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Nr. 17.
Amtliches.
KeKanntmachung.
Am 19. d. Mts. zwischen 8 und 9*^ Uhr abends ist aus der Werkstätte eines hiesigen Schlosiermeisters ein Schlüsielring mit Hauptschlüsieln und Sperrhaken entwendet worden. Alle Diejenige«, welche über den Verbleib des Schlüsselrings, bezw. über den bis jetzt noch unbekannten Thäter irgend welche Auskunft zu geben vermögen, wollen dies bei der Polizeidirektion dahier, Zimmer 14 und 15, thun
Zugleich werden die hiesigen Bewohner darauf aufmerksam gemacht, ihre Häuser und Wohnungen zur Nachtzeit sicher abzuschlietzen und in allen denjenigen Fällen, wo Nachtriegel vorhanden sind, diese zu benutzen. Auch empfiehlt es fich, nach dem Abschließen der Thüren von innen, den Schlüssel nicht aus dem Schloß zu ziehen, sondern in demselben zu belasten.
Hanau am 21. Januar 1892. Königliche Polizeidirektion.
I. B.: Gerke.
P. 595
Landkreis Hanan.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Der Vorstand der Jnvaliditäts- und Altersversicherungsanstalt Hessen- Nassau zu Cassel beabsichtigt auf Grund des § 126 des Reichsgesetzes über die Jnvaliditäts- und Altersversicherung vom 22. Juni 1889 in nächster Zeit einen Beamten in den hiesigen KrM zu entsenden, behufs Ausübung einer Kontrole darüber, ob sämmtliche versicherungspflichtigen Personen mit Quittungskarten versehen sind und ob Seilens der Arbeitgeber überall Marken und zwar solche der betreffenden Lohnklasse zur Verwendung kommen.
Ich mache hierauf mit dem Bemerken aufmerksam, daß die Arbeitgeber verpflichtet sind, über die Zahl der von ihnen beschäftigten Personen und über die Dauer der Beschäftigung dem genannten Beamten Auskunft zu ertheilen und ihm diejenigen Geschäftsbücher und Listen, aus welchen jene Thatsachen hervorgehen, zur Einsicht während der Betriebszeit an Ort und Stelle vorzulegen. Ebenso find die Versicherten zur Ertheilung von Auskunft über Ort und Dauer ihrer Beschäftigung verpflichtet. Die Arbeitgeber und die Versicherten sind ferner verbunden, dem Beamten auf Erfordern die Quittungskarten behufs Ausübung der Kontrole und Herbeiführung der etwa erforderlichen Berichtigungen gegen Bescheinigung auszuhändigen und können hierzu durch Geldstrafen bis zum Betrage von 300 Mark angehalten werden.
Hanau am 20. Januar 1892.
Der Königliche Landrath.
v. Oertzen.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Vom Wasenmeister ein gefangen: Ein kleiner schwarzer Hund w. Geschl.
Zugelaufen: Ein schwarzer junger Hund w. Geschl.
Gefunden: Ein goldener Ring. Eine Brille. Eine alte Pferdedecke; Empfangnahme bei Konrad Hildebrand in Eichen. Von Eichen nach Altenstadt Holzwerk von einer Winde vom Hinterwagen; der Eigenthümer kann dasselbe bei Jakob Laubach zu Eichen in Empfang nehmen. In einem Garten am Mühlthor eine Partie Frauenkleider (in eine Schürze gebunden).
Hanau am 21. Januar 1892.
Der Himmel auf Erden in den Jahren 1901—1912.
(Schluß.)
Auf die Einzelheiten der Gregoroviusschen Schilderung, die in Bezug auf humorvolle Kleinmalerei hinter der Richterschen wohl zurückbleibt, an dramatischer Kraft und sittlichem Ernst sie aber weit über-
Donnerstag den 2L Januar
1892.
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trifft, vermögen wir hier, schon aus räumlichen Rücksichten natürlich nicht einzugehen; und selbst wenn wir es könnten, würden wir sowohl um des Lesers wie um des Autors willen jede auszügliche Mittheilung unterlassen, da zum vollen Verständniß der einzelnen Episoden die Kenntniß der voraufgegangenen Darstellungen unbedingt erforderlich ist. Erwähnt sei nur, daß der Verfasser von der Fiktion ausgeht, es habe der Januar 1901 den deutschen Landen den „Himmel auf Erden", d. h. die sozialdemokratische Staats- und Gesellschaftsordnung gebracht, und zwar auf unblutigem Wege, infolge eines geradezu erdrückenden Wahlsieges der Sozialdemokratie. Ihr seit Jahr und Tag schon von Hunderttausenden gefürchteter, von Millionen dagegen sehnlich erwarteter Triumph ist ein so überwältigender, daß die Vertreter des alten Regimes ohne Widerstand das Feld räumen und daß innerhalb der deutschen Reichsgrenzen die Männer der neuen Welt und der neuen Zeit in der Hauptsache tabula rasa vorfinden und mit denkbarster Bequemlichkeit zur Verwirklichung ihrer Ideale schreiten können. Wären ihre Beglückungstheorien richtig, so müßte nun in der That der Himmel auf Erden da sein und zum wenigsten auf deutscher Erde ein paradiesischer Zustand Platz greifen; denn der Dichter ist vorurtheilslos und einsichtig genug, in seiner Erzählung den leitenden sozialdemokratischen Kreisen sogar ein gewisses Maß Loyalität und guten Willen zuzugestehen; sie haben bei ihm offenbar die beste Absicht, ihre pomphaften Versprechungen in Thaten umzumünzen und eine Aera voller Gleichheit und allgemeiner Glückseligkeit herbeizuführen. Von vornherein zeigt es sich freilich, daß nicht alles klappt und auch nicht klappen kann, weil die aktiv und passiv Mitwirkenden nicht Engel oder Maschinen, sondern Menschen, selbstthätige Individuen mit guten und schlimmen Neigungen, mit unberechenbaren Fehlern und Vorzügen sind, und weil die menschliche Natur durch sozialdemokratische Dekrete — mögen zur Unterstützung derselben schließlich auch Galgen und Guillotine im Wettbewerb arbeiten — eben so wenig unterdrückt und ausgetrieben werden kann wie mit der Mistgabel. Volle zehn Jahre läßt Gregorovius diesen sozialistischen Himmel auf Erden andauern, der vor unseren Augen von Fahr zu Jahr mehr in durchaus folgerichtiger Entwickelung zu einem Höllenideal sich gestaltet, ohne daß man dem Autor auch nur ein einziges Mal ein • »Halt, hier übertreibst Du, hier suchst Du selbst der menschlichen Natur zu Deinen Zwecken Zwang anzuthun!" zurufen könnte. In den ersten Jahren kommt dann und wann der Humor noch zu seinem ^Rechte obwohl die sozialdemokratischen Autoritäten — die aus hochgradigem Humanitätsgefühl an die Stelle der Gefängnisse und Zuchthäuser „moralische Lehranstalten für irregeleitete Brüder und Schwestern" treten lassen — zur Herstellung der Ordnung" von vornherein sich genöthigt sehen, gegen alle diejenigen, welche die „menschlicke Genossenschaft" durch Zurückhaltung von Privateigenthum, wäre es auch nur ein unscheinbarer Ring oder ein werthloses Kettchen, und durch Vorweisung falscher Arbcitszertifikate betrügen im summarischen Verfahren Beil und Strang ebenso zur Anwendung zu bringen, wie gegen alle die, welche zum dritten Male des Ungehorsams gegen die Befehle eines der zahllosen „Vorsteher" sich schuldig gemacht haben. Aber je weiter pch die Dinge entwickeln, desto unerträglicher wird auf der einen Seite der Leichengeruch, denn in den Reihen der Verdächtigen und Denunzirten arbeiten zuletzt mit dem Henker um die Wette die Exekutions- Pelotons des wiederhergestellten „stehenden Heeres", auf der anderen Seite dagegen die Zuchtlosigkeit. Die Bande der Ordnung beginnen sich mehr und mehr zu lösen; trotz der „Organisation der Arbeit"' liegen die Becker großentheils brach, die Noth, ja die Hungersnoth in ihrer schrecklichsten Gestalt bricht herein, da das Ausland die deutschen Arbeitszertifikate als Fahl- mittel natürlich nicht anerkennt und seine Zufuhren einstellt, und das Ende ist eine Revolution, furchtbarer als sie sich je vollzogen, in der über einem Haufen rauchender Trümmer und zuckender menschlicher Gebeine der sozialdemokratische ^dealstaat unter den Verwünschungen der irregeleiteten Massen völlig zusammenbricht. Als alles verloren schien, zu Ende des Jahr es 1910, hatten die Mitglieder der vormaligen Kriegervereine sich wieder zusammengefunden, um mit der alten Ordnung der Dinge Thron und Altar wiederherzustellen. Eine „Sühnkirche", über deren Portal in goldenen Lettern weithin die Worte leuchten: „Irret Euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten!" erinnert im Jahre 1912 — ein Jahrhundert nach dem furchtbaren Gottesgericht über den korsischen Welteroberer — die unter einem kraftvollen monarchischen Regiment wieder aufathmendcn Bürger daran, daß es eine