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Nr. 15.

Dienstag den 19. Januar

Amtliches.

Landkreis Hanau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Die Lieferung der Fourage für das Etatsjahr 1892/93 für die in Hanau, Bruchköbel und Dörnigheim stationirten Gendarmeriepferde soll Dienstag den 26. d. Mts«, vormittags 9 Uhr, auf dem land- räthlichen Büreau verdungen werden. Reflektanten werden zur Abgabe des mündlichen Gebots hierzu eingeladen.

Hanau am 14. Januar 1892.

Der Königliche Landrath.

M. 196 I. A.: Meister, Regierungs-Assessor.

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Zugelaufen: Am 11. ds. Mts. ein dunkelbrauner Doggenhund m. Geschl., mit Halsband und Maulkorb; Empfangnahme bei Metzger Samuel Löb zu Großkrotzenburg.

Verloren: Eine Doppelnadel mit Kettchen. Ein s. g. Hemm­backen.

Abhanden gekommen: Ein Schlitten.

Gefunden: Ein Gummischuh. Ein schwarz emaillirtes Armband (am 14. d. Mts.).

Hanau am 19. Januar 1892.

Dienstag den 26. Januar 1892 774 Zucht- und Fettviehmarkt in Hanau.

Tagesschau.

Berlin, 18. Januar. Seine Majestät der Kaiser und König begaben Sich gestern nach der Feier des Kiöuungs- und Ordensfestes zu kurzem Besuch zu dem englischen und dem italienischen Botschafter. Heute früh arbeiteten Seine Majestät von 9 bis IOV4 Uhr mit dem Chef des Zivilkabinets und hörten alsdann bis llVa Uhr die regelmäßigen Marine­vorträge. Um 11^/4 Uhr begaben Sich Seine Majestät zur Abhaltung der Investitur und des Kapitels des Hohen Orden vom Schwarzen Adler nach dem Rittersaal. Um 12^2 Uhr nahmen Seine Majestät dann die Vorstellung der demnächst in die Armee tretenden Kadetten im Weißen Saal entgegen und empfingen um 1 Uhr die Präsidien des Herrenhauses und des Hauses der Abgeordneten in Audienz.

Berlin, 18. Jan. In Vertretung des Kaisers bei den Beisetzungs­feierlichkeilen wird sich Prinz Friedrich Leopold in Begleitung des Flügel­adjutanten Oberstlieutenants v. Bülow, Kommandeur des Königs-Ulanen- Regiments (1. hannoversches) Nr. 13, nach London begeben. Die Kaiserin Friedrich wird durch ihren Kammerherrn, Grafen Seckendorfs, vertreten sein.

Berlin. Der verstorbene General der Artillerie Prinz Kraft Hohenlohe-Ingelfingen war am 2. Januar 1827 geboren. Während der Feldzüge von 1866 und 187071 führte er die Garde-Artillerie-Brigade und zeichnete sich namentlich bei St. Privat und Sedan bind) die Leitung des furchtbaren Massenfeuers seiner Geschütze aus. Später erhielt er die artilleristische Oberleitung der Belagerung von Paris. Prinz Hohenlohe gehörte zu unsern ersten Militärsckriftstellern. Mit großer Gewandtheit in der Form verband er geschickte überzeugende Darstellung, welche auch den Laien zu fesseln vermochte. Zu nennen sind besonders seine Briefe über Infanterie, Artillerie und Kavallerie. Die Anschauungen über die kriegs­mäßige Ausbildung der Truppen, die er aus Grund seiner reichen Erfahr­ungen hier aussprach, haben vielfach bahnbrechend gewirkt. Als dienst­thuender Flügeladjutant des Königs unterstützte er seinerzeit auch die er­folgreiche Thätigkeit des Generals v. Hindersin, dem er in seinen Schriften ein schönes Denkmal gesetzt hat. (K. Z.)

Berlin, 18. Januar. Nach dem soeben erschienenen Verzeichnis der Parteien im Hause der Abgeordneten gehören 125 Mitglieder zur konservativen Partei, 98 zur Zentrumspartei, 84 zur nationalliberalen Partei, 66 zur freikonservativen Partei, 27 zur deutschen freisinnigen

1892.

Partei und 14 zu den Polen; 14 sind bei keiner Partei. Erledigt sind zur Zeit 5 Mandate (3. Osnabrück, 4. Hannover, 2. Berlin, 7. Posen und 3. Posen).

Berlin, 18. Januar. DenBerl P. N." zufolge wird durch den Gesetzentwurf wegen Abänderung des Strafgesetzbuchs das Anhälterthum an sich unter Strafe gestellt, ebenso das Herstellen und Feilhalten un­züchtiger Druckschriften und Darstellungen. Für Zuhälter, Raufbolde und Messerhelden ist Strafverschärfung durch hartes Lager und schmale Kost vorgesehen. . (Fr. Nachr.)

Berlin, 18. Jan. Der Zentralverein der deutschen Wollenwaaren- fabrikanten hat durch seinen Vorsitzenden, Kommerzienrath Buchwald, Großen­hain, dem Reichstage eine begründete Petition ge^en den ni-uen deutsch­schweizerischen Handelsvertrag überreicht, in der es heißt, daß die deutsche Wollindustrie die Hoffnung hege, die sie in so hohem Maße schädigenden Einfuhrzölle der Schweiz auf Wollenwaaren würden doch noch eine Herab­setzung erfahren können.

Stuttgart, 18. Jan. König Wilhelm hat dem Kaiser Franz Joseph das Regiment Nr. 122 verliehen.

Wien, 18. Januar. Im Abgeordnetenhause erklärte sich Pattei für das Bündniß mit Deutschland behufs Sicherung des Friedens und aus Gründen der Nationalität und der österreichischen Staatsraison. Für die Verträge sprachen noch Jedrzejowicz, Hofmann und Meznik, dagegen Zollinger und Lang. Hofmann wünscht gemeinsame Maßregeln mit Deutschland betreffend die Spekulalionsringe und Kartelle. Meznik be­zeichnete den Vertragsschluß mit Deutschland als ein ebenso weises Werk, wie den politischen Anschluß. Die Politik der freien Hand würde zur Jsolirung führen. Der Bund mit Deutschland sei keine Gefahr für das Ezecheuvolk. Im Gegentheil habe Böhmen bei jedem Konflikt mit Nord- deutschland Kriegsdrangsale erleiden und die Kriegskosten tragen müssen. Zallinger ist hauptsächlich gegen den italienischen Vertrag wegen des Wein­zolls. (Fr. Nachr.)

In Galizien konnten nach Bericht des Landesausschusses wegen Mangels geeigneter Lehrkräfte 64 neu errichtete Volksschulen gar nicht er­öffnet werden, 91 bestehende Schulen mußte man schließen; in 463 Schulen wurden die Lehrstellen an Kandidaten ohne gesetzliche Befähigungszeugnisse vergeben, in 1126 Volksschulen konnte die zweite planmäßige Lehrerstelle nicht besitzt werden. So geschehen im Jahre 1890; im Jahre 1891 haben sich die Verhältnisse noch schlimmer gestaltet.

In Prag wurden mehrere sozialistische Arbeiterfrauen zu schweren Kerkerstrafen verurtheilt, weil sie in einer nicht angemeldeten Versammlung nach der Melodie der Volkshpmue einen Chorgesang voll Majestätsbclei- digungen verübt hatten. Die Hauptsozialistin hatte außerdem einen Vortrag über dasWeib und seine Bestimmung" gehalten, in welchem sie den Müttern empfahl, ihre Kinder nicht beten zu lassen und nicht in die Kirche zu schicken. Sie wurde zu 15 Monaten, drei andere Revolutionärinnen zu 3 Monaten bis 6 Wochen schweren Kerkers verurtheilt. Außerdem er­hielt ein 27jähriger Fleische, gehülst, der den Vorsitz geführt hatte, 8 Mo­nate schweren Kerkers. (K, ^ )

Bern, 18. Januar. Der Nationalrath bewilligte einstimmig Kre­dite von 7*/2 Millionen für die Kriegsbereitschaft.

Rußland. Für die nothlcidenden Gouvernements sind bis jetzt 90 Millionen Rubel vorgeschossen worden ; über weitere Bewilligungen ver­lautet noch nichts Bestimmtes. Der Unterrichtsminister Delianaw hat, wie man derMagdb. Ztg." aus Petersburg berichtet, die Schließung von 400 deutschen Privatschulen in den baltischen Provinzen verfügt.

Petersburg, 18. Januar. Das JournalKraj" bezeichnet die Gerüchte von der Abberufung des Generals Gurko von seinem Posten in Warschau als unbegründet.

Petersburg, 18. Januar. Großfürst Alexis ist zur Theilnahme an der Leichenfeier des Herzogs von Clarence nach London abgereist. Zur Regelung des russischen Getreidehandels bereitet die Regierung ein Gesetz vor.

Tiflis, 18. Januar. Als die aus der armenischen Kathedrale kommende, sich zur Wasserweihe begebende Prozession die Juterimsbrücke über einen Arm des Kuraflusses passirte, brach die Brücke zusammen. Bei dem Nachdrängen der dichten Volksmassen wurden, nach denFr. Nachr.",