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Nr. 28.
Mittwoch den 3. Februar
1892.
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Amtliches.
Landkreis Hanan.
Bekanntmachungen des Königliche», Landrathsamtes.
Die Maul- und Klauenseuche im Kreise Büdingen ist erloschen.
Hanau am 31. Januar 1892.
Der Königliche Landrath.
V. 634 I. A.: Meister.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Eine goldene Damenuhr mit Anhänger. Ein Paar neue goldene Ohrringe. Ein Geschichtenbuch. Ein weißes Taschentuch. Ein blaugestreifter Arbeitskittel. Zwei Pferdedecken. Ein Portemonnaie mit etwas Geld. Ein Kontobuch.
Zugelaufen: Ein weißer Spitz m. Geschl.
Hanau am 3. Februar 1892.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Infolge Beschlusses der städt. Behörden sollen die in den Beerdigungsfeldern H. L. M. des hiesigen Zentralfriedhofes abgestandenen und krüppelhaften Pflanzungen, welche das Wachsthum der anderen gesunden und normalen Pflanzen und Bäume unterdrücken, beseitigt werden.
Die erstgenannten Pflanzungen sind mit Farbe kenntlich gemacht, und ersuche ich die betr. Grabstelleninhaber, für den Fall sie besondere Wünsche haben sollten, innerhalb der nächsten acht Tagen Einsicht nehmen zu wollen.
Der Friedhofaufseher ist mit betr. Weisung versehen und ertheilt gewünscht werdende Auskunft.
Hanau am 2. Februar 1892.
Der Oberbürgermeister
1309 Weste r b u r g.
Tugesschuu.
Berlin, 2. Februar. Seine Majestät der Kaiser und König nahmen heute Vormittag den Vortrag des Reichskanzlers in dessen Woh- nung und die Vorträge des Chefs des Militärkabinets sowie des General- Lieutenants Golz, Chefs des Ingenieur- und Pionierkorps und General- inspekieurs der Festungen, im Schloß entgegen. Kurz vor 1 Uhr empfingen Se. Majestät aus den Händen des Generaladjutanten Prinzen Friedrich Wilhelm zu Hohenlohe-Ingelfingen bje Orden dessen verstorbenen Bruders, Generallldjutanten Prinzen Kraft zu Hohenlohe-Ingelfingen, und nahmen darauf militärische Meldungen, sowie die Meldungen des Obersten und Flügeladjutanten Prinzen Heinrich XVIII. Reuß und des neuernannten Militärattaches bei der hiesigen Königlich rumänischen Gesandtschaft Majors Löon Mavrocordats entgegen. Im Anschluß hieran überreichten Seiner Majestät noch der Oberst von Frankenberg und Proschlitz, Kommandeur des Grenadierregiments König Friedrich Wilhelm IV. (1. Pommer'sches) Nr. 2, das neu bearbeitete Regimentsbuch des genannten Regiments in Gegenwart des Majors von Bagenskp vom Kriegsministerium, sowie der Sekondlieutenant von Flöckher vom Braunschweigischen Husarenregiment Nr. 17 die Orden seines verstorbenen Vaters, Generallieutenants z. D. von Flöckher.
Berlin, 2. Febr. (K. Z.) Die von Wißmann für die ostafrikanische Schutztruppe angeworbenen 300 Sudanesen sind in Dar-es-Salaam eingetroffen. Die körperliche Beschaffenheit läßt nichts zu wünschen übrig. Es werden aber vorläufig noch 300 Zulus gewünscht, zn beten Anwerbung Oberführer Schmidt und Oberarzt Dr. Becker sich nach Mozambique und Juhambane begeben haben. Eine weitere Anwerbung von 200 Zulus soll später stattfinden.
Berti»,. Die Fraukngruppè des Allgemeinen deutschen Schulvereins" in Berlin hat am Vorabend des Geburtstages des Kaisers ein Fest veranstaltet, welches zahlreiche Betheiligung fand und neuen Zuwachs von
Mitgliedern brachte. Diese Frauengruppe vereinigt jetzt in sich 530 Theilnehmerinnen an dem schönen nationalen Liebeswerke. Die Hauptleitung bereitet umerdeß einen „Deutschen Abend" für den 22. März vor, den Erinnerungstag an Kaiser Wilhelm den Einzigen. Dieses deutsch-nationale Bruderfest soll im großen Stile gehalten werden. Der reichsdeutsche Schulverein hat seit Dezember um 2000 Mitglieder zugcnommen. Die Gesammtzahl übersteigt wieder 33,000,
Berlin, 2. Febr. Der Raubmörder Wetzel, welcher den Kaufmann Hirschfeld in Spandau ermordete und beraubte und sich dann mehrere Monate den polizeilichen Nachforschungen zu entziehen wußte, wurde heute vom Schwurgericht zum Tode verurtheilt.
In Prensten wurde die Situation vollkommen von der ersten Lesung des Volksschulgesetzes im Abgeordnetenhause beherrscht. Die Parteien haben sich in zwei große Gruppen geschieden: auf der einen Seite das Zentrum und die Konservativen, jenes mit noch weitergehenden Wünschen, diese mit einzelnen sachlichen Vorbehalten, auf der anderen Seite die Nationalliberalen und die Freisinnigen, zwischen denen indeß in Bezug auf einen wichtigen Punkt, die Errichtung von Privatschulen, keine Einigkeit besteht. Eine vermittelnde Haltung nehmen die Freikonservativen ein, denen daran liegt, daß das Gesetz wenigstens mit einem Theil der Nationalliberalen zu Stande komme. Die nationalliberalen Redner haben sich jedoch sehr schroff gegen die Grundlage des Entwurfs ausgesprochen, der nach ihrer Meinung den Einfluß der Geistlichen auf die Schule mehr begünstige, als in der geltenden Praxis und als nach den Vorschriften der Verfassung nöthig wäre. Der Kultusminister Graf Zedlitz wies wiederholt an dem Inhalt des Entwurfs, verglichen mit den bestehenden Verhältnisfen, nach, daß diese Opposition sachlich nicht gerechtfertigt sei und daß die Vorlage so allgemeine Vornan ke wie „Auslieferung der Schule an die Kirche", Zurückschraubung in die vorfridericianische Zeit" u. bergt; keineswegs verdiene. Er erklärte sich bereit, Abänderungsvorschläge entgegenzunehmen, mußte aber am Donnerstag nach einer erregten nationalliberalen Rede bekennen, daß bei der Schärfe^ mit der von der liberalen Seite gegen das Prinzip der konfessionellen Schule gearbeitet werde, die Aussicht aus eine Verständigung gering sei. Der Minister spielte auf die oben erwähnte „Rütliszene" im Reichstage an und meinte, diese rührende Szene habe ihn noch nicht überzeugt, daß das Gesetz den Eckstein zu einer neuen großen Partc-iqruppirunq abgeben werde.
Eine interessante Entscheidung in Sachen der Geheimhaltung der Ergebnisse der neuen Einkommensteuer ist, wie der „Hann. Kur." berichtet, in Göttingen getroffen worden. Der Vorsitzende" der Göttinger Voreinschätzungskommission erhob bei dem Vorsitzenden der Veranlagungskommission, Oberbürgermeister Merkel, den Anspruch auf Einsicht der ein- gegangeren Deklarationen. Letzterer hielt sich zu dieser Mittheilung nicht befugt, gab aber anheim, den Fall dem Vorsitzenden der Berufungèkom- mission in Hildesheim vorzutragen. Von diesem erfolgte folgende Entscheidung : „Die Steuererklärungen dürfen dem Vorsitzenden der Voreinschätzungskommission nicht zugänglich gemacht werden, auch wenn er als Mitglied des Magistrats Dezernent in Staatssteuersachen ist. Auch einem Mitglikde der Euckommensteuer-Beruf^ngskomm steht nicht das Recht zu, sich von dem Inhalte einzelner Steuererklärungen zu anderen Zwecken als zu der — zu eimr bestimmten Zeit in die desfaUsigen Kommissions- sitzuugen berbeizuführenden — Erledigung der Obliegenheiten der Einkom- mensteuer-Bemfungskommission Kenntniß zu verschaffen."
Kiel, 2. Febr. Nach hierher gelangter Meldung ist der frühere Konsistorialpräsident Friedrich Mommsen auf der Reise nach Rom gestern Nachmittag gestorben.
Prinz Christian 3« Schleswig-Holstein hat sich von dem Unfall, welcher ihm vor einiger Zeit auf der Jagd zustieß, indem er einen Streifschuß in das Auge erhielt, jetzt völlig erholt. Am Donnerstag vor. Woche siedelte das Prinzliche Paar nach Cumberland Lodge im Schloßpark von Windsor über.
Genf, 1. Febr. Der Deutsche Hülfsverein hat auch in diesem Jahre, treu dem schönen Brauche, den er seit Gründung des Reiches gepflogen, sein Jahresfest mit dem Geburtstage des Kaisers gefeiert. Die hiesige deutsche Kolonie fand sich in den Sälen des Hotel Metropole zusammen. Konsul Backmann brachte den Trinkspruch auf den Kaiser und