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Nr. 131.
Dienstag den 7. Juni
1892.
Amtliches.
Stadtkreis Hanau.
Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung vom 30. Mai d. I., Nr. P. 5212, Hanauer Anzeiger Nr. 127, wird weiter bekannt gegeben, daß anch die Platzfrage im Lamboywalde durch die Königliche Polizeidirektion hierselbst geregelt wird.
Es haben sich zu diesem Zweck sowohl die Besitzer von Schaubuden, Wirthschaften rc., als auch die Vorstände von Vereinen, welche eine Vereinswirthschaft errichten wollen, am Freitag den 10. und Sonnabend den 11. d. Mts. in der Zeit von 8 bis 11 Uhr vormittags im Lamboywalde einzufinden und sich an den dortselbst anwesenden Polizeikommissar zu wenden.
Vor Freitag den 10. Juni dürfen keinerlei Vorrichtungen auf dem Festplatze getroffen werden, wie auch das Anfahren von Wagen rc. vor dieser Zeit verboten ist.
Zuwiderhandlungen werden mit Strafe bis zu 15 Mark subs. 3 Tagen Haft und Ausschließung von dem Feste bestraft.
Hanau am 6. Juni 1892.
Königliche Polizeidirektion.
P. 5488______v. Oertz e n.
Landkreis Hanau.
Uekanntmachttngen des Königlichen Landrathsamtes.
Der am 29. Februar 1868 zu Windecken geborene Kaufmann Karl Wilhelm Färber hat um Entlassung aus dem Preußischen Staatsverband . zwecks Auswanderung nach Batavia nachgesucht.
Hanau am 31. Mai 1892.
Der Königliche Landrath
V. 3714________________________v. Oertzen._______________________________
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Herrnhut. Ein Regenschirm (auf der Post stehen geblieben). Eine Brille. Ein weißes Tascheniuch. Eine schwarze Schürze mit Spitzen. Ein schwarzer Glacehandschuh (linker).
Verloren: Ein ächtes silbernes Kettenarmband; dem Wiederbringer eine gute Belohnung. Ein neuer Regenschirm mit gelbem Knopf. Eine schwarze lederne Manschette.
Entlaufen: Ein kleiner schwarzer Dachshund mit gelben Abzeichen, w. Geschl.
Hanau am 7. Juni 1892.________________
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachungen -es Oberbürgermeisteramtes.
Dienstag den 14. Juni 189 2 6692
Zucht- und Fettviehmarkt in Hanau.
Lagesschau.
Berlin, 4. Juni. Der „Reichsanz." Nr. 131 veröffentlicht: Gesetz über die Vorbereitung des Kriegszustandes in Elsaß-Lothringen, vom 30. Mai 1892.
Berlin, 4. Juni. Seine Majestät der Kaiser und König empfingen heule Vormittag den Fürstbischof Kopp in längerer Unterredung.
Berlin, 4. Juni. Der Kaiser begibt sich am Montag Nachmittag um 2 Uhr von der Station Wildpark über Oldesloe nach Kiel, wo er um 78/4 Uhr abends eintrifft. Der Zeitpunkt der Rückfahrt ist noch ungewiß.
Berlin, 4. Juni. Zufolge einer zwischen der französischen und der spanischen Regierung getroffenen Vereinbarung wird bis auf weiteres die spanische Einfuhr in Frankreich sowie in den französischen _ Kolonien und Besitzungen vom 1. Juni ab dem französischen Minimaltarif, die französi- i iche Einfuhr in Spanien sowie in den spanischen Kolonien und Besitzungen . für die Zeit vom 1. bis 30. Juni dem bestehenden spanischen Vertrags- I ^"uf, vom 1. Juli ab den in Spanien und beziehungsweise in den spani
schen Kolonien geltenden Minimaltarifen unterworfen werden. Die bezüglichen Dekrete sind in Frankreich unter dem 27. und in Spanien unter dem 28. Mai erlassen worden.
Berlin, 4. Juni. S. M. Kreuzer „Bussard", Kommandant Korvettenkapitän Gertz, ist am 17. April in Matupi (Neu-Guinea) eingetroffen und am 12. Mai von dort nach den Marschallinseln in See gegangen.
Berlin, 4. Juni. Der Verein Berliner Kaufleute und Industriellen beschloß gestern in Uebereinstimmung mit dem Aeltestenkollegium _ der Kaufmannschaft, die behufs Bildung einer freien Vereinigung zur Schaffung eines Garantiefonds für die Berliner Weltausstellung eingeleiteten Maßnahmen bis zum Herbst zu vertagen — Eine Mittheilung des Aeltesten- kollegiums der Berliner Kaufmannschaft erklärt betreffs der Aufschiebung der Beschaffung des Garantiefonds der Berliner Weltausstellung, obwohl das Kollegium in seinem Interesse sür die Ausstellung nicht im Mindesten nachgelassen habe, erachte es die Vertagung aus gewichtigen Gründen für opportun und überdies für völlig unschädlich, da es keinen früheren Zeitpunkt als 1898 für die Ausstellung ins Auge fasse.
Berlin, 4. Juni. Bankier Maaß in Charlottenburg wurde wegen einfachen Bankerotts uud wiederholter Unterschlagung zu sechs Jahren Gefängniß und fünf Jahren Ehrverlust verurtheilt. Der mitangeklagte Prokurist Grewoldt erhielt wegen Theihnahme an der Unterschlagung sechs Monate Gefängniß.
Der preußische Laudeseisènhahnrath ist zu einer Sitzung auf den 11. Juni nach Berlin berufen worden, auf deren Tagesordnung die Bestellung des ständigen Ausschusses und Mittheilungen stehen über die seit dem 28. November 1891 erfolgte Genehmigung von Ausnahmetarifen, sowie über inzwischen erfolgte Ergänzungen und Abänderungen des Betriebsreglements für die Eisenbahnen Deutschlands.
Kiel, 4. Juni. Graf Schuwalow und die Herren der russischen Botschaft treffen hierselbst am Montag Nachmittag, Vizeadmiral v. d. Goltz abends ein.
Prag, 4. Juni. Nach einer Meldung der Blätter aus Przibram sind im Aoalbert-Schacht so viele einzelne menschliche Körperreste aufgefunden worden, daß drei Wagen vollgefüllt wurden. Die Leichen seien derart angeschwollen, daß die vorhandenen Särge sich als zu klein herausgestellt hätten und größere augefertigt werden müßten. Der durch das Grubenunglück verursachte Schaden wird von Fachleuten auf 21/s Millionen Gulden veranschlagt. Außer dem Staat seien auch Privatpersonen daran be- theiligt. Die Bruderlade verliere emen großen Theil ihres Vermögens. Die Wegschaffung der Leichen werde etwa 14 Tage, die Wiederinstandsetzung der Schächte etwa 15 Monate in Anspruch nehmen. — Von den aus den Schächten noch lebend heraufbeförderten Arbeitern konnten nur 13 am Leben erhalten werden. Bei den Rettungsarbeiten sind insgesammt 27 Personen umgekomme».
Lüttich, 3. Juni. Vor einiger Zeit verabreichte, wie die „K. Z." schreibt, ein Drogist in Seraing einer Frau, die sich bei ihm über Kurz- athmigkeit und Kopfweh beklagte, Himbeer- und Tollkirschenblätter. Erstere sollte sie zu Thee, letztere zu Räucherungen (Einathmungen) benutzen. Mangels einer Aufschrift auf den Düten verwechselte die Frau die Arzneien, sie räucherte mit den Himbeerblättern und trank den Tollkirschenthee, von dem sich auch ihr Mann und ihr Sohn ein Täßchen zugute thaten. Die Folge war, daß die drei Personen förmlich tobsüchtig wurden und alles im Hause kurz und llein schlugen. Zehn Mann vermochten sie kaum zu bewältigen, und erst nach mehrtägiger ärztlicher Behandlung wichen die Vergiftungserscheinungen. Das hiesige Zuchtpolizeigericht verurtheilte gestern den Drogisten wegen seiner Fahrlässigkeit zu 150 Fr. Geldbuße und 250 Fr. Schadenersatz.
Lunepille, 4. Juni. Die tschechischen Turner, die sich zur Theilnahme an dem Turnfest in Nancy begeben, sind gestern Abend hier einge- troffen; sie wurden von der Bevölkerung lebhaft begrüßt. Der Präsident der Société Gymnastique Lorraine überreichte der Abordnung eine tschechische Fahne. Bei dem von dem Munizipalrath veranstalteten Festessen hielt der Tscheche Podlipny eine Ansprache, worin er für den warmen Empfang dankte und hinzufügte, die Mitglieder der Abordnung seien Söhne eines kleinen Volksstammes, aber der Werth des letzteren sei groß, da er als Zweig zu dem großen russischen Reich gehöre. Keine Macht könne es gegenwärtig verhindern, daß die Tschechen den Franzosen die Hand reichen. Die Rede wurde mit dem Rufe: Es lebe Frankreich! Es lebe Böhmen! beantwortet.