Einzelbild herunterladen
 

Abonnements-

Preis:

Jährlich 9 «M Halbj.4â0^.

Vierteljährlich 2 ^ 25 -4.

Für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag.

Die einzelne Nummer 10 ^Z.

amuer Ameiaer.

Zugleich

ArnMches Ärgern für Staöt- und Larrökveis Kancru.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Znsertrons-

Preis:

Die ispaltige Garmondzeile oder deren Raum

10 A

Die 1'/-sp. Zeile 15 A

Die 2spalt. Zeile 20 A

Die 8spalt. Zeile 30 A

Nr. 53.

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

Aasschreiben.

Ein Unbekannter, etwa 36 bis 40 Jahre alt, ca. 1,70 m groß, von schlanker Gestalt mit dunklen Haaren, dunklem Schuurbort, jetzt vielleicht bartlos, blossem abgelebtem Gesicht, scharf geschnittenen G-sichts- zügen, sicherem gewandtem Auftreten, bekleidet mit dunklem gutem Ueber- zieher, schwarzem steifem niedrigem Filzhut, dunklen Glc^Handschuhen, an der rechten Hand einen anscheinend goldenen Ring mit rothem Stein, sprach fremden, bayerischen, auch schwäbischen Dialekt, miethete sich gestern Nach­mittag unter dem Namen Kaufmann Eduard Lautenschläger, geb. am 1./3. 18 5 7 zu Regensburg, hier ein, wohnte auch die ver­flossene Nacht in der gemietheten Wohnung, begab sich heute Vormittag zu einem hiesigen Juwelier, suchte dortselbst goldene Damenuhrketten aus und veranlaßte denselben, unter dem Vorgehen, seiner Frau ein Geschenk machen zu wollen, mit ihm in seine Wohnung zu gehen. Dortselbst angekommen, ließ sich der Unbekannte die 6 Uhrketten geben, um dieselben angeblich sei­ner Frau im Schlafzimmer vorlegcn zu können, ging auch in die Neben­stube und verschwand unter Mitnahme der 6 Udrketten. In der innege­habten Wohnung ließ der Unbekannte 4 Geschâftèempfehlungskarten der Firma Flora Guggenheim zu Frankfurt a. M., Bibergasse 3 nächst dem Schillerplatz, zurück.

Die Uhrketten sind drei-, zwei- und einreihig, theils von matt, theils von glanzgold mit Quasten und haben einen Werth von 218 Mark.

Der Unbekannte ist zweifelsohne identisch mit dem in Stück 7626 des König!. Preuß. Zentr. Polizeiblatts vom 22. Februar 1893 unter Nr. 94 von dem Großherzoglichen ersten Staatsanwalt zu Karlsruhe ausgeschrie­benen angeblichen Hugo Diepold, sowie mit dem unterm 26. Februar 1893 von dem Großherzogl. Polizeiamt Darmstadt ausgeschriebenen angeb­lichen Zahntechniker Reinhold.

Um geeignete Verständigung der Juweliere, Umfrage in Leihanstalten, bei Rückkaufshändlern rc, Fahndung nach dem Unbekannten, Festnahme im Betretungsfalle und Nachricht anher wird ergebenst ersucht.

Hanau am 1. März 1893.

Königliche Polizeidirektion.

P. 1744. v. Oertzen.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Verloren: Ein arithmetisches Rechenbuch von Hackelmann. Ein Loosungèschein, Legilimationèkarte, Ortskrankmkassenbuch tc., auf den Na­menAugust Ullrich" lautend.

Gefunden: Ein Paar weiße Damenhandschuhe mit der Inschrift: Wörner, Weißbinder." Von der Post: eine Briefmarke.

Hanau am 3. März 1893.

Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Mit Rücksicht auf den Geschäftsgang des Stadtbauamtes wird wie­derholt zur allgemeinen Kenntniß gebrockt, daß die bei dem Stadtbauamt unentgeldlich zu erhaltenden Formulare für Nachnnise über Entleerung und Abfuhr des Inhaltes der Abtritlsgruben ebenso wie die diesseitigen Ein- willsiungen zu Pflasteraufblüchen auf den Bürgersteigen behufs Aufstellung von Gerüsten nur in den Vormittagsstunden von 10 bis 12 Uhr verab­folgt werden.

Hanau am 28. Februar 1893.

Der Oberbürgermeister

2935 I. V.: H er aeus.

Okffenttilke Sijung dfs Omkmlle-âli8slkujse8

Freitag den 3. März 1893, nachmittags 5 Uhr.

Berathungsgegenstände:

1. Geschäftliche Mittheilungen.

2. Mittbeilung über die Sterblickkeit in Hanau 1892.

3. Vermiethung im Schloß für eine Postfiliale.

Freitag den 3. März

1893

t Anzeichen wirthschaftlichen Aufschwungs.

Das Wirthschaitsjahr 1892 hat manche ungünstige Erscheinung zu Tage treten lassen. Namentlich hatten wir eine stark vermehrte Einfuhr neben einer Verminderung der Ausfuhr ge enüber dem Vorjahr. Nach den vorläufigen Werthberecknungen steigerte sich die Einfuhr von 4 403 auf auf 4 463 Millionen Mark, also um etwa 60 Millionen Mark, während die Ausfuhr von 3 340 auf 3 328 Millionen Mark, also um 12 Millionen Mark zurückging. Auch die Handelskammerberichte sprechen sich über Ge­staltung der wirthschaftlichen Verhältnisse nicht günstig aus. Diese und ähnliche Merkzeichen werden aber gar zu leicht als feststehende Beweise hin- geworfen und selbst dann noch verwerthet und festgehalten, wenn sich in den Verhältnissen schon längst ein Umschwung wahrnchmen läßt.

Daß die ungünstige Beurtheilung der Verhältnisse während des ver­gangenen Jahres nicht vollständig zutreffend ist, ergibt sich aus dem schon von dem Staatssekretär des Auswärtigen neulich hervorgehobenen Umstand, daß allerdings die Mehreinfuhr gegenüber dem vorhergegangenen Jahre stark war, daß aber die Mehreinfuhr im Betrage von 166 Millionen Mark auf Rohstoffe fiel, während sich die Einfuhr von Fabrikaten um 65 Millionen Mark gemintert hat. Eine vermehrte Einfuhr von Rohstoffen ist aber kein ungünstiges Zeichen; sie beweist vielmehr die gesteigerte Fabrikations- und Konsumtionsfätigkeit im eigenen Lande, während die verminderte Fabrikat­einfuhr einen Rückgang in der Konkurrenz des Auslandes mit unserer Fabrikationèihätigkeit bedeutet.

Wie dem nun aber auch sei, so liegen genügend deutliche Anzeichen vor, daß, wenn das Jahr 1892 in seiner Gesammtheit wirtbschafilich un­günstige Ergtbnisse auszuweisen hatte, doch in seinem letzten Theile sich ein Umschwung und Aufsckwung ang-.bahnt hat, der im Januar 1893 sogar noch weitere Fortschritte gemacht hat. In den letzten beiden Monaten des Jahres 1892 hat sich die Ausfuhr erh blich gesteigert, im November von 18,9 auf 19,2 und im Dezember von 16,4 auf 17,6 Millionen Mark; ein Stillstand der Einfuhr ist wenigstens für den Dezember sestzustcllen: von 23,3 auf 23,2 Millionen Mark. Andere Zeichen bestätigen die hieraus zu ziehenden günstigen Schlüsse: so hat sich der Versandt von Steinkohlen von der Ruhr und von Oberschlesien seit dem Monat November zu einer außerordentlichen, die gleiche Zeit des Vorjahres weit hinten sich zurücklasien- den Höhe ei hoben, welche auf eine gt steigerte Thätigkeit der Industrie hinweist; insbesondere hat sich der Versandt aus Oberschlesien im November stark vermehrt.

Für den Monat Januar dieses Jahres hat die Besserung, die sich in den Ein- und Ausfuhrverhältnissen im November und Dezember zeigte, angehalten. Liegen hierüber auch noch keine Werthberechnun .cn vor, so zeigen die Ziffern der ein- und ausgeführten Mengen doch zur Genüge, daß wir uns in stetig aufstZgender Richtung bewegen. So ist die Ein­fuhr im Januar d. J. gegen den gleichen Monat des Vorjahres um mehr als 700 000 Kilogramm zurückgebluben; namentlich begründet sich dieser Rückgang auf die verminderte Einfuhr von Weizen und Roggen; auf der anderen Seite hat aber was ein günstiges Zeichen ist die Einfuhr von Fabrikationsrohstcffen (Baumwolle, Flachs, Rohseide) sehr stark zuge- genommen. Die Ausfuhr hat sich insgesammt von 13,1 im Januar 1892 auf 13,7 im Januar dieses Jahres, also um etwa 600 000 Kilo­gramm gehoben, und zwar fällt die Zunnahme des Exports insbesondere auf Sprit und Rohzucker; die Zuckerausfuhr hob sich von 167 auf 243 Doppelzentner.

Wir wissen sehr wohl, daß alle diese Zahlen noch nicht als ein vollgülti er Beweis vollständig veränderter wirthschaftlichen Verhältnisse an- zusehm sind. Aber sie genügen, um es als ungerechtfertigt erscheinen zu lassen, daß jetzt immer noch die Vorstellungen von dem Doniederliegen aller wirtschaftlichen Verhaltn sie aufrecht erhalten werden. Wenn diese Verhältnisse immer noch als ein Beweis für die Unmögl chkeit verstärkter Ausgaben für das Heerw sm angeführt werden, so ist es geboten, die Thatsache festzustcllen, daß Anzeichen eines wirthschaftlichn Um- und Auf­schwungs vorhanden sind, die die für die angebliche Leistungs! wähigkeit vorgebrachten Einwände erst recht nicht als stick haltig erscheinen l ss n.

Tagesschau.

Berlin, 2. Mär z. Seine Majestät der Kaiser und König nahmen