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zahlungsgeschäfte für Minderbegüterte, betont aber, daß vielfach Ab­zahlungsgeschäfte dazu benützt würden, den Käufern minderwertige Waaren zu hohen Preisen aufzuhängen. Für die Geschäftsinhaber sei es auch nicht günstig, bei Nichterfüllung des Vertrages die Waare zurückzunehmen und die gezahlten Raten herauszuzahlen. Die Schädigungen durch die bekannten Verkäufe wegen eines Trauerfalles, die in der gleichen Wohnung wieder­holt vorkommen, müssen auch beseitigt werden.

Staatssekretär Bötticher: Das Gesetz wolle nicht eine Besei­tigung be- Abzahlungsgeschäfte, sondern nur deren Answüchse. Die Rück- trittsklausel sei nöthig.

Abg. Stadthagen (Soz.) ist für das Verbot der Abzahlungs­geschäfte in Luxusartikeln, Konversationslexika und die Beseitigung des Retensionsrechts des Vermiethers aus § 715 der Zivilprozeßordnung.

Die Vorlage wird an eine Kommission von 21 Mitgliedern verwiesen.

Nächste Sitzung Montag: Wuchergesetz und zweite Lesung des Ein­heitszeitgesetzes, sowie des Entwurfs über den Verrath militärischer Ge­heimnisse. .

Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Nachdem das Haus dem Präsidenten seine Ermächtigung ertheilt hatte, dem Kaiser zum Geburtstage zu gratuliren, wurde die zweiteLesung des Etats fortgesetzt.

Abg. Sombart (nat.-lib.) befürwortet den Abschluß des russischen Handelsvertrages, aus dem keine Gefährdung der deutschen Interessen zu erwarten sei.

Abg. Rickert (freist) hält einen solchen Vertrag auch für noth- weudig.

Abg. Gerlich (freikons.) beklagt die Schädi ung der Landwirth­schaft und der Konsumenten durch die Handelsverträge.

Abg. Szmula (Zentrum) erklärt, von den Handelsverträgen vor­läufig keine Vortheile zu sehen, die russische Grenze müsse eröffnet werden.

Abg. M i n n i g e r o d e (koust) klagt über die Nachtheile der Handelsverträge.

Ueber die aleichen Punkte sprechen Tarnen (natl.), Drawe (dfr.), Schmitz-Erkelentz (Zentrum), Schultz (konM und Kröcher (kons.). Haupt­sächlich wird die Nothlage der Lurdwirthschast besprochen.

Nach einer Erklärung des Ministe s Heyden, welcher die Schä­digung der östlichen Provinzen durch rie Schutzzesetzgebung zugibt, wird die Berathung des Etats vertagt.

Nächste Sitzung Dienstag.

Hamburg, 21. Januar. Das Gewerkschaftskartell gibt die Zahl der hielt cu Arbeitslosen ans 4900 an.

Nürnberg, 21. Jan. Der Inhaber einer der größten Hopfen- firmen, Kommerzienrath und Magistratsrath Stephan Hopf, ist gestorben.

Würzburg, 21. Jan. Der bekannte Bauunternehmer Kommerzien- rath Friedrich Buchner ist beute gestorben.

Wien, 21. Jan. An dem diesjährigen im September bei Preß­burg stattfinvenöen Kaisermanöver werden fünf Korps Theil nehmen. Infolge Ueber eizung des Ofens im Bibliothekzimmer, des Herzogs von Cumberlano entstand Feuer. Mehrere werthvolle Oelgewälde wurden zer­stört. Rumänien hat bei der österreichischen Waffenfabrik 20 000 Kara­biner und Repetirgewehre eigener Konstruktion bestellt.

Wien, 21. Jan. Fürst Ferdinand von Bulgarien ist heute Vor­mittag, begleitet von seinem Hofmarschall und dem Kommandanten seiner Garde, hier eingetroffen uns setzt Montag seine Reise nach München fort. Die hiesige serbische Gesandtschaft erklärt, Exkönig Milan fei in Biarritz und habe von dort an König Alexander geschrieben.

Budapest, 21. Jan. Einige hiesige Blätter bringen die Nachricht, der König hätte die Einwilligung zur Zivilehe nicht gegeben, das Ministerium Wekerle werde daher wegen der Niederlage der kirchenpolitischen Fragen de- missioniren. Alle diese Nachrichten sind unwahr schon deshalb, weil die Frage nicht einmal auf der Tagesordnung war. Die Demissionsgerüchte find daher vollständig aus der Luft gegriffen.

Budapest, 21. Jan. Die Ausführung der Konversionen erfolgt am 24. Januar und wird die Subskription auf Umtausch der in Oesterreich und Ungarn zur Kündigung gestellten 800 Millionen Guldentitres erfolgen. , Die feste Ueberzeugung vom Gelingen der Konversion, von der glänzenden ; Zukunft der neuen vierprozentigen Obligationen und der sinkende Zinsfuß auf allen Märkten lassen es begreiflich erscheinen, daß nach erfolgter erster Subskription die ganze Operation aufs rascheste durchgeführt wird.

Amsterdam, 21. Jan. Nachdem zahlreiche blutige Zusammenstöße zwischen Arbeitslosen und der Polizei stattgefunden haben, wobei 200 Poli­zisten wiederholt mit Steinen geworfen wurden, erfolgten gestern spät abends schwere Krawalle. Tausende durchzogen mit rothen Fahnen und Revolu­tionslieder singend die Straßen und versuchten Bäckerläden zu plündern. Von der Polizei, Gendarmerie und Infanterie mit der blanken Waffe zurück­geworfen, setzten die Arbeitslosen die Unruhen fort. Die Manifestationen und Unruhen dauerten bis spät in die Nacht hinein. Zahlreiche Verwun­dungen und Verhaftungen kamen vor.

Rom, 21. Januar. DerPopolo Romano" nennt die Enthüllungen von Herz über Menabrea und Crispi schändliche Verleumdungen.

Madrid, 21. Januar. Der liberale Wahlverein überreichte Sa- gasta einen Protest gegen die fortgesetzte Verhinderung des Gottesdienstes in der protestantischen Kirche durch die klerikalen Stadtbehörden. Der Wahl­verein verlangt ein entschiedenes Vorgehen der Regierung gegen die Be­hörden.

Belgrad, 21. Januar. Die heutige Ausgabe derSrbija" be­stätigt die Aussöhnung der königlichen Eltern. Milan trat mit blassem Gesicht an die Königin heran und bat um Verzeihung und Aussöhnung. Natalie nahm die Proposition an und bevollmächtigtes einen Belgrader- Freund brieflich mit - der Publikation der Aussöhnung. DieSrbija" so auch die radikalen Blätter begrüßen die Aussöhnung und erwaUen hiervon Ersprießliches für Serbien, die Liberalen behaupten, Natalie werde dritter Regent und kehre mit Milan nach Serbien zurück. Nach einzelnen Nachrichten hätte die Zusammenkunft nicht in Biarritz, sondern in Paris stattgefunden.

23. I a n u ar, vormittags 8 Uhr:

Karlsruhe, 23. Jan. Hofkapellmeister Vincenz Lachner starb gestern Nachmiltag um 4l/a Uhr an den Folgen des am vorigen Don­nerstag erlittenen Schlaganfalls.

Brüssel, 23. Jan. Die Polizei durchsuchte sämmtliche Hotels, um Arton auHusinden, jedoch vergeblich.

Paris, 23. Jan. Die Vorstellungen des österreichischen Botschaf­ters über die Bezichtigung der Pariser Presse, die Diplomatie des Drei­bundes habe die Verdächtigung Mohrenheims inspirirt, machten einen er- h blichen Eindruck, zumal das Gerücht hartnäckig zirkulirte, der Botschafter Mohrenheim solle durch einen gewöhnlichen Geschäftsträger ersetzt werden.

Paris 23. Jan. Der Untersuchungsrichter Franqueville erließ einen Verhaftsbef hl gegn Arton, dessen Aufenthalt verrathen wurde.

Madrid, 23. Jan. Die Konferenz der Republikaner unter dem Vorsitze Prinz Margols erließ ein Manifest, welches sämmtliche Gruppen- vertreter unterzeichneten. Der von den Republikanern unternommene Putsch in Barcelona g lt für belanglos.

Arts Sèadt, Provinz und CAgegend. V«rm äld mips eiet.

Der Oberzeremonrenmeister Graf A. Eulenburg veröffentlicht im jüng­stenReichsanz." auf Seiner Kaiserlichen und Königlichen Majestät Aller­gnädigsten Spezialbefehl die Hofansage, der wir u. a. folgendes ent­nehmen :

Aus Aulaß der Feier der Vermählung Ihrer Königlichen '.Hoheit oer Prinzessin Margarethe von Preußen mit Seiner Hoheit dem Prinzen Friedrich Karl von Hessen findet Montag, den 23. Januar, abenbs T1^ Uhr, Galatafel bei Ihren Kaiserlichen und Königlichen Majestäten im Weißen Saale des Königlichen Schlosses für die anwesenden Allerhöchsten und Höchsten Gäste und G-folge statt. Die Damen erscheinen im Hofkleide (robe de cour), die Herren mit Ordensband, vorzugsweise preußischem beziehungsweise Großherzoglich hessischem, und zwar die Herren vom Zivil in Gala mit weißen Unterkleidern (Kniehosen, Schuhe und Strümpfe), die Herren vom Militär wie bei den großen Hofkouren, die Ritter des Hohen Ordens vom Schwarken Adler mit dem Bande desselben.

Dienstag, den 24. Januar, abends 7 Uhr, Familientasel bei Ihrer Majestät der Kaiserin unv Königin Fnesrich in Allerhöchstihrem Palais. An­zug: Damen in langen, ausgeschnittenen Kleidern, Herren in kleiner Uni­form. Maischalltafel um 63Âi Uhr im Elisabeth-Saal des Königlichen Schlosses. Anzug: Wie bei der Familientafel.

Mittwoch, den 25. Januar: Nachdem um 4 Uhr nachmittags der im Palais Ihrer Majestät bet Kaiselin und Königin Friedrich vom Minister des Königlichen Hauses zu vollziehende Standesakt, welchem die engere Familie des Hohen Brautpaares beiwohnt, stattgefunden hat, erfolgt um 5 Uhr in der Schloßkapelle die Feierlichkeit der kirchlichen Vermählung Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Margarethe von Preußen mit Seiner Hoheit dem Prinzen Friedrich Karl von Hessen.

Der Allerhöchst befohlenen Ordnung der Feierlichkeiten bei der am 25. Januar 1893 im Königlichen Schlosse zu Berlin stattfindenden Ver­mählung Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Margarethe von Preußen mit Seiner Hoheit dem Prinzen Friedrich Karl von Hessen entnehmen wir das nachstehende:

Mittwoch, den 25. Januar, nachmittags um 4Vs Uhr, versammeln sich diejenigen hoffähigen Personen, welche durch besondere Karten persönlich zu der Vermählungsfeier eingeladen worden sind, im Königlichen Schlosse zu Berlin.

Der Zug nach der Schloßkapelle wird, unbeschadet bestehender Rang- verhältnisse, nach Seiner Maj-stät Allergnädigster Bestimmung folgender­maßen geordnet sein: I. Der Oberhof und Hausmarschall Graf zu Eulen­burg mit dem großen Marschallsstabe. II. Alle anwesenden Königlichen Kammerjunker und Kammerherren, paarweise, sodaß die dem Patent nach jüngsten vorangehkn. III. Die Kavaliere, welche von Seiner Majestät dem Kaffer und Könige der Durchlauchtigsten Prinzessin Braut zur Aufwartung beigegeben sind, nämlich: der Königliche Kammerherr, Schloßhauptmann