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Dienstag den 21. Februar
1893
Amtliches.
Stadtkreis Hanau
Das hier garnisonirende 2. Bataillon Füsilier-Regiments von Gersdorff (Hessisches) Nr. 80 wird am 3. und 4. März d. Js. in dem Wiesengelände 1000 m südwestlich Hüttengesäß ein Schießen mit scharfen Patronen mit einer Schußrichtung gegen den westlich gelegenen Wald (Taubenrain) abhalten. An beiden Tagen wird das Schießen um 9 Uhr vormittags beginnen und gegen 4 Uhr mittags beendet sein.
Als gefährdet ist zu erachten : Das Gelände innerhalb Bruderdiebacherhof, Ostgrenze von Marköbel, Südostgrenze von Langenbergheim, Beunde- hof (Neuhof) und Sudwestgrenze Hüttengesäß.
Den ausgestellten Sicherheitsposten ist bei Meidung einer Strafe bis zu 9 Mark subs. 3 Tage Haft Folge zu geben.
Die betr. Herren Ortsvorstände haben dies wiederholt in ortsüblicher Weise bekannt machen zu lassen.
Hanau am 20. Februar 1893.
Königliche Polizeidirektion.
M. 900. I. A.: Dr. Köhler, Regierungsassessor.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Das von dem hiesigen Stadtrath unter Zustimmung des Gemeindeausschusses festgestellte „Ortsstatut, betreffend die Ruhegehalte Ider Gemeindebeamten und die Fürsorge für die Hinterbliebenen derselben in der Stadt Hanau", wird der Vorschrift im § 3 der Gemeindeordnung vom 23. Oktober 1834 entsprechend vom; 20. d. Mts. im hiesigen Rathhaus, Stadtkanzlei, öffentlich aufgelegt, um binnen der nächsten zwei Monate die Erinnerungen zu vernehmen, welche Einzelne oder gewisse Klassen von Gemeindegliedern dagegen zu machen finden.
Hanau, 17. Februar 1893,
Der Oberbürgermeister.
J. V.: Heraeus.
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t Zu den Debatten über die Lage der Landwirthschast.
Auf die lebhaften Debatten, die dieser Tage im Reichstage und im Abgeordnetenhause über die Lage der Landwirthschaft stattgefunden haben, im Einzelnen einzugehen, ist in einem kurzen Artikel ganz unmöglich. Dazu wurden viel zu viele und zu verschiedenartige Dinge ziemlich bunt durcheinander herbeigezogen, und wenn wir aufzählen: Silberwährung in Indien, Rubelkurs in Rußland, Unterhändler bei den Wiener Handclsvertragsver- Handlungen, Handelsvertrag mit Rußland, Wollzoll, Unterstützungswohnsitz, Freizügigkeit, Kohlenausfuhr, Staffeltarife, so ist die Reihe der Gegenstände, die berührt wurden, noch keineswegs erschöpft. Wir beschränken uns deshalb darauf, einige allgemeine Gesichtspunkte hervorzuheben.
Die Thatsache, daß die Landwirthe, namenlich des preußischen Ostens, recht ungünstige Zeiten durchzumachen haben, wurde nicht bloß von „Agrariern" behauptet, sondern auch von Rednern der Nationalliberalen und des Zentrums, ebenso wie von den Vertretern der Regierung vollkommen anerkannt und von den Freisinnigen keineswegs mit derselben Sicherheit wie früher auf zu gutes Leben der Grundbesitzer, leichtsinnige Verschuldung, veraltete Wirthschaftsweise und dergleichen an den Personen haftende Dinge zurückzuführen gesucht. Die Thatsache besteht ebenso, wie es Thatsache ist, daß die Roggenpreise seit anderthalb Jahren um 100 bis 120 Mark gesunken sind und somit dem Produzenten der nicht bloß für den Selbstverbrauch säet und erntet, in schwere Bedrängniß bringen.
Was sind die Ursachen dieser Erscheinung und welche Mittel können gegen sie angewandt werden.
Nach den Berichten über manche agrarische Versammlung muß man den Eindruck gewinnen, als ob die Herabsetzung der Getreidezölle von 50 ®UT 35 Mark die Wurzel des Uebels sei. Daß dies ein Irrthum ist, daß 15 Mark Zollunterschied nicht einen Preissturz um 100 und mehr ârk verursacht haben können, mußte auch von konservativer Seite aner- laimt werden. Daraus sollte man nun aber auch die Verpflichtung herleiten, 1 *e Agitation gegen die Handelsverträge zu mäßigen, zumal da der vom k Staatssekretär Fihr. v. Marschall geführte Nachweis, daß die Handelsver- 1 . Se unsere Wirthschaft vor schweren Nachtheilen bewahrt haben, indem sie - me Ausfuhr von 3 Milliarden Mark Werth nicht den Gefahren von
Sperren und Zollkriegen preisgaben, von keiner Seite zu widerlegen versucht worden ist, und zumal da ferner die Handelsverträge die Getreidezölle mit 35 Mark für die Tonne auf 12 Jahre hinaus stabilistrt d. h. der Gefahr, freihändlerischen Agitationen zu erliegen, entrückt haben. Auch unsere Goldwährung erachten wir für ganz unschuldig an den Leiden der Landwirthe. Sie hat nicht verhindert, daß wir sehr hohe oder doch auskömmliche Preise für landwirthschaftliche Erzeugnisfe hatten. _ Sie. bietet den großen Vortheil für unsere Wirthschaft, daß der Werthmesser für die Waaren untereinander nicht auf ein im Werthe schwankendes Münzmetall oder Währungsspstem gegründet ist wie z. B. in Rußland, wo der Bauer nur allen Schaden, der Exporteur und Großkapitalist nur allen Vortheil der s ch w a n k e n d e n Währung hat.
Ueberhaupt ist die gegenwärtige Lage der Landwirthschaft nicht aus einer Ursache zu erklären; vielmehr wirken viele zusammen. Vor Allem wird der Getreidepreis nicht mehr von der heimischen Ernte, sondern vom Weltmärkte bestimmt, d. h. von den Ernten in den Hauptproduktionsländern zusammen, von der Konkurrenz aus den Ländern mit noch jungfräulichem Boden. Dann kommt der wie ein Naturgesetz wirkende unglückselige Zug vom Lande nach der Stadt, vom landwirtschaftlichen Osten nach dem industriellen Westen, der einen das Gedeihen der Landwirthschaft schwer schädigenden Arbeiterwangel einschließt. Ferner ungleiche Vertheilung der Lasten in der Unterstützungspflicht für Abgewanderte in der direkten Be- steurung 2C.
Wegen des Zusammenwirkens vieler Ursachen, die zum wesentlichen Theile gar nicht von heimischen Verhältnissen abhängen, ist die Abhülse in einer gesunden Agrarpolitik so schwer und so lang dauernd. Die Abänderung des Gesetzes über den Unterstützungswohnsitz, der staatliche Verzicht auf die Grundsteuer — wahrhaftig kein „Pappenstiel" — wird unmittelbar wirken; aber die vollen Früchte der Bemühungen für innere Kolonisation, für Ansiedelung von Arbeitern und Kleinbauern, für Wasserstraßen und industrielle Anlagen in den rein landwirthschaftlichen Gebieten 2C. kann erst die nächste Generation ernten.
Mit Schlagworten wie Remonetisirung des Silbers — eine Sache, die zum kleinsten Theile von Deutschland abhängt — kommen wir über die Schwierigkeit nicht hinweg, ebenso auch nicht mit unbegründeten Anklagen gegen die Regierung, die dem einfachen Landwirth das Uebel an der falschen Stelle zeigen. Man hat gesagt, die Landwirthschaft werde gegenüber anderen Erwerbszweigen benachtheiligt, es ist sogar das Wort gefallen, die Landwirthe seien es müde, sich länger „schecren" zu lassen. Der Vertragszoll für Roggen beträgt nach den gegenwärtigen Preisen reichlich 25 pCt. des Werthes ; man nenne einen großen Industriezweig, der in ähnlicher Höhe durch Zölle geschützt wäre! Das Wort des Reichskanzlers, man möge nicht von Opfern der Landwirthschaft reden, sondern von Opfern, die für die Landwirthschaft gebracht werden, mag hart klingen, es ist aber vollkommen richtig und kann auch nach der beigegebenen Begründung, daß die Allgemeinheit diese Opfer bringen muß, weil der Nährstand der am meisten staatserhaltende Stand und die in ernsten Zeiten sicherste Quelle des Patriotismus ist, nirgends mißverstanden werden.
Die Landwirthschaft würde ihr eigenes Interesse verkennen, wenn sie dem Gedanken Raum gäbe, den einer der Redner, bezeichnender Weise kein Landwirth, anbeutete, daß nämlich die bedrängten Ackerbauer ihren Mißmuth bei Maßregeln für unsere Landesvertheidigung geltend machen könnten. Eine solche Unterstellung ist, wie der Ministerpräsident sagte, beleidigend für die Landwirthe. Ein anderer Redner, der Abgeordnete Ritter, der, obwohl Industrieller, sich als „Agrarier" bezeichnete, sprach von einem „undesinirbaren Etwas", von dem die Landwirthe befreit sein möchten; viele hätten das Gefühl wie die Seeleute des Kolumbns, die das Ziel nicht kannten. Wenn es aber in der Politik aus klares Denken und praktisches Handeln ankommt, so ist es gegenüber einer solchen Erscheinung patriotische Psiicht, dagegen zu arbeiten, daß das Gefühl nicht auf Unrechtes abirrt und an den verkehrten Stellen nach Ursachen und Schuld sucht. Nichts in der Vergangenheit oder in der Gegenwart widerspricht dem Worte des Ministerpräsidenten, daß die Regierung den Beschwerden der Landwirthschaft mit dem vollen und warmen Interesse, das dieser wichtige Faktor des staatlichen und wirthschaftlichen Lebens erfordert, und mit dem ernsten Bestreben gegenübersteht, da zu helfen, wo es noth thut, und soweit es in ihrer Macht steht.