filfcrttrrietrnt^ f Preise JAhrriL 9 •* Jalbj ,4^50^. Vicrieljährlich
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Kummer 10 ^.
Nr. 133
Zugleich
Arntttches Z>rgan für StaöL- und Lanökreis Kancru. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Donnerstag den 9. Juni
JnsertiouS- n Preis:
Die Ifpaltige- ' Garmondzeile oder deren Raum 10 ^.
Die 1'/-sp. Zeile 15 -J.
Die 2fpaIL Zeile 20 -4.
Die Zspalt. Zeile 30 -4.
1892.
Amtliches.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein deutsches Lesebuch. Ein weißer feiner Kinderlatz mit Spitze. Ein gelber Haarpfeil. Ein Paar Damenstauchen. Ein Bedeck ion Sammt zu einem Kinderwagen. Ein weißes Taschentuch. Ein abgetragenes Korsett. Ein weißes Kinderhemd. Ein Kinderschuh. Ein Spa- zierstock. Ein Portemonnaie von Muscheln. Eine silberne Damenuhr. Eine Korallenkette. Vor ca. 3 Wochen in der städtischen Badeanstalt ein Regenschirm. Eine Hutbürste.
Zugelaufen: Ein kleiner junger schwarzer Dachshund mit gelben Abzeichen.
Verloren: Eine drei m lange schwarze Moirèschleife.
Entflogen: Ein schäckiger Kanarienvogel.
Hanau am 9. Juni 1892.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Interessenten diene zur Nachricht, daß die für den 6. ds. Mts. festgesetzte Reinigung der Stadtgräben am 15. Juni in herkömmlicher Weise statlftndet.
Hanau den 8. Juni 1892.
Der Oberbürgermeister ; Westerburg. 6794
Tagesschau.
Berlin, 8. Juni. Kaiser Wilhelm wird von seiner Kieler Reise morgen in Potsdam zurückerwartet.
Berlin, 7. Juni. Der deutsche Kommissar für das Togogebiet, Jesko v. Puttkamer, ein Sohn des jetzigen Oberpräsidenten von Pommern, der einen längeren Urlaub in der Heimath zugebracht hatte und während desselben längere Zeit in der Kolonialabtheilung des Auswärtigen Amtes beschäftigt war, hat am Pfingstsonntag von Hamburg aus die Rückreise nach dem Togogebiet angetreten. Gleichzeitig ist mit ihm Dr. phil. Gruner nach Westasrika abgereist, der an Stelle des in die Heimath zurückkehren- den Premierlieutenants Herold die Leitung der Station Misahöhe übernehmen und dort gleichzeitig naturwissenschaftlichen und geographischen Studien obliegen soll.
Berlin, 8. Juni. Die Abendblätter veröffentlichen das Antwortschreiben des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller in Sachen der Berliner Weltausstellung, worin es heißt, der Wunsch des Vereins gipfle nur darin, Deutschland und dessen Hauptstadt in einer Veranstaltung von so hoher Kulturbedeutung nicht durch rivalisirende Bestrebungen in anderen Ländern verdrängt, es vielmehr rechtzeitig verbürgt zu sehen, daß Deutschlands Anspruch auf eine Weltausstellung innerhalb dieses Jahrhunderts widerruflich festgestellt werde. — Heute Mittag wurde der Chirurgenkongreß eröffnet. Bruns-Tübingen besprach die chirurgische Bedeutung der neuen Feuerwaffen, besonders des Mannlichergewehrs. Die neuen Geschosse durchdringen bis zu 4000 Meter Entfernung noch die Knochen. Da jedoch der Nahekampf verschwinden werde, seien allzuweitgehende Befürchtungen für die Zukunft ungerechtfertigt. Der antiseptische Verband sei frühestmöglich anzuwenden. Das Krankenträgerpersonal sei im Verbandanlegen besser auszubilden. (Fr. N.)
Berlin, 8. Juni. S. M. Kreuzerkorvette „Arcona", Kommandant Korvettenkapitän Draeger, ist am 6. Juni von Barbados nach La Guapra (Venezuela) in See gegangen.
Kiel, 8. Juni. Die Manöverflotte und das Uebungsgeschwader, welche heute frü^8 Uhr die Kaiserstandarte auf der Yacht „Hohenzollern" salutirten, gingen alsbald in See zur Vornahme einer größeren Uebung. Seine Majestät der Kaiser begaben Sich um 9l;a Uhr an Bord- des Panzerschiffes „Bayern", welches den Geschwadern folgte. Bald darauf ging ■ auch die „Hohenzollern" in See.
Aplerbeck, 7. Juni. Ein schreülicker Unglücksfall ereignete sich Samstagabend in der Nähe des hiesigen Ortes. Aus seiner Garnison Koblenz kam der Zahlmeisteraspirant Rudolf Schulz von hier, um seine Mutter, eine Wittwe, zu besuchen. Da der Zug hier nicht hält, beging Schulz das schlimme Wagniß, in der Nähe der Zeche „Margaretha" aus dem schnell fahrenden Zuge zu springen. Er sprang in das zweite ®e= leise, wo er anscheinend betäubt liegen blieb; nachher ist er von einer leeren
Lokomotive überfahren und zermalmt worden. Man betrauert hier den Tod des prächtigen jungen Mannes allgemein und bedauert die tiefgebeugte Mutter umsomehr, als sie erst vor kurzem von einem Trauersall heimgesucht worden ist. (K. Tagbl.)
Halle, 8. Juni. Zu der zweiten Hauptversammlung des Lehrertages fanden sich 1800 Theilnehmer ein. Rektor Rißmann aus Berlin sprach über Lehrerbildung, Helmcke aus Magdeburg. Über die Erziehung verwahrloster Kinder.
Hannover, 7. Juni. Die Hauptversammlung des Vereins deutscher Ingenieure, der jetzt 7900 Mitglieder zählt, findet hier vom 29. bis 31. August statt.
Karlsruhe, 8. Juni. Der Badischen Korrespondenz zufolge ist der Staatsrath Eisenlohr zum Präsidenten des Ministeriums des Innern ernannt worden.
Ein für die Deutschen in Ostafrika sehr schmeichelhaftes Urtheil wurde in zwei großen Versammlungen, welche am 4. d. Mts. in London von der Universitäts-Misstonsgesellschaft für Zentralafrika abgehalten wurden, ausgesprochen. Bischof Smylhies hielt auf beiden längere Ansprachen, in welchen er u. A. erklärte, daß die Verwaltung der Deutschen wider Erwarten zum großen Segen für Ostafrika ausgefallen sei. Seit die Deutschen von Ostafrika Besitz ergriffen haben, seien die dortigen Verhältnisse im Allgemeinen in ein besseres Stadium getreten. Man könne unmöglich anders, als in Ausdrücken warmen Lobes von ihren Beamten sprechen. Die Deutschen hätten in jeder Beziehung ihre Bereitwilligkeit bewiesen, die Missionsgesellschaft zu unterstützen. Sie hätten ferner alles, was in ihren Kräften stand, zur Unterdrückung des von den Arabern noch immer betriebenen Sklavenhandels gethan und der Gesellschaft dabei erfolgreich zur Seite gestanden.
Wien, 7. Juni. Die „Köln. Ztg." schreibt: Der sozialdemokratische Parteikongreß berieth heute über das Programm und die künftige Taktik. Berichterstatter Adler vertheidigt in scharfen Wendungen gegen die Opposition die Grundsätze des Hainfelder Programms, das er gegen den Vorwurf in Schutz nahm, es sei nicht genügend sozialrevolutionär. Wenn die Sozialisten von ungesetzlichen Mitteln absehen, geschehe dies nicht aus Achtung vor dem Gesetz, sondern weil es wegen des wahrscheinlichen Mißerfolges Wahnsinn wäre, nutzlose Opfer zu bringen. Die Arbeiter müßten sich vom Hasse gegen die Ausbeuter zum Hasse gegen die Ausbeutung erheben, da der Kampf gegen einzelne Individuen zwecklos sei. Die Taktik müsse aufklärend, nicht schwindelhaft sein, und Schwindel sei es, wenn man behaupte, das Proletariat sei reif zur sozialen Revolution. Gleichzeitig hielten die oppositionellen föderalistischen Sozialisten eine Versammlung, in der die vollständige Lostrennung der Föderalisten vom sozialdemokratischen Parteiverbande beschlossen wurde.
Wien, 8. Juvi. Infolge des Hochwassers sind die Passagierfahrten der Donaudampfschifffahrt zwischen Passau und hier eingestellt, ebenso der Verkehr auf den Slaatsbahn - Strecken Großreifling -Hieflau und Jschl- Ebensee.
Brieg, 8. Juni. In Tschöplowitz wurde eine Falschmünzerweikstatt aufgedeckt. Vorräthe und Falschstücke wurden beschlagnahmt und die Häupter der Falschmünzerbande verhaftet. (K. Z.)
Pest, 8. Juni. In der Garnisonkirche wurde heute Vormittag ein feierlicher Gottesdienst durch den Fürstprimas Vaszary vollzogen, welchem der Kaiser, die Erzherzoge, Erzherzoginnen, das diplomatische Korps und die Minister beiwohnten. Nach dem Evangelium hielt der Fürstprimas eine kurze Festrede. Der Fürstprimas hob die seltenen Herrschertugenden des Monarchen, dessen unverbrüchliche Treue gegenüber der Nation hervor und flehte den Beistand Gottes an, daß die Stephanskrone immerdar ihr Licht in Frieden ausstrahle ; wenn aber nöthig, dann treffe die Schärfe des tausendjährigen Schwertes die Feinde des Vaterlandes wie ein Blitz. Hierauf segnete der Fürstprimas den König, die Königin und das ganze Herrscherhaus und forderte die Nation auf, ihren Glauben und ihre Traditionen zu erhalten. (Fr. N.)
Kopenhagen, 8. Juni. Der Kaiser von Rußland ist heute Vormittag 10 Uhr hierher zurückgekehrt.
Nom, 8. I uni. Fürst Balthasar Odescalchi erhnlt am Sonntag einen Brief, unterzeichnet „die Todesgruppe der Dynamitarden", in welchem er aufgefordert wurde, eine Million Lire an einem bestimmten Orte zu hinterlegen. Die Polizei legte an dieser Stelle ein Paket nieder und nahm zwei mit Revolvern bewoffnete Menschen fest, die sich an dem Bestimmungs-