Einzelbild herunterladen
 

*"{»««««!>

Sprett:

Mdritch 9 Wart «-lbi.4M.SVPsg. «i-rikljährlich

S Marl 25 Ps».

. Für auswärtige

" Abonnenten

, »!i Lem betreffen«

*. .1 Prpaufschlag. * ^)ie einzelne Num-

* mer '^ Psü-

Zugleich Amtliches @)rgan für Staöt- und Lanökveis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Suferttoe»« Pret»-

Sie Ifpalile#. earmonbgeitt * bereu Mai»

10 W

Sie «l-alt. 8e0» j

20 Psg.

SteSipaltigeSdie so M.

Nr. 118 Freitag

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

GekantiLmachnngen des Oberbürgermeisteramtes.

, ^ausbeft^ern

oder deren Stellvertreter zur Nachricht, daß mit Ablauf des Monat Juni das erste Halbjahr und damit diejenige Frist, innerhalb welcher eine min­destens einmalige Entleerung der Äbortgrubeu stattzufinden hat, zu Ende geht.

Nach Ausweis des Journals find eine große Anzahl von Haus­besitzern mit der Entleerung noch im Rückstände. Ich mache darauf auf­merksam, daß die Unterlassung der Entleerung und der Anmeldung auf dem Rathhause polizeilich bestraft wird.

Hanau, 17. Mai 1892.

Der Oberbürgermeister

Westerburg. 6072

f Die Sozialdemokraten auf dem Lande.

Am Sonntag hielten die Sozialvemokraten eine Parteikonferenz für den Stadtkreis Berlin und die Provinz Brandenburg in Berlin ab, zu der 54 Delegirte aus 20 Wahlkreisen erschienen waren. Zunächst wurden Preßangelegenheiten erörtert. Von den drei Provinzblättern erhalten sich zwei, in Brandenburg und Frankfurt a. O., selbst und liefern Ueberschüsse. Das dritte muß noch aus Parteimitteln unterstützt werden. Das Haupt­thema war die Agitation auf dem Laude. Beschlossen wurde u. A., die Frauen in die Agitation hineinzuziehen und die Gunst der Gastwirthe durch juristischen Beistand, der die Wirthe besonders gegen dieEinschüch­terungen der Lokalbehörden" schützen soll, zu gewinnen. In der Debatte wurde ausgeführt, daß diejenigen Männer, die die Gleichberechtigung der Frauen nicht anerkennten, die Frauen von dem Besuche der Versammlungen abhielten; ein anderer Redner meinte, die Frauen machten vielfach den Männern das Leben zur Hölle, sobald diese sich dem Parteileben widmeten.

Bezeichnend war die häufig wiederkehrende Klage, daß cs an packenden Agitationsschriften für die Landbewohner fehle. Die Partei hat sich seit dem Tage in Halle (1890) die größte Mühe gegeben, den Landlcuten kommunistische Ideen in Flugblättern u. dergl. mundgerecht zu machen. Es hat bisher noch nicht gelingen wollen; der Hauptgrund ist aber wahr­scheinlich nicht ländlicher Unverstand, sondern im Gegentheil der natürliche, gesunde Menschenverstand, der sich nicht so leicht durch ungewisse Ver­sprechungen von fremden Personen aufwiegeln läßt.

Fein vorsichtig soll man an die Leute auf dem Lande herankommen. Schon früher wurde den Genossen empfohlen, alles zu vermeiden, woran die Landbewohner vielleicht Anstoß nehmen könnten. Ueber Geistliche, Be­amte, überhaupt über Leute in angesehener Stellung seien wegwerfende Aeußerungen nicht zu führe», über Sitten, Gebräuche der Landbewohner auf keinen Fall zu spötteln. Mit Gelehrsamkeit sollen die Genossen nicht prahlen; man möge ruhig abwarten, bis das Gespräch sich den politischen Dingen zuwende; für die Militärfrage, die Steuer frage zeige der Landbe­wohner das meiste Interesse. Richt jeder Genosse sei geeignet, diese Arbeit auf dem Lande in vollem Umfange zu betreiben; Verwendung aber könne jeder finden. Die Thätigkeit der jugendlichen Genossen soll sich auf die Vertheilung der Flugschriften beschränken, während die älteren das Gespräch mit den Landbewohnern zu führen hätten. Für die Vertheilung der Flug­schriften, die sich ganz geräuschlos zu vollziehen habe, waren ebenfalls schon früher besondere Anweisungen ergangen. Die Genossen haben bei den ent­fernteren Höfen anzufangen und dann sich immer mehr und mehr auf die Hauptstraße des Dorfes zurückzuziehen. Auf der Brandenburgischen Partei­konferenz wurde namentlich hervorgehoben, daß Genossen aus den kleineren Landstädten auf die Dörfer gehen möchten, nicht aber Großstädter, gegen die die Landleute leicht mißtrauisch seien.

Wo fremde Gestalten mit Flugblättern auftauchen, da heißt der beste Rath: Thüren zu. Das ganze Treiben bezweckt doch nur Stimmenfang für die Wahlen und hat mit wirklichem Interesse für die Freuden und Sorgen des Landmannes nichts zu schaffen.

den 20. Mai 1892.

Tagss schau.

Berlin, 19. Mai. DieKöln. Ztg." schreibt: Die französischen Vorbereitungen für das im nächsten Monat in Nancy stattfindende Turner­und Studentenfest, dem der Präsident Carnot durch persönliche Theilnahme eine besondere Weihe geben will, nehmen einen immer deutschfeindlichern Karakter an. Soweit die bisher aus Nancy vorliegenden Berichte erkennen lassen beabsichtigt man dort, den französischen Chauvinismus die ausge­lassensten Orgien feiern zu lassen. Wie weit die französischen Behörden im Stande sein werden, die Zügel, die sie jetzt möglichst locker halten, im richtigen Augenblick kräftig genug anzuzichen, daß die Durchgänger nicht dem europäischen Frieden Schaden anthun, bleibt abzuwarten. Jedenfalls ist der Karakter der auf diesem Feste beabsichtigten Kundgebung schon heute so unzweideutig zu erkennen, daß cs sich für einen Deutschen kaum empfieht, zu dieser Zeit sich in Nancy und seiner Umgebung aufzuhalten. Die elsaß- lothringische Regierung als Grenznachbarin ist die erste, die in dieser Hin­sicht nach Feuer und Licht zu sehen haben wird. DNs Verfahren, das sie einzuschlagen hat, ist so klar gegeben, daß es für uns keinem Zweifel unter­liegt, daß alle Betheiligten sich auch ohne besondere Mahnung darnach richten werden.

Das soeben amtlich veröffentlichte Gesetz, betreffend die Unterstützung von Familien der zu Friedensübungen einberufenen Mannschaften, vom 10. -Mai 1892, welches am nächsten 1. Juli in Geltung tritt, aber rückwir­kende Kraft vom 1. April an hat, setzt an täglichen Unterstützungen Fol­gendes fest: a) für die Ehefrau dreißig Prozent des ortsüblichen Tagelohns für erwachsene männliche Arbeiter am Aufenthaltsorte des Einberufenen, b) für jede der sonst unterstützungsberechtigten Personen zehn Prozent des ortsüblichen Tagelohns für erwachsene männliche Arbeiter am Aufenthaltsort des Einberufenen mit der Maßgabe, daß der Gesammtbctrag der Unter­stützung sechzig Prozent des Betrages des ortsüblichen Tagelohns nicht übersteigt. Der Unterstützungsanspruch ist bei der Behörde des Wohnortes des Petenten anzubringen und erlischt 4 Wochen nach beendigter Uebung.

Die ««gewöhnliche Höhe der Lebensmittelpreise dauert, von ganz minimen und keineswegs allgemeinen Ermäßigungen des Brodpreises abgesehen, bei uns fort, obwohl, nach der Lehre der Freihandelspresse zu urtheilen, die Wirkungen der Zollherabsetzungen schon längst pro rata parte den Konsumenten hätten zu Gute kommen müssen. Dieser Umstand gibt denen Recht, welche von Anfang an der Ueberzeugung lebten, daß die Lebensmittelzölle nur den agitatorischen Prügelknaben vorfiellten und nur deswegen verfolgt wurden, weil sie von dem Zwischentzäudlerthum als un­liebsame Verkürzung eines ohnehin übermäßigen Profites empfunden wurden. Die Konsumenten hetzte man gegen die Grenzzölle auf, jetzt nach erreichtem, glücklicherweise nur zum Theil erreichtem, Zweck wird demselben Konsumenten die Rolle des Mohren zuertheilt, der nach gethancr Arbeit gehen, d. h. die alten Theuerungspreise weiter zahlen kann. Ein Gutsbesitzer in der Pro­vinz Sachsen, der, weil ihm vom Händler für sein Schlachtvieh immer geringere, wahrhafte Spottpreise geboten wurden, demselben erklärte, sein Vieh Hinfort selbst nach Leipzig an die dortigen Schlächter, also mit Um­gehung der Zwischcuhändlerinftanz, abzusetzen, erhielt zur Antwort, daß jeder Schlächter, der es sich einfallen lassen würde, von ihm direkt zu kaufen, durch die vereinigten Händler um seinen Kredit gebracht würde. So stand cs dieser Tage in einem Provinzialblatt der Provinz Sachsen zu lesen. Kommentar überflüssig.

Schlobitten, 19. Mai. Kaiser Wilhelm fuhr, nach denFr. N.", gestern Abend und heute früh mit dem Grafen Dohna zur Pürschjagd. Schloß und Dorf Schlobitte« waren gestern prächtig illuminirt. Heute ist im Schlosse eine größere Festtafel.

Bremerhave«, 19. Mai. Die deutsche BarkSirene", von Wilmington nach Liverpool mit einer Ladung Theer und Harz bestimmt, ist am 15. April er., zwei Tage nach der Abfahrt, gesunken. Der Kapitän und sieben Mann der Besatzung wurden durch die deutsche BriggDoktor Witte" ausgenommen und heute hier gelandet. Die übrige Besatzung von drei Mann wurde auf einer russischen Bark geborgen.

Kreuznach, 18. Mai. Wie der General-Anzeiger berichtet, schoß gestern Abend in einem Zuge vor der Station Oberstein ein Reisender eine Kugel in die Brust. Der junge Mann, angeblich ein