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Nr. 31.

Samstag den 6. Februar

Amtliches.

Nachstehendes Ausschreiben wird mit dem Bemerken veröffentlicht, daß sich etwaige Gewerbetreibende, welche durch den rc. Felgen treu be­trogen worden sind, auf dem hiesigen Polizeikommissariat, Zimmer 14 und 15, melden wollen.

Hanau am 4. Februar 1892.

Königliche Polizeidirektion.

P. 1040 I. A.: Meister.

Attsschreiben.

Ein früherer Lehrer M. Felgentreu von hier hat durch die Möller'sche Gartenbauzeitung und Versendung zahlreicher Prospekte bekannt gemacht, daß hier vom 24. Februar bis 12. März d. J. eine internatio­nale Ausstellung für Hygiene, Sport und Kunstindustrie stattfinden werde und zur Betheiligung an der Ausstellung aufgefordert, hat auch Anmeldungen und Geldbeträge zur Beschaffung von Plätzen entgegengenommen.

Da den hiesigen Behörden über eine derartige Ausstellung nichts be­kannt geworden ist, Felgentreu bei seiner beabsichtigten Festnahme ent- floh, dürfte es zweifellos sein, daß der Genannte sich nur hat auf betrüge­rische Weise in den Besitz von Geldmitteln setzen wollen.

Obgleich schon eine Anzahl Geschädigter sich hier gemeldet, ist doch anzunehmen, daß der größte Theil derselben noch keine Anzeige erstattet hat, weshalb die Polizeidirektion ergebenst ersucht, durch geeignete Bekanntmachung die Geschädigten zur Anzeige aufzufordern und das Resultat demnächst hierher mitzutheilen.

Bremen, 30. Jan. 1892.

Nachstehendes Ausschreiben wird hiermit veröffentlicht. Hanau am 4. Februar 1892.

Königliche Polizeidirektion.

P. 1039 I. A.: Meister.

Am 27. Januar 1892 ist im Main bei Sindlingen die Leiche eines unbekannten Mannes geländet. Dieselbe war 1,50 m groß, gesetzt, hatte rundes, volles, glatt rasirtes Gesicht, stumpfe Nase, kleine Stirne, schwarz gelocktes Haar. Sie war bekleidet mit dunklem Sackrock, schwarz und braun gestreifter Weste, dunkel gestreiften Hosen, welche mit einem Gürtel gehalten wurden, roth und weiß gestreiftem baumwollenen Hemde, rothen rechts und links gestrickten Socken und Zugstiefeln.

Es fanden sich noch 82 Pf. in der Hosentasche und ein rothes weiß­getupftes Taschentuch.

Die Leiche war ca. 25 Jahre alt und hatte schon längere Zeit im Wasser gelegen.

Um Auskunft über die Persönlichkeit des Ertrunkenen wird ersucht.

Wiesbaden den 30. Januar 1892.

Der Erste Staatsanwalt. _______________________I. A.: gez. Kühne.

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Entlaufen: Ein schwarzes Huhn.

Gefunden: Ein Teppich.

Hanau am 6. Februar 1892.__________________________________

Tagesschau.

Berlin, 5. Febr. In allen Provinzen haben die freien Lehrerver­eine auf die nächsten schulfreien Nachmittage Versammlungen zur Besprechung des Schulgesetzentwurfs einberufen. Ihre Beschlüsse werden sich gegen den neuen Entwurf richten; die Lehrer wollen ihre Wünsche zum Schulgesetz auf Grund der Magdeburger Beschlüsse des Landesvereins preußischer Volks­schullehrer zusammenfassen und den Abgeordneten ihres Kreises zur Kennt­niß bringen. Die pädagogische Presse mit alleiniger Ausnahme der Organe res (ultramontanen) Bochumer Lehrerverbandes bekämpft den Zedlitz'schen Entwurf.

Posen, 5. Febr. Seit heute früh ist hier Eisgang. Die Warthe leigt rapid. Einzelne Straßen der unteren Stadt sind bereits über- chwemmt.

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Bromberg, 5. Febr. Auf der Weichsel bei Schulitz und Fordon herrscht seit heute früh starker Eisgang.

Dirschatt, 5. Februar. Vierhundert westpreußische Landwirthe unter dem Vorsitze v. Puttkamer-Plauth's tagten heute zum Zwecke der Kon- stituirung eines Vereins zur einheitlichen und energischen Vertretung der materiellen Interessen Westpreußens, namentlich auch im Landtage. Ein vom Vorsitzenden entworfenes Statut des Westpreußischen Wahlvereins wurde angenommen. Die Anwesenden erklärten ihren Beitritt. (Fr. N.)

In Neumünster (Schleswig-Holstein), wo die Textilindustrie stark vertreten ist, sind zahlreiche Arbeiterwohnungen durch Privatunternehmer gebaut worden. Ferner verfügt der boitige königstreueArbeiterbund zur Förderung der Interessen des Arbeiterstandes" bereits über 12 Wohnungen, welche für 110 Mk. p. a. an Vereinsmitglieder vermiethet werden. In Flensburg erfreut sich der 1879 gegründete Arbeiterbauverein eines guten Gedeihens. Er besitzt bereits 43 Häuser, welche bei 132 Mk. Jahres­miethe und wöchentlicher Einzahlung von 40 Pfg. nach 10 Jahren, wenn die Hälfte des Erwerbspreises gezahlt ist, Eigenthum der Arbeiter werden und so eine sehr beliebte Einrichtung bilden.

In Leipzig wurde in einer am Montag abgehaltenen öffentlichen Versammlung der in Buchbindereien, Notenstereien, Graveur- und Ziselir- anstalten beschäftigten Arbeiter nach der Wahl eines Vertreters zum Ge­werkschaftskongreß in Halberstadt mitgetheilt, daß gegenwärtig nach Beendi­gung des Buchdruckerstrikes in Deutschland noch 5000 Gehilfen ausgesperrt seien. Arbeitslos seien in Leipzig 700 Gehilfen und 300 Arbeiterinnen, in Dresden 300, in Berlin 1000, in Stuttgart und München je 350 Ge­hilfen, in Hannover 300 und in Hamburg 200 Gehilfen.

In Gmünd beschlossen nach einer Mittheilung desVorwärts" die Mitglieder des Verbandes deutscher Gold- und Silberarbeiter mit achtzehn gegen vier Stimmen, die Zahlstelle des Verbandes deutscher Gold- und Silberarbeitec aufzulösen und sich dem Sozialdemokratischen Verein an­zuschließen.

Kopenhagen, 5. Februar. Das offizielle Organ, dieBerlinske tidende", theilt gegenüber auswärts verbreiteten Nachrichten mit, im Ministerium des Innern sei kein in Dänemark vorgekommener Fall von Klauenseuche bekannt. Augenblicklich würden Untersuchungen angestellt.

Rom, 5. Februar. Der Senat genehmigte den Gesetzentwurf be­treffend die fideikommissarischen Galericen. Die Wahl des neuen Jesuitengenerals ist nunmehr auf den Mai im deutsch-ungarischen Kollegium festgesetzt. Der interimistische spanische Generalvikar Pater Matin wird den Vorsitz führen. Alle 30 Provinzen des Ordens werden drei Provinziales und zwei Rektoren entsenden. Die Wahl erfolgt mit absoluter Majorität.

Poris, 4. Februar. Laur ist in dem von Lyon nach der Schweiz gehenden Zuge gesehen worden, und da sich Minister Constans gegenwärtig zur Erholung am Genfer See befindet, so vermuthet man, daß Laur dort versuchen wird, Constans die erhaltenen Ohrfeigen wiederzugeben.

London, 5. Febr. (K. Z) Auknüpfend an die Meldung, daß keine Hoffnung auf Rettung derEider" bleibe, gibt dieTimes" im Leit­artikel ihrer Bewunderung Ausdruck für die Zähigkeit, den Muth und die Ausdauer des deutschen Kapitäns wie der Mannschaft und rühmt außer­dem die Tapferkeit, welche die Bemannung der Rettungsboote bewiesen ha­be. Dabei wird die Hoffnung ausgesprochen, daß bessere Sicherheitsvor­richtungen für Nebelwetter an der gefährlichen Südweftküste der Insel Wight getroffen werden möchten.

London, 5. Februar. Eine Bekanntmachung des Ackerbauministers verfügt eine strenge Durchführung der Bestimmung, betreffend das Landen fremden Viehs. Es darf kein fremdes Vieh gelandet werden, falls nicht der Schiff-kapitän die schriftliche Erklärung abgibt, daß er binnen achtund­zwanzig Tagen von der Einschiffung der Thiere an kein Vieh aus Malta, Belgien, Deutschland oder Dänemark an Bord gehabt, daß das Schiff während einundzwanzig Tagen seit der Vieheinschiffung in keinem Hafen der genannten Länder gewesen, daß die auf dem Schiff importirten Thiere an Bord nicht mit aus jenen Ländern ausgeführten Thieren in Berührung gewestri und daß das Schiff achtundzwanzig Tage, bevor es sie einschiffte, keine Schweine aus Schweden und den Niederlanden an Bord hatte (F. N.)

Konstantinopel, 4. Februar. Bei der Entgegennahme der letzten Note des bulgarischen Ministers des Auswärtigen, Grekow, in der Cha-