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Nr. 36.
Freitag den 12. Februar
1892.
Amtliches.
Landkreis Hanan.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Der Erlaß des Einkommensteuergesetzes vom 24. Juni 1891 macht eine Abänderung der bestehenden Statuten über die Erhebung von Gemeindeumlagen erforderlich.
Indem ich die Herren Bürgermeister hiervon in Kenntniß setze, bemerke ich, daß ich wegen der nothwendigen Beschleunigung der Angelegenheit die Drucklegung eines von dem Regierungspräsidenten empfohlenen Normal- Statuts angeordnet habe und letzteres in den nächsten Tagen den Ortsvorständen derjenigen Gemeinden, in denen seither Gemeindeumlagen erhoben wurden, zugehen lassen werde.
Es ist sodann für schleunige Beschlußfassung Seitens der Gemeindeorgane Sorge zu tragen, daniit nach erfolgter 2monatlicher Offenlegung und Bestätigung des Statuts die Ausschreibung der Kommunalsteueln für das Etatjahr 1892/93 auf Grund des neuen Statuts nicht gehindert wird.
Hanau am 9. Februar 1892.
Der Landrath
A. 305 v. Oertzen.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Verloren: Eine Korallenbroche. Zwei Schlüssel zum Rathhauskeller.
Hanau am 12. Februar 1892.
Tagesschau.
Berlin, 11. Febr. Nachdem der Königlich italienische Botschafter am hiesigen Allerhöchsten Hofe Graf de Launay am 7. d. Mts. verstorben, ist der Erste Botschaftssekretär Marquis die Beccaria Jncisa von seiner Regierung mit der Leitung der Botschaft als Geschäftsträger betraut worden.
Berlin, 1.1. Februar. Die Geschüftsordnungskommission des Reichstags hat sich unlängst mit der Frage zu beschäftigen gehabt, wer zur Erhebung einer Wahlanfechtung berechtigt sei. Es handelt sich um die Frage, ob zur Anfechtung einer Wahl auch eine Person berechtigt sei, die außerhalb des betreffenden Wahlkreises ihren Wohnsitz hat. Nach den Bestimmungen der Geschäftsordnung steht zunächst jedem Reichstagsmitgliede die Ansprache gegen jede Wahl zu. Sodann haben unter gewissen Voraussetzungen die Abtheilungen das Recht der Beanstandung einer Wahl, und endlich sind Wahlansechtungen zulässig, ohne daß über die Legitimation dazu in der Geschäftsordnung selbst Bestimmung getroffen ist. Die Kommission beantragt nun, der Reichstag wolle beschließen: Zur Erhebung einer Wahlanfechtung ist jeder zur Reichstagswahl Berechtigte berechtigt.
Berlin, 11. Februar. Die unter dem Vorsitz Levetzow's heute abgehaltene Sitzung des Zentralkomitees für ein Bismarckdenkmal beschloß den Gesammtbetrag der Sammlungen, in Höhe von 1 014 438 Mark, in dreiprozentiger Reichsanleihe anzulegen und über die Platzfrage für das Denkmal, sowie die auszuschreibende künstlerische Konkurrenz erst dann Beschluß zu fassen, wenn die Platzsrage für das Kaiser Wilhelmdenkmal entschieden sei. (Fr. Nachr.)
Berlin, 11. Febr. S. M. Kanonenboot „Iltis", Kommandant Kapitän-Lieutenant Müller, wird heute (11. Februar) von Shanghai nach Hongkong in See gehen.
Kiel, 11. Februar. (K. Z.) Der früher auf der Germaniawerft beschäftigte Techniker Ahlrot, der beschuldigt war, Geheimnisse des Kriegsschiffsbaues verrathen zu haben, ist gestern aus der Haft entlassen worden, weil sich die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen als grundlos erwiesen haben sollen.
Bremen, 11. Februar. Die Direktion des Norddeutschen Lloyd erhielt folgendes, den Dampfer Eider betreffendes Telegramm: Das Leck ist durch die Taucher gefunden, ein Theil des Kiels unter der Schraube und 15 Fuß nach vorn ist gebrochen, die Kielplatten sind nach der Steuerbordseite eingedrückt. Man versucht jetzt, die Oeffnung von Außenbord aus abzudichten. Mit der Bergung der Ladung wird fortgesahren.
Bremen, 11. Febr. Infolge des Todes des verwaltenden Vorstehers des Seefahrtshauses Lohmann findet, wie man dem „Hann. Kur." meldet, die diesjährige Schaffermahlzeit nicht statt.
Wien, 11. Februar. Abgeordnetenhaus. Zn der heute fortgesetzten Debatte über die Subvention der Donaudampfschifffahrtsgesellschaft
beantragte Edenhoch eine Resolution, welche bie Regierung aussen den, den Verkehr auf der obern Donau wie bisher aufrecht zu erhalten, spez ell die Lokalsahrten Linz-Passau. Nachdem Prinz Liechtenstein die Vorlage bekämpft hatte, wies der Regierungskommissar Bazant die oorgefttigen Ausführungen Luegns zurück und konstatirte, die Behauptui g der Unterschlagung von Akten sei unbegründet, die Dampfschiffsahitsgesellschaft habe seinerzeit die fraglichen Akten sofort dem Handelsministerium überreicht: Redner könne dieselben dem Hause vorweisen.
Wien. Das vom medizinischen Prosessoren-Kollegium zum Zwecke der Verfassung eines Memorandums über die geplante Reform der mebi- zinischen Studien eingesetzte Komitee hat der tiefen Plenarversammlung ein Elaborat vorgelegt. Die lebhafteste Kontroverse rief der Vorschlag des Komitees hervor, die naturwissenschaftlichen Fächer: Zoologie, Botanik und Mineralogie als obligate Gegenstände auszuscheiden. Der Vorschlag wurde schließlich vom Plenum mit großer Mehrheit angenommen. Zu den übrigen bereits bestehenden älteren Prüsungsgegenständen wurden als obligate ausgenommen : Kinderheilkunde, Hautkrankheiten, Laryngologie, Psychiatrie, Ohrenkrankheiten und Zahnheilkrinde.
Prag, 11. Febr. (Reichsanz.) Heute Vormittag sammelte sich vor dem Rathhause und später vor der Statthalterei eine große Anzahl beschäftigungsloser Arbeiter an und entsendete Deputationen an den Bürgermeister und den Statthalter, um diese um Arbeit zu bitten. Der Bürgermeister sagte hundert Arbeitern Beschäftigung bei den städtischen Arbeiten zu. Der Statthalter erklärte, er könne der Bitte um Verwendung bei den Hafenbauten zur Zeit nicht entsprechen, er werde sich anderweitig für die Arbeiter verwenden. Zugleich warnte der Statthalter die Arbeiter vor Ausschreitungen. Die Ruhe wurde nicht gestört.
Antwerpen, 10. Februar. Auf eigenthümliche Weise sind gestern die Thäter eines Einbruchs gefaßt worden, der vor mehr als einem Jahre stattfand. Die drei Verbrecher, aus der Vorstadt Borgenhout stammend, begaben sich damals nächtlicherweile nach dem Nachbarorte Brasschaet und brachen aus einem Bauernhöfe ein. Der Bauer und sein Sohn wurden geknebelt und die Diebe waren mit Einpacken beschäftigt, als die Tochter des Bauers erwachte und herbeieilte. Einer der Männer warf sich ihr entgegen, erhielt aber von ihr mit einer Heugabel einen Stich in das rechte Bein, sodaß er zusammensank. Die beiden andern überwältigten das Mädchen jedoch und schlugen es zu Boden. Dieser Tage nun wurden in Hasselt mehrere Kirchenräuber bei der „Arbeit" abgefaßt. Sie wurden den damals Ueberfallenen vorgeführt und von diesen erkannt. Auf ihr Leugnen wies die Tochter auf den einen Mann hin: „Der da muß ja von damals noch die Narben von dem Stich ins Bein tragen.!" Die drei Narben fanden sich in der That vor und die Verbrecher gestanden die That nun ein.
Poris, 11. Februar. Im Musee Cluny (für Kunstgcwerbe) wurde der „Frkf. Ztg." zufolge ein großer Diebstahl an alten goldenen Schmucksachen im Gesammtgewicht von 2 kg Gold begangen.
Poris, 11. Februar. Die „K. 3" schreibt: Zur Auffrischung des französisch-russischen Einverständnisses läßt die Regierung im Temps folgende Mittheilung veröffentlichen: Zu derselben Zeir, als die Regierung der Republik sich entschloß, die fianzösische Flagge durch Entsendung des augenblicklich in Egypten weilenden Geschwaders dauernd in der Levante zu zeigen, faßte der Kaiser von Rußland denselben Beschluß und befahl, ebenfalls ein Geschwader in die Levante zu senden, wo es heute eintreffen sollte. Das französische Geschwader wird sich von Port Said in den Archipel und in den Piräeus begeben und dort einige Zeit bleiben, das russische Geschwader wird Alexandrien anlaufen, dann eine Rundreise antreten und die Gelegenheit benutzen, um in Piräeus mit dem französischen Geschwader zusammenzutreffen.
London, 11. Februar. Als der Norddeutsche Lloyddampfer Spree gestern von New-2)ork in Southampton ankam, wurde dem Kapitän desselben, Willigerod, als Anerkennung der von ihm bewerkstelligten Rettung der Reisenden des im Dezember v. I, aus offener See in Brand gerathenen Dampfers Abyssinnia eine goldene Uhr und Kette überreicht. Außerdem wurden dem Kapitän zur Vertheilung an die Offiziere und die Bemannung des Dampfers Spree zweihundert Pfund Sterling eingehändigt.
Petersburg, 10. Februar. Die Verhandlungen mit dem Pariser- Syndikat Hotlinger, Mallet, Verne, Heine und Pilleville wegen Uebernahme einer neuen russischen Eisenbahnanleihe der Kursk-Kiew, Wladikawkas- und Rjäsan-Koslow-Bahn sind nunmehr endgiltig abgebrochen.