Meldung von dem Tode des Ministerpräsidenten Stambulow erhalten. Erkundigungen bei Professor Billroth führten die Aufdeckung der versuchten Täuschung herbei.
Rom, 24. Jan. Die Ohrfeige, die Herr Constans dem Abgeordneten Laur in Paris gab, macht, wie die „K. Z." schreibt, Schule. In Neapel hat am 21. Januar der Prostssor Scaduto, da die Zuhörer seine Vorlesung durch Trommeln mit den Stöcken störten und trotz wiederholter Ermahnungen keine Ruhe halten wollten, einem Studenten eine tüchtige Ohrfeige versetzt. Diese Handgreiflichkeit des jungen Professors, der wegen seiner Strenge in den Prüfungen ohnedies unbeliebt ist, gab das Zeichen zu einer allgemeinen Schlägerei im Hörsaal, aus der Herr Scaduto sich selbst nur mit Mühe retten konnte. Die Studenten, die vom Ministerium Genugthuung verlangen, setzten gestern und heute die Unruhen fort, sodaß die öffentliche Sicherheitsbehörde einschreiten und einige Verhaftungen vornehmen mußte. Der Unterrichtsminister Villari, der seine wohlgemeinten Ermahnungen vom letzten November so schlecht befolgt sieht, hat nach Neapel telegraphirt, daß er strenge Gerechtigkeit üben werde. Inzwischen ist Professor Scaduto nach Rom gekommen, um seinen Leib in Sicherheit zu bringen und sich vor dem Minister zu rechtfertigen.
Nom, 27. Januar. Die Meldungen über die bereits erfolgte Demission Menabreas werden bestätigt.
Bilboa, 27. Januar. General Loma ist eingetroffen und hat den Belagerungszustand verhängt. — Da die Arbeit in allen Gruben eingestellt ist, übernahm die Gendarmerie die Bewachung der Hochöfen und verschiedener öffentlicher Gebäude. (Fr. Nachr.)
Poris, 26. Januar. Heute Abend feiert die hiesige deutsche Kolonie den Geburtstag des Kaisers Wilhelm II. durch ein . großes Mahl im „Hotel Continental". Der deutsche Botschafter Graf Münster hat den Vorsitz und bringt den Trinkspruch aus. Alle Mitglieder der deutschen Botschaft und der bayerischen Gesandtschaft sind zugegen, sowie die Spitzen der deutschen Kolonie. Zum ersten Mal nehmen Damen, darunter die Gräfin Münster und Frau von Schön, theil. Morgen ist großer Empfang in der Botschaft.
Paris, 26. Januar. Aus den Mittheilungen der Hauswirthin des verhafteten Kayser geht hervor, wer die Persönlichkeiten waren, mit denen Kayser in Verbindung stand und denen er wahrscheinlich zu verdanken hat, daß er so lange sein Treiben straflos fortsetzen konnte. Die Hauswirthin nannte als Freunde, mit denen er verkehrte, den Deputaten Millerand, den Pariser Bürgermeister Beurdeley, Sigismund Lacroix, Savoie, Kabinets- chef des Justizministers, und den Minister Fälligeres selbst und gab an, daß Kayser durch ihre Vermittlung vor Verfolgungen gesichert sei.
Petersburg, 27. Jan. Die Kaiserin, wllche ver Tod des Großfürsten Constantion Nicolajewitsch auf das tiefste erschüttert hat, ist aus's neue genöthigt, das Zimmer zu hüten.
Myslowitz, 27. Jan. Nächster Tage werden in Sosnowice 500 Fabrikarbeiter deutscher und österreichischer Herkunft entlassen und durch russische Arbeiter, die aus den Nothstandsgegenden dahin befördert werden, ersetzt.
Sofia, 27. Jan. Zum Geburtstage des deutschen Kaisers haben die hiesigen auswärtigen Vertretungen ihre Flaggen gehißt. In der protestantischen Kirche fand in Gegenwart des Ministers des Auswärtigen Grekow Feftgottesdienst statt. Die deutsche Kolonie, die Regierung, die Hofbeamten übermittelten ihre Glückwünsche, auch im Namen des Fürsten, dem deutschen Vertreter. Der Fürst machte bei dieser Gelegenheit der deutschen Schule eine beträchtliche Geldspende.
Der Khedive Abbas II. von Egypten hat, wie das „Salonblalt" meldet, seine ehemaligen Kameraden vom Theresianum in Wien für die Osterferien zu sich geladen. In Triest soll ein egyptisches Schiff die jungen Herren erwarten, und sie sind von diesem Moment an die Gäste des jungen Herrschers. Wie das Blatt von wohlinformirter Seite erfährt, dürften die Juristen des Theresianums diese hochherzige Einladung annehmen und im April die Reise an den Nil antreten.
Bremen, 27. Januar. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Aller" ist gestern in New Port und der Dampfer „Stettin" vorgestern in Port Said eingetroffen.
New-Nork, 26. Januar. Der Dampfer „France" von der National-Dampfschiffs-Kompagnie (C. Messing'schen Linie) ist gestern hier eingetroffen.
8E" Fortsetzung der Tagesschau in der Beilage. ^MW
Depescheu-Burea« „Herold".
27. Januar, abends 8 Uhr:
Berlin, 27. Jan. Nach dem „Staatsauzeiger" verlieh der König dem Kultusminister v. Zedlitz den rothen Adlerorden 1. Klasse mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe, dem Minister v. Heyden den rothen Adlerorden 1. Klasse mit Eichenlaub, dem Eisenbahnminister v. Thielen den Stern zum rothen Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub, dem Staatssekretär v. Stephan das Kreuz und den Stern der Komthure des Hausordens und ernannte den Reichstagspräsidenten v. Levetzow zum Wirklichen Geheimen Rath mit dem Titel Exzellenz.
Berlin, 27. Jan. Verschiedene Jndustrievereine übersandten dem
Reichskanzler eine Petition, in welcher eine Tarifermäßigung für Musterkoffer deutscher Handlungsreisender auf den deutschen Bahnen befürwortet wird. — Dem „Konfektionär" zufolge beantragte die Mecklenburgische Sparbank die Subhastation des Grundstücks des Kaiserbazars. Die Sparbank erhebt Ansprüche auf das gejammte Waarenlager wegen eines etwaigen Ausfalls bei der Hypothek.
Beuthen, 27. Jan. Der Minister ordnete eine Konferenz, betr • die beabsichtigren Ausnahmebestimmungen über die Beschäftigung von Ar- 1 Leiterinnen bei Bergbau an.
Wien, 27. Jan. Der Kaiser ordnete trotz der Hoftrauer an, daß die Bälle im Interesse der Geschäftswelt stattfinden sollen.
Wien, 27. Jan. Es verlautet, daß die Dividende der Staatsbahn auf 25 Frs. bemessen werden solle. — Der bekannte Finanzmann Baron Louis Haber ist im Alter von 88 Jahren gestorben. — Baron Alphons v. Rothschild kommt hierher, da seine Tochter schwer erkrankt ist. — An der hiesi zen Börse ist das Gerücht verbreitet, Stambulow sei gestorben. — Es verlautet, die Regierung beabsichtige eine Transportsteuer für Oesterreich einzuführen, welche den Personen- und Güterverkehr umfaßten und 10 Proz. betragen soll.
Krakau, 27. Jan. Die westgalizischen Getreidehändler verlangen von der Krakauer Handelskammer die Ausdehnung der den Müllern gewährten 17 Proz. Refaktien auf Getreide.
Rom, 27. Jan. Der Bevollmächtigte Malwano ist nach Zürich zurückgereist, woraus das Zustandekommen des Vertrages erhofft wird.
Petersburg, 27. Jan. Von 14000 nach Sibirien aus gewanderten Bauern sind bereits Hunderte gestorben, die Ueberlebenden sind obdachlos.
Belgrad, 27. Jan. Der serbische Kriegsminister Praporcetowitsch hat seine Entlassung eingereicht.
28. Januar, vormittags 7 Uhr:
Berlin, 28. Jan. Die „Voss. Ztg." schreibt aus Wien, das ungarische offizielle Eisenbahnblatt publizirte gestern die bisher geheimen Re-^ faktienverträge betr. des Verkehrs mit Serbien, nach Rumänien und für den Pflaumenverkehr auf den Stationen nach dem westlichen Auslande. -
Wien, 28. Jan. Der „Reichswehr zufolge finden im Herbste di! Manöver zweier Armeekorps in Südwest-Ungarn und Ostgalizien statt,; dann folgen größere Kavalleriemanöver in Ostgalizien. — Die „New Freie Presse" meldet aus Sofia, das Befinden Stambulows sei gut, bie Verwundung sehr leicht.
Wien, 28. Jan. Die „Pol. Korr." schreibt aus Rom, von Kandidaten für den Kardinalssitz Mannings werden genannt Gilbert, Headley Vaughan, letzterer als der wahrscheinlichste.
Rom, 28. Jan. Der „Moniteur de Rome" schreibt, die Zulassung der Redemptoristen in Bayern sei ein Akt der Gerechtigkeit, welcher von anderen deutschen Staaten nachgeahmt werden wird. Den Redemptoristen müssen aber den Jesuiten auf dem Fuße folgen. — Die Kammer nahm den Antrag Pugliese, betreffend den Gesetzentwurf, bei Einführung von Schiedsrichtern und Jury in Streitfällen zwischen städtischen Arbeitgebern als Schiedsrichter und Jury auch Frauen zuzulassen, an. Der Minister verbot alle Arbeitermeetings im Freien.
Czernowitz, 28. Jan. Die Behörde hat die Landesverweisung des aus Rußland eingewanderten Ehepaares Poptawsky verfügt, welches dort eine Agentur für russische Spionage errichten wollte.
Washington, 28. Jan. Der Präsident gab in einer Versamni lung des Komitees für auswärtige Beziehungen zu, daß er die Antwort Chiles auf das Ultimatum vor dem Erlaß der Botschaft an den Kongrej erhalten habe.
Aus Stadt, Provinz und Umgegend-.
Personal-Chronik (aus dem „Amtsblatt").
Ernannt: der Fürstlich Jsenburg'sche Rendant Weber in Sangen selbold zum Stellvertreter des Amtsanwalts; der Stellenanwärter Heyei zum Gefangenaufseher beim Landgerichtsfängniß in Hanau.
Kaiser's Geburtstag. Nach den heutigen Tagesblättern gai die gestrige Geburtstagsfeier unseres allverehrten Kaisers und Königs et freulicher Weise im ganzen Reiche und im Auslande lebenden Deutsch» Anlaß zu festlichen Kundgebungen.
Fahnenschmuck. Trotz der unfreundlichen Witterung am gestri gen Tage waren außer den öffentlichen auch eine recht ansehnliche Anzas Privathäuser beflaggt. — Abends war die Kaserne festlich illuminirt.
Festmahl. An dem gestrigen Festmahle im Ostbahnhofe nahm» 160 dem Beamten- und Bürgerstande angehörige Personen Theil. Der schwungvollen Toast auf Se. Majestät das hohe Geburtstagskind, welche begeisterte Aufnahme gefunden, brachte Herr Bataillonskommandeur vo> Horn aus. Die Stimmung war eine vorzügliche; die Tafelmusik wart von der Eckert'schen Kapelle in bester Weise ausgeführt.
Hanauer Kriegerverein. Den Allerhöchsten Geburtstag Sl Majestät des Kaisers feierte der Hanauer Kriegerverein am Dienstag de 26. d. Mts., abends, in der hiesigen „Centralhalle" und war der ganz Verlauf der Festlichkeit ein durchaus würdiger und wohlgelungener. Di- lebhafte Betheiligung am Fest, aus allen Kreisen unserer Bevölkerung, zeigte