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Erscheint täglich mit AuS«^e der Tmm- Md Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Sèr. 65.

Donnerstag den 17. März

1892.

Amtliches.

Landkreis Hanau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Die für dieses Jahr angeordnete allgemeine Pferde» Musterung findet für den Land kreis Hanau an nachstehenden Orten und Tagen wie folgt statt:

Montag den 11. April, morgens 8 Uhr, zu Langendiebach:

für die Ortschaften: Neuwiedermuß, Hüttengesäß, Oberrodenbach, Nieder­rodenbach,« Langenselbold, Marköbel, Baiersröderhof, Rüdigheim, Rüdig- heimerhof, Oberissigheim, Niederissigheim, Bruchköbel, Ravolzhausen, Rückingen und Langendiebach.

Dienstag den 12. April, morgens 71/* Uhr, zu Wilhelmsbad r

für die Ortschaften: Großkrotzenburg, Großauheim, Bergen, Fechenheim, Bischofsheim, Hochstadt, Dörnigheim, Wachenbuchen, Mittelbuchen, Kinzig- Heimerhof, Kesselstadt, Wilhelmsbad und Wilhelmsbaderhos.

Mittwoch den 13. April, morgens 8 Uhr, zu Windecken r

für die Ortschaften: Gronau, Gronauerhof, Dottenfelderhof, Niederdorfelden, Oberdorfelden, Erbstadt, Eichen, Windecken, Kilianstädten, Roßdorf und Ostheim.

In Langendiebach find die Pferde auf der Trifft bei den 4 Linden in der neuen Straße nach Hanau, in Windecken auf dem Marktplatz vor- zufühen.

Jeder Pserdebesitzer ist verpflichtet sämmtliche Pferde zu gestellen mit Ausnahme:

a) der Fohlen unter vier Jahren,

b) der Hengste,

c) der Stuten, die entweder hochtragend sind oder noch nicht länger als 14 Tage abgefohlt haben,

d) die Pferde, welche auf beiden Augen blind sind.

In den unter cd aufgeführten Fällen ist eine vom Ortsvorstande ausgefertigte Bescheinigung vorzulegen.

Von der Verpflichtung zur Vorführung ihrer Pferde find ausge­nommen Beamte im Reichs- oder Staatsdienste hinsichtlich der zum Dienstgebrauch, sowie Aerzte und Thierärzte hinsichtlich der zur Ausübung ihres Berufes nothwendigen Pferde, sowie Pofthaller hinsichtlich derjenigen Pferdezahl, welche von ihnen zur Beförderung der Posten kontraktmäßig gehalten werden muß.

Die Gemeinde- und die Gutsvorsteher, im Bthinderungsfalle ihre Stellvertreter, haben sich zu dem MusteruugStcrmine cinzufinden. Sie find verpflichtet, für die Gestellung der zum Rangircn und Vorführen der Pferde erforderlichen Mannschaften und ferner dafür zu sorgen, daß das Vorführen nach der Reihenfolge des anzulegenden Verzeichnisses stattfindet und daß die Pferde eine Stunde vor dem angesetzten Termin Zwecks Rangirens und Verlesens derselben auf dem Musterungsplatze eintreffen.

Zur Aufstellung der Verzeichnisse gehen den Herrn Orts- und Gutsvorständen gleichzeitig Formulare zu. In dieselben sind die vor­handenen Pferde unter Angabe der Farbe und Abzeichen, des Geschlechts und des Alters, sowie der Name des Besitzers alphabetisch geordnet einzutragen.

Die Verzeichnisse oder eine Abschrift derselben sind mir bis zum 1. April er. unfehlbar einzureichen.

Hanau am 9. März 1892.

Der Königliche Landrath.

M. 1173 I. V.: Meister, Regierungs-Assessor.

Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Höhere TöMsrsckui«.

Anmeldungen für das neue Schuljahr werden vormittags von 10 bis 12 Uhr im Schulgebäude, Steinheimerstraße 37, entgegengenommen.

Hierbei sind der Geburts- und der Impfschein, sowie bei Schülerinnen, welche bereits eine andere Schule besucht haben, das Schulzeugnis vorzu­legen.

Die Anstalt ist für zehn Schuljahre eingerichtet und enthält zehn aufsteigende Klassen mit einjährigen Lehrkursen, so daß Schülerinnen vom 6. bis 16. Lebensjabre Aufnahme finden.

Hanau den 16. März 1892.

Der Schuldirektor

3185 Junghenn.

fWilhelm Liebknecht und die Ruhestörer".

Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht derFigaro" in Paris einen Brief des Redakteurs desVorwärts", Abgeordneten Liebknecht, an seinen Mitarbeiter Gaston Routier, in dem es heißt:Die sogenannten Ruhe­störungen in Berlin waren nur ganz harmlose Zusammenläufe, von denen Niemand gesprochen hätte, wenn es nicht Leute gäbe, welche ein politisches Interesse daran haben, die Sache als einen kleinen Staatsstreich auszu­beuten. Das Dutzend mehr oder minder zweifelhafter Anarchisten, die sich noch hier befinden vor dem Sozialistengesetze waren ihrer dreimal mehr thaten ihr Möglichstes, um für diese Leute zu arbeiten: wir haben aber das Spiel dieser Leute vereitelt. Die Berliner Arbeiter sind Sozial­demokraten, sie haben Disziplin, sie kennen die Lage und sind nicht in die Schlinge gegangen. Das ist die wahre Wahrheit. Nicht ein Arbeiter, nicht ein Sozialist (?) hat sich an diesen Zusammenläufen betheiligt, welche keinerlei politischen Karakter hatten."

Entsinnen wir uns recht, so hat Liebknecht auf seiner amerikanischen Reise behauptet: In Deutschland gäbe es kaum 50 Anarchisten, und 48 davon seien Polizeispione. Was aber die Behauptung betrifft, daß kein sozialistischer Arbeiter bei den Berliner Aufläufen gewesen sei, so sind die Unabhängigen" darüber bekanntlich anderer Meinung. DerVorwärts" bezeichnet sie freilich alsMaulhelden". Wie stark aber der Abg. Lieb­knecht selbst im Phrasenheldenthume ist, beweist die Aeußerung, die er nach dem Artikel des Figaro zu dem erwähnten Routier bei einem Berliner Besuche desselben gethan hat. Sie lautet:Wenn mittags 12 Uhr die deutsche Republik ausgerufen würde, so wäre die elsaß-lothringische Frage um 1 Uhr geregelt; jedenfalls würden wir unsere ganze Kraft an die Herbeiführung einer allseitig befriedigenden Lösung setzen." Welcher Art diese allseitig befriedigende Lösung sein soll, wird nicht hinzugefügt. Mit demAusrufen der Republik" wird es wohl auch noch gute Wege haben.

Tagesschau.

Berlin, 15. März. Das Kreuzer-geschwader, bestehend aus S. M. Schiffen Leipzig (Flaggschiff), Alexandrine und Sophie, Geschwaderchef Kontreadmiral v. Pawelsz, ist heute in Port Elisabeth eingetroffen und beabsichtigt, übermorgen nach Delagoa-Bay in See zu gehen. S. M. Kreuzer Möve, Kommandant Korvettenkapitän v. Halfern, beabsichtigt, übermorgen von Bombay nach Zanzibar zurückzukehren.

Laut Telegramm aus Aachen ist die zweite englische Post über Ostende vom 16. d. M. ausgeblieben. Grund: Sturm im Kanal. -

Aus Leipzig berichtet dieLpz. Zig." : In einer von den Hirsch- Duncker'schen Gewerkvereinen Unberufenen Versammlung der Tischlerge- hilfcn versuchten am Sonntag die Anhänger dermodernen Arbeiterbewe­gung" wieder ohne jeden' Erfolg für die Sozialdemokratie zu agitircn. Die Versammelten verpflichteten sich in einer Resolution, den Gewerkver­einen beizutreten. Eine von den Sozialdemokraten eingebrachte Resolution, in der der Anschluß an die Sozialdemokratie und der Beitritt zum Holz­arbeiterfachverein empfohlen wurde, wies der Vorsitzende, als zur Debatte und Abstimmung nicht geeignet, zurück.

Stuttgart, 15. März. DerStaatsanzeiger für Württemberg" schreibt: Das Staatsministerium hat im Anfang dieses Monats die ein­gegangenen Petitionen für und wider die Männerorden einer Berathung unterzogen und dem König darüber Vortrag erstattet. In Uebereinstim­mung mit dem seit Erlaß des Gesetzes vom 30. Januar 1862 festge­haltenen Standpunkte und in Erwägung, daß die Gründe, welche in früheren Jahren zur Ablehnung der betreffenden Petitionen geführt haben, heute in gleicher Weise und zum Theil verstärkt zutreffen, hat das Staats-