisse der letzten Zeit und hat daher auch in den Berathungen des Abge­ordnetenhauses bei dem Etat der Bergwe kverwaltung Beachtung gefunden. Von der einen Seite wurde diese Syndikatsbildung als für alle Kohlen­konsumenten, und so auch insbesondere für die Eisenbahnverwaltung, nach­theilig und schädlich bezeichnet, auf der anderen Seite erblickte man darin ein nothwendiges und geeignetes Mittel, um der Ueber Produktion, den Schleuderpreisen und somit auch den alsdann nothwendigerweise folgende» Hungerlöhnen der Arbriter einen Damm cntgegenzustcllen.

Von den Kohlenpreisen hängt das Wohl und Wehe der deutschen Industrie ab. Sim die Kohlenpreise hoch, so erhöhen sich die Arbeitslöhne im Kohlenreviere und der Zuzug von Arbeitern nach dem Westen steigert sich; die weitere Folge davon ist, daß sich die Produktionskosten der ver­schiedenen Jndustrnn vermehren: denn sie müssen die Kohlen theuer bezahlen. Sind die Kohlenpreise niedrig, so sinken die Arbeitslöhne und die Industrie kann billger prokuziren. Gewiß wäre eine billige Produktion in gewissem Sinne der erwünschteste Zustand; aber seine Folgen würden doch von großem Nachtheil sein, weil die Bergarbeiter in ihrem Lebenssta de stark herunterge rückt würden; die soziale Unzufriedenheit würde sich schließlich in einer die Industrie wie die Gesellschaft überhaupt bedrohlichen Weise geltend machen. Das richtige Mittel zu finden, um wicht nur Produktion und Bedarf in Einklang zu binnen, sondern auch die Preise so festzustellen, daß die Kohlenzechen ihre Kapitalsairlage verständig verzinsen, ihre Arbeiter angennsfin bezahlen und die Jndnstiie doch nicht geschädigt wird, ist überaus schwierig. Ein Mittel hierzu kann ein Zusammenschluß der Kohlenzechen zum Zweck eines gemeinsamen Verkaufs bilden. Die Frage ist nur die,