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Nr. 143.

Mittwoch den 22. Juni

1892.

Monnements-Kinladung.

Mit dem 1. Jnli 1892 beginnt ein neues Abonnement auf den „Hanauer Anzeiger", welcher fvglerch amtliches Organ für den Stadt- nnd Landkreis Hanau, und nachweislich das weitverbreitetste und umfang­reichste Blatt Hanaus ist.

Der Abonnementspreis beträgt M. 2.25 pro Quartal und nehmen sowohl die Expedition (Waisenhaus) als auch sämmtliche Postanstalten Bestellungen entgegen.

Nicht gekündigte Abonnements gelten als stillschweigend erneuert.

Neu zutretende Abonnenten erhalten den Anzeiger vom Tage der Bestellung bis Anfang des Quartals unentgeltlich.

Die Expedition des Hanauer Anzeigers.

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

Durch die Ausführung des Sammelsiels IV durch die Fischergaffe wird wegen der Enge der Straße die Absperrung des Fuhrverkehrs für dieselbe von Donnerstag den 23. d. Mts. angeordnet.

Dagegen wird für den vollen ungehinderten Verkehr in der Richtung Kanalthor— Römerstraße wie Kanalthor— Krämerstraße Sorge getragen werden.

Hanau am 21. Juni 1892.

Königliche Polizeidirektion.

J. A.: Meister, Regierungs-Assessor.

Landkreis Hanau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Die Heuankäufe beim Proviantamte Bockenheim sind ausgenommen. Das Heu muß aus langen, süßen Gräsern bestehen, vor allen Dingen trocken geerntet, frei von Moostheilen rc. sein. Produzenten erhalten den Vorzug. Jede weitere Auskunft wird vom Königlichen Proviantamt ertheilt.

Hanau am 20. Juni 1892.

Der Königliche Landrath

M. 3017 v. Qertzen.

Der Beigeordnete Johannes Reußwig zu Niederrodenbach ist zum Schiedsmannsstellvertreter für den zusammengesetzten Schiedsmannsbezirk Niederrodenbach-Oberrodenbach und Wolfgang bestätigt und verpflichtet worden.

Hanau am 21. Juni 1892.

Der Königliche Landrath

V. 3926 v. Oertzen.

Zum Standesbeamten für den Standesamtsbezirk Langenselbold ist der Bürgermeister v. Brauchitsch daselbst bestellt und verpflichtet worden.

Hanau am 18. Juni 1892.

Der Königliche Landrath

A. 1358 v. Ocrtzen.

. Nach Mittheilung des Königlich Bayerischen Bezirksamts zu Alzenan 'st wegen Verbreitung der Maul- und Klauenseuche für Michelbach Flur­sperre angeordnet worden.

Hanau am 17. Juni 1892.

, Der Königliche Landrath.

£4116 I. A.: Meister, Regierungs-Assessor._______________

Die Besuche des Kaisers Alexander «nd des italienischen Königspaares.

Friedliche Zeichen beherrschen die Lage. Von Kopenhagen aus unter­nahm Kaiser Alexander von Rußland eine Fahrt nach Kiel, um unseren

Kaiser zu begrüßen, nachdem er wiederholt auf Reisen zwischen Danemar und Rußland deutschen Boden hatte betreten müssen, und am 20. Juni traf das italienische Königspaar in Berlin—Potsdam ein, um im persön­lichen Verkehr die innigen Beziehungen zu pflegen, die beide Herrscher­häuser und Staaten mit einander verbinden. Unser Kaiserpaar hatte das italienische im Herbst 1889 in Monza auf der Reise nach Griechenland zur Hochzeit des griechischen Kronprinzenpaares und weiter nach Konstan­tinopel begrüßt. Der Besuch in Potsdam, bei dem König Humbert von dem Minister des Auswärtigen Brin begleitet worden ist, läßt sich aber nicht einfach als Gegenbesuch bezeichnen, da bei einer so nahen Freundschaft das Abwägen schuldiger Höflichkeiten kaum am Platze wäre.

Wenn sich die Kaiser von Rußland und Deutschland eine Anzahl von Stunden in freundschaftlichem Verkehr bewegt haben, so darf uns dies als ein Zeichen für ihren Willen gelten, Frieden und Freundschaft zu halten. Für jeden, der in den politischen Verhältnissen Bescheid weiß, ver­steht es sich von selbst, daß in Kiel weder politische Abmachungen stattge­funden haben noch ein besonderer politischer Zweck mit dem Besuch ver­bunden gewesen -ist; ebenso aber ist es selbstverständlich, daß die Absichten, die dabei vorwalteten, keine unfreundlichen und unfriedlichen waren, und sicher ist es, daß der Besuch auf beiden Seiten gute Eindrücke hinterlassen hat. Deshalb dürfen wir die Kieler Begegnung als einen Frieden ver­heißenden Vorgang betrachten.

Auch das italienische Königspaar verfolgt mit seinem Besuch keine besonderen politischen Ziele. Der Besuch spricht für sich selbst. Er ist der Ausdruck der freundschaftlichen Beziehungen beider Monarchen und Staaten, die nicht nur durch feste Verträge, sondern auch durch aufrichtige Zu­neigung und Interessengemeinschaft mit einander verbunden sind. Eine Zeit lang schien der Besuch wegen der verwickelten parlamentarischen^Vcr- hältnisse in Italien in Frage gestellt, bis der Kammerbeschluß vom Sonn­abend in so fern Klarheit herbeiführte, als der König nun nicht mehr durch Sorgen daheim gehalten wird. Wir wissen, auch wenn die inneren Verhältnisse den Aufschub des Besuchs nothwendig gemacht hätten, so wäre an den Gesinnungen des Königs Humbert und des italienischen Polks nicht zu zweifeln gewesen. Wenn das Königspaar jetzt kommt, so wird es nicht nur von unserem Kaiserpaar, sondern auch von dem ganzen deutschen Volke herzlich willkommen geheißen, weil es aller Welt von Neuem die Gesinnungen vor Augen führt, die Italien in seiner auswärtigen Politik als Glied des nur friedlichen Zwecken dienenden Dreibundes beherrschen. Und wo etwa noch Zweifel gehegt werden, wo selbst Uebelwollen und Mißstimmung darüber herrschen mag, da wird die Thatsache des italienischen Besuchs sich mächtig genug erweisen, um die Auffassungen und Ansichten auf den Weg richtiger Beurtheilung zu führen. Mit einem warmem Glückwunsch begleitet das italienische Parlament das Königspaar auf die Reise; die, welche anders fühlen und denken, bilden nur eine kleine Minder­heit in Italien, die keinen Einfluß besitzt. Das deutsche Volk aber be­grüßt das Königspaar nicht nur in der Ueberzeugung, daß der Besuch den freundschaftlichen Beziehungen neue Nahrung und Festigung geben werde, sondern auch mit dem Wunsche, daß die friedliche Gestaltung der euro­päischen Verhältnisse daraus reichen Gewinn ziehen werde!

Tagesschau.

Berlin, 21. Juni. Der „Reichsanz." publizirt die am 20. d. Mts. in Homburg erfolgte Verlobung der Prinzessin Margarethe mit dem Prinzen Friedrich Karl Ludwig Konstantin von Hessen.

Berlin, 20. Juni. Der Kaiser wird, wie die „K. Z." schreibt, am Freitag Abend der Binnenregatta des kaiserlichen Nachtklubs für Kriegs­schiffsboote beiwohnen und am Sonntag Nachmittag auf der kaiserlichen Nacht Hohenzollern nach Stettin fahren, um dort am Montag den 27. auf der Werft des Vulkan die Taufe des neuen Avisodampfers zu vollziehen. Am 28. Juni vormittags wird er cuf der Hohenzollern wieder in Kiel eintreffen, am 29. an der Sceregatta des Kaiserlichen Nachtklubs theil­nehmen und am Abend an Bord der Hohenzollern die vom Panzerfahrzeug Siegfried (Kommandant Korvettenkapitän Gruner) begleitet wird, die auf vier Wochen berechnete Nordlandfahrt antreten.

Berlin, 2d. Juni. Einige Reichstags- und Landtagsabgeordnete hatten in Erwägung gezogen, dem mit König Humbert hier eingetroffenen