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Nr. 62.

Montag den 14. März

1892.

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

Der Dienstmann Nr. 1 Friedrich Gärtner hier hat um Rückgabe der von ihm hinterlegten Kaution gebeten.

Es wird dies mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß etwaige Ansprüche, welche sich auf Sachbeschädigungen Seitens des Genannten beziehen, innerhalb 14 Tagen, vom Tage dieser Bekannt­machung an gerechnet, im Polizeisekretariat anzumclden sind.

Hanau am 11. März 1892.

Königliche Polizeidirektion.

P. 2264 J. V.: Meister.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Entlaufen: Ein weißer Spitzhund; ein schwarzer Dachshund mit gelben Vorderpfoten, beide in. Geschl.

Gefunden: Ein Zwicker. Ein Tischtuch. Ein weißes Taschentuch mit Monogramm. Ein neues Knabenhütchen. Ein Ziehbeutel mit Geld.

Hanau am 14. März 1892.

Tagesschau.

Berlin, 12. März. Seine Majestät der Kaiser und König nah­men heute im Laufe des nachmittags einige Vorträge entgegen.

Berlin, 12. März. Im Kaiserlichen Statistischen Amt tritt Mon­tag, den 14. März, eine Konferenz von Sachverständigen zusammen, welche die Verbesserung der landwirthschaftlichen Statistik begutachten soll. Sie besteht aus Vertretern des preußischen landwirthschaftlichen Ministeriums, von welchem die Anregung zu diesen Berathungen ausgegangen ist, des Deut­schen Landwirthschaftsraths, des Kaiserlichen Statistischen Amts und der statistischen Behörden der deutschen Staaten. Die Berathungen werden sich auf die Einrichtung von Saatenstandsberichten, Ernte- und Anbaustatistik, Ermittelung der Hagelschäden und auf Viehzählungen erstrecken.

Berlin, 12. März. DiePost" ist anderweitigen Nachrichten ge­genüber ermächtigt, zu erklären, daß sämmtliche Mitglieder der freikonserva- tiven Partei in Sachen des Volksschulgesetzes an dem von den freikonser­vativen Kommissionsmitgliedern eingenommenen Standpunkte auf's entschie­denste festhalten und die Abbröckelung einiger Freikonservativer von der Opposition gegen den jetzigen Volksschulgesetzentwurf nicht zu erwarten sei.

Berlin, 12. März. S. M. Schiffsjungen -SchulschiffMoltke", Kommandant Kapitän zur See Freiherr von Erhardt, ist am 10. März in La Guayra eingetroffen und geht am 15. nach Aux Cayes (Haiti) in See. S. M. KanonenbootWolf", Kommandant Korvettenkapitän Hell­hoff, ist am 11. d. M. in Chinkiang eingetroffen und geht am 15. nach Shanghai in See.

Darmstadt, 13. März, 5.28 nachm. Die öffentliche Aufbahrung im neuen Palais findet von Montag Mittag bis einschließlich Dienstag Abend statt. Die Proklamation des regierenden Großherzogs Ernst Ludwig erschien soeben als Extrablatt desDarmstädter Anzeigers". Nach der Einleitung und Verkündigung des Todesfalles heißt es:Wir er­theilen den Ständen, den Beamten und den Landesangehörigen die Ver­sicherung, daß wir uns die Handhabung von Recht und Gerechtigkeit an­gelegen sein lassen, die Verfassung hochhalten, dem Kaiser und Reiche die von unseren Vorfahren erwiesene Treue bewahren werden. In einem zweiten Erlasse wird eine zwölfwöchiee Hoftrauer angeordnet. (Frkf. Z.)

Bremen, 12. März. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyt Saale" ist vorgestern in New-Jork angekommen.

Hamburg, 12. März. Der PostdampferBavaria" von der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt - Aktiengesellschaft ist, von Hamburg kommend, heute in St. Thomas eingetroffen.

Depescheu-BureauHerold".

13. März, vormittags 8 Uhr:

Landtag. Abgeordnetenhaus.

Berlin, 12. März.

Eingegangen ist ein Gesetzentwurf betr. Aufhebung der Stolgebühren.

Fortsetzung des Kultusetats bei dem von der Budgetkommission zurückge­langten Normalctat von 1892. Die Kommission beantragt, den Normal­etat zu bewilligen, jedoch auch die über 4 Jahre hinausgehende Thätigkeit des Hilfslehrers, sowie von der früheren Dienstzeit des Direktors einen solchen Theil anzurechnen, daß das Direktorgehalt gleich dem früheren Lehrergehalt ist. Sämmtliche andere Anträge sollen abgelehnt werden. Die Debatte dreht sich hauptsächlich darum, ob das Haus befugt ist, den von dem Finanzminister als blose Denkschrift bezeichneten Normaletat zu amendiren.

Rickert (freif.) führt aus, das Haus sei wohl berechtigt, nicht blos das geforderte Pauschquantum zu bewilligen, sondern auch die Ver­wendung zu bestimmen.

Finanzminister Miquel gibt ein formelles Recht des Hauses zu, legt jedoch die Unzweckmäßigkeit dar, davon Gebrauch zu machen, da durch eiuzelne Aenderungen das Ganze in Frage gestellt würde. Der Normal­etat übrigens sei, wenngleich kein Gesetz, doch bindend für den Minister. Der Finanzminister empfiehlt den Kommissionsantrag.

Der Kultusminister Graf v. Zedlitz erachtet sich ganz ebenso ge­bunden wie der Finanzminister.

Nach weiterer unerheblicher Debatte wird der Antrag der Budget­kommission betr. des Normaletats angenommen. Außerdem gegen die Konservativen und einige Zentrumsmitglieder den Antrag Dürre, die Re­gierung auszufordern, die Gehaltsaufbesserung der Lehrer damit nicht als abgeschlossen zu betrachten. Die Gehaltsaufbesserung der Provinzialschul- räthe wird nach kurzer Debatte ebenfalls bewilligt.

Es folgt Kapitel Elementarfchulwesen, zunächst liegt ein Regierungs­vorschlag vor, betr. Abstufung der Gehälter der Seminardirektoren und Lehrer. Die Kommission beantragt die Bewilligung der Regierungsvorlage unter der Bedingung, daß den Seminarlehrern bei der Einreihung in dis obigen Gehaltsstufen die Zeit der definitiven öffentlichen Anstellung nach der zweiten Volksschullehrerprüfung ganz ungerechnet werde.

Hierzu liegt ein Antrag Sperlich (Zentrum) auf andere Fest­setzung der Gehaltszulagen für die Seminarlehrer in der Provinz und der Fortfall der Gehaltserhöhung für die Kreisschulinspektoren vor.

Nachdem der Finanzminister und der Kultusminister dagegen ge­sprochen, wird der Antrag Sperlich in dem ersten Theil zurückgezogen, int zweiten Theil abgelehnt. Der Kommissionsantrag betr. Bewilligung der Ausgaben wird angenommen und die daran geknüpfte Bedingung abgelehnt.

Weiterberathung Montag.

Berlin, 12. März. DerReichsanz." schreibt: Eine Kabinets- ordre vom 12. März erklärt den Zeitpunkt für gekommen, die Vermögens­beschlagnahme des Königs Georg aufznheben und veröffentlicht einen Brief des Herzogs von Cumberland an den Kaiser vom 10. März, worin die Bitte an den Kaiser ausgesprochen wird, die Angelegenheit der Vermögens­beschlagnahme einer wohlwollenden Prüfung zu unterziehen. Der Herzog erklärt wiederholt, daß ihm fides den Frieden des deutschen Reiches oder der einzelnen Staaten störend.s o.er bedrohendes Unternehmen fernliege. Als deutscher Fürst liebe er das deutsche Vaterland treu und aufrichtig; nie werde er aus seinen Mitteln feindselige Unternehmen gegen den Kaiser- oder den preußischen Staat anstiften oder fördern.

Berlin, 12. März. Nach derNordd. Allg." ist eine authentische Mittheilung über den Welfenfonds unmittelbar bevorstehend. Die Kom­binationen, betreffend den Rücktritt Bennigsens, entbehren der Begründung vollständig.

Berlin, 12. März. Des Kaisers Zustand hat sich gebessert. Er nahm Vorträge entgegen, wurde aber bei der Frühstückstafel zur Geburts­tagsfeier des Prinzregenten von Bayern durch den Prinzen Friedrich Leopold vertreten.

Halle, 13. März. Gegen den Generalanzeiger für Halle und den Saalkreis werde nachträglich wegen Abdrucks desTimes-Artikels" über die Kaiserrede die Untersuchung wegen Majestätsbeleidi ung cingeieitet.

Essen, 12. März. Die Mitglieder der Bergarbeiterverbandes be­schlossen, um die Kohlenausfuhr nach dem englischen Streikt biet zu ver­hindern, keine Ueberschichten zu machen.

Franksurt a. M 13. März. Gestern Abend fand im hiesigen