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Nr- 93
Donnerstag den 2t. April
1892,
; Amtliches.
Landkreis Hanau.
WeksnntWachttngerr des Königlichen Landrsthsamtes.
1 t Friedrich von Brauchitsch von Eschwege ist zum Bürgermeister ) von Langenselbold gewählt und bestätigt worden.
Hanau am 19. April 1892.
Der Königliche Landrath
A. 947 v. Oertzen.
Die Herren Bürgermeister werden unter Hinweis auf meine Verfügung vom 26. März 1885, St. 1696 — Kreisbl. Rr. 76 — veranlaßt, innerhalb 8 Tagen die Nachweisungen der im Etatsjahre 1891/92 vorgekommenen Wanderlager und Wanderauktionen und der zur ' Gemeindekasse eingezogenen Wanderlagersteuern einzureichen oder Fehlanzeigen I anher zu erstatten.
Hanan am 20. April 1892.
Der Königliche Landrath St. 1612 v. Oertzen.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Verloren: Ein Damenschirm ohne Griff. Ein kleiner Hundemaulkorb.
Gefunden: Auf dem Wege von Mittelbuchen nach Hanau eine Granatbroche. Ein kleiner Spazierstock.
Hanau am 21. April 1892.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Städtische zesntitichc Fortbiliiiiiigsschnlk.
Anmeldungen für das neue Schuljahr werden am 22. April, mittags von 11 bis 1 Uhr, im Schulhause, Erbsengasse Nr. 1, entgegengenommen.
Der Unterricht beginnt Montag den 25. ds. M.
Hanau den 20. April 1892.
Der Dirigent der gewerbl. Fortbildungsschule Thormählen. 4709
Tagesschau.
Berlin, 20. April. Der „Reichsanz." Nr. 94 veröffentlicht: Uebereinkommen zwischen dem Reich und den Vereinigten Staaten von Amerika über den gegenseitigen Schutz der Urheberrechte.
Berlin, 20. April. Seine Majestät der Kaiser und König hörten heute Morgen einen kurzen Vortrag des Staatssckretärts des Auswärtigen Amts Freiherrn von Marschall in dessen Wohnung, empfingen, nach dem Schlosse zurückgeketzrt, den Sekretär des Reichsmarineamts, Vizeadmiral Hollmann, und arbeiteten von IIV2 Uhr ab mit dem Chef des Zivilkabinets, Wirklichen Geheimen Rath von Lucanus. Um 12^2 Uhr hatten Seine Majestät mit dem Präsidenten des Oberkirchenraths Dr. Barkhausen und um 1 Uhr mit dem Präses der General-Ordenskommission, General der Kavallerie von Rauch, Besprechungen.
Berlin, 20. April. Die portugiesische Regierung hat, wie man hört, durch den neuen hiesigen Gesandten Carvalho ihre Geneigtheit zur neuen Regelung handelspolitischer Beziehungen zu Deutschland kundgegeben. Vorbereitende Besprechungen werden jederzeit erwartet.
Berlin, 20. April. Ein am 16. d. M. in Berlin ausgegebenes Extrablatt theilte unter der Ueberschrift „Eiseubahnkatastrophe" mit, daß am Nachmittag des 15. b. M. zwischen Marienwalde und Arnswalde (Stationen der Stargard-Posener Bahn) zwei Personenzüge zusummengestoßen und infolge dessen 2 Bremser sowie 6 Reisende getödtet und mehrere verwundet seien. Nach den sofort angestellten amtlichen Ermittelungen ist diese Meldung durchweg erfunden. Erhebliche Unfälle werden übrigens von den Königlichen Eisenbahnbehörden stets so schnell als thunlich amtlich zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Berlin, 20. April. Der Kolonialrath ist heute zusammengetreten. In der Beraihnng wurde die Nothwendigkeit anerkannt, eine Einheitlichkeit bezüglich der Sprechweise und Schreibweise der geographischen Namen schleunigst herbeizuführen. Der Kolonialrath entschied mit geringer Mehrheit, die Regelung sei von einer besonderen, durch den Reichskanzler zu berufenden Sachverständigenkommission zu treffen. Im Fortgang der Sitzung beschäftigte er sich mit der Sklavereifrage und hielt eine umfassende Darlegung der diesbezüglichen, in den Schutzgebieten thatsächlich bestehenden Zustände für erforderlich. Die Behörden in den Schutzgebieten sollen zu dem Ende an der Hand emes Fragebogens, unterstützt von den Missionen, zu einer erschöpfenden Berichterstattung veranlaßt werden. Die Feststellung des Fragebogens soll durch den Ausschuß des Kolonialraths erfolgen. Morgen wird das Zollwe en in Deutschostafrika berathen. (Fr. N.)
«t atzburg, 20. April. In der „Straßburger Post" erklärt ein Tourist, der am Sonntag auf der Schlucht war, die Meldung französischer Blätter, daß deutsche Soldaten das dortige französische Wirthshaus betreten hätten, für falsch; die Soldaten seien vielmehr am Grenzpfahl stehen geblieben unb litten sich von dem Wirth dorthin Erfrischungen bringen lassen.
Luxemburg, 20 April. Die Untersuchung der Bomben, welche in der Rache zum 13. ds. Ms. in bim aus Brüssel hier eingetroffenen Güterzm.e vorgefunden wur en, hat ergeben, daß die Bomben leer waren. Die PoUz i hat sämmtliche ausländischen Anarchisten aus dem Großherzog- thum ausgewiesen. (Reichsanz.)
Parris, 19. April Die „K. Z." schreibt: Aus St. Diè wird Riesigen Bläue 1 von heute berichtet, dort gehe dos Gerücht, gestern seien in Saales von einem deutschen Zollbeamten zwei junge Leute verhaftet würben, die auf einem Grenzpfahl die Wo te „Es lebe Frankreich! Nieder mit Preußen 1" geschrieben hätten. Sie seien in das Gefängniß nach Schirmeck abgeführt worden. (Wenn Narrenhände nicht nur Tisch und Wände, sondern auch Grenz fühle beschmieren, so ist es in der Ordnung, daß sie dafür zu Rechenschaft gezogen werden.) Ferner sollen am Sonntag neun Sold ea des in Kolmar liegenden (10.) Jägerbataillons in Waffen die Grenze überschritten, im Gust of Schlucht eingekehrt und dort gegessen und getrunke haben. (Es ist deutschen Soldaten verboten, die Grenze zu überschreiten; wenn daher die Jäger gegen dieses Verbot verstoßen habt», so werden sie bestraft wer en. Im übrigen ist die Zeit der Schnäbele und sonstigen Fälle vorüber und auch dem heißblütigsten Chauvin würde es nicht gelingen, aus dem Umstände, daß deutsche Soldaten französisches Bier trinken und französisches Brod essen, einen Kriegsfall zu konstruiren. Dem Gastwirthe, der es ter Erbsünden verabreicht hat, spielt der Verbreiter der Nachricht einen bösen Streich, denn dieser wird voraussichtlich von allen „Patrioten" geboykottet werden.)
Paris, 20. April. Einem gestrigen amtlichen Telegramm zufolge richtete der König von Dahomey an den französischen Gouverneur in Porto Novo ein herausforderndes Schreiben, worin er erklärt, er sei vollständig gerüstet, jeden französischen, seine Besitzungen berührenden Posten zu vernichten. Zahlreiche Truppenobtheitungen der Dahomeer sammelten sich und näherten sich den französischen Posten.
Dieser Tage wurde in der Elektrizitätsfadrik der Nordbahn- Gesellschaft zwischen Fives und dem Bohnhofe von Lille ein Explosionsversuch gemacht. Der Maschinist, welcher den Nachtdienst versah, verließ die Werkstätte ein n Augenblick, um Kohlen zu holen, und fand bei seiner Rückkehr auf der Maschine eine zylinderförmige Blechbüchse, an deren einem Ende eine Lunte glimmte. Mit einem kühnen Griffe löschte er dieselbe aus und vereitelte so den verbrecherischen Anschlag, dessen Urheber nicht entdeckt werden konnte. Die Büchse enthielt Schießpulver und 80 Flaulert- Patronen.
London, 20. April. Die Anarchisten Nichols und Morhray wurden heute vor dem Polizeigericht wege- Aufreizung zum Morde angeklagt, begangen durch Artikel des Anarchistenblattes Commonweal. Bei Nichols wurden belastende Dokumente aufgefundep. (Fr N.)
New-Aork, 20. April. Nach einem Telegramm bet „New Aork Times" aus Boston hat die „Norway Steel and Jron Company", früher die größte Fabrik ihrer Art in Amerika, den Betrieb wegen übermäßiger Besteuerung des Rohmaterials eingestellt.
Bremen , 19. April. Der Dampfer des Norddeutsche Lloyd