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Nr. 47.

Donnerstag den 25. Februar

1892

285

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Verloren: Ein kleines weißstieliges Taschenmesser mit 4 Klingen und Pfropfenzieher; dem Wiederbringer eine Belohnung. Eine Pferdedecke.

Zugelaufen: Ein brauner Hühnerhund.

Vom Wasenmeister am 24. d. M. eingefangen: Ein brauner Hund mit weißen Abzeichen, m. Geschl.

Gefunden: Eine Briefmarke (auf der Post liegen geblieben). Eine große Spannkette. Ein Zirkel. Ein Halbliterblechgemäß (in einer Wirth­schaft stehen geblieben). Ein langer Halspelz.

Hanau am 25. Februar 1892.

Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Kekanntmachung.

Für die hiesige Armenverwaltung soll die BrodtieferUNg für die Zeit vom 1. April 1892 bis zum 31. März 1893 ver­geben werden.

Geeignete Lieferanten wollen ihre verschlossenen Offerten bis spätestens Freitag den 4. März d. Z., vormittags 11 Mr, in dem Geschäftszimmer der Armenverwaltung abgeben, woselbst auch die Lieferungsbedingungen zur Einsicht aufliegen.

Hanau, 20. Februar 1892.

Der Oberbürgermeister.

2171 I. V.: Heraeus.

t Was die Sozialdemokraten von den letzten Militär­debatten erwarten,

in denen von ihren Vertreternschmutzige Wäsche" mit besonderem Eifer gewaschen wurde, spiegelt sich deutlich in einem Artikel des Zentralorgans Vorwärts" wider, welcherDer Militarismus auf der Anklagebank" überschrieben ist. Darin heißt es:

Ja, auf der Anklagebank. Nicht als Triumphator, wie er es bis­her gewohnt, schaut er von der Höhe des Bundesrath-Olymps herab auf das parlamentarischeBlachfeld" nicht als stolzes Blümlein Rühr mich nicht an, das wie Cäsars Weib unnahbar, thurmhoch über der Kritik th.ont, nicht als der Schöpfer und Täger der deutschen Reichsherrlich­keit, welcher Bewunderung und Anbetung heischt, das, Gerede des profanen Volkes souverain verachtet."

Nein, auf der Bank der Angeklagten. Nicht freiwillig, sondern hingeschleppt durch die öffentliche Meinung. Ein glücklicher Zufall oder die rettende That eines der Opfer hatte, wie derhinkende Teufel" des Lesage, das Dach abgehoben von dem funkelnden Eisenpalaste des Mili­tarismus, und dessen bisher nur Wenigen bekannte und von den Palast­inhabern hartnäckig geleugnete Greuel aller Welt blosgelegt. Die Ge­heimnisse der Kaserne waren enthüllt, die gemüthliche Idylle der Ferien­kolonie war zerstört, der Moltke'schen Bildungsschule der Heiligenschein für immer abgestreift."

So geht es noch eine Weile in wirren Redensarten fort, bis schließlich ein triumphirendesSchuldig" herauskommt. Daß vereinzelt vorgekommene Fälle von Mißhandlungen noch lange nicht dazu berechtigen, von Greueln in der Kaserne zu sprechen, steht für jeden Halbwegs Ein- fichtigen und namentlich für Alle, die ihres Königs Rock mit Stolz ge­tragen haben, fest. Ein alter Demokrat, Johannes Scherr, hat einmal gesagt, daß die beste Säule der Zivilisation gegen den sozialdemokratischen Umsturz das deutsche Heer sei. Die Sozialdemokraten bestätigen es, in­dem sie so eifrig gegen die Disziplin im Heere wühlen und beklagcns- werthe Einzelfälle von Überschreitungen gegen Dienstpflichten maßlos ausbeuten. Was der Artikel Militarismus nennt, ist in Wahrheit .Manneszucht, Dienstfreudigkeit, Königstreue, und die wollen wir uns nicht nehmen lassen.

Tagesschau.

Berlin, 24. Febr. Kaiser Wilhelm beehrte heute Morgen den "Reichskanzler Grafen Caprivi mit einem länger» Besuch, um ihm seine Glückwünsche zu seinem 61. Geburtstag gleichzeitig mit einem Geburtstags­

geschenk zu überbringen. Heute Abend wird der Kaiser dem Festessen des brandenburgischen Provinziallandtags und demnächst mit dem Hofe dem Subskriptionsball in der königlichen Oper beiwohnen.

Berlin, 24. Februar. DerReichsanzeiger" berichtetet: Bei dem heutigen Festmahle des brandenburgischen Provinziallandtages im Kaiserhofe erwiderte der Kaiser auf eine an ihn gerichtete Ansprache,mit dem Aus­drucke des Dankes für die ihm erneut bekundeten treuen Gesinnungen. Es sei ihm in schwerer Arbeit doppelt angenehm und anregend, für seine Be­strebungen zum Wohle des Volkes so warme, dankbare Anerkennung zu finden. Leider sei es jetzt Sitte geworden, an Allem, was Seitens der Regierung geschehe, herumzunörgeln und herumzumäkeln. Unter den nich­tigsten Gründen werde den Leuten die Ruhe gestört und die Freude am Dasein, am Leben und Gedeihen des gesamten großen deutschen Vaterlandes vergällt. Aus diesem Nörgeln und dieser Verhetzung entstehe schließlich der Gedanke bei manchen Leuten, als sei unser Land das unglücklichste, schlechtest regierte der Welt, und sei es eine Qual, in demselben zu leben. Daß dem nicht so ist, wissen wir alle selbstverständlich besser. Doch wäre es dann nicht besser, daß die mißvergnügten Nörgler lieber den deutschen Staub von den Pantoffeln schüttelten und sich unseren elenden jammervollen Zuständen schleunigst entzögen. Ihnen wäre ja dann geholfen, und uns thäten sie einen großen Gefallen damit. Wir leben in einem Uebergangs- zustande, Deutschland wächst allmählich aus den Kinderschuhen heraus, um in das Jünglingsalter einzutreten. Da wäre es wohl an der Zeit, daß wir uns von unseren Kinderkrankheiten freimachten. Wir gehen durch bewegte erregende Tage hindurch, in denen das Urtheil einer großen Menge von Menschen der Objektivität leider zu sehr entbehrt. Es werden ruhigere Tage folgen, insofern unser Volk^sich ernstlich zusammen nimmt, in sich geht und unbeirrt von fremden Stimmen auf Gott baut und die ehrliche fürsorgende Arbeit seines angestammten Herrschers. Der Kaiser erinnert an den englischen Admiral Drake, der von einem Berge Zentralamerikas aus gleichzeitig die wildbewegten Wogen des Atlantischen Ozeans und den majestätisch ruhigen Spiegel des Stillen Ozeans gesehen habe. Der Kajser fährt fort: So sei es auch mit uns! Das beste Bewußtsein Ihrer meine Arbeit treu begleitenden Sympathien flößt mir stets neue Kraft ein, bei der Arbeit zu beharren und auf dem Wege vorwärts zu schreiten, der mir vom Himmel gewiesen ist. Dazu kommt das Gefühl der Verantwortung unserem obersten Herrn dort oben gegenüber und meine felsenfeste Ueberzeugung, daß unser alter Alliirter von Roßbach und Dennewitz mich dabei nicht im Stiche lassen wird. Er hat sich solche unendliche Mühe mit unserer alten Mark und unserm Hause gegeben, daß wir nicht annehmen können, daß er dies für nichts gethan. Nein, im Gegentheil, zu Großem sind wir noch bestimmt, und herrlichen Tagen führe ich Euch noch entgegen. Lassen Sie sich durch keine Nörgeleien die Freude an der Mitarbeit verkürzen. Den ewigen mißvergnüglichen Anspielungen über den neuen Kurs und seine Männer erwidere ich ruhig und bestimmt: Mein Kurs ist der richtige, er wird weitergesteuert. Ich hoffe bestimmt, daß meine braven Märker mir dabei helfen. Ich trinke auf das Wohl Brandenburgs und seiner Männer. (Fr. Nachr.)

Die staatliche Arbeiterfürsorge sucht nach Kräften den Druck der Zeitumstände zu lindern. Auf eine von dem Minister für Handel und Gewerbe ausgegangene Anregung hin soll der Versuch gemacht werden, zunächst im Weberbezirke des Kreises Glatz das Nähen von Maceehand- schuhen als Hausindustrie anstelle der Handweberei cinzubürgern. Dem Vernehmen nach hat sich eine neuhaldenslebener Handschuhsirma bereit er­klärt, für den Fall, daß sich die Handschuhnäherei in Schlesien einbürgert und bei gleich hohen Löhnen, als anderswo gezahlt werden, eine gleich gute Arbeit geliefert wird, das Unternehmen in jeder Weise, besonderster durch Ertheilung bedeutender Aufträge zu unterstützen.

Wilhelmshaven. Die zur Zeit in Enaland befindliche Kreuzer­korvette Prinzeß Wilhelm, Kommandant Kapitän zur See Bockers, wird in den nächsten Tagen die Weiterreise nach der Westküste von Afrika an­treten. Dieselbe verfolgt keinerlei politische Zwecke, sondern soll nur zur Erprobung der Eigenschaften dieser noch neuen Schiffklassc in tropischen Klimaten dienen. _ Eine solche Probereise, welche auch gleichzeitig zur Er­probung der Maschinen bei angestrengten Fahrten dienen soll, war von vornherein beabsichtigt, mußte aber infolge sich schon bei der Ausreise ein-