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Nr. 10.
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Donnerstag den 12. Januar
1893
Amtliches.
Bekanntmachung.
Postpacketverkehr mit Deutsch-Südwest-Afrika.
Von jetzt ab können Postpackete ohne Werthangabe im Gewicht bis 3 kg nach Windhoek (Deutsch-Südwest-Afrika) auf dem Wege über Hamburg und England versandt werden.
Die Poffpackete müssen frankirt werden. Die Taxe beträgt einheitlich 5 Mk. 50 Pf. für jedes Packet.
Ueber die Versendungsbedingungen ertheilen die Postanstalten auf Verlangen Auskunft.
Berlin W., 5. Januar 1893.
Der Staatssekretair des Reichspostamts, von Stephan.
Landkreis Hanau.
Bekannimachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Die zur Bezirkshebamme bestellte Elisabeth Schäfer aus Niederrodenbach ist aus Grund ihrer vor der Königlichen Prüfungskommission in Marburg bestandenen Prüfung eidlich verpflichtet worden.
Hanau am 7. Januar 1893.
Der Königliche Landrath.
V. 170 I. V.: Dr. Köhler, Regierungsassessor.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachungen des Oberbiirgermeifteramtes.
Zu statistischen Zwecken hat eine Zählung des Viehbestandes am 1. Dezember 1892 stattge funden.
Das aemäß derselben aufgestellte Verzeichniß über den Bestand an Pferden, Eseln und Rindvieh ist zur Einsicht der Betheiligten vom 13. bis einschließlich 26. d. Mts. im Rathhause aufgelegt und sind Anträge auf Berichtigung bis zum 26. d. Mts. bei dem Unterzeichneten, etwaige Reklamationen gegen die bezüglichen Entscheidungen aber bis einschließlich den 3. Februar cur. bei Königlichem Rkgierungspräsidium zu Cassel anzubringen.
Hanau am 11. Januar 1893.
Der Oberbürgermeister Westerburg. 563
Handelskammer gu Hanau.
Oeffentliche Sitzung Freitag den 13. Januar cr„ nachmittags 4 Uhr, im unteren «Laale des Rathhauses in Hanau. 535
Tagesschau.
Berlin, 10. Januar. Seine Majestät der Kaiser und König wohnt, n gestern Nachmittag in Sigmaringen der Trauung Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Ferdinand von Hohenzollern, Thronfolgers von Rumänien, mit Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Marie von Großbritannien und Irland bei und verließen heute früh um 8 Uhr 10 Minuten Sigmaringen, um Sich nach Karlsruhe zu begeben.
Berlin, 11. Jan. S. M. S. „Mane", Kommandant Korvettenkapitän Freiherr von Lyncker, ist am 9. Januar in St. Vircent (Kap Verdische Inseln) eingetroffen und beabsichtigt am 13. nach Montevideo in See zu gehen.
Berlin, 11. Januar. Die Post von dem am 6. Dezember aus Shanghai abgegangenen Reichspostdampfer „Darmstadt", sowie die mittels des Reichspostvampfers „Karlsruhe" beförderte Post aus Australien (Ab gang aus Adelaide am 8. Dezember) ist in Brindisi eingetroffen und gelangt für Berlin voraussichtlich am 11. d., vormittags, zur Ausgabe.
Köln, 11. Januar. Wie die „Köln. Ztg." aus Castrop von heute meldet, ist in Rauxel, woselbst am Sonnabend die Sprengung des Eisenbahngeleifes, stattfand, in vergangener Nacht ein Haus durch Dynamit beschädigt worden.
Danzig, 11. Jan. Der Kommandant von Danzig, Generalmajor Malotkr Trzrdirtowèki, ist infolge eines Schlaqanfalls nachmittags gestorben.
Bildstock, 11. Jan. Die gestrige Nachmittagsversammlung war, nach den „Fr. NJ, von etwa 2500 Personen besucht und dauerte von 2 bis 3 Uhr. Die Führer Lambert, Schommer, Mohr und Anschütz ermun- j
terten zum Ansharren, der Sieg würde alsdann nicht ausblciben. In Spriesen wurde eine große Anzahl von Strafbefehlen solchen Personen zugestellt, welche die anfahrenden Bergleute in den letzten Tagen verhöhnt und ungehalten oder mißhandelt hatten. Die Strafen betragen 15, 30 und 45 Mark.
Strassburg, 11. Januar. Der Kaiser traf um 1 Uhr mittags ein, alarmirte die Garnison und ritt, von einer zahlreichen Menge begrüßt, durch die festlich beflaggten Straßen nach dem Exerzierplatz bei dem Polygon, begab Sich um 4 Uhr nachmittags nach dem Palais des Statthalters, wo um 71 /2 Uhr ein Diner stattfand, wozu die Generale und die Mitglieder des reichsländischen Ministeriums geladen waren. Nachts reist der Kaiser nach Karlsruhe weiter. (F. N.)
Wien, 11. Jan. Der „Polit. Korreip." wird aus Prag gemeldet: Die strafgerichtiiche Untersuchung gegen den Advokaten Podlipry und den Sprechlehrer Schmidt Beauchez wurde eingestellt, da die Beschuldigten in Abrede stellten, in Nancy Reden in j ncm Wortlaute gehalten zu haben, wie die Blätter ihn mitiheilten, und diese Rechtfertigung von Zeugen nicht widerlegt wurde.
Wien, 11. Januar. Die Rothschildgruppe übernimmt auf Grund des heute unterfertigten V rtrages: 60 Millionen Gulden 4prozentige Goldrente behufs Goldbeschaffung, ferner zum Kurse von 92 die behufs Konversion Der fünfprozentigen Notenrenten auszugcbenden 4prozentigen Kronen- renten und schließlich zum Kurse von 94^2 die behufs Konversion der Vorarlberger- und Kronvrinz Rudolfbahnobligastonen auszugebenden, auf Kronen lautenden Eisenbahnstaatsschuldverschreibungen. Die Uebernahme erfolgt zur Hälfte fix, zur Hälfte in Option, wobei der nach eimm sehr mäßigen Präzipuum verbleibende Mehrerlös zwischen dem Konsortium und der Finanzverwaltung zur Hälfte geteilt wird. (Rh. K.)
Paris, 11. Januar. Panama'Prozeß. Eiffel wurde, wie die „Fr. Nr." berichten, vernommen, betreffs der je zwei Millionen, welche er an Hebrard, den Direktor des „Temps" und Reinach, den Unternehmer, gezahlt hat. Er erklärte, er habe zum Gelingen des Unternehmens den Einfluß und die Unterstützung derselben gebraucht. Wegen der für seine nicht völlig ausgeführten Arbeiten empfangenen 18 Millionen befragt, erwiderte Eiffel, er habe das Geld gemäß des Vertrages und als Komp.nsation für unvorherzusehende Ausgaben behalten. Der Präsident erklärte, ein solcher Vertrau müßte annrillirt werden.
Pola, 10. Jan. Der Lloyddampfer „Argo" stieß, laut Meldung des „Reichsanz.", in ter vergangenen Nacht mit dem italienischen Segelschiff „Erminia" zusammen; letzteres sank. Die Bemannung wurde gerettet? In derselben Nacht strandete der italienische Dampfer „Dauiro" bei den Brioni Inseln.
Bremer», 9. Januar. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „H. H. Meier" ist gestern in New - Dort angekommen. ■
Depeschen-Burean „Herold".
11. Januar, abends 9 Uhr:
Deutscher Reichstag.
Fortsetzung der Berathung der Brauiteuervorlage.
Abg. Grillenberger (Soz.): Die Mehrbelastung, welche allen die Erhöhung der Brausteuer bringe, könne den Widerstand gegen die Vorlage nur stärken. Die neugeplante Biersteuer sei weiter nichts als eine Vermebrung der indirekten Steuern. In den Motiven werde zugestanden, daß dem Bier ein gewisser Nähr werth nicht ab.ksprochen werden könne; hierauf hätten die Bundesregierungen niemals Rücksicht genommen, sondern stets die E: Höhung der Brausteuer verlangt, so sei es auch j tzt, da Geld für Militär nöthig sei. Redner plaidirt energisch gegen die Vorlage.
Bayerischer Finanzminister v. Riedel sucht die über die bayerischen Verhältnisse gestern und heute im Reichstage vorgebrachten Behauptungen zu widerlegen.
Abg. Möller (natl.) erklärt der Ausdehnung der Besteuerung nicht abgeneigt zu sein, spricht sich aber trotzdem gegen die Vorschläge der Regierung aus und beantragt die Verweisung der Vorlage an die Kommission, womit Staatssekretär v. Maltzahn einverstanden ist.
Abg. Bachem (Zentrum) erklärt die Bie steuer für das unerfreulichste Mittel den Bedarf für die Militärausgaben zu decken; sie treffe nur den Mittelstand, den allerdings die Sozialdemokratie zerreiben wolle.