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Nr. 16.

Mittwoch den 20. Januar

1892.

Landkreis Hanan.

Netanntmachnngen des Königlichen Landrathsamtes.

Auf dem Kinzigheim erhof ist die Schafräude erloschen.

Hanau am 20. Januar 1892.

Der Königliche Landrath.

V. 357_________I. A.: Meister, Regierungs-Assessor.________________

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Vom Wasenmeister eingefangen: Ein glatthaariger Spitz m. Geschl.

Gefunden: Ein Ortskrankenkassenbuch für den Tagelöhner Ludwig Rumpf. Ein Portemonnaie mit Inhalt. Ein Arbeitsbuch für Wilhelm Schaaf. Ein Kinderhandschuh.

Verloren: Ein Kindergummischuh.

Hanau am 20. Januar 1892.

Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Wiffensihilstiilhel Kiilfölehm.

An der städtischen höheren Töchterschule hier ist zu Ostern d. Js. die Stelle eines wissenschaftlichen Hülsslehrers mit einem Einkommen von jährlich 1800 M. zu besetzen.

Bewerber, welche die Lehrbefähigung für die neueren Sprachen, Deutsch, Geschichte und Geographie besitzen, wollen ihre Zeugnisse nebst Lebenslauf bis zum 15. Februar d. Js. einreichen.

Hanau am 18. Januar 1892.

Die Stadtschuldeputation.

827 Westerburg, Oberbürgermeister.

Der Himmel auf Erden in den Jahren 19011912 von Emil Gregorovius.

Im Parlament wie in der Presse haben die sozialdemokratischen Wort­führer neuerdings wiederholt versichert, daß der Zusammenbruch des alten Staates und der alten Gesellschaft nicht allzulange mehr auf sich warten lassen werde; ehe die jetzt herrschenden Klassen sich dessen versähen, vielleicht schon binnen eines Jahrzehntes werde das arbeitende Volk dem System der Ausbeutung auf politischem und wirthschaftlichem Gebiete ein Ziel gesetzt und sein jetzt verlachtes und verspottetes Ideal, den sozialistischen Zukunftsstaat und die neue Gesellschaftsordnung zur That gemacht haben. Roher Gewalt bedürfe es dazu nicht, in den Händen der über ihre wahren Interessen aufgeklärten Wähler werde der Stimmzettel als eine Waffe sich erweisen, der auf die Dauer auch gezogene Geschütze und Repetirgewehre nicht zu widerstehen vermöchten.

Fordert man die Verkünder der neuen Heilsbotschaft aber auf, über die künftige Gestaltung der Dinge, über die Organisation ihres Staates und ihrer Gesellschaft sich auszusprechen, so wird man mit einem Achsel­zucken, mit der Erklärung abgewiesen, daß ein Narr mehr fragen könne, als zehn Weise zu beantworten im Stande seien.

Günstigstenfalls muß man sich an einem Hinweise auf das Programm und die Parleikundgebungen genügen lassen, die über alles, was zur Zeit zu wissen nothwendig sei, mit hinlänglicher Klarheit Aufschluß gewährten. Die Gründe dieses beredten Schweigens liegen freilich auf der Hand, denn die Einsichtigeren unter den revolutionären Weltverbesserern, diejenigen, die nur andere düpieren und nicht selbst durch eigene oder fremde Thorheit düpiert werden, wissen sehr genau, daß sie an dem Tage, an welchem das Einreißen aufhören und das Aufbauen beginnen soll, mit ihrem Latein zu Ende sein werden.

Da dürfen sie sich allerdings nicht darüber beklagen, wenn andere an ihrer Statt es übernehmen, dem Volke, das gewissenlose oder leicht­fertige Agitatoren durch vage Versprechungen und verderbliche Vorspiege­lungen zum Zerbrechen der bestehenden Rechtsordnung zu verleiten suchen, einem Zukunftsspiegel vorhalten,

um ihnen zu zeigen, wie nach menschlicher Voraussicht, nach den Lehren der Geschichte, die ja für alles ein Präzedenz bietet, und nach den Regeln der Logik, mit denen auch die Bebel und Liebknecht und ihre sie sicherlich noch

übertrumpfenden,überbebelnden" Nachfolger nicht ohne weiteres aufräumen können, der sozialdemokratische Staat und die sozialdemokratische Gesellschaft, in denen sie vollen Ersatz finden sollen für alle bisherigen Entbehrungen und reichsten Lohn für alle voraufgegangenen Mühen und Kämpfe, that­sächlich sich gestalten werden.

Abstoßende Züge weist das Bild auf, welches sie uns dabei ent­schleiern, abstoßendere wohl noch als jenes Bild im Tempel zu Sais, von dem die Hand des wissensdurstigen Jünglings den umhüllenden Vorhang entfernte, nichtsdestoweniger erfüllen sie eine patriotische Pflicht, indem sie den sozialdemokratischen Phrasenschleier lüften.

Denn wenn irgend etwas die Masse derjenigen, die zwar noch manches, ja vielleicht recht vieles zu verlieren haben, sich aber doch berechtigt glauben, wegen irgend einer Unliebsamkeit dem Staat und der Gesellschaft den Fehde­handschuh hinzuwerfen und dem großen sozialistischen Heerbann sich anzu­schließen, in zwölfter Stunde noch zur Besinnung zu bringen vermag, so ist es die offenbar schon auf weite Kreise sich erstreckende, die Thatkraft lähmende Befürchtung, daß am letzten Ende das Spiel den Einsatz nicht werth sein könnte, daß durch die Funken des Scheiterhaufens, auf dem die alte Ordnung der Dinge zu Asche verbrennen soll, ein jede Ordnung ver­nichtender, jede Existenz bedrohender Weltbrand verursacht werden dürfte.

Das Verdienst, durch eine Reihe geschickt ausgeführter, karakteristischer Federzeichnungen dem kleinenMann", dem tüchtigen Arbeiter und Hand­werker als Erster das Sklaven- oder Zuchthäuslerleben vor Augen geführt zu haben, welches ihm blühen würde und müßte, wenn es, wobl gar unter seiner aktiven Mitwirkung, jedenfalls aber dank seiner passiven Assistenz der internationalen Umsturzpartei jemals gelingen sollte, bei uns in Deutschland ihren Drohungen die That, ihren ungemessenen Verheißungen den Versuch der Verwirklichung folgen zu lassen, soll Herrn Eugen Richter nicht be­stritten werden. Leider hat jedoch der freisinnige Publizist und Parlamen­tarier, trotz allen theoretischen Eifers gegendie Irrlehren der Sozialde­mokratie" aus parteilaktifchen Gründen in der Erregung des Klassenhasses mit den sozialistischen Agitatoren so oft um die Wette gearbeitet und im Kampfe gegen das, was auch er als Reaktion, Militarismus, agrarische Selbstsucht und wie die Schlagworte sonst heißen mögen brand­marken zu sollen glaubt, unter dem gemeinsamen Banner der Demokratie so häufig an ihrer Seite gefochten, daß er die Verwendung grellerer Farben, auch wo sie am Platze wären, thunlichst vermeidet und die letzten Konse­quenzen, zu denen einfrei nach Bebel" und den Bebelianern konstruirtes Gemeinwesen führen müßte, wohl absichtlich nicht' zieht. Er bricht seine Schilderungen in dem Augenblick ab, in dem das im Namen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit geknechtete Volk zugleich mit dem durch die heillose Wirthschaft bedrohten und geschädigten Auslande gegen die sozia­listischen Machthaber sich erhebt; er begnügt sich damit, an den Schluß seiner Bilder ein großes Fragezeichen zu stellen. Nichtsdestoweniger hat er durch seine Veröffentlichung in den Reihen der zielbewußten Sozialdemokratie einen wahren Sturm des Unwillens erregt; der Schuß, das ersieht man daraus, hat getroffen, und zwar gut getroffen.

In noch höherem Grade aber gilt das sicherlich von der eingangs erwähnten, im Grunowschen Verlage in Leipzig soeben erschienenen Schrift von Emil Gregorovius:Der Himmel auf Erden". Das ist ein Ge­schoß, ein Sprenggeschoß, das mitten hineinschlägt ins Rothe, das den schützenden Vorhang, hinter dem die sozialistischen Volksbeglücker ihr Wesen treiben konnten, von oben bis unten zerreißt und die bunten Fahnen und Flitter, mit denen sie zur Täuschung großer Kinder ihren Staat und ihre Gesellschaft zu drapieren suchen, "schonungslos mit fort­nimmt. Nicht ein hehres Frauenbild, wie es der nach neuer Herrschaft und nach neuen Göttern verlangenden Menge verheißen wurde, nicht das freundliche Antlitz der Pax oder der Abundantia zeigt sich nun als Zukunftssymbol den Blicken, sondern ein hohläugiges Skelett, von dem man mit Entsetzen sich abwendet.Zweck dieser Schrift ist es" so bemerkt der Verlegerdem Volke, den Arbeitern selbst und den Ar­beitgebern, deren Pflicht es ist, vorzubeugen, die Konsequenzen der sozial­demokratischen Irrlehren zu zeigen. Ich glaube, sie wird so überzeugend und so erschütternd wirken, daß sie Segen stiften muß. . . . Ein Buch für die Frauen ist es nicht, aber ich meine, jeder Mann aller Stände sollte es lesen und bedenken." Unseres Erachtens ist damit nicht zu viel