Einzelbild herunterladen
 

1 ««-lithrttch

Omwnten

. an W SU-

Hamun Anwer.

Zugleich Amtliches Kvgcm für Stcröt- und Fcrnökveis Kancru.

Erscheint täglich mit AuSksPl« der Sonn- Md Feiertage, mit belletristischer Beilage.

-»fer«-»».

Preis:

Die ifpaltige Parmondzeile «k>

io Pfg.

M» -ip-lt. Seile 20 Pfg.

MesiV-ltig-L««, 80 Ug.

Vir. 71. Donnerstag den 24. März 1892.

Avonnemenks-Kinladung.

Mit dem I. April 1893 beginnt ein neues Abonnement auf den Hanauer Anzeiger", welcher

^gleich amtliches Organ für den Stadt- nud Landkreis Hanan, und nachweislich das weitverbreitetste und umfang­reichste Blatt Hanaus ist.

Der Abonnementspreis beträgt M. 2.25 pro Quartal und nehmen sowohl die Expedition (Waisenhaus) als auch sämmtliche Postanstalten Bestellungen entgegen.

Nicht gekündigte Abonnements gelten als stillschweigend erneuert.

Neu zutretende Abonnenten erhalten den Anzeiger vom Tage der Bestellung bis Anfang des Quartals unentgeltlich.

Die Expedition des Hanauer Anzeigers.

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

In Folge Wiederaufnahme der Sielbauarbeiten wird die Absperrung der Haingasse von der Vorstadt bis zur Bogenstratze von nächsten Montag den 28. d. M. ab für Fuhrwerke angeordnet.

Der Auheimerweg wird wie im Vorjahr insoweit nicht abgesperrt, als ein einspuriger Weg für Fuhrwerke erhalten bleibt.

Hanau am 24. März 1892.

Die Königliche Polizeidirektion.

P. 2650. v. Oertzen, Landrath.

Landkreis Hanau.

Dekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Diejenigen Herren Standesbeamten, welche die Standesamts-Neben­register noch nicht eingereicht haben, werden an deren schleunige Einsendung erinnert.

Hanau am 23. März 1892.

Der Königliche Landrath

A. 696 v. Oertzen.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Zugelaufen: Ein gelber Pinscher mit langen Ohren und kurzer Ruthe, m. Geschl.; Empfangnahme bei dem Ortsdiener Schäfer zu Rückingen.

Gefunden: Ein Stück zusammengeschmolzenes Gold und Silber. Ein Schwanzriemen von einem Pferdegeschirr.

Verloren: Ein goldener Ring mit großer Topaze.

Hanau am 24. März 1892.

Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.

Die an der alten Rückinger Straße, am Exerzierplatz stehenden 81 Stück Pappelbäume sollen

Samstag den 26. d. Mts., nachmittags SVi Uhr, an Ort und Stelle unter den im Termin bekannt zu gebenden Bedingungen öffentlich meistbietend, unter Zuschlagsvorbehalt, versteigert werden.

Hanau den 23. März 1892.

________________Der Stadtkämmerer._____________3576

T Die Comenius-Feier.

Am 28. März sind 300 Jahre verflossen seit der Geburt des Mannes, welcher der Begründer des neueren Schul- und Erziehungswesens ist. Johann Amos Comenius, geboren in Ninenitz in Mähren, zur Gemeinde der Mährischen Brüder gehörig, studirte in Herborn und Heidel­berg Theologie, widmete sich aber, infolge der Wirren des dreißigjährigen Krieges von Ort zu Ort verschlagen, der Leitung und Hebung der ihm anvertrauten Schulen, in Wort, That und Schrift; in Prerau, in Fulneck, in Lissa in Polen, dann in England, Schweden, in Elbing, in Ungarn,

Schlesien, Brandenburg, Hamburg und in Amsterdam thätig, bescbloß er hier sein an Erfahrungen reiches Leben am 15. November 1670 (oder 1671).

Comenius erkannte als der erste die großen Mängel in dem Unter­richts- und Erziehungswesen seiner Zeit. Bis dahin suchten die Lehrerein Gemengsel von Worten, Phrasen, Sentenzen und Meinungen, die aus Schriftstellern zusammengelesen waren, der Jugend einzustopfen", ohne daß diese eine klare Kenntniß von den Dingen selbst erhielt; die Schulen lehrten die Kinder,mit fremdem Verstände weise zu sein",Niemand lehrte Physik durch Anschauung und Versuche, Alle durch Vortrag eines aristotelischen oder anderen Werks." Comenius aber forderte, daß der Jugend das Ver­ständniß für die Dinge selbst eröffnet werde, die Menschen sollten so viel als möglich angeleitet werden,nicht aus den Büchern zu schöpfen, sondern aus Himmel und Erde, aus Eichen und Buchen, d. h. sie sollen die Dinge selbst kennen lernen und erforschen und nicht blos fremde Beobachtungen und Meinungen."

Heute finden wir das, was Comenius lehrte und forderte, für selbst­verständlich. Damals aber war es die That einer Entdeckung, welche die Grundlage der Bestrebungen der späteren bekannteren Pädagogen bildete. Waren ihnen auch des Comenius' Schriften nicht olle bekannt, und haben sie zum Theil aus sich heraus die Besserung des Schul- und Erziehungs­wesens in die Hand genommen, so kann dadurch doch das Verdienst des ersten Entdeckers" um so weniger geschwächt werden, als sich schon zu seiner Zeit die von ihm aufgestellten Grundsätze bewährt haben. Seine Gedanken über die Schule sind auch heute noch die herrschenden und maß­gebenden. Es ziemt sich also, an dem Tage der dreihundertjährigen Wieder­kehr seines Geburtstags, zu dessen würdiger Feier sich eine große Zahl Schulmänner verschiedener Staaten zusammengethan haben, um dem Geist zu huldigen, der die auch heute noch für Schule und Erziehung muster- giltigen Lehren und Grundsätze aufgestellt hat, sich der Bedeutung dieses Mannes bewußt zu werden.

Comenius bezeichnet es wir folgen in den thatsächlichen Angaben der vortrefflichen Schrift von W. Kay her über Comenius' Leben und Werke (Hannover-Linden, Verlag von Manz und Lange 1892) als Ziel der Volksschule, daß die gesammte Jugend vom sechsten bis zwölften Lebensjahr in Allem unterrichtet werde, dessen Verwendung sich auf das ganze Leben erstrecke. In Bezug auf die Muttersprache bestimmt er, daß die Schüler Alles, was in der Muttersprache ihnen gedruckt oder geschrieben vorgelegt wird, zunächst fertig lesen können. Darauf sollen sie befähigt werden, nach den Gesetzen der Grammatik, die möglichst leicht vorzutragen und durch Beispiele zu entwickeln sei, anfänglich gefällig, darauf schnell und schließlich selbständig ihre Gedanken in der Muttersprache niederzuschreiben. Aber Comenius war der erste seiner Zeit, der nicht nur die Pflege der Muttersprache sich angelegen sein ließ, sondern auch den sog. Realien (Na­turgeschichte, Naturlehre, Chemie, Geographie und Geschichte) Eingang in die Schule verschaffte. Hierzu kam die methodische Behandlung des Real- uuterrichts, den er durch Anschauung gefördert wissen wollte.Nur ge­diegene, wahre und nützliche Dinge, welche die Sinne und die Einbildungs­kraft wirklich angreifen, sollen den Schülern dargeboten werden: das ge­schieht jedoch nur, wenn man sie soviel wie möglich den Sinnen nahe bringt." Zur Förderung dieses Anschauungsunterrichts gab er denOrbis pictus" heraus, das erste Jugendbilderbuch, in welchem" dem Text Bilder beigefügt waren. Die Schule theilte er in die Mutterschule (der erste Unterricht durch die Mutter), in die Volksschule, welche sechs Klassen ent­hielt, in die Lateinschule gleichfalls mit sechs Klassen und in die Universität ein; von ihm rührt auch die Forderung her, daß in der Lateinschule auch Mathematik, Astronomie, Musik und Gymnastik gelehrt werde. Namentlich aber forderte er, daß aller Unterricht vom christlichen Geiste durchdrungen sein müsse.

Comenius' Lehren wurden nach seinem Tode vielfach vergessen oder unbeachtet gelassen; ja Basedow und die Philanthropen kehrten sich direkt gegen die Grundlage der Erziehung, welche Comenius in der positiven christlichen Religion erblickte; erst Pestalozzi wirkte wieder für dieselben Ideen, welche Comenius hatte, ohne diesen zu kennen; aber Peflalozzi's Anhänger und Nachfolger wollten auch von dem Unterricht in dem Glau­bensbekenntniß der Eltern in der Schule nichts wissen. Heute sind des Comenius' Lehren in der Theorie und Praxis wieder zu Ehren gebracht: wissenschaftliche Bildung, Tugend und Sittlichkeit, Religiosität und Fröm­migkeit forderte er für den Menschen, und sie sind auch jetzt noch die un­bestrittenen Grundsätze in Erziehung und Unterricht.