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Nr. 32
Montag den 8. Februar
1892.
Landkreis Hanan.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Der Beigeordnete Georg Lind II. von Oberissigheim ist zum Bürgermeister dieser Gemeinde gewählt und bestätigt worden.
Hanau am 4. Februar 1892.
Der Königliche Landrath.
A. 296 I. A.: Meister.
Tagesschau.
Bremen, 6. Februar. Der Inspektor Leist vom „Lloyd" tele- graphirte heute Morgen, daß die Dampfer „Newa" und „Belos" fertig seien, längseit der Eider zu gehen; die Bergungsdampfer „Berthilde" und „Hermes" werden heute erwartet. Taucher haben die Steuerbordseite des Dampfers untersucht und keine Beschädigung gefunden; die Backbordseite und das Hintertheil des Schiffes waren bislang wegen des Seeganges nicht zugänglich. Das Paffagiergepäck wurde gestern Abend sämmtlich gelandet. Heinecke und sechs Personen bleiben einstweilen an Bord, der Rest der Leute wird morgen nach Bremerhaven zurückkehren. (Fr. N.)
Ueber die Behandlung der Religion sind die Sozialdemokraten immer noch nicht im Reinen. Es ist aber auch ein schwieriges Kapitel, wie man seinen religionsfeindlichen Grundsätzen nichts vergeben und doch die Bauern und kleinen Leute nicht vor den Kopf stoßen soll. Auf dem Koblenzer Parteitage der rheinischen Sozialdemokraten kam es deshalb zu erbitterten Streitigkeiten. Die „Zielbewußten" und Extremen wollten, daß die Sozialdemokraten offen gegen die Religion als solche kämpften. Die Abgeordneten Meist und Schumacher aber erklärten, die Religion sei Privatsache. Die Sozialdemokratie habe gar keine Ursache, gegen alte bestehende Religionen als solche sich zu wenden. Sie wolle aber auch nichts von einem freireligiösen Pfaffenthum wisfen. Die persönlichen Streitigkeiten wurden so heftig, daß ein Schiedsgericht eingesetzt werden soll, um zwischen dem Abg. Schumacher und seinen Gegnern zu entscheiden.
Freiburg i. Br., 6. Februar. Der Dichter Freiherr Karl Friedrich Gisbert v. Vincke, bekannt durch seine Bearbeitung Shakespeares, ein Bruder Georg v. Vinckes, ist gestorben
Graf Eduard de Launay, der italienische Botschafter am Berliner Hofe, dessen Tod nach telegraphischer Meldung gestern früh eintrat, ist, wie die „Franks. Ztg." berichtet, 1808 geboren, war seit 1854 Vertreter Sardiniens am Berliner Hofe, war dann zwei Jahre in Petersburg, kam wieder nach Berlin und wurde dort 1871 auch als Botschafter Italiens beim deutschen Reiche akkreditirt. Er hat politisch und diplomatisch nie eine besonders hervorragende Rolle gespielt, wohl aber hat er zur Herstellung und Befestigung der freundschaftlichen Beziehungen, die zwischen Deutschland nnd Italien bestehen, viel beigetragen.
Kopenhagen, 6. Februar. Im Folkething erklärt der Minister des Inneren, daß ein Auftreten der Maul- und Klauenseuche nicht kon- statirt sei, uud die Regierung davon nicht die geringste Kenntniß habe. Seit IVa Jahren sei kein Seuchenfall vorgekommen. Die verdächtigen Thiere seien von Thifted abgeschickt. Die Regierung habe einen Amtsthierarzt abgesandt und werde dessen Bericht veröffentlichen, sobald er vorliege.
Paris, 6. Februar. Gestern trafen nur 419 deutsche Hammel im Sanatorium von La Villette ein. feilte wurden dort verkauft 139 Hammel aus Franken, und zwar wurden 52fr für das Stück (d. h. für 23kg Fleisch, also 2,26fr für das Kilogramm bezahlt; ferner 273 Hammel aus Hessen zu 54—55fr das Stück (2402—25kg Fleisch). In den Markthallen wurden heute 80 ausländische Hammel, angeblich holländische, verkauft. Die Preissteigerung beträgt seit Anfang der Woche 30fr für 100kg.
London, 6. Februar. (K. Z.) Das Schiff Bessie H. Rose ist an den Bahama-Jnseln gescheitert, die ganze Mannschaft ist ertrunken.
Depescheu-Bureau „Herold".
7. Febr uar, abends 8 Uhr:
Deutscher Reichstag.
Berlin, 6. Februar.
Die Geschäftsordnungskommission über Petitionen auf Ertheilung
der Ermäch igung zur Fortsetzung der Privatklageverfahren gegen das Reichstagsmitglied Antisemit Werner beantragt Nichtertheilung der Genehmigung. Der Antrag nmb debattelos angenommen.
Fortsetzung der zweiten Berathung des Etats mit Kapitel Reichsversicherungsamt und Titel Jnvaliditäts- und Altersversicherung. Es liegt ein Antrag Auer und Gen. (Soz.)vor, welche eine Abänderung des Unfallversicherungsgesetzes hinsichtlich der Auszahlung der Rente an Verletzte und Sterbegeld an die Hinterbliebenen, ferner Ausdehnung des Gesetzes auf die als Arbeiter beschäftigten Gefangenen verlangt.
Möller (nat.-lib.) wünscht die Sammlung alles Neuen, bez. der Unfallverhütung.
Staatssekretär v. Bötticher. Augenblicklich seien keine Räume zu einem derartigen Museum verfügbar, erst wenn der Neubau des Reichsversicherungsamts fertig gestellt sei
Grillenberger (Soz.) begründet den Antrag. Die Sozialisten seien trotz seiner Mängel nicht für die Aufhebung des Klebegesetzes. Redner beschwert sich gegen die Kennzeichnung der Marken durch Aufschreiben des Datums.
Staatssekretär v. Bötticher. Es wird ein Gesetzentwurf vorbereitet, welches die Unfallversicherung aus alle in Betracht kommenden Berufszweige ausdehnt.
Freiherr v. Stumm (Reichsp.) weist die Beschwerden über das Klebegksetz zurück.
Weiterberathung Montag. Außerdem Gesetz über die Einziehung der österreichischen Vereinsthaler.
Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Erste Berathung des Entwurfs, betreffend die Kosten der königlichen Polizeiverwaltungen der Stadtgemeinden.
Langerhans (freis.) behauptet, für Berlin seien die angesetzten Kosten unbegründet und wünscht eine wesentliche Ermäßigung der Forderung. Der Entwurf wird einer Kommission überwiesen. Der Etat Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung wird nach den Vorschlägen der Budgetkommission angenommen.
Dienstag: Justizetat.
Berlin, 7. Februar. Die Defilirkour, Kour der Königin genannt, wurde gestern Abend im königlichen Schlosse glänzend gefeiert. Vor den Majestäten defilirten die reichsunmittelbaren Fürsten, die Botschafter mit Gemahlinnen, die Minister, die kommandirenden Generale, die Stände mit ritterschaftlichen Uniformen, die Geistlichkeit rc. Nach Beendigung hielten die Majestäten Cercle ab.
Berlin, 7. Februar. Der italienische Botschafter am hiesigen Hofe Graf de Launay ist beute früh 8O2 Uhr gestorben.
Berlin, 5. Februar. Die Budgetkommission des Abgeordneten- "hauses wird die überwiesenen Theile des Etats wahrscheinlich nächste Woche erledigen. Der Etat soll Anfang März an das Herrenhaus gelangen und bis 1. April verabschiedet werden.
Berlin, 6. Februar. Der König von Württemberg hat den Armen Berlins 1000 M. gespendet. — Der Sultan überraschte den Kaiser durch Zusendung eines Oelgemäldcs, darstellend des Kaisers Ankunft in Konstantinopel.
Berlin, 6. Februar. Die Spree hat stellenweise ihre Ufer überschritten.
Bochum, 6. Februar. Ein dritter Artikel der „Westph. Volksztg." führt aus, der Graveur Janssen, der Anfertiger der falschen Stempel, habe von seiner achtjährigen Thätigkeit im Jahre 1881 Baare Mittheilung gemacht, als er entlassen wurde.
Danzig, 6. Februar. Das österreichische Kriegsscbiff „Najade", welches kürzlich nach Pola ansgelaufen ist, ist ' mit 35 Mann Besatzung vermuthlich verloren.
Oberhausen, 6. Februar. In der gestern stattgehabten Aufsichtsrathssitzung der Concordia, Bergban-Aktiengesellschaft, legte der Vorstand die Jahresbilanz pro 1891 vor. Dieselbe ergab nach Abzug von 239 000