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Nr. 82
Mittwoch den 6. April
1892.
Landkreis Hanan.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Die Frau Justine Möller, geb. Pförtner, hat um Paß nach Amerika gebeten.
Hanau am 5. April 1892.
Der Königliche Landrath
P. 3016 v. Oertzen.
In Friedberg, Großherzogthum Hessen, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Hanau am 5. April 1892.
Der Königliche Landrath.
V. 2197 I. A.: Meister, Regierungs-Assessor.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Kekanntmachnng.
Auf Grund §. 82 des landwirthschaftlichen Unfallverficherungsgesetzes vom 5. Mai 1886 wird hiermit öffentlich bekannt gemacht, daß die Heberolle über die von den Unternehmern land- und forstwirthschaftlicher Betriebe in der Stadt Hanau zu zahlenden Beiträge für das Jahr 1891 vom 7. d. Mts. ab in der hiesigen Kämmereikasse 14 Tage lang zur Einsicht der Betheiligteu ausgelegt ist.
Hanau am 4. April 1892.
Der Oberbürgermeister
4165 Westerburg.
Tagesschau.
Berlin, 5. April. Seine Majestät der Kaiser und König hörten heute Vormittag den Vortrag des Chefs des Militârkabinets und nahmen darauf militärische Meldungen entgegen. Um 1 Uhr hatten der bisherige Präsident der Hauptverwaltung der Staatsschulden Dr. Sydow und der bisherige Direktor im Reichsmarineamt, Wirkliche Geheime Rath Richter die Ehre des Empfangs.
Berlin, 5. April. S. M. Kreuzer „Möwe", Kommandant Korvettenkapitän von Halfern, ist am 2. April in Zanzibar angekommen.
Der Geburtstag des Fürsten Bismarck ist diesmal unter einer so allgemeinen warmen und herzlichen Antheilnahme der Elitekreise deutscher Nation gefeiert worden, wie noch nie zuvor. Dem unmittelbaren Streite der Partei entrückt, hebt sich das imposante Karakterbild des großen Mannes, dem Deutschland so unentlich viel zu danken hat, immer klarer und fesselnder von dem bewegten Zeithintergrunde ab und übt auf jeden loyal und patriotisch empfindenden Deutschen einen Zauber, dem er sich gern und voll hingiebt, glücklich in dem Bewußtsein, daß unser Vaterland den Mann noch unter den Lebenden zählt, um den uns die ganze Welt beneidet. Der Kultus, der dem Fürsten Bismarck gewidmet wird, macht das Sprichwort zu schänden, daß Deutschland seine großen Männer erst nach ihrem Tode nach Verdienst zu schätzen und zu ehren wisse.
Stettin, 5. April. Wie verlautet, hat der Kaiser die Einladung der pommerischen Provinzialstände dem im Juni stattfindenden Fest der Adelsgeschlechter beizuwohnen, angenommen. (Fr. N.)
Borgeln (Wests.), 4. April. (K. Z.) Bei der Beerdigung eines Mitgliedes des hiesigen Kriegervereins stürzte einer der Leidtragenden, Zimmermeister Klanke, während der von dem Kriegerverein über das Grab abgegebenen Gewehrsalven plötzlich mit lautem Schrei zu Boden. Er war von einer Schrotladung in die Brust getroffen und starb bald in den ! Armen seiner Tochter, die ebenfalls im Trauergefolge gewesen war. Bisher ' ist noch nicht festgestellt, wer den verhängnißvollen Schuß gethan hat.
München, 5. April. Die Abgeordneten bewilligten, nach den : »Fr. N.", eine 4prozentige Staatszinsgarantie für 4,680,000 Mark bis I zum 31. Dezember 1904 für die Pfälzer Lokalbahnen Lauterecken-Staudenheim und Grünstadt-Offstein und für die Strecke Ebertsheim-Hetten-Leidel- heim. Der Minister v. Crailsheim rechtfertigte die Pfalzbahnleitung gegen
über den zahlreichen Lokalbahnwünschen; die Strecke Kaiserslautern-Biebermühle sei aufzuschieben.
Paris, 4. April. Im Departement Ande wurden zwei angebliche Russen verhaftet unter der Beschuldigung der Theilnahme an dem Dynamitdiebstahl in Lourdes.
Paris, 4. April. Nach dem heutigen Verhör Ravachols ist die Verantwortlichkeit aller Urheber der jüngsten Explosionen zweifellos festgestellt. Die Voruntersuchung wird als abgeschlossen angesehen.
Southampton, 4. April. Der hier auf Dock gebrachte Dampfer des Norddeutschen Lolyd Eider ist heute untersucht worden. Der Schaden hat sich als viel geringfügiger erwiesen, als ursprünglich angenommen wurde. Von dem Kiel sind 53 Fuß fortgerissen. Das Schiff war den ganzen Tag von einer zahlreichen Zuschauermenge umgeben.
Petersburg, 5. April. In einer Abtheilung der hiesigen Pulverfabrik explodirten gestern Abend 350 Pud Pryrozylin. Das betreffende Gebäude flog in die Luft nebst 9 Arbeitern. Die Trümmer und die Körpertheile wurden auf eine Entfernung von über 100 Faden fortge- schleudert; auch benachbarte Fabrikgebäude wurden beschädigt und dortselbst 5 Arbeiter verwundet. Auf eine Entfernung von zwei Werft von der Pulverfabrik zerbrachen noch Fensterscheiben. Die Ursache der Explosion ist noch nicht festgestellt. (Fr. N.)
Konstantinopel, 5. April. Der Sultan empfing heute den Vertreter Bulgariens Dimitrow in dreiviertelstündiger Audienz und machte ihm eine mit dem Namenszuge des Sultans in Brillanten versehene Zigarettentasche zum Geschenk.
Washington, 4. April. Die Repräsentantenkammer hat mit 179 gegen 42 Stimmen die Vorlage angenommen, welche die Einwanderung von Chinesen in den Vereinigten Staaten verbietet.
Bremen, 3. April. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Frankfurt" ist vorgestern in Corunna und der Dampfer „Leipzig" gestern in Oporto eingetroffen.
Triest, 3. April. Der Lloyddampfer „Euterpe" ist gestern aus Konstantinopel hier eingetroffen.
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Depescheu-Bureau „Herold".
5. April, abends 8 Uhr:
Herrenhaus.
Berlin, 5. April.
Der Gesetzentwurf, betr. Tagegelder und Reisekosten für die Mitglieder der Vorcinschâtzungskommission nach dem Antrag der Kommission unverändert angenommen, nachdem Finanzminister Miquel auf Anfrage des Grafen Klinkowström erklärt hat, die Regierung werde die Frage einer Beseitigung der zusammengelegten Einschätzungskommission im Auge behalten. Eine Verminderung der Veranlagungskosten sei nicht möglich bei schärferer Veranlagung.
Darauf erfolgt Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend Bahnen unterster Ordnung, welcher von der Kommission abgeändert ist.
In der Generaldebatte klagt Graf Mirbach über die jetzigen Hetzereien gegen die Konservativen, die ihre Ansicht über das Volksschul- gesetz nicht geändert haben. Aus der Eisenbahnvorlage werde eine Beschränkung des Baues von Sekundärbahnen folgen. Ein Grund zu Mißtrauen gegen den Eisenbahnminister sei nicht vorhanden. Der Fiuanzmi- nister warne vor Anleihen, aber Sparsamkeit beim Eisenbahnbau sei kaum am Platze. Bcnachtheiligt sei namentlich der Osten. Monarchiebahnen unterster Ordnung zu schaffen, sei nur in den Jndustriebczirken möglich, für das platte Land nicht. Aber gerade mit dem Hinweis auf den vorliegenden Entwurf werde die Sekundärbahnvorlage im Landtage abgelehnt werden.
Finanzminister Miquel: Er sei ein Freund der Verstaatlichung der Hauptbahnen gewesen, daraus folge noch nicht, daß der Staat jede Lokalbahnstrecke bauen müsse. Der Staat habe die großen rentablen Linien erworben, damit er auch unrentable bauen könne. Darin solle keine Aenderung eintreten, aber man müsse Rücksicht nehmen auf den wachsenden Anleihebedars. Die Tertiärbahnen sollten eine lokale Bedeutung haben, dieselben könnten besser von den Gemeindm erbaut und verwaltet werden