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Nr. 13.
Montag den 16 Januar
1893
Amtliches.
Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.
Um Nachricht über den derzeitigen Aufenthalt des Dachdeckers, zuletzt Pulverhülfèaibeiters, Heinrich Weber, geboren am 7. August 1861 zu Hausen, Kreis Gießen, welcher sich im Monat Dezember 1892 unter Zurücklcssung seiner Familie in hilfsbedürftiger Lage heimlich von hier entfernt hat, wird ersucht.
Hanau am 12. Januar 1893.
Königliche Polizeidirektion.
P- 409 J. A.: Köhler, Regierungsassessor.
Landkreis Hanau. Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
■ Nach Mittheilung des Königlichen Landrathsamtes zu Gelnhausen ist unser dem Rindvieh des Bullenhalters Ackermanns Konrad Adler und des Konrad Benzing VI. zu Neuses die Maul- und Klauenseuche aus- gebrochen.
Hanau am 11. Januar 1893.
Der Königliche Landrath v. Oertzen.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Verloren: Ein goldener Ring mit Stein. Ein goldenes und ein silbernes Armband. Ein Spazierstock von Schwarzdorn mit Hirschhorngriff und langer Eisenspitze.
Entlaufen: Am 23. v. Mts. zu Oberissigheim ein Bernhardinerhund, weiß mit gelben Blacken.
Zugelaufen: Ein gelber Pinscher w. Geschl.
Gefunden: Ein Portemonnaie mit einigen Pf. Ein leeres Portemonnaie. Eine Schnupftabaksdose. Ein schwarzer Herrntuchkragen (in der Garderobe der Schlittschuhbahn am Teich). Ein Haarpfeil.
Hanau am 16. Januar 1893.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, nachstehende Bekanntmachung des Vorstandes des landwirthschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden veröffentlichen zu lassen.
Hanau am 16. Januar 1893.
Der Königliche Landrath v. Oertzen.
Landwirthschaftlicher Kreis-Verein Hanau.
Nächste Versammlung Samstag den 21. Januar, nachmittags
2 Uhr, im Gasthaus zum goldenen Löwen in Hanau. Tagesordnung:
1) Geschäftliche Mittheilungen.
2) Bericht über die neu errichtete Versicherungskasse für Schlachtschweine in Hanau. Referent Herr Kreisthierarzt Coll mann.
3) Vortrag des Herrn Dr. R. Hesse, Direktor der landwirthschaft- lichen Schule in Marburg, über „Unkräuter und deren Vertilgung." Der Vorstand.
Tagesschau.
Berlin, 14. Januar. Heute Vormittag nahmen Seine Majestät der Kaiser und König den Vortrag des Ministers für Handel und Gewerbe Freiherrn von Berlepsch und darauf denjenigen des Chefs des Generalstabs der Armee Grafen Schliessen II. entgegen. Hierauf hatten Seine Majestät mit dem Chef des Militärkabinets eine Besprechung und nahmen um 1 Uhr eine Reihe militärischer Meldungen entgegen.
Esten, 14. Januar. Der Streiksnhier Ballmann wurde bei seiner Rückkehr aus dem Streilgebicte auf dem Bahnhöfe von der Polizei verhaftet. Aus Bochum wird glmlldet, daß es auf der Zeche „Lothringen" zwischen Streikenden und Arbeitenwvllenden in vergangener Nacht unter Theilnahme von Weibern zu einer Schlägerei gekommen und mehrere ver- btzt worden seien, darunter eine Person lebtnsgefährlich. (Fr. N.)
Aus Esten wird der „Köln. Ztg." gemeldet: In einem Rundschreiben des bergbaulichen Vereins werden dieZechen dringend ersucht, von
I den einschlägigen Paragraphen der Arbeitsordnung ausnahmslos den genauesten Gebrauch zu machen und keinen Arbeiter anzunehmen, der wegen Betheiligung am Ausstande aus einer anderen Zeche e tlassen worden ist. Dieses sei um so leichter durchführbar als du'ch eine längere Beschränkung der Kohlenförderung kein wirthschaftsicher Nachtheil erwachsen werde. Die Nachricht mehrerer Blätter, auf der Zeche „Konsolidation" sei eine Schach- sprengung versucht worden, wird auf Grund einer Mittheilung der Zechenverwaltung als unrichtig bezeichnet.
Gelsenkirchen, 14. Januar. Die beute Abend stattgehabte gehime Bergarbeiterverfimmlung wurde polizeilich aufgelöst. Die Polizei schloß das Lokal und trieb die Menge, soweit sie sich nicht gutwillig entfernte, mit der blanken Klinge auseinander.
Chemnitz, 14. Januar. Infolge Schneeverwehungen sitzt der heutige erste Eis nbahnzng von Riesa bei Mittweida fest, ferner der erste Zug von Reichenbach bei Neumark. Auf den Linien Leipzig-Borna-Ehem- nitz und Leipzig-Limbach erleiden die Züge eine mehrstündige Verspätung, die Strecken Zwickau— Stern und Freiberg—Halsbrücke sind vollkommen gesperrt. _ (Re chèanz.)
München, 14. Januar. Im Gebäude der Hauptpost platzte gestern ein Dampfrohr, wodurch vielfache Sachbeschädigungen angerichret wurden. — Infolge der Kälte und des Schnee's sind Zugverspätungen sehr häufig. Der kaiserliche Extrazug hatte'gestern 7a Stunde Aufenthalt in Crailsheim. Ein Salonwagen, der sich warm gelaufen hatte, mußte ausgehängt werden.
New-Aork, 14. Januar. Der „New Dork Herald" meldet: Der Panamako greg in Cartagena hat die Vorlage, betreffend die Verlängerung der Bauerlaubi iß für den Panamakanal, arg nommen. Nach einer Depesche des „Sun" aus Washington ei klärte Carliste in einem Schreiben an Cleveland, den Posten des Schatzsekretä's unter der Bedingung anzunehmen, daß die Regierung ihn b.i der Kanditatur für die Präsidentschaft im Jahre 1896 unterstütze.____
Depeschen-Bnren« „Herold".
14. Januar, abends 9 Uhr:
Deutscher Reichstag.
Fortsetzung der Berathung über den Nothpand.
Abg. Hitze (Zentrum) e> kennt nicht das Recht auf Arbeit, wohl aber das Recht auf das Existenzminimum an, daher sei es die Pflicht der Gemeinden, in Zeiten der Roth derselben durch außerordentliche Maßnahmen zu steuern. Bezüglich der Verkürzung der Arbeitszeit habe der Reichstag in der Gewerbeordnung den elfstünvigen Arbeitstag als Norm vorgeschrieben. Der Achtstundentag sei kein Mittel zur Abhilfe der Arbeitslosigkeit; auch die Abschaffung der Kinderarbeit bessere nichts. Redner hofft, daß die Sonntagsruhe in den Fabriken spätestens am 1. April ein- geführt werde. Er vertheidigt das Koalinonsrecht der Arbeiter; die Ar- beitsbörsen seien gut, beseitigen aber nicht die A' beitslosigöit. Der jetzige Nothstand beweise die Nothwendigkeit des Schutzzolles. Die Preise seien trotz des Schutzzolles niedriger wie je. Redner fordert die Sozialdemokraten auf, endlich positive Vorschläge zu machen. Bezüglich des Streiks erklärt sich der Redner mit den Ausführungen des Ministers einverstanden. Die Arbeiter sollten nicht Hetzer, sondern Ruhige, Besonnene an die Spitze ihrer Organisation stellen.
Abg v. Kardorff (Reichsp.): Die Arbeitslosst keck in großln Städten sei eine Folge der Entvölkerung des platten Larges. Redner spricht sich gegen die Arbeiterausschüsse aus, weil diese einen großen Theil der Arbeiter an die Sozialdemokratie ausliefern. Die Arschbung des Sozialistengesetzes war eine bedenkliche Maßregel, jeyt z ickn sich die Folgen der Aufhebung.
Abg. Hirsch (freis.) gibt das Vorhände, sein des Nothstandes zu, aber Grund für außerordentliche Abwehrmaßregeln sei nicht vorhanden, i Unter den neuen Arbeitsbedingungen hätten zahl'rucke Arbeiter Beschäftigung gefunden. Es müsse ein humanes Arbeitsver^âllniß zwischen Arbeitgebern und Arbeitern hergestellt, mit ausköurmlickeu Löhners uub mäßiger Arbeitszeit hergestellt werden.
Abg. Möller (natl.) : Der Streik im Rub-g biet sei viel ungerechtfertigter als im Saargebiet. Die Lm.uve'hälu fise in den Berc.werks- ' distrikten in Westfalen seien gut. Die Siede- ring mäste die Arbriis- I willigen schützen.
I Handelsminister Frhr. v. Berlepsch gibt e lie Uebersicht der Löhne im Saar- und Ruhrgebiet.