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Nr. 44»
Montag den 22. Februar
1892.
Dienst-Nachrtchten aus dem Kreise.
Verloren: Ein Aufstcckkamm von Schildplatt.
Gefunden: Ein weißes Bedeck.
Zugelaufen: Am 13. d. Mts. ein gelber Spitz.
Hanau am 22. Februar 1892.
Tagesschau.
Berlin, 20. Februar. Seine Majestät der Kaiser und König empfingen heute Vormittag um 11 Uhr den Chef des Generalstabs der Armee, Generallieutenant Grafen von Schlieffen II. und arbeiteten demnächst mit dem Chef des Militärkabinets, General der Infanterie von Hahnke. Um 1 Uhr nahmen Seine Majestät militärische Meldungen entgegen.
Berlin, 20. Febr. Die „Kreuzztg." schreibt: Von gut unterrichteter Seite wird uns mitgetheilt, daß Fürst Bismarck neuerdings die bestimmte Absicht kundgegeben hat, in dieser Session seinen Platz im Herrenhause einzunehmen.
Berlin, 20. Febr.- (K. Z.) Für die verhafteten Anarchisten haben die unabhängigen Sozialisten Sammlungen eröffnet. Die erste Liste weift 337 Mk. auf.
Königsberg i. Pr., 20. Februar. (K. Z.) Wie die Königsberger Hartungsche Zeitung meldet, ist in der hiesigen Klinik Ende Dezember von Professor Braun eine Operation des Kehlkopfkrebses ausgeführt worden, welche vollkommen gelungen erscheint; der Patient spricht noch etwas heiser, ist aber sonst gesund und wird dieser Tage dem Oberpräsidenten vorgestellt werden.
Die Münchener „Allg. Ztg." hatte angedeutet, daß von Preußen resp, dem preußischen Militär dem Zustandekommen einer Reichsmilitär- ftrasprozeßordnung ein besonderer Widerstand entgegengesetzt werde. Demgegenüber bemerkt die „Rordd. Allg. Ztg. ": „Dieser Vorwurf kann nur auf Unkenntniß des Sachverhalts beruhen, denn thatsächlich ging das Widerstreben gegen eine gemeinsam das ganze Reich umfassende Regelung des Militärstrasverfahrens, welche ein oberstes Reichsmilitärgerichts ein- chließen sollte, nicht von Preußen aus."
s Luzern, 21. Febr. (Frankf. Ztg.) Der Brandschaden der Gott- hardbahn in Chiasso ist durch Versicherung gedeckt. (Nach einer uns aus Mailand zugegangenen Meldung schätzt man den Schaden auf 1 Million Lire. Red.)
Paris, 20. Febr. Carnot forderte Ribot auf, ein neues Kabinet zu bilden. Ribot konferirte mit Frepcinet, welchen dann Carnot empfing und ersuchte, das Kriegsministerium im neuen Kabinet wieder zu übernehmen, welches er, wie vom ganzen Lande anerkannt werde, mit Autorität und hoher Sachkenntniß geleitet habe. Freycinet lehnte nicht ab, behielt sich aber die definitive Entscheidung bis zur Kenntniß der gejammten Kombination vor. (Fr. N.)
Paris, 20. Febr., 6 Uhr 10 Min. abends. Ribot ist mit der Neubildung des Kabinets beauftragt worden und hat unter der Bedingung angenommen, daß Frepcinet Kriegsminister bleibt. Carnot gestand dies zu, hielt es aber für wesentlich, daß das neue Kabinet aus gemäßigten Republikanern unter Ausschluß der Radikalen zusammengesetzt wird.
Petersburg, 20. Februar. Die Blätter geben ihrem Bedauern über die Ministerkrisis in Frankreich Ausdruck. Das „Journal de St. Pètersbourg" meint, die Krists sei vielleicht unvermuthet zum Ausdruck gekommen. Die Haltung der Radikalen habe nicht überraschen können. Was man nicht habe vermuthen können, sei, daß die Rechte mit den Radikalen gemeinsame Sache machen würde. „Nowoje Wremja" sagt, in jeoem Falle werde die Krisis von den Freunden Frankreichs beklagt, während sie den Feinden desselben sehr gelegen sei. Das Blatt fragt, ob denn Clämenceau und Cassagnac diesen Punkt nicht bedacht hätten.
Petersburg, 21. Febr. (Frankf. Ztg.) Die schon wiederholt angekündigte Aufhebung des Verbots der Haferausfuhr darf nunmehr als unmittelbar bevorstehend bezeichnet werden. Die Aufhebung wird sich aber nur auf die in den Osthäfen lagernden 10 Millionen Pud erstrecken.
Queenstown, 20.- Febr. Seit gestern wüthet in der Umgegend
ein furchtbarer Sturm; jeder Verkehr ist eingestellt; mehrere amerikanische Dampfer sind mit erheblichen Verspätungen eingetroffen; die fälligen Schiffe „Adriatis", „Arizona", „Pavonia" und „Umbria" sind noch nicht eingetroffen.
Hamburg, 21. Februar. Der Postdampfer „Ascania" von der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt - Aktiengesellschaft ist, von Hamburg kommend, gestern in St. Thomas eingetroffen.
Depescheu-Burea« „Herold".
21. Februar, abends 8 Uhr:
Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Berlin, 20. Februar.
Die Berathung des Eisenbahnetats wird fortgesetzt. Zu dem Titel Einnahmen aus dem Güterverkehr liegt ein Antrag Hitze-Lieber vor, die Staatsregierung zu ersuchen, Maßnahmen und Einrichtungen zu treffen, um die Sonntagsruhe den im Eiscnbahndienste beschäftigten Beamten und Arbeitern in weiterem Maße, insbesondere durch möglichste Einschränkung des Güterverkehrs an Sonntagen zu sichern.
Schöller (freikons.) bedauert den Rückgang der Eisenbahneinnahmen aus dem Güterverkehr und bezweifelt, daß er wieder ausgeglichen werden könne. Die Gütertarife müssen verbessert werden, die Reform Von 1877 habe nicht ausgereicht. Bei der Bildung der Gütertarife sei auf die größte Ausnutzung der Wagen zu sehen und die Tarife so zu gestalten, daß sie mit weiteren Entfernungen abnehmen.
Lucius-Erfurt (freikons.) wünscht, daß die Tarifänderungen drei Mona e vor Eintritt bekannt gemacht werden.
Eisenbahnminister v. Thielen. Die Staatseisenbahnverwaltung werde gern bereit sein, die Tarisänderungen thunlichst früh bekannt zu geben.
v. Puttkamer-Treblin (kons.) bedauert, daß der Minister den Landwirthen Hinterpommerns nicht durch Frachtermäßigung für das Saatgetreide zu Hilse gekommen ist.
Der Minister erklärt, entscheidend hierfür sei, daß ein öffentlicher Nothstand nicht vorhanden sei. Meinerseits war der Oberpräsident nicht ermächtigt, den Kreisen Frachtermäßigung in Aussicht zu stellen.
Stengel (freikons.) spricht sich gegen die Staffeltarife aus und bittet den Minister, die Verschiedenheit der Expeditionsgebühren zu beseitigen, die zwischen dem Osten und Westen besteht.
v. Puttkamer-Plauth (kons.) bestreitet, daß die Staffeltarife zu Mißständen führen würden und bittet, diese nicht abzuschaffen, wenn man nicht dafür den Identitätsnachweis aufhebt. Dies wird aber der preußischen Regierung schwer gelingen, da alle anderen Regierungen an dem Identitätsnachweis festhalten und auch im Reichstag Widerstand dagegen bemerklich ist.
Schöller (freikons.) wendet sich gegen den Fraktionsgenossen Stengel und empfiehlt nicht nur Aufrechterhaltung, sondern auch Ausdehnung der Staffeltarife.
Brömel (freis.) weist darauf hin, daß die Einnahmen sehr viel höher veranschlagt seien als in früheren Jahren und bespricht die Mißstände infolge der Kohlenvertheuerung durch die Vereinigung der Kohlenzechen. Nach Ansicht der Handelskammern könnten die Kohlcnverkaufs- vereinigungen nur sich Zuckten auf Grund der Einnahmetarife. Redner fragt, ob die preußische Staatsbahn die Tarifpolitik fortsetzen wolle.
H e r o l d. (Zentrum). Durch die Staffeltarife tritt eine Verschiebung der Verhältnisse ein. Den Schaden hat der Westen, während dies dem Osten keinen Nutzen bringt.
Schulz-Bochum (nat.-lib.). Wir haben die hohen Kobleupreise nicht mehr wie voriges Jahr. Die Aufhebung der Ausnahmetarife für Kohlen wird nicht viel helfen, ’ s der ausgeführten Kohlen gehen auf dem Rhein nach Holland, '/s auf der Eisenbahn nach Hamburg.
Minister v. Thielen. Die Aufhebung der Eisenbahrtarife für Kohlen nach dem Ausland hängt nicht mit der Ermäßigung der Kohlentarife zusammen. Ueberhaupt sei die Staatsregierung noch nicht schlüssig, 8 ob sie die Staffeltarife nicht demnächst wieder aufheben solle. Es wird