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Nr. 16.
Donnerstag den 19. Januar
1893
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Amtliches.
Bekanntmachung.
Versendung von Ausstellungsgütern in Po st frachtstücken für die Weltausstellung in Chicago.
Für die Weltausstellung in Chicago bestimmte Ausstellungsgüter aus Deutschland, welche in Po ft frachtstücken auf dem Wege über Sremen oder Hamburg zur Absendung gelangen, können, ohne in Rew-Dork einer zollamtlichen Revision unterzogen zu werden, unter Zollverschluß direkte Beförderung bis nach dem Ausstellungsplatz für die Weltausstellung in Chicago erhalten. Die Ueberführung daselbst nach der Ausgabestelle innerhalb des Ausstellungsplatzes wird durch die Zweigniederlassung der Firma Hensel, Bruckmann & Lorbacher, 113 Adams Street, wahrgenommen.
Bei der Ausgabestelle sind die Sendungen alsbald nach dem Eingänge durch einen von der Kommission seines Landes hierzu ermächtigten Vertreter des Ausstellers in Empfang zu nehmen.
Die Packete, sowie die zugehörigen Begleitadressen müssen in hervortretender Weise die Angabe „Objects from Germany for the World’s Columbian Exposition 1893" tragen; außerdem ist jeder Sendung eine vom Absender unterzeichnete Rechnung (Faktura) in dreifacher Ausfertigung auf besonders starkem, haltbaren Papier offen beizugeben. In den Rechnungen, deren Beglaubigung durch einen amerikanischen Konsul nicht erforderlich ist, müssen die in der Sendung enthaltenen Gegenstände einzeln bezeichnet und deren Werth, Preis u. s. w. genau angegeben sein.
Die vorstehenden Vergünstigungen erstrecken sich nur auf Packete, welche bis einschließlich den 26. März 1893 in Bremen oder Hamburg vorliegen.
Berlin W., 13. Januar 1893.
Reichspostamt, I. Abtheilung.
Sachse.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Eine Peitsche. Eine Knabenmütze mit Ueberzug. Ein Reißzeug.
Hanau am 19. Januar 1893.
Tagesschau.
Berlin, 18. Jan. Seine Majestät der Kaiser und König hörten heute Vornuttag um 10 Uhr den Vortrag des Chefs des Zivilkabinets, empfingen um llVi Uhr den Fürsten Stolberg und hatten hierauf mit dem Staatssekretär des Auswärtigen Amts Freiherrn Marschall v. Bieberstein eine Besprechung. Gestern Abend um 7 Uhr fand ein Diner der Ritter des Hohen Ordens vom Schwarzen Adler im Königlichem Schlosse statt.
Berlin, 18. Januar. Der Reichstagsabgeordnete Göser, Stadtpfarrer in Saulgau (Württemberg) ist gestorben.
Berlin, 18. Januar. S. M. S. „Gneisenau", Kommandant Korpettenkapitän Stubenrauch, ist am 16. Januar in Trinidad angekommen und beabsichtigt am 4. Febr. nach Grenada (Westindien) in See zu gehen.
Breslau, 18. Jan. Auf dem Sammelbechnhof Krugsschacht bei Komgshütte entgleiste gestern ein Güterzug mit 28 Wagen, wodurch auf der Strecke Königshütte-Beulhen der Personenverkehr gesperrt wurde. Der heute früh fällige Berlin-Wiener Schnellzug durchfuhr eine Kolonne von Streckenarbeitern in der Nähe von Oderberg. 2 Arbeiter wurden gelobtet, mehrere verstümmelt. Verschiedene Bahnstrecken sind durch Schneeverwehungen gesperrt. N.)
Die neueste, Nummer des amtlichen deutschen Kolonialblattes bringt wieder eine Fülle von Nachrichten aus den deutschen Schutzgebieten. ^" ^owenantheil davon nimmt diesmal Kamerun für sich in Anspruch in einem Bericht des Premierlieutenants von Stettin über das nördliche Hin- terlanr von Kamerun und einem damit korrespondirenden Berichte des Se- kondelreutenants Hutter über die Station Baliburg. Von besonderem Werthe ist dabei die Karalterzeichnung, welche Stelten in scharfer Auffassungsgabe oon den einzelnen Völkerschaften des „Waldlandes", den Bakundus, Sa« tomg unb Mabums, sodann von den Balis gibt, welche mit den Deutschen in allernächster Beziehung stehen. Dazu kommen die interessanten Beiträge Hutters über das Baliland, sein überaus gesundes Klima und seine Be
wohner. Eine sehr dankenswerthe Beigabe zu dem letzteren Bericht sind auch die hübschen Pläne der Station. Für die Sklavenfrage im Seeengebiete sind die Mittheilungen des Stationsleiters von Bukoba, Lieutenant Hermann, über den Sklavenhandel am Viktoria Ryansa von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Danach hat dort Sklavenraub niemals bestanden, weil die dortige einheimische Bevölkerung in ihrer Einigkeit stark genug war, die arabischen Sklavenhändler in Schranken zu halten. Zwar gibt es dort Kriegssklaven, aber ihre Lage ist die des Hörigen bei den Germanen und so günstig, daß die von den Wasibas gefangenen Wagandas gar nicht in ihre Heimaih zurückwollen. Karakieristisch ist, daß am ganzen See kein einziger Araber wohnt und mit Ausnahme von Muansa auch kein Suaheli. Es würde zu weit führen, wollten wir an dieser Stelle noch eingehender über den Inhalt berichten. Als Einzelheiten von größerem Interesse mögen nur noch der Bericht des Lehrers Koebele über die Regierungsschule in Kamerun, die eingehenden Erörterungen über die Richtigstellung der geographischen Namen in den Kolonien und die Nachricht erwähnt werden, wonach der Gouverneur von Deutsch Ostafrika Freiherr von Sode« krankheitshalber nach Bombay zu reise» beabsichtigte und Oberstlieutenant von Schele eine Informationsreise in das Innere unternommen hat.
Hamburg, 18. Januar. Heute wurden nach dem „Rh. K." bei 3 weiteren Negern der Besatzung des Schiffes „Gretchen Bohlen" Cholerabazillen nachgewiesen.
Cuxhaven, 18. Januar. Die Schifffahrt auf der Unterelbe ist infolge des Eisganges nahezu gesperrt. Die Hamburger Rheder beordern ihre Schiffe nach anderen Häfen. Die Dampfer der „Südamerikanischen Packetfahrtgesellschaft" werden nach Bremerhaven gesteuert. In hamburgischen Schifffahrtskreisen wird lebhaft bedauert, daß der Ausbau des hiesigen Siehafens noch nicht erfolgt ist. (RH. K.)
Paris, 18. Jan. Panamaprozeß. Das Plaidoyer des Staatsanwalts wurde beendet. Er fordert, nach den „Fr. N.", strenge Bestrafung der Angeklagten. Eine Geldstrafe wäre ungenügend, die Gerechtigkeit fordere strengere Ahndung. Morgen finden die Plaidoyers der Vertheidiger statt. Der Deputirte Deloncle theilte in den Wandelgängen der Kammer mit, er beabsichtige Develle wegen der Vorgänge in Egypten zu befragen und die Absendung eines französischen Geschwaders nach Egypten zu beantragen.
Petersburg, 18. Jan. Die anhaltende, nachgerade unerträgliche Kälte der letzten Tage, die 20 Grad überstieg, hat endlich nachgelassen. Das Thermometer zeigt 8 Grad unter Null.
Bremen, 15. Januar. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Straßburg" ist gestern in Montevideo und der Dampfer „Preußen" vorgestern in Singapore eingetroffen.
Trieft, 16. Januar. Der Lloyddampfer „Daphne" ist, aus Konstantinopel kommend, gestern Abend hier eingetroffen.
Depefchen-Burea« „Herold".
18. Januar, abends 9 Uhr:
Deutscher Reichstag.
Das Haus ehrt das Andenken des verstorbenen Abgeordneten Hilpert in der üblichen Weise.
Aus der Tagesordnung stehen Anträge aus dem Hause. Zunächst werden die Anträge des Abg. Ackermann, die den Reichskanzler um Vorlegung einer Reihe von Gesetzentwürfen ersuchen, welche sämmtliche den erhöhten Schutz des Handwerks erstreben, berathen.
Abg. Ackermann (kons.) legt in längerer Ausführung die Forderung dar, daß die Erlaubniß zur selbstständigen Betreibung eines Handwerks, unter Zusammenlegung verwandter Gewerbe, von dem vorausgegangenen Befähigungsnachweise abhängig zu machen sei, eine Forderung, die von den konservativen Freunden des Handwerks seit 20 Jahren ausdauernd verfochten werde. Es würde erfreulich sein, wenn der Reichstag sich wiederum unzweideutig für den Befähigungsnachweis ausspräche.
Abg. Stolle (Soz ) wundert sich, daß der Vorredner nicht wie früher die Verhältnisse in Oesterreich gelobt habe Der Befähigungsnachweis habe dort nichts genützt, was aus den Berichten der dortigen Fabrik- inspektoren ersichtlich sei. Der Vorredner behaupte immer, die Sozialdemokratie sei eine Feindin des Handwerks. Dieser Vorwurf müsse entschieden zurückgewiesen werden. Die Zeit sei nicht mehr fern, wo alle Handwerker sich der Sozialdemokratie zuwenden würden. Er stimme gegen die Anträge.