, Die Anstalt ist für zehn Schuljahre eingerichtet und enthält zehn aussteigende Stufenklassen mit einjährigen Lehrkursen.
In die unterste Klasse werden in der Regel nur diejenigen Kinder ausgenommen, welche 6 Jahre alt sind oder das 6. Jahr bis zum 1. Juli vollenden. Es können jedoch auch Kinder, welche dieses Lebensalter bis Ende September erreichen, sofern sie in körperlicher und geistiger Beziehung zum Schulbesuche reif erscheinen, Aufnahme finden.
Hanau den 4. März 1893. 3028
Der Schuldirektor
___________________Jnnghenn.
Tagesschau.
Berlin, 7. März. Seine Majestät der Kaiser und König empfingen heute Vormittag um 10 Uhr den Ches des Militärkabinets zum Vortrage und nahmen um 1 Uhr militärische Meldungen entgegen.
Berlin, 7. März. Der französische Staatsangehörige Herr Pierre Ramoneuc hat in edelmüthiger Weise ein Vermâchtniß von 300 000 Fr. für die Kinder aller derjenigen französischen oder ausländischen Arbeiter- oder Aufseher (Vorarbeiter, chefs d’équipe) ausgesetzt, die in der Zeit zwischen dem 3. Februar 1887 und dem 3. Februar 1890 an den Folgen eines ihnen in dem gleichen Zeitraum in französischen oder algerischen Bergwerken zugestoßenen Unfalls verstorben sind. Einzige Bedingung hierbei ist, daß diese Kinder, sie mögen männlichen oder weiblichen Geschlechts sein, am 3. Februar 1890 das Alter von fünfzehn Jahren noch nicht überschritten hatten und in rechtmäßiger Ehe geboren oder wenn sie unehelich sind, vom Vater ausdrücklich anerkannt sein müssen. Alle weiteren Ausschlüsse werden den in Deutschland lebenden Betheiligten vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Paris oder von der Kanzlei der Französischen Botschaft in Berlin, Pariser Platz, ertheilt werden. (Reichsanz.)
Berlin, 7. März. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Auf der Dresdener Sanitätskonferenz werde beabsichtigt, im Hinblick auf die schweren Schädigungen, welche das gesammte wirthschaftliche Leben in Deutschland und in anderen Ländern durch die in einzelnen Staaten anläßlich der vor- fährigen Epidemie ergangenen weitgehenden verschiedenartigen Verkehrsbe- schränkungen erlitten hat, zukünftig bestimmte Grenzen zu vereinbaren, über welche bei den zur Abwehr der Cholera zu ergreifenden Maßnahmen allerseits nicht hinauszugehen sei.
Aachen, 7. März. In der Grube „Langenberg" im Wurmrevier wurden infolge Wasserbruchs ein Bergschüler und ein Bergmann 120 Meter in die Tiefe geschleudert. Sie waren sofort todt. (Fr. N.)
Wien, 7. März. Im Abgeordnetenhause legte der Handelsminister die mit Rumänien abgeschlossene Markenschutzkonvention vor. — Die „Polit. Korresp." meldet aus Konstantinopel: Der Sultan verlieh Caprivi den Stern des Omanieordens in Brillanten. (Fr. N.)
Wien, 6. März. Heute Mittag fand hier das erste diesjährige Gewitter mit heftigen Blitzen nnd Donnerschlägen statt.
Rom, 7. März. Die Journale fahren fort, sich mit der Meldung der Theilnahme des deutschen Kaisers und der Kaiserin an der Silberhochzeit des Königspaares zu beschäftigen; auch die Provinzblätter besprechen die Nachricht sympathisch. (Fr. N.)
Paris, 7. März. Der Ertrag der indirekten Steuern im Monat Februar ergab, nach den „Fr. N.", eine Mindereinnahme von 5,746,800 gegenüber dem Budgetvoranschlag und eine Mindereinnahme von 9,648,900 gegenüber der Einnahme im Februar 1892. Die Mindereinnahmen gegenüber dem Voranschlag des Budgets kamen namentlich bei den Zolleinnahmen mit 2,647,000 und bei der Zuckersteuer mit 3,672,000 Francs vor.
Bremen, 7. März. Der Dampfer des Norddeutschen Lltyd „Hohenstaufen" ist gestern in Genua und der Dampfer „Neckar" vorgestern in Hongkong eingetroffen.
Trieft, 6. März. Der Lloyddampfer „Pandora" ist, aus Konstantinopel kommend, gestern Nachmittag hier eingetroffen.
New York, 5. März. Der Dampfer „Obdam" der Niederländisch-Amerikanischen Packetfahrt-Aktiengefellschast in Rotterdam ist wohlbehalten hier eingetroffen.
Depeschen-Bnrean „Herold".
7. März, abends 9 Uhr:
Deutscher Reichstag.
Zweite Lesung des Marineetats. Kapitel 45 wird ohne Debatte bewilligt.
Zu Kapitel 46 Titel 1 „Staatssekretär" klagt Henk (kons.) über die Erkaltung des Eifers für den Ausbau der Marine. Man solle den Werth einer Flotte für den Krieg nicht unterschätzen und die geforderten Neubauten bewilligen.
Die Kapitel 46 bis 51 Titel 1 bis 7 werden bewilligt.
Von Kapitel 51 Titel 8 Matrosenartillerie-Abtheilungen beantragte die Kommission 50 000 M. zu streichen.
Es liegt ein Antrag des Abg. Hahn auf Bewilligung der ganzen Summe vor.
Staatssekretär des Reichsmarineamts Hollmann begründet und befürwortet die Position mit dem Hinweise auf die Sicherheit des Reiches
und die Unzulänglichkeit der jetzigen Befestigungs- und Vertheibigungsmittel von Kuxhaven und betont, blos Marinesoldaten seien zur Vertheidigung des Punktes geeignet. Er bittet um Bewilligung der Mehrforderung.
Die Abgg. Henk (kons.), Scipio (natl.) und Lingens (Zentrum) unterstützen den Staatssekretär in der Bitte um Bewilligung. Die Position wird unverkürzt bewilligt, ebenso wird Kapitel 51 angenommen.
Zu dem Kapitel 52, Betrieb der Flotte, gibt Abg. Hammacher (natl.) eine Darstellung der Kohlenankaufsangelegenheit der Marine und vertheidigt die Loyalität der westfälischen Kohlenbesitzer. Er hofft, daß künftig die deutschen Interessenten den Vorzug erhalten.
Staatssekretär Hollmann tritt für die unveränderte Bewilligung des Kapitels ein und geht sodann des näheren auf die Kohlenankaufs- ? angelegenheit der Marine ein.
Abg. Bebel billigt das Verhalten der Marineverwaltung und greift heftig das neue Kohlensyndikat an.
Die Kapitel 52 bis 59 werden bewilligt. Bei Kapitel 60 bezeichnet
Abg. Hirsch (freist) die Marineverwaltung als diejenige Staatsanstalt, wo die Interessen der Arbeiter am meisten berücksichtigt werden.
Die Kapitel 60 bis 64 werden genehmigt.
Gras B a l l e st r e m beantragt auf die morgige Tagesordnung Initiativanträge zu setzen, nicht den Marineetat.
Bei der Abstimmung darüber ergibt sich die Beschlußunfähigkeit des Hauses.
Nächste Sitzung Mittwoch. Marineetat.
Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Tagesordnung: Ansiedelungsetat. Hierzu liegt ein Antrag des Abg. Czarlinski (Pole) vor, welcher die Regierung bittet, möglichst bald eine Vorlage zur Beseitigung des Ansiedelungsgesetzes dem Landtage vor- • zulegen. Die Budgetkommission beantragt, den Ansiedelungsetat unverändert zu genehmigen.
Abg. Czarlinski (Pole) begründet seinen Antrag und bittet den Antrag der Polen anzunehmen.
Abg. Sombart (natl.) erörtert die Wirkung des Gesetzes in wirthschaftlicher und sozialer Beziehung und findet, daß es in beiden Richtungen günstig gewirkt habe.
Minister v. Heyden stimmt dem Vorredner zu und bemerkt, bei dem Ankauf von Gütern finde keine Rücksicht auf die Nationalität des Besitzers statt. Maßgebend sei allein die Preiswürdigkeit des Gutes. >
Abg. Rickert (freist) stimmt dem Polenantrage zu.
Ministerpräsident v. Eulenburg: Daß ein Kampf zwischen der polnischen und deutschen Bevölkerung in gewissen Gegenden besteht, sei unbestreitbar. Unsere Pflicht sei es, die Polen auf ihre ursprüngliche Machtsphäre zu beschränken. Er hofft auf die Ablehnung des Antrages.
Abg. Seer (natl.) billigt das Gesetz.
Abg. B r o d n i ck i (Pole) sucht die wirthschaftlich und sozialpolitisch nachtheilige Wirkung des Gesetzes durch die Menge der Einzelfälle aus der Thätigkeit der Änsiedlungskommission zu beweisen.
Rezierungskommissar W i l m o w s k i bestreitet gegenüber dem Vorredner, daß die Ansiedelungskommission rücksichtslos vorgegangen sei.
Abg. v. Tiedemann (freit) behauptet, von einer Erbitterung der Polen infolge des Gesetzes sei keine Rede.
Abg. Bachem (Zentrum) stimmt für den Polenantrag.
Nach den Ausführungen der Abgg. v. Erffa (kons.), von Zedlitz ' (freit.) und Knebel (natl.) wird der Antrag Czarlinski gegen das Zentrum, die Freisinnigen und die Polen abgelehut und der Ansiedelungsetat be- f willigt. Ebenso wird das Etatsgesetz, das Ergänzungsgesetz und die Vorlage, betreffend Aufhebung der Frankfurter Medizinalordnung, in erster und zweiter Lesung genehmigt.
Bei der Berathung der Denkschrift über den Bau von Wasserstraßen stellt Schöller (freit.) den Antrag, bei der künftigen Denkschrift eine Uebersicht von der Regierung zu fordern über die vollendeten und noch zu vollendenden Wasserbauten, soweit dieselben bewilligt sind. Der Antrag wird angenommen und die Denkschrift für erledigt erklärt.
Mittwoch dritte Lesung des Etats.
Berlin, 7. März. Am kommenden Donnerstag, dem Todestage Kaiser Wilhelm L, findet in der Garnisonskirche eine religiös-musikalische Gedächtnißfeier statt, welcher zahlreiche hohe Herrschaften und Militärs beiwohnen werden. , '
Berlin, 7. März. Die Militärkommission befaßte sich heute mit der in der Vorlage verlangten Verstärkung der bestehenden Bataillone. Hinze hat sich im Prinzip für die Verstärkung der Bataillone an der Ostgrenze ausgesprochen (dieselbe soll insgesammt 4000 Mann betragen), ohne sich in seiner Stellung zur Gesammtstärke binden zu wollen. Richter be- merkte sehr heftig, darin liege wieder ein Angebot auf die Erhöhung der Präsenzstärke, welche die Freisinnigen nur im geringsten Maße bewilligen. ,
Berlin, 7. März. Vor dem Bezirksausschuß fand heute die Klage- ' fache wegen der Aufführung von Gerhart Hauptmann's Schauspiel „Die