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I Nr. 39.
Mittwoch den 15. Februar
1893
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachungen des Lberdürgermeisteramtes.
Bei meinem Scheiden aus Hanau drängt es mich der ganzen Einwohnerschaft noch einmal meinen wärmsten Dank für das mir stets bewiesene Wohlwollen und Vertrauen sowie auch für die Förderung auszusprechen, die mir bei meinen amtlichen Geschäften stets allseitig und bereitwilligst geworden ist. Ich scheide aus meinem bisherigen Wirkungskreise in der sicheren Zuversicht, daß die blühende und aufstrebende alte Handels- und Industriestadt sich in sicherer Bahn weiter entwickeln wird und mit den innigsten Segenswünschen für ihr ferneres Wachsen und Gedeihen
Mit herzlichem Lebewohle
Hanau, 15. Februar 1893.
Westerburg,
1956 Oberbürgermeister.
Auf Veranlassung des Königlichen Regierungspräsikiums in Cassel ist durch das hygienische JnstUüt des Hofraths Schmitt in Wiesbaden eine chemische und bakteriologische Untersuchen g des Wassers der Brunnen der städtischen Wosserleitung in Hanau bewirkt worden. Ueber die Untersuchung — die Wasserentnahme aus den Brunnen sand am 25/1. cr. nachmittags 3 Uhr durch Herrn Sladtarzt Dr Zeh in Gegenwart des Wasserwerksdirekiors und des Unterzeichneten stalt — ist nachstehendes Befuudprotokoll eingegangen.
A. Chemische Untersuchung.
In einem Liter der eingesandten Probe waren enthalten: Gesammtrückstand. 0,335 Gramm
Glührückstand...... 0,303 „
Glühverlust....... 0,032 „
Chlor. 0,011 „
Salpetersäure .....nicht nachweisbar,
Salpetrige Säure. nicht nachweisbar,
Schwefelsäure ......geringe Mengen,
Ammoniak......nicht nachweisbar.
Zur Zerstörung der organischen Substanzen erforderte ein Liter: 0,0015 Gramm übermangansaures Kali, entsprechend: 0,0004 Gramm Sauerstoff.
B. Bakteriologische Untersuchung.
In keiner der beiden mit 3 und 5 Tropfen beschickten Gelatineplatten ist bei Zimmertemperatur eine Spaltpilzkolonie ge-- wachsen.
Die vorliegende Probe ist im Sinne der angewandten Methoden demnach als keimfrei zu betrachten; dieselbe bietet zu einer Beanstandung diesseits keine Veranlassung
Hochachtend
Der Direktor
(gez.) Schmitt, Großherzoglicher Hofrath.
Es gereicht mir und gewiß der ganzen Bewohnerschaft der Stadt zur lebhaften Freude und Genug huung, daß auch diese neue Untersuchung wiederum den Beweis geliefert hat, ein wie vorzüglich reines, durchaus gesundes Wasser uns unsere Wasserleitung liefert.
Hanau, 15. Februar 1893.
Der Obirbürgermeister
J. V.: Heraeus, Vizebürgermeister 1953
Dienstag den 21. Februar 1893 1954
Zucht- und Fettviehmarkt in Hanau.
t Die Abwanderungen nach dem Westen.
In einem soeben erschrenenen Werke über die „innere Kolonisation im östlichen Deutschland" hat Professor Dr. Sering die Ermittelungen seiner Untersuchung über diesen Gegenstand, die er mit
Unterstützung und Förderung des landwinhschafttichen Mangers von Heyden an gestellt hat, niedergelegt und damit sehr interessante Thatsachen veröffentlicht.
Es geht daraus hervor, daß die vorwiegend landwirthschaftlichen Distrikte des Ostens, wozu auch die beiden Mecklenburg und der Regierungsbezirk Frankfurt gezählt werden, ferner ein mittlerer Streifen Deutschlands (Schleswig Hollstein, Hannover, Oldenburg, Braunschweig, Provinz Sachsen, Hessen-Nassau und die mitteldeuschen Kleinstaaten), sowie die landwirthschaf licken Gegenden des Südens (Hessen, rechtsrheinisches Bayern, Baden, Elsaß-Lothringen, Badische Pfalz, Württemberg uno Hoben- zollern) in den Jahren 1885—1890 — abgesehen von der Sachsengäi gern — nicht weniger als 873 000 Köpfe durch Wanderungen eingeküßt haben, und daß hiervon in deins, lben Zeitraum 542 000 Köpfe nach den wesentlich industriellen und kommerziellen Distrikten — Berlin nebst Vororten, Hansestädte, Königreich Sachsen, Rheinprovinz und Westfalen — gewandert sind; der Rest der Abwanderung (331000) muß auf dw überseeische Auswanderung gesetzt werden. Von der Gesammtzahl 873 000 eni fallen 640 000 Auswanderer (75 Prozent) auf den Osten und nur 80 000 auf das mittlere und 150 000 auf das südliche Deutschland. Das platte Land ist stets die Quelle gewesen, aus der die Städte frische Kräfte gewonnen haben, und das ständige Abströmen von Angehörigen der Landbevölkerung in die Sitze des gewerblichen und kommerziellen Lebens ist begreiflich, weil die Bodenkultur, als an eine gegebene Landfläche gefesselt, niemals einer gleich schnellen Ausdehnung der Produktionsfähigkeit fähig ist, wie die Industrie. Aber eine Völkerwanderung nach Art derjenigen, nietete gegenwärtig den ganzen Osten ergriffen hat, geht nach Sering's zutreffender Meinung weit über dieses natruliche Maß hinaus. In den Regierungsbezirken Gumbinnen, Köslin und Stralsund sowie Mecklenburg-Sirelitz ist die Bevölkerung an Zahl zurückgegangen, die geringfügige Zunahme der übrigen größeren Bezirke des Ostens entfällt fast ausschließlich auf die dortig n Städte. In allen preußischen Stadtkreisen östlich der Elbe bis auf drei (Posen, Frankfurt, Stralsund) hat sich die Bevölkerung über ihr natürliches Wachsthum hinaus vermehrt, während die Einwohnerschaft der Gutsbezitke (von weniger als 2 000 Köpfen) im ganzen, und die Volkszahl von 105 unter 220 Landkreisen der sechs östlichen Piovinzm abgenommen hat. Dieses Schwinden der Bevölkerung trifft Gebietstheile, welche ohnehin am wenigsten dicht unter allen deutschen Landschaften mit Menschen besetzt sind. Während die Großstädte und Jndustriebezirke in ihren übersüllten Quartieren eine wachsende Reservearmee ansammeln, welche kaum in Zeiten des höchsten gewerblichen Aufschwungs vollständig Beschäfsigung finbeu und die Lebenshaltung der übrigen Arbeiter herabdrückt, gebricht es den weiten Flächen der östlichen Ackerbaudistrikte an Menschen, welche sie bestellen und abernten, sieben Tausende von ländlichen Arbeiterwohnungen leer. Nach einer Ermittelung der Landräthe waren im I hre 1890 in 33 Kreisen der Provinz Ostpreußen mehr als 6 000 A beiierwohnungen auf dem La de ui biwohnt. An manchen Stellen wird deshalb d-r Körnerbau durch ange- süete Weide verdrängt. Oft kann im Osten die Ernte nicht rechtzeitig eingebracht werden und in einigen Gegenden flhlt es an genügenden Arbeitskräften selbst im Winter. Und dabei ist die vollständigste Ausnutzung der Bodenkräfte angesichts der Lasten, die auf dem Grund und Boden liegen und angesichts der Konkurrenz der r etreide-xportirenden Länder eine unbedingte Nothwendigkeit. Mit der Landwirthschaft leiden dabei auch Industrie und Handel des Ostens und ebenso erleidet die militärische Kraft des Staates durch das zu rasche Urberhandnehmen des Stadt- und Fabriklrbens und durch die überseeische Auswanderung die schwerste Schädigung.
Als Ursache dieser Erschrinung bezeichnet Skring die Stem-Harden- bergische Gesetzgebung, welche in den demselben Maße die Landarbeiter berabgrdrückt nie den Bauernstand g,hoben, ja die Arleiterll ffe als solche in gewissem Sinne erst geschaffen hat. Wâbrend die Inhaber der selbst- ständigrn Ackernahrungen ihre Dienste und Abgaben damals ablösten und zu freien Eigenthümern des Landes wurden, sind viele tausende von Inhabern fiel er Betriebe zu Tagelöhnern geworden, und die Gesetzgebung löste das Band, welches die im Dorfe ansässig gebliebe- en Landarbeiter mit der Bauernschaft zu einer wirthschaftlichen Interest ngemeinschaft verknüpft batte. In der gleichen Richtung hat die um sich greifende intensivere Bodenkultur doch weiter gewirkt: die alte Anhänglichkeit, die innere Gebundenheit des Arbeiters au das Gut, die Laudgemeinae und die Hei- math wurde immer mehr gelöst, und Großindustrie und Eisenbahnverkehr setzten schließlich den Arbeiter stand des Ostens in Bewegung. Als Beweg-