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Nr. 24.

Freitag den 29. Januar

1892.

Landkreis Hanan.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Die Herren Bürgermeister und Gulsvorsteher des Kreises veranlasse ich, mir binnen längstens 8 Tagen einzuberichten, ob und welche Reallaften d. h. ständige Abgaben und Leistungen, die auf Grundstücken oder Ge­rechtigkeiten haften in ihren Gemeinden rc. z. Zt. noch bestehen.

Hanau am 25. Januar 1892.

Der Landrath.

V. 442 I. A.: Meister, Regierungs-Assessor.

Friedrich Wilhelm Fix zu Fechenheim ist zum Mitglied des Ge­meinderaths daselbst gewählt und vereidigt worden.

Hanau am 25. Januar 1892.

Der Königliche Landrath.

A. 221__I. A.: Meister.___

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Vom Wasenmeister am 28. d. M. eingesangen: Zwei kleine schwarze Hunde, zwei gelbe Pinscher, ein gelbrother Hund, sämmtliche m. Geschl.

Hanau am 29. Januar 1892.

Tagesschau.

Berlin, 28. Jan. Seine Majestät der Kaiser und König nahmen heute um 11 Uhr den Vortrag des Chefs des Militärkabinets entgegen und erledigten alsdann bis zur Frühstückstafel Regierungsgeschäfte.

Berlin, 28. Januar. Zu Ehren des Königspaares von Württem­berg fand heute Abend ein großes Galadiner bei dem Prinzenpaar Albrecht statt, woran außer den Ehrengästen theilnahmen: der Kaiser und die Kaiserin, das Großherzogspaar von Baden, Großherzog von Hessen, das Prinzenpaar Heinrich, die Prinzessin Friedrich Karl, Prinz Friedrich Leo­pold sowie die übrigen hier weilenden Fürstlichkeiten. Der Kaiser führte die Königin Charlotte, Prinz Albrecht die Kaiserin, der König von Württem­berg die Prinzessin Albrecht zur Tafel. Dem Kaiser zur Linken saß der Großherzog von Baden, rechts neben der Königin Charlotte saß der Groß­herzog von Baden, dem Kaiser gegenüber saß die Kaiserin zwischen dem König Wilhelm und dem Prinzen Albrecht. Der Hoftrauer wegen fiel die Tafelmusik aus.

Berlin, 27. Januar. DieK. Z." schreibt: Während fast bei allen andern Klassen der höhern Beamten zur Zeit dje Aussichten auf An­stellung sehr ungünstig sind, gilt von den höhern Beamten der allgemeinen Staatsverwaltung das Gegentheil. Die in den letzten Jahren erfolgte Aenderung der Verwaltungsgesetze hat die Anstellung vieler jüngern Be­amten nothwendig gemacht, sodaß heute die Regierungsasstssoren schon bald nach der großen Staatsprüfung zur Anstellung gelangen und sogar in sechs Jahren nach der Prüfung Landrath und Regierungsrath mit einem Ansangsgehalte von 4200 Mk. werden können. Dieses Verhältniß wird sich in den nächsten Jahren infolge der neuen Steuergesetzgebung voraus­sichtlich noch günstiger gestaltens Fraglich ist nur, ob hier die eigenen Kräfte auf die Dauer ausreichen. Nach dieser Richtung hin wird man sich jedenfalls bei Zeiten vorsehen müssen. Jüngere Gerichtsassessoren, welche noch nachträglich zur Verwaltung überzutreten beabsichtigen, dürften deshalb zur Zeit nicht auf erhebliche Schwierigkeiten stoßen.

Berlin, 28. Jan. Gestern fand hier eine Besprechung sämmtlicher Reichstags- und Landtagsmitglieder für Nassau und Frankfurt a. M. auch der konservative Abg. Landrath Beckmann nahm Theil mit Aus­nahme der beiden Mitglieder des Zentrums statt. Alle Abgeordnete ohne Unterschied der Parteirichtung waren einmüthig der Ansicht, daß der neue Schulgesetzentwurf die Simultanschule und die Selbstverwaltung der Ge­meinden schwer gefährde, und daß in Uebereinstimmung mit der Ueberzeugung der dortigen Bevölkerung alles aufzubieten sei, um die bewährten Einrich­tungen zu erhalten und ihre Fortentwicklung zu sichern. (K. 3 )

Köln, 28. Jan. Wie dieKölnische Volkszeitung" meldet, bewilligte der Zentralvorstand des afrikanischen Vereins deutscher Katholiken für die Präfektur in Kamerun zum Ausbau zweier neuen Stationen 20006 Mk. und den gleichen Betrag für die Ausbildung deutscher Missionare für die deutschen Schutzgebiete. Das Vereinsvermögen betrug am 1. Januar d. I. 222 733 Mk., wovon 100 000 Mk. den deutschen Bischöfen zur Gründung eines Missionshauses zur Verfügung gestellt worden sind.

Straßburg, 28. Januar. Der Lanvesausschuß wurde heute durch den Staatthalier mit einer Ansprache eröffnet, welche die Finanzlage als günstig darstellt und verschiedene Gesetzentwürfe ankündigt. Der Statt­halter sprach sein Vertrauen in die Umsicht des Landesausschusses aus und schloß mit einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser. Nach der Wieder­wahl des Gesammtpräsidiums hob Präsident Schlumberger hervor, das ganze Land habe gestern den Geburtstag des Kaisers in freudiger und ge­hobener Stimmung begangen; zu den Empfindungen der Ehrerbietung und Treue geselle sich das Gefühl des aufrichtigen Dankes für die hochherzige Entschließung, wodurch das Land von dem Drucke des Paßzwanges be­freit worden sei. Wissend, daß hier alle die Empfindungen theilen, schlage er vor, dem Kaiser den tiefgefühlten Dank in einer Adresse darzubringen. Der Vorschlag wurde, nach denFr. Nachr.", beifälligst und einstimmig angenommen und das Präsidium mit der Ausführung beauftragt.

Metz, 28. Jan. Gestern wurden hier zwei über Amanweiler an­gekommene französische Offiziere in Zivil angehalten und wegen Mangels eines deutschen Passes über die Grenze gewiesen. Die Personalien wurden fcstgestellt. Die Ausgewiesenen hatten Urlaubspässe von dem Obersten des 147. Regiments in Verdun und gaben sich, nach derK. Z.", zuerst für Bankbeamte von Nancy aus.

Stuttgart, 28. Jan. Wegen Erkrankung der Königin von Sachsen unterbleibt der Besuch des württembergischen Königspaares in Dresden. Die Herrschaften reisen morgen direkt nach Weimar.

Brüssel, 28. Januar. . Die Kammer nahm mit 76 gegen 17 Stimmen den Deutsch-Belgischen Handelsvertrag an. Zwanzig Ab­geordnete enthielten sich der Abstimmung. Die Repräsentantenkammer nahm den Handelsvertrag mit Oesterreich mit 68 gegen 15 Stimmen an. Sechs enthielten sich der Abstimmung. (Fr. Nachr.)

Lissabon, 28. Januar. Infolge des Beschlusses der Regierung, vorläufig keinerlei handelspolitische Vereinbarung einzugehen, wird der neue Generaltarif vom 1. Februar ab gegenüber allen Ländern, ausge- nommen Brasilien, angewendet werden. (Fr. Nachr.)

Paris, 28. Jan. Nach einer Meldung des Journal des Döbats sind die Zollverhandlungen zwischen Frankreich und Spanien abgebrochen worden, da das Madrider Kabinet zu weitgehende Forderungen erhob.

Petersburg, 28. Jan. Aus Anlaß des Geburtstages Seiner Majestät des Deutschen Kaisers waren der deutsche Botschafter General von Schweinitz und der deutsche Militärbevollmächtigte Generalmajor von Villaume zum Frühstück in das Anitschkow-Palais geladen. In der deut­schen Botschaft war Empfang und Diner für die Mitglieder der Botschaft, der bairischen und der württembergischen Gesandtschaft, sowie für die Ver­treter der deutschen Kolonie. (Reichsanz.)

Petersburg, 26. Januar. Zwischen den Stationen Tikhoretskaia und Malorossiiskaia in der Nähe von Rostow am Don fand heute früh ein Zusammenstoß zwischen einem Personenzuge und einem Güterzuge statt. 14 Waggons des Waarenzuges, die mit Petroleum befrachtet waren, wurden zertrümmert und fingen Feuer. Von den Passagieren des aus Rostow kommenden Personenzuges kamen fünf ums Leben, ferner wurden 6 Bahnschaffner getödtet, während 3 andere schwere Ver­letzungen erlitten.

Depescheu-BureauHerold".

28. Januar, abends 8 Uhr:

Deutscher Reichstag.

Berlin, 28. Januar.

Das Gesetz über die Transitlager in der Fassung der zweiten Lesung, die Zollvergünstigungen für Getreide, Mehl, Holz und Wein bewilligend, wird in dritter Lesung angenommen.

Der Gesetzentwurf betreffs Gewährung der ermäßigten Zollsätze an nicht meistbegünstigte Staaten gegen angemessenene Konzessionen.

v. Kanitz (kons.) fragt an, welche Staaten eigentlich als nicht meistbegünstigte angesehen werden.

Staatssekretär v. Marsch all. Der Bundesrath sei hierüber in Erwägung getreten.

v. Kleist-Retzow (kons.) befürchtet, daß auch Rußland die Er­mäßigung gewährt werde.

Staatssekretär v. Marschall. Der Bundesrath will mit allen Staaten zu verständigen Handelsbeziehungen gelangen. Die Vorlage wird sofort in zweiter Lesung angenommen.