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Langenselbold ist infolge der Hochwasserströmung eingestürzt. Die Brücke ist bis auf Weiteres für den Fuhrwerksverkehr gesperrt.

Hanau am 4. Februar 1893.

Der Königliche Landrath

A. 363 v. Oertzen.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Zwei graue Pferdedecken. Ein Regenschirm (auf dem Rathhaus stehen geblieben). Ein Regenschirm (in einem Hause der Grimm­straße stehen geblieben). Zwei zugeschnittene Westen. Eine Bescheinigung über Aufrechnung der Quittungskarte für Michael Kremer aus Höchst a/M. Ein halber Korbdeckel.

Hanau am 4. Februar 1893.

Lagesschaw.

Berlin, 3. Februar. Seine Majestät der Kaiser und König haben Sich gestern Abend zu den Beisetzungsfeierlichkeiten für den verstorbe­nen Herzog von Ratibor nach Räuden begeben. Allerhöchstdieselben trafen heute Morgen um 7 Uhr in Breslau ein und setzten alsbald die Reise fort. Die Ankunft in Räuden sollte um 11 Uhr, die Rückreise von dort um 2^4 Uhr erfolgen.

Berlin, 3. Februar. DerKreuzzeitung" zufolge richtete der Großfürst-Thronfolger aus Petersburg vom 31. Januar an den Obersten des achten westfälischen Husarenregiments ein Telegramm, worin er für den freundlichen Willkommensgruß dankt und fortfährt: Nach Hause zurück­gekehrt, bin ich tiefdurchdrungen vom Gefühl der aufrichtigsten Dankbarkeit für die mir von Sr. Majestät erwiesene, mir so theuere wohlwollende Auf­merksamkeit.

Ronden, 3. Februar. Kaiser Wilhelm ist, nach denFr. N.", vormittags elf Uhr zur Theilnahme an der Leichenfeier des Herzogs von Ratibor hier eingetroffen. Deputationen der einzelnen Vereine sowie der Gemeinde- und Forstbeamten bildeten am Eingänge des Schlosses Spalier. Um llVa Uhr begann die Trauerfeier. Der Kaiser führte die Herzogin am Arme. Während der Feier stand der Kaiser zu Häupten des Sarges. Der Ortspfarrer hielt die Trauerrede. Unter den Klängen des Chopin'schen Trauermarsches wurde der Sarg in die provisorische Gruft gesenkt. Gegen 12^2 Uhr war die Trauerfeier beendigt. Der Kaiser begab sich nach 3 Uhr zu Wagen nach Hammer.

Köln, 3. Februar. Die Wasserberichte lauten wieder schlimmer. Die Mosel ist bei Trier seit abends sechs Uhr von 3,90 auf fünf Meter gestiegen. Der Trierer Vorort Sankt-Barbara steht unter Wasser. Depeschen von Metz und Saarbrücken melden Hochwasser. Das Hoch­wasser der Kyll riß die feste Brücke bei Mürlenbach ein. Die Eifel, die Roer und ihre Nebenflüsse überschwemmten Montjoie. Mobiliar und Vieh mußten auf die Berge gerettet werden. Vom Oberrhein wird starkes Steigen gemeldet. Hier ist der Rhein auf 6,62 gestiegen. Bei den hiesigen Werftbauten sind arge Beschädigungen vorgekommen. Viel Bauholz wurde sortgeschwemmt. (Fr. N.)

Lübeck, 3. Februar. Der Lübecker DampferProsdorff", auf der Reise von Schweden nach Rotterdam unterwegs, wird vermißt und ist wahrscheinlich verunglückt.

Amsterdam, 2. Februar. Eine Lokomotive stürzte beim Rangiren in der Nähe der Station Velzen in den Amuidenkanal. Der Lokomotiv­führer und zwei Personen, die sich auf der Lokomotive befanden, fanden dabei den Tod. Der Verkehr aus dem Kanal ist unterbrochen, der Dampfer Land Islington" konnte nicht passiren. (Reichsanz.)

Athen, 3. Februar. Zufolge wiederholter Meldungen sind Ver­heerungen durch die Erderschütterungen auf Zante vorgekommen. Der König ist heute dahin abgereist.

Sebastopel, 3. Februar. Infolge der Vereisung des Odessaer Hafens mußte ein Dampfer derFreiwilligen Flotte" in den hiesigen Hafen einlaufen. Das Asowsche Meer ist in seiner ganzen Ausdehnung zugefroren.

Aus Kairo wird derTimes" gemeldet, daß das Gefühl der Un­sicherheit unter den Europäern, speziell wohl den Engländern, vorherrsche. Die sogenannte nationale Bewegung habe unter den Paschas und Beps, die über den Verlust ihrer Macht unzufrieden seien, sowie unter der fanatischen religiösen Sekte, die gegen alles, was christlich, erbittert sei, ihren Anhang. In Tanta, der größten und fanatischsten Stadt von Jnneregypten, seien öffentliche Rufe gegen Christen bereits gehört worden, ferner seien die zahl­reichen literarischen Gesellschaften in Kairo in politischer Propagationsarbeit thätig.

Bremen, 2. Februar. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd Salier" ist gestern in New-Aork angekommen.

London, 2. Februar. Der Castle-DampferDunottar-Castle" ist auf der Ausreise vorgestern in Capetown angekommen.

Depefchen-BnreanHerold".

3. Februar, abends 9 Uhr:

Deutscher Reichstag.

Der Antrag des Antisemiten Werner, betreffend Einstellung des

gegen Ahlwardt wegen Beleidigung schwebenden Strafverfahrens wird an­genommen.

Alsdann wird die zweite Lesung des Etats fortgesetzt. Es folgt der Etat des Reichsamts des Innern. Beim Titel Gehalt des Staats­sekretärs wird die Nothstandsdebatte fortgesetzt.

Abg. Bebel (Soz.) erklärt, über sehr Vieles sprechen zu müssen. Er wendet sich zunächst gegen die beabsichtigten Ersparnisse den Eisenbahn­beamten gegenüber und verlangt zur Hebung des Nothstandes, daß die Eisenbahnkredite, welche der Eisenbahnminister nicht verwendet, zur Be­schaffung von Arbeil flüssig gemacht und Meliorationen vorgenommen wer­den. Er verlangt ferner eine achtstündige Arbeitszeit, Beschränkung der Frauenarbeit, Verbot der Kinder- und Sonntagsarbeit, Organisation von Arbeiterkammern und Aufhebung der Lebensmittelzölle. Die Genossen­schaften böten kein Mittel zur Besserung der sozialen Lage. Der Redner entwirft sodann ein sozialistisches Programm, welches allgemeines Wahl­recht für Männer und Frauen, Freiheit der Meinungsäußerung, allge­meine Wehrpflicht u. s. w. verlangt. Er schließt: Bei den nächsten Wahlen wird eine größere Zahl auf unserer Seite sein, als bisher.

Frhr. v. Stumm erblickt in den Ausführungen Bebels nichts Neues und befürchtet die Unmöglichkeit der Ernährung von 50 Millionen Menschen in dem nach sozialistischen Grundzügen eingerichteten Staate. Der Zukunftsstaat sei ein großes Zuchthaus. Die Sozialdemokraten hätten den Arbeitern falsche Vorstellungen gemacht. Von 60 000 Arbeitern des Saarbrückener Reviers seien 30 000 in der Industrie thätig, die nach des Redners Prinzip streng, aber wohlwollend behandelt würden und von der Sozialdemokratie nichts wollen.

Abg. Bachem (Zentrum): Die Sozialdemokratie wünsche keinen Erfolg von den bisherigen Maßregeln des Reiches zur Hebung der Ar­beiterlage, weil sie befürchtet, daß es dann mit ihr vorbei sei. Für alle in dem Zukunftsstaate entstehende Unordnung macht er den Abgeordneten Bebel verantwortlich. Ein Staat ohne Autorität könne nicht bestehen. Alle Parteien müßten festhalten, an den christlichen Grundsätzen. Auf diesem Weg werde das gesteckte Ziel schnell erreicht werden.

Sonnabend Fortsetzung.

Berlin, 3. Februar. Gegenüber der Behauptung, die in der Militärvorlage geforderte Mehreinstellung von 60 000 Rekruten gehe weit über die natürlichen Grenzen der Volkswehrkraft hinaus, weil Leute von unzureichender Tauglichkeit eingestellt würden, sucht derReichsanzeigerF nachzuweisen, die durch die Militärvorlage bedingte Erhöhung der Re-j krutenquote werde eine Herabminderung der Ansprüche an die Tauglichkeit| nicht zur Folge haben. Die Erhöhung werde ohne Gefährdung der dienst^ lichen Leistungen im allgemeinen, wie der Gesundheit der Mannschaften im besonderen ihre Deckung nur aus solchen Militärpflichtigen finden, die schon nach den jetzigen Bestimmungen, abgesehen vom Minimalmaß, ihre Ein- stellung im aktiven Friedensdienst gewärtigen müßten. DemBörsen­kurier" zufolge ist Prinz Heinrich am Dienstag Abend bei dem russischen Botschafter gewesen, um diesem im Namen des Kaisers seinen lebhaftesten Unwillen über den Extrablattschwinkel mit dem Attentat auf den Zaren auszudrücken. Prinz Heinrich versprach Verfolgung und Bestrafung.

Berlin, 3. Februar. Die Kommission für eine Arbeiterstatistik ist heute wieder zusammen getreten. Es wurde die Arbeitszeit in den Bäckereien und Konditoreien besprochen; die Besprechungen stützten sich aus Erhebungen des statistischen Amts. Die Kommission gedenkt ihre Aufgabe in 4 Sitzungen zu erledigen. Eine zahlreich besuchte Versammlung von Handlungsgehilfen, Gehilfinnen und Hausdienern erklärte sich für Anschluß an die Sozialdemokratie und beschloß eine Petition an den Reichstag, worin das gänzliche Verbot der Sonntagsarbeit für Engrosgeschäfte und eine weitere Beschränknng der Sonntagsarbeit für die Detailgeschäfte ver­langt wird.

Köln, 3. Februar. DerKöln. Volksztg." zufolge drückte bei Kaiser dem Provinzialausschuß seine Befriedigung und seinen Dank füi die Kundgebung zu Gunsten der Militärvorlage aus. Nachdem bei Rhein über Nacht langsam gefallen war, steigt er seit 9 Uhr morgens wiederum sehr stark; desgleichen wird von der Mosel, dem Main, den Neckar und dem Oberrhein seit Mitternacht starkes Steigen gemeldet. Das Oberrheincis trieb ohne Gefahr für die Stadt vorbei.

Altona, 3. Februar. In der verflossenen Nacht kamen 5 Cholera fälle vor, zwei davon verliefen tödtlich.

Nürnberg, 3. Februar. Einer Meldung desFränk. Kurier' zufolge gestaltet sich die Besetzung des Direktorpostens am Germanischem Museum schwierig; der Wunsch auf Verstaatlichung der Anstalt stoße ai maßgebender Stelle in München auf Schwierigkeiten, doch soll der Direkto den Karakter eines Staatsbeamten erhalten.

Wien, 3. Februar. Der gestrige Empfang des Fürsten von Bui garien durch den Kaiser wird mit dem Heirathsplan des ersteren in ur mittelbare Verbindung gebracht. DieNeue Freie Presse" meldetau Sofia, aus dem Buch Jakobsohns gehe hervor, daß gleichzeitig mit dm Abberufung des russischen Vertreters aus Bulgarien das russische Min sterium des Aeußern befohlen habe, die Vertretung der russischen Interesse dem französischen Konsul zu übergeben. Auf das persönliche Eingreise