ltz,n«eme«ts-
PreiS:
Jährlich 9 ^ icilbj.l^ 50 -Z.
Vierteljährlich
2 M 25 -tJ.
für auswärtige lbounenten mit «m betreffenden Postaufschlag. Die einzelne
Kummer 10 -d.
Nr. 129
Zugleich
Arntttches g)rgan für Siaöt- unö ^anöârets Kanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Insertions-
Preis :
Die Ispaltige Garmondrieile oder deren Raum
10
Die l’Mv. Zeile 15
Die Ljpatt. Zeile 20 »v
Die Upait. Zeile 30 <<
Freitag den 3. Juni
1892.
Die deutschen Aktien-Bierbrauereien im Betriebsjahre 1889/90.
( Schon seit Jahren veröffentlicht Richard Wolf in der Allgemeinen Brauer- und Hopfenzeitung Zusammenstellungen über die Betriebsergebnisse und VermögensverhöEnisse der deutschen Aktienmälzereien und -Brauereien. Neuerdings hat er die gleichartigen Nachrichten in erweiterter Form in einem verdienstvollen Buche: „Adreßbuch der deutschen Aktierbrauereien" (Müller, Gr. Lichterfelde), das fortab jährlich erscheinen soll, zusammengefaßt. Dieser Quelle sind die nachstehenden Thatsachen entnommen.
! Im Gebiete des Deutschen Reiches befanden sich 1889/90 287 Aktienbrauereien, unter welchen 24 zum ersten Male als Aktiengesell- schasten in vorliegender Zusammenstellung erscheinen. Für diese 287 Brauereien wird ein Absatz von 13 436 7 67 Hektoliter nachgewiesen; die nicht angegebene Biererzeugung übersteigt diese Ziffer; indessen schon die Absatzziffer reicht hin, um die Bedeutung der Aktiengesellschaft als Unter- uehmungsform der deutschen Bierbrauerei zu kennzeichnen. Im Jahre 1889/90 wurden im deutschen Reiche (ohne Luxemburg) 52’/» Millionen Hektoliter Bier aller Art erzeugt; darunter mögen rund 9’/s Millionen Hektoliter obergährigen Bieres gewesen sein, an dessen Erzeugung Aktien- branereien nicht erheblich betheiligt sind; es bleiben also etwa 42^/s Mill. Hektoliter, wovon allein 13*/2 Millionen Hektoliter, d. b. ungefähr ein Drittel, in neu Aktienbrauereien erbraut wurden. Demnach find die Aktiengesellschaften in der deutschen Bierbrauerei ein hochansehnlicher Faktor, und sie sind dies in dem uralten Gewerbe erst in den letzten 3—4 Jahrzehnten geworden, wie denn die kleineren nicht gewerblichen und auch die weniger umfangreichen gewerblichen Brauereien von Jahr zu Jahr mehr verschwinden und das Feld den Großbetrieben überlassen.
Tagesschau.
Berlin, 2. Juni. Seine Majestät der Kaiser haben im Namen des Reichs den bisher mit der kommissarischen Verwaltung des Konsulats in Zanzibar betrauten Konsul Anton zum Konsul daselbst zu ernennen geruht.
Berlin, 2. Juni. Seine Majestät der Kaiser und König gaben heute Morgen Ihren Majestäten der Königin-Regentin und der Königin der Niederlande vom Neuen Palais das Geleit nach der Wildparkstation, von wo die Abreise der Majestäten erfolgte. Im Laufe des Vormittags hörten Seine Majestät den Vortrag des Kriegsministers und daran anschließend denjenigen des stellvertretenden Chefs des Militârkabinets. Hierauf halten Seine Majestät eine Besprechung mit dem Kultusminister und dem Präsidenten des Evangelischen Oberkirchenraths und ertheilten dann dem Bischof von Paderborn Dr. Simar die nachgesuchte Audienz.
Potsdam, 2. Juni. Die Königin-Regentin und die Königin der Niederlande sind heute Vormittag 9 Uhr 40 Minuten nach Honnef abge- reist. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin gaben den hohen Gästen das Geleit zum Bahnhöfe. Seine Majestät der Kaiser fuhr m^ offenem vierspännigen Wagen mit der Königin und Ihre Majestät die Kaiserin mit der Königin-Regentin gleichfalls in einem offenen Vierspänner. Beim Abschied küßte Seine Majestät der Kaiser der Königin - Regentin die Hände und der Königin Stirn und Wange. Auch Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz und die beiden nächstältesten Prinzen waren nach dem Bahnhöfe zu Fuß gekommen, um sich zu verabschieden. Nachdem der Zug mit den hohen Gästen sich in Bewegung gesetzt hatte, verließen Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin den Bahnhof unb begaben Sich in einem offenen Zweispänner nach dem Neuen Palais zurück. (Reichsanz.)
Berlin, 1. Juni. Die „Nat.-lib. Korr." berichtigt ihre gestrige Notiz über die beabsichtige Vermögenssteuer, die den preußischen Landtag in der nächsten Session beschäftigen wird, dahin, daß über das voraussichtliche Ergebniß dieser Steuer vorläufig noch keine Berechnungen zulässig seien, daß aber von einer Erhebung von 100 Mill. Mark keine Rede sein könne. Sollte der in Erwägung genommene Steuersatz einen über Erwarten hohen Ertrag in Aussicht stellen, so würde er ohne Zweifel herabgesetzt werden.
I Berlin, 2. Juni. Die heutige StadtvcrorPnetensitzung eröffnete der Vorsteher Stryck mit einem warmen Nachruf auf Forckenbeck, worin er -den bisher wenig erwähnten Wohlthätigkeitssinn des Verstorbenen behandelte,
den derselbe namentlich als Vorsitzender des Ueberschwemmungskomitees bethätigte. Forckenbeck habe namentlich den in Noth gerathenen Stadibeamten geholfen, die Hinterbliebenen plötzlich verstorbener Bürger getröstet und so wahre Nächstenliebe geübt. (Fr. Nachr.)
Berlin, 2. Juni. S. M. S. Arcona, Kommandant Korvettenkapitän Dräger, ist am 1. Juni in Barbados (Westindien) eingetroffen, S. M. Kreuzer Sperber, Kommandant Korvettenkapitän Fischer, ist am 17. Mai in Apia eingetroffen.
Berlin. Im sozialdemokratischen Wahlverein des sechsten Berliner Reichstagswahlkreises erregte dem „Vorwärts" zufolge die in Amtstrocht erfolgte Betheiligung der sozialdemokratischen Stadtverordneten Tutzauer, Höhne und Sabor an dem Leichenbezängniße des Oberbürgermeisters Forckenbecks großes Besremden. Vogtherr erklärte, daß diese Betbeiligung ohne Wissen und Willen der sozialdemokratischen Stadtverordneten- Fraktion stattgefunden habe und die Fraktion dieses Vorkommniß sehr bedauere. In einer Sitzung haben sie bereits über diese Sache verhandelt, dieselbe jedoch noch nicht erledigt. Die Versammlung sprach den genannten Stadtverordneten scharf ihre Mißbilligung aus.
Bonn. Eine Erpressung seltsamer Art wurde in der vergangenen Woche hier versucht. Eine auf der Koblenzerstraße wohnhafte Dame erhielt einen Drohbrief, worin ihr „bei Verlust ihres Lebens" aufgetragen wurde, am Freitag Abend 9 Uhr an der Haltestelle am Koblenzerthor eine Droschke zu besteigen, bis zu ihrer Wohnung zu fahren und den Wagen dann zurückzuschicken. In dem Wagen sollten dann unter dem Kissen 10 000 Mark in Gold oder Papier, jedoch nicht in Tausendmarkscheinen, liegen. Die Dame benachrichtigte die Polizei von der Zumuthung und wagte auf Vorschlag der Polizei auch die Fahrt. Es wurde ein Wagen, da sonst um diese Zeit am Koblenzerthor solche nicht mehr stehen, eigens zu diesem Zwecke dort hingestellt. Nachdem der verständigte Kutscher die Dame an ihr Haus gefahren, fuhr er langsamen Schrittes zurück. Bald zeigte sich auch ein feingetleideter Herr, der Kutscher beschleunigte nun die Fahrt ein wenig, der Herr verdoppelte seine Schritte; der Wagen fährt aber immer stärker, der Herr sängt an zu laufen bis auf den Markt, wo der Wagen Halt macht. Der Herr springt eilig hinzu und öffnet den Schlag, ohne zu ahnen, daß er beobachtet war und daß Polizeibeamte neben ihm standen, die ihn festnahmen. Der Verhaftete ist ein erst vor Kurzem hierher gezogener Agent.
Weimar, 1. Juni. Zur goldenen Hochzeit des Großberzogspaares wird auch neben andern bereits bekannten Veranstaltungen ein historischer Festzug vorbereitet, der die Hauptepochen der weimarischen und niederländischen Geschichte von der Wartburg bis auf die Neuzeit umfassen wird. Der weimarische Künstlerverein hat die Leitung mit anderen berufenen Kräften übernommen. (K. Z.)
München, 2. Juni. Die städtiscken Kollegien haben die Aufhebung des Münchener Asylhauses für Obdachlose beschlossen, weil dasselbe angeblich nur Trunkenbolde, Gewerbsbettler und absichtlich Wohnungslose aufsuchen.
Mannheim, 2. Juni. Durch den schon kurz erwähnten Wolkenbruch ist besonders das Dorf Kleinkarlbach (Reinpfalz) schwer heimgesucht worden. Mehrere Häuser sind eingestürzt. Die Steingutfabrik von Jakobi, Adler u. Co. ist zur Hälfte zerstört; das Wasser drang bis in das zweite Stockwerk; die Fabrik hat den Betrieb einstellen müssen, wodurch 300 Arbeiter beschäftigungslos geworden sind. Zwischen Kirchheim und Leiningen hat das Wasser sämmtliche Verbindungsdrücken weggerissen; das ganze Leininger Thal hat durch die Wassermassen schwer gelitten.
Wie«, 2. Juni. Die Abgeordneten nahmen einstimmig den Dringlichkeitsanti ag Such an, welcher die Regierung auffordert, für die durch die Przibramer Katastrophe Betroffenen ausreichend zu sorgen und die Namen der bei den Rettungsarbeiten Betheiligten auf einer Marmortafel zu verewigen. Der Jungczeche Kaizl dankt namens seiner Partei für die Einbringung des Antrages und bezeichnete die bekundete Einigkeit aller Parteien als erbebend.
Wie«, 2. Juni. Taaffe erklärt, sofort nach dem Eintreffen der Nachrichten aus Bnkenberg feien die nothwendigen Verfügungen getroffen worden. Der Ackerbauminister und der Statthalter weilen an Ort und Stelle und sind ermächtigt, das Nothwendige anzuordnen. Der Minister-