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Donnerstag den 2. Juni

1892.

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

Die Influenza unter den Pferden des Bauunternehmers Heinrich

Ley hier ist erloschen.

Hanau am 30. Mai 1892.

P. 5214

Königliche Polizeidirektion.

J. V.: Schneider, Kreissekretär.

Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Handelskammer zu Hanau.

Oeffentliche Sitzung Freitag den 3. Juni 1892, nachmittags

W Uhr, im unteren Saale des Rathhauses in Hanau. 6551

NR. Arbeiterorganisationen.

Eine nationalökonomische Schule Deutschlands, an deren Spitze Professor L. Brentano steht, hat als Glaubenssatz die Ansicht proklamirt, daß der soziale Friede durch die Organisation der Arbeiter zu erreichen sei. Es sind aus dieser Schule schon verschiedene umfassende Werke hervor- gegangen, welche zur Begründung und Vertheidigung dieser Ansicht dienen sollen. Das angebliche Heilmittel aller sozialen Schäden wird namentlich dann angepriesen, wenn große Arbeitcrausslände im Anzuge oder ausge­brochen sind. So konnte man davon bei Gelegenheit der letzten großen deutschen Bergarbeiterausstände in den verschiedensten Blättern lesen. Es sind auch auf gesetzgeberischem Gebiete in der letzten Gewerbeordnungsnovelle durch die Begünstigung der Bildung von Arbeiterausschüssen dieser Anschauung Konzessionen gemacht worden. In der letzten Reichstagssession wurde sogar eine weitgehende Aktion zur Erreichung des gesteckten Zieles durch die Ein­bringung des Gesetzentwurfs über die Berufsvereine von deutschfreisinniger Seile in die Wege geleitet. Der Entwurf ist indessen nicht durchberathen worden. Die Brentanosche Schule weist zur Empfehlung ihrer Anschauung hauptsächlich auf die englischen Arbeitervereinigungen hin. Als sie dies auch bei Gelegenheit der großen Bergarbeiterausstände in Deutschland that, sandten die deutschen Industriellen, um an Ort und Stelle diesen angeblich so wohlthätig und für den sozialen Frieden günstig wirkenden Einrichtungen auf den Grund zu gehen, eine Kommission nach England, welche das Studium der englichen Arbeils- und Arbeiterverhältnisse in eingehendster Weise betrieb. Das Ergebniß der von dieser Kommission angesiellten Untersuchungen war ein der Ansicht der Brentano'schen Schule nicht bloß ungünstiges, sondern geradezu entgegengesetztes. Es wurde von dieser Kommission an der Hand von thatsächlichen Vorgängen in den englischen Arbeitsverhältnisseu sestgestellt, daß die dortigen Tradeunions sowohl wie die erst in den letzten Jahren gegründeten mehr sozialdemokratischen An­schauungen huldigenden Vereinigungen vornehmlich der ungelernten Arbeiter der Erzielung des sozialen Friedens geradezu hinderlich seien. Die Vor- gänge,. welche sich in letzter Zeit wiederum in England in den Arbeitsver­hältnissen abgespielt haben, bestätigen dieses Urtheil vollständig. Ein Mitglied der erwähnten Kommission, der Generalsekretär des Zentral- verbandes deutscher Industrieller, Herr H. A. Bueck, unterzieht nach dieser Richtung hin in einem in der ZeitschriftStahl und Eisen" ver- ofsentlichten Essay die letzten englischen Kohlenbergarbeiterausstände einer Kritik. Er weist daraufhin, wie sowohl der Ausstand derMiners federation of Great Britain als auch derjenige der Durhamer Kohlen- sergarbeiter gezeigt hat, wie aller einfacher volkswirtschaftlicher Kenntnisse raar das Vorgehen der englischen Arbeiterorganisationen gewesen, wie diese wnach gestrebt hätten, die Kohlerpreise ohne Rücksicht auf die Nachfrage 'cstsetzen zu wollen, wie sie mit der größten Brutalität Tausende von Ar- 'eitern anderer Industriezweige durch die Entziehung der Kohle aufs Pflaster geworfen und diese Arbeiter und deren Familien zum Hungern gezwungen satten, wie die englischen Arbeiterorganisationen ohne jede Rücksichtsnahme mf die Kohlenpreise die Arbeitslöhne in die Höhe zu treiben versucht hätten mb wie sie selbst den einsichtigen und die Erfolglosigkeit der Ausstände >o. hersagenden Führern nicht gefolgt seien. Wahrlich, nach solchen Vor langen sollte man endlich aushören, die englischen Arbeiterorganisationen sls nachahmungswerthe Muster aufzusiellen und Deutschland mit denselben Oijututionen beglücken zu wollen. Die Anschauung der Brentanoschen rcbule^at durch diese Auseinandersetzung des Generalsekretärs H. A. Bueck ine Widerlegung ersahren, welche in den Augen aller derjenigen Volks- mthschafter und Politiker, die sich ihr Urtheil nicht nach theoretischen

Deduktionen sondern nach den thatsächlichen Verhältnissen bilden, überzeugend wirken muß. Nach dieser Beleuchtung der Arbeiterorganisationen ist wohl eine Wiederholung solcher Aktionen, wie sie die deutschfreifinuige Partei mit ihrem Gesetzentwurf über die Berufsvercine in der letzten Reichstags- session eingeleitet hatte, unmöglich geworden.

Tagesschau.

Berlin, 1. Juni. Seine Majestät der Kaiser und König nah­men gestern Morgen um 9 Uhr die Parade über die Berliner Garnison auf dem Tempelhofer Felde und heute Morgen um 9 Uhr die Parade über die Potsdamer Garnison im Lustgarten zu Potsdam ab. Nach der Parade hörten Seine Majestät den Vortrag des Reichskanzlers Grafen Caprivi im Neuen Palais.

Berlin, 31. Mai. Das im Auftrage des Kaisers an die Familie des verstorbenen Oberbürgermeisters v. Forckenbeck gerichtete Beileidschreiben des Chefs des Geheimen Zivilkabiness hat nach derVoss. Ztg." folgenden Wortlaut:Potsdam den 29. Mai 1892. Die Nachricht von dem Ab­leben Ew. Hochwohlgeboren Herrn Vaters, des Oberbürgermeisters Dr. Max v. Forckenbeck, hat Seine Majestät den Kaiser und König mit auf­richtiger Theilnahme erfüllt. Seine Majestät, Allerhöchstwelche der Ver­dienste des Verewigten um die Entwicklung Allerhöchst Ihrer Haupt- und Residenzstadt Berlin dankbar gedenken, haben mich zu beauftragen geruht, Ew. Hochwohlgeboren und den übrigen Hinterbliebenen Allerhöchst Ihr herzlichstes Beileid auszusprechen. Es gereicht mir zur Ehre, mich dieses Allerhöchsten Befehl hiermit zu entledigen. Der Geh. Kabinetsrath Wirkt. Geheimer Rath v. Lucanus.

An den kgl. Gerichts-Assessor Herrn Franz von Forckenbeck, Hochwohl­geboren zu Berlin.

Berlin, 31. Mai. Fürst Bismarck hat aus Anlaß des Ablebens des Oberbürgermeisters v. Forckenbeck ein Schreiben an den Bürgermeister Zelle gerichtet, in welchem es heißt: Ich bedaure, daß meine Gesundheit mir nicht gestattet, meine aufrichtige Theilnahme an dem Ausscheiden meines langjährigen Mitarbeiters in der Politik aus seiner für Berlin so erfolg­reichen amtlichen Thätigkeit Ausdruck zu geben.

Berlin, 1. Juni. Sicherem Vernehmen nach hat der Zar schon vor Wochenfrist dem deutschen Kaiser seinen lebhaften Wunsch zu erkennen gegeben, aus Anlaß seiner jetzigen Anwesenheit in Kopenhagen mit Kaiser Wilhelm zusammenzutreffen. Anderweitige fürstliche Besuche und feste Reise­zusagen haben die Zusammenkunft bisher binausgeschoben. Jetzt ist verein­bart worden, daß der Zar am Morgen des Pfingstdienstags, den 7. Juni, auf demPolarstern" in Kiel eintreffen und dort den ganzen Tag mit dem deutschen Kaiser verbringen wird. In der Nacht zum 8. Juni findet die Rückfahrt nach Kopenhagen statt, wo der Zar noch einige Tage^zu verbleiben gedenkt, um dann gemeinsam mit seiner Familie auf dem See­wege nach Petersburg zurückzukehren. Kaiser Wilhelm wird, nachdem die niederländischen Königinnen morgen Potsdam verlassen haben werden, sich zunächst übermorgen nach Oberglogau begeben, um dort am Samstag der Hochzelt des Fürsten Radolin mit der Gräfin Oppersdorfs beizuwohnen, am 5. nach Potsdam zurückkehren und am 6. sich nach Kiel begeben.

(K. Ztg.)

Berlin, 1. Juni. DerFreisinnigen Zeitung" zufolge trat der Stadtverordnetenvorfteher Stryck wegen des Vorgehens der katholischen Kirche bei der Beerdigung Forckenbecks ans der katholischen Kirche aus.

Berlin, 1. Juni. In der am heutigen Tage abgehaltenen Sitzung der verschiedenen Körperschaften behufs Beschaffung des Berliner Garantie­fonds für die Berliner Weltausstellung wurde nach eingehender Enterung beschlossen, die Berathung über die Satzungen derFreien Vereinigung" und über das Formular des Garantiescheins am Donnerstag den 16. Juni

fortzusetzen.

Düren, 1. Juni. (K. Z.) Im Dorfe Morschenich wurde durch einen wolkeubruchartigen Regen während des geitrigen Gewitters unbe­rechenbarer Schaden armerächtet. An allen Feldern wurden die Saaten - Wasser 7-8

total vernichtet. In den Straßen und Häusern stand das Fuß hoch. Ackergeräthe, Schweine und Ziegen wurden vom

Wasser fort-

Eingehen der auf jährlich

gerissen.

Die Ersparnis für das Hausministerium durch drei Hoftheater Cassel, Wiesbaden und Hannover wird 900 OÖO Mark geschätzt. Bis 1895 bleibt es bei der bisherigen Einrich­tung, während von da ab nur ein Pauschquantum von je 25 000 Mark für Instandhaltung der Gebäude, welche königlich find, gezahlt werden