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M. 46.
Amtliches.
Landkreis Hanau. Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes. ?
Bekanntmachung.
Mit dem Ende des Jahres 1892 haben sich folgende eingeschriebene Hülfskaffen des Kreises aufgelöst:
a) Krankenuuterstützungs- und Beerdigungskasse in Langendiebach,
b) Krankenunterstützungskasse in Mittelbuchen,
c) Lokalkrankenunterstützungskasse in Niederrodenbach,
d) Krankenunterstützungskasfe in Ravolzhausen,
e) Allgemeine Krankenunterstützungskasse in Rückingen,
f) Arbeit er-Krankenunterflützungskasse daselbst.
Insoweit die versicherungspflichtigen seilherigen Mitglieder einer dieser Kassen nicht zugleich Mitglieder einer den gesetzlichen Anforderungen entsprechenden anderen Hülfskasse sind, haben die Arbeitgeber die Pflicht, dieselben binnen drei Tagen bei der Ortskrankenkasse des Beschäftigungsortes anzumelden. Unterlassung der Anmeldung zieht Geldstrafen bis zu 20 M. nach sich. Außerdem haben Arbeitgeber, welche ihrer Anmeldepflicht vorsätzlich oder fahrlässiger Weise nicht genügen, alle Aufwendungen zu erstatten, welche die Kasse zur Unterstützung einer vor der Anmeldung erkrankten Person auf Grund des Statuts gemacht hat.
Hanau den 21. Februar 1893. " V. 1328
Der Königliche Landrath von Oertzen.
Nach Mittheilung des Großherzoglich Hessischen Kceisamts zu Bü- ) dingen ist zu Hof Marienborn und Eckartshausen die Maul- und Klauenseuche festgestellt und Gehöftsperre angcordnet worden.
Hanau am 19. Februar 1893.
Der Königliche Landrath
T. 1259 v. Oertzen.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Abhanden gekommen: Ein hirschbrauner Dachshund mit kleinem weißen Fleck vor der Brust und an einer Pfote etwas weiß, m. Geschl.
Verloren: Ein schwarzer Kinder-Pelzkragen. Am 22. d. Mts.: eine kleine tuchene schwarze Knabenhose mit blau und weißem Bund. Am 22. d. Mts.: zwei Mailänder 10 Frcs.-Loose Nrn. 6054/23 und 3611/19, ein Pappenheimer 7 fl.-Loos Nr. 3382/18, ein Venetianer 30 Lire Loos Nr. 11686/15.
Gesunden: Ein leeres Portemonnaie. Ein braunes emaillirtes Armband mit Goldreif. Ein silbernes Kettchen mit Herz.
Hanau am 23. Februar 1893.
t Der Bund der Landwirthe.
Am 18. Februar ist in Berlin der Bund der Landwirthe begründet Worden, nachdem die große Bewegung, die sich für den Gedanken einer besonderen, nicht auf eine bestimmte Parteirichtung gegründeten Organisation gezeigt hatte, dem von einigen Seiten beabsichtigten Anschluß an eine der bestehenden landwirthschaftlichen Vereinigungen hindernd in den Weg getreten war. Berlin hat kaum jemals eine von auswärts so zahlreich besuchte Versammlung gesehen, als die der Landwirthe auf Tivoli. Kein Saal der Reichshaupt- f float war groß genug, die Tausende, die aus allen Theilen des Reichs, I lesonders aus den östlichen Provinzen, herbeigcströmt waren, auf ein I zu fassen; es mußten mehrere Versammlungen hintereinander abgehalten werden.
Das einstimmig beschlossene Programm stellt elf Forderungen auf, darunter: genügender Zollschutz, Schonung des landwirlhschaftlichen Belches in der Besteuerung, Absperrung der Vieheinsuhr aus seuchenverdäch- llgen Ländern, Doppelwährung, Landwirthschaftskammern, Aenderung der Msetze über den Unterstützungswohnsitz und die Freizügigkeit, innere Ko- lomsation, schärfere Aufsicht über die Börse, Heimstättenrecht. Verschiedene dieser Forderungen sind bereits verwirklicht oder im Begriff, es zu werden, so die über die Ansiedlung von Kleinbauern und Arbeitern, Entlastung in ser (§teuer, Börsenreform; andere sind streitig und werden immer streitig leiben, so die Frage, wann der Zollschutz anfängt, genügend zu sein; «nige werden der Landwirthschaft nichts helfen oder sie widersprechen den
Donnerstag den 23. Februar
1893
allgemeinen Interessen, wie das Verlangen nach Doppelwährung. Be- I thätigen soll sich der neue Bund namentlich bei den Parlamentswahlen; | nur solche Vertreter sollen gewählt werden, die die Forderung des Bundes anerkennen und in den Parlamenten ohne Rücksicht auf Fraktionspolitik mit den Gleichgesinnten eine wirthschaftliche Vereinigung bilden/
Auch der Verlauf der Versammlung bewies, daß die agrarische Bewegung sehr tief geht. Wie Niemand den Landwirthen das Recht bestreiten kann, sich eine Organisation zu schaffen und mit dieser auf die wirksame Vertretung ihrer Interessen in den Parlamenten hinzuwirken, so muß auch anerkannt werden, daß in den neusten Reden ein warmer patriotischer Grundton angeschlagen und mit Begeisterung für Kaiser und Reich eingetreten wurde. In einer Resolution hat sich der neue Bund auch zu jedem Opfer bereit erklärt, das für eine den Frieden schützende starke Militärmacht verlangt werde. Gleichwohl sollte keiner ter Theilnehmer die Warnungen, die der Reichskanzler Tags zuvor im Reichstage ausgesprochen hatte, leicht nehmen oder für gegenstandslos halten.
Mehrfach wurde unter großem Beifall ausgeführt, die Landwirthschaft sei bisher nur Ambos gewesen, sie wolle jetzt Hammer sein. Man braucht die Worte in solchen immerhin erregten Versammlungen nicht auf die Goldwage zu legen. Aber bei einer Gesetzgebung, die den Zollschutz der landwirthschaftlichen Produkte dem Werthe nach viel weiter ausgedehnt hat als den Zollschutz irgend eines anderen großen Erwerbszweizs, die gegenüber den landwirthschaftlichen Gewerben, Spiritusbrennerei und Zuckerindustrie, in der indirekten Besteuerung mit der größten Schonung verfahren und deshalb von freisinniger Seite mit dem Vorwurf von Millionengeschenken und Prämienwirthschaft bedacht worden ist, die ferner sich bestrebt, die innere Kolonisation zu fördern, die endlich mit dem Erlaß der staatlichen Grundsteuer umgeht — bei einer solchen Gesetzgebung ist es doch eine starke Behauptung, daß die Landwirthsch^ft bisher Ambos in unserm politischen Leben gewesen sei. Die Landwirthe werden niemals vergessen dürfen, daß Reich und Staat nicht ausschließlich für die Laudwirthschaft da sind, daß Reich und Staat noch andere Erwerbs- und Besitzinteressen zu schützen und vor Allem auch ideale Interessen zu vertreten haben, und schon die mannigfachen starken Meinungsverschiedenheiten, die unter agrarischen Führern selbst bestehen (z. B. in Bezug auf den sog. Identitätsnachweis, auf die Bahntarifpolitik), sollte diese bestimmen, der bedenklichen Neigung zu unklaren Angriffen auf eine der Landwirthschaft ohne Zweifel wohlwollende Regierung Einhalt zu thun. Es konnten sonst Geister gerufen werden, die dem Bunde der Landwirthe nach seinem Bekenntniß zu Kaiser und Reich nicht willkommen wären.
Tagesschau.
Berlin, 22. Februar. Seine Majestät der Kaiser und König besichtigten gestern Vormittag die Rekruten von vier Kompagnien des 1. Garderegiments z. F. in Potsdam. Gelegentlich der Besichtigung nahmen Seine Majestät eine Reihe militärischer Meldungen entgegen. Hierauf hörten Seine Majestät im Potsdamer Stadtschloß den Vortrag des Chefs des Militärkabinets und kehrten um 3 Uhr nach Berlin zurück. Heute Vormittag nahmen Seine Majestät den Vortrag des Chefs des Zivilkabinets entgegen und empfingen später eine Abordnung der landwirthschaftlichen Zentralvereine der östlichen Provinzen in Audienz.
Berlin, 22. Februar. Das „Armee - Verordnungsblatt" veröffentlicht eine kaiserliche Kabinetsordre, worin bestimmt wird, daß das 8., 14. und 16. Armeekorps im bevorstehenden Sommer vor dem Kaiser Manöver abhalten. Jedes Armeekorps hat für sich eine große Parade.
Berlin, 22. Februar. Der „Reichsanzeiger" meldet: Der Kaiser empfing heute Mittag im Beisein des Ministerpräsidenten und des Ministers für die Laudwirthschaft eine Abordnung des landwirthschaftlichen Zentralvereins der östlichen Provinzen der Monarchie, v. Below überreichte mit einer Ansprache eine Denkschrift, worin die Wünsche der Landwirthe niederge- legt sind. Der Kaiser erwiderte, er danke, daß die Herren zu ihm gekommen seien und sich unmittelbar an den Landesvatcr wendeten^ sein unablässiges Bestreben sei auf das Wohl des Landes gerichtet. Sein Wunsch und Wille sei es, den Schwierigkeiten und Sorgen der Landwirthe abzuhelsen. Die Mittel und Wege hierzu seien mm nigfach und schwierig. Nur in längerer Zeit werde es gelingen, dem angestrebten Ziele nahe zu kommen. Dazu behülfe es des Friedens, wozu die Landwir he beilragen könnten, iudem sie für die Verstärkung der Heercskraft eintreten. Die vor getragenen Wünsche würden eingehend geprüft. Der Kaiser erblicke in der Landwirth-