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Nr. 25.
Samstag den 30. Januar
1892.
Amtliches.
Landkreis Hanau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Die Nummerliste der verloosten und zum 1. Mai 1892 gekündigten Kurmärkischen Schuldverschreibungen liegt im Geschäftslokale des Unterzeichneten und den Kgl. Steuerkassen aus. Auf die diese Nummerliste betreffende Bekanntmachung der Kgl. Hauptverwaltung der Staatsschulden vom 5. d. M. (abgedruckt Seite 7 des Regierungs-Amtsblattes) wird hiermit aufmerksam gemacht.
Hanau am 28. Januar 1892.
Der Königliche Landrath.
V. 579 I. A.: Meister.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein gelber Ring. Ein Lotterieloos (Unterdrückung des Sklavenhandels). Ein Handschuh mit Pelzbesatz (rechter). Ein schwarzer Kinderschulterkragen.
Zugelaufen: Ein kleiner Hund, weiß mit gelben Backen, am Hinterkörper einen gelben Flecken, stumpfer Ruthe, m. Geschl.; Empfangnahme beim Wasenmeister Strempel zu Roßdorf.
Hanau am 30. Januar 1892.
Tagesschau.
Berlin, 28. Januar. Am 14. Februar wird in Berlin ein deutscher Handwerkertag zusammcntreten, der für die Jnnungsbewegung von höchster Bedeutung werden dürfte. Es wird daselbst von mehrer« Seiten der Antrag auf Auflösung der bestehenden Innungen und eine anderweite Organisation der Handwerker gestellt werden, deren Grundzüge einstweilen noch wenig durchsichtig sind. Anderseits soll auch im Fall der Ablehnung jenes Antrags die Einführung des Befähigungsnachweises aufs neue beantragt werden. In Handwerkerkreisen herrscht ersichtlich große Mißstimmung über die Regierung, welche bei Beantwortung der Interpellation Hitze im Reichstag am 24. November 1891 zwei der beliebtesten zünftle- rischen Forderungen, den Jnnungszwang und den obligatorischen Befähigungsnachweis, entschieden abgelehnt hat.
Berlin, 29. Januar. S. M. Kreuzer „Schwalbe", Kommandant Korvettenkapitän Oelrichs, ist am 27. Januar in Dar-es-Salam eingetroffen.
Braunschweig, 29. Januar. Der Vorsitzende des Staatsministeriums Dr. Otto eröffnete heute den Landtag mit einer Ansprache, in welcher die günstige Finanzlage betont wird, welche die bisherigen Steuererlasse, sowie die Ueberweisungen an die Kreise und Gemeinden auch ferner gestatte. Auch die Mittel für außerordentliche Verwendungen seien vorhanden. Der Minister kündigte sodann eine Reihe neuer Vorlagen an, darunter eine neue Städte- und Landgemeindeordnung und einen Gesetzentwurf wegen Abänderung der Gewerbesteuer.
Dresden, 29. Januar. Nach dem heute früh ausgegebenen Bulletin hat die Königin eine gute Nacht verbracht. Kopf- und Gliederschmerzen sind geringer. Das Befinden ist bedeutend besser. (Reichsanz.)
Weimar, 29. Januar. Das Württembergische Königspaar ist hier eingetroffen und vom Großherzog empfangen worden. Nachmittags ist Hoftasel, abends Hofkonzert, morgen Nachmittag erfolgt die Abreise (F. N.)
Arolsen, 27. Januar. Der erste Spatenstich zu dem Ausbau der Nebenbahnlinie Arolsen-Corbach wurde heute von dem Unternehmer Weier aus Köln ausgeführt. Die Eröffnung der ganzen Strecke wird voraussichtlich am 1. Oktober 1893 erfolgen. Da auch die Verbindung zwischen Corbach und Frankenberg hergestellt wird, so dürfte diese neu geschaffene Linie Warburg-Arolsen-Frankenberg insofern von Wichtigkeit sein, als dieser Bahnweg an 40km kürzer ist als der über Cassel.
Stuttgart, 29. Januar. (K. Z.) Das Hüttenwerk Wasseralfingen wurde gestern Abend von einem verheerenden Feuer heimgesucht. Das Zentrum des Werkes, ein großer Bau in Hufeisenform, welcher das Komp- toir, das Zeichenbureau und viele Werkstätten enthielt, ist vernichtet; nur die Gießerei und das Walzwerk sind erhalten geblieben.
Wien, 29. Januar. Die „Pol. Korresp." berichtet: Nachmittags erfolgte durch Kalnoky und den spanischen Botschafter die Unterzeichnung einer Konvention, betreffend die Verlängerung des Handelsvertrages bis Ende Juni. Nach demselben Blatte findet in Sofia am 12. März eine öffentliche Lizitation für Lieferung einer Million Stücke neuer bulgarischer Silberwünzen zu fünf Francs statt. Offerten sind bis zum 11. März nachmittags einzureichen. — Das Ehepaar Schneider wurde zum Tode durch den Strang verurtheilt. Die Strafe ist zuerst an Rosalie Schneider zu vollziehen. (Fr. N.)
Pest, 29. Januar. Von 375 der für gestern und heute anberaumten Wahlen sind, nach den „Fr. Nachr.", 345 Wahlresultate bekannt. Bisher sind gewählt: 202 Liberale, 56 Nationale, 69 Unabhängige, 13 Ugronisten und 5 Parteilose. Die Wahlbilanz ergibt bisher Verlust für Liberale 15, Verlust für Parteilose 6, Gewinn für die Nationalpartei 14, Gewinn für die Unabhängigkeitspartei 4, Gewinn für die Ungronisten 3.
Triest, 28. Januar. Aus Genua wird der „Voss. Z." gemeldet, daß im Zuchthause von Oneglia sehr ernste Ruhestörungen vorkamen. 500 Sträflinge überfielen mit ihrem Handwerkszeug die Wachen und schlugen sie in die Flucht. Das Militär mußte auf die Sträflinge, welche die innere Einrichtung zerstörten, Feuer geben. Es sollen vier, nach anderen Nachrichten sieben Häftlinge getödtet und etwa 15 verwundet sein.
Rom, 29. Januar. Der Senat stimmte mit 104 gegen 5 St. den Handelsverträgen mit Deutschland und Oesterreich und mit 105 gegen 5 St. der Verlängerung des italienisch-spanischen Handelsvertrages zu.
Petersburg, 29. Januar. Heute Mittag fand die Ueberführung der Leiche des Großfürsten Konstantin nach der Peter-Paulsfestung statt. Der Kaiser, der Kronprinz von Schweden und die Großfürsten folgten dem Sarge zu Fuß, die Kaiserin und die Großfürstinnen zu Wagen. (Fr. N.)
Washington, 28. Januar. Der Präsident Harrison übermittelte heute dem Kongresse über die chilenische Frage eine zweite Botschaft. In derselben wird milgetheilt, die Antwort des chilenischen Ministers des Auswärtigen auf die Depesche des.Staatsdepartements biete gute Aussicht für die befriedigende Beilegung der Zwistigkeiten mit Chile. (K. Z.)
Bremen, 29. Januar. Der Dampfer des Norddeutschen Mord „Stuttgart" ist gestern in Colombo und der Dampfer „Bayern" vorgestern in Shanghai eingetroffen.
Depescheu-Bureau „Herold".
29. Januar, abends 8 Uhr:
Deutscher Reichstag.
Berlin, 29. Januar.
Das Transitlagergesetz, ebenso die Vorlage über die Anwendung der Zollvergünstigungen, der Handelsverträge gegenüber den nicht meistbegünstigten Staaten gegen Gewährung entsprechender Vortheile werden angenommen.
Erste Berathung des Gesetz-ntwmfs, betr. der österreichischen Vereinsthaler. Dadurch wird der Buntesrath ermächtigt, die bis Ende 1887 geprägten Vereinsthaler außer Kurs zu setzen.
Frege (kons.) beantragt Ueberweisung an eine Kommission, da sonst eine Beunruhigung des Silber Marktes zu befürchten sei.
Bamberger (freis.) glaubt, der Bundesrath sei berechtigt, eigenmächtig die österreichischen Vereinsthaler einzuziehen. Eine Wirkung auf den Silbermarkt sei nicht zu erwarten.
v. Kar dorff (kons.) wünscht eine anderweite Währungsregelung.
Die Vorlage wird einer Kommission überwiesen. Hierauf wer'de« verschiedene Petitionen erledigt.
Sonnabend Nachtragsetat.
Berlin, 29. Jan. In der Budgetkommission der Reichstags wurde der Militäretat fortgesetzt. Kapitel 24 Geldverpflegung der Trupp-n.
Generalmajor v. Goßler gibt Auskunft über die geplante Aenderung und Vorbildung der Artillerieoffiziere. Dieselben sollen einen viermonatlichen Kursus in der Feldärtillerie-Schießschule absolviren. Künftig sollen nur 4 statt 9^2 Monate dem Frontdienste entzogen werden.
Major Gäde. Zukünftig müsse jeder Mann der Reserve und Landwehr mindestens einmal 14 Tage eingezogen werden.