stellen sei; dem Angeklagten v. Hammerstein sei der Schutz des §. 143 des Strafgesetzbuchs zuzubilligen und derselbe daher freizusprechen.
Königshütte. In der letzten Magistrats- und Schuldeputations- sitzung wurde, nach der „Preuß. Lehrer-Zeitung", beschlossen, die Gehälter der Volksschullehrer aufzubessern. Als Anfangsgehalt wurden außer Wohnung und Feuerung 1200 M. jährlich angenommen. Das Endgehalt soll nach dreißigjähriger Amtsthätigkeit 3200 M. betragen. Bis jetzt betrug das Mindestgehalt einschl. Wohnungs- und Feuerungsentschädigung 1200 M. und das Höchstgehalt 2250 M. Mithin würde die Gehaltsaufbesserung ausschließlich Wohnung und Feuerung 950 M. betragen.
Wien, 5. Jan. Die Pariser Meldung der „Times", wonach es dem Erzbischof von Wien, Kardinal Gruscha gelungen sei, den Papst von dem Widersprüche gegen den beabsichtigten Besuch des Kaisers Franz Joseph in Rom abzubringen, sowie alle weiteren Einzelheiten der fraglichen Meldung der „Times", ferner alle daraus abgeleiteten Folgerungen werden, wie der „Reichsanz." meldet, von unterrichteter Seite als lediglich auf Sensation berechnete Erfindungen bezeichnet.
Prag, 5. Januar. Die Blätter melden, der bekannte Komponist Dworak sei endgültig zum Leiter des National - Konservatoriums in New- Dork ernannt worden und werde im September dorthin übersiedeln.
Bern, 5. Januar. Der Bundesrath richtete wegen der Handelsverträge mit Deutschland und Oesterreich eine Botschaft an die Bundesversammlung, worin es heißt: Der Bundesrath empfinde bitter, daß es nicht gelungen sei, für die schwerwiegenden Interessen eines ziemlichen Theils der Schweizer Export-Industrie größere Ausfuhrerleichterungen zu erwirken; die Schutzzollpolitik der großen Nachbarstaaten schuf aber Interessen, welche eine etwas tiefer eingreifende Beschneidung nicht zu ertragen schienen. Alles in allem genommen, seien jedoch die neuen Vereinbarungen annehmbar. Die Bundesversammlung wird zur Ratifikation der neuen Handelsverträge auf den 18. Januar einberufen.
Lissabon, 5. Januar. Der frühere Minister des Auswärtigen, Barbosa Bocaye, ist dem Vernehmen nach zum Gesandten in Berlin ernannt. (Fr. Nachr.)
Paris, 5. Januar. Nach der „Temps" beziehen sich die von den Blätern mehrfach erwähnten Gerüchte von Unterhandlungen zwischen der russischen Regierung und einer französischen Finanzgruppe auf die Uebernahme von 200 Millionen Fres., welche Rußland von der russischen Anleihe zurückgekauft. (Fr. Nachr.)
Paris, 5. Jan. (K. Z.) Obwohl es sich bei den aus Tanger gemeldeten Ruhestörungen bisher nur um örtliche Streitigkeiten der Eingeborenen untereinander und nicht um Angriffe gegen die Fremden handelt, hat die französische Regierung gleichwohl beschlossen, zum Schutze ihrer Staatsangehörigen das Kriegsschiff Caiman in die marokkanischen Gewässer zu entsenden. Das Schiff ist heute Vormittag von Toulon abgegangen.
Mit dem 1. Januar ist der Versicherungsplan der englischen Rhederförderation in Wirksamkeit getreten. Seine Segnungen kommen jedem Seemann, welcher sechs Monate auf einem Förderationsschiff thätig war, zu gute. Die zur Auszahlung gelangenden Prämien betragen im Falle des Todes oder der gänzlichen Arbeitsunfähigkeit der versicherten Person 100 Pfd. Sterl, für den Kapitän, 35 Pfd. Sterl, für einen Deckoffizier und 25 Pfd. Sterl, für einen Vollmatrosen oder Heizer. Je nach ihrem Rang sollen die Inhaber der Förderationskarte im Falle eines Unfalls Krankengelder im Betrage vgn 40 Sh. bis zu 10 Sh. per Woche empfangen. Die Rhederförderation übernimmt die Versicherung völlig auf ihre eigenen Kosten und stellt auch die Karten absolut unentgeltlich aus. Inhaber von Karten erhalten bei Gesuchen um Anstellung auf den Schiffen der Förderation den Vorzug.
Smyrna, 4. Januar. Der Dampfer des Oesterreichischen Lloyds „Juna" ist bei der Insel Lonpoint gestrandet.
Teheran, 4. Januar. (K. Z.) Die Bewegung gegen das Tabakmonopol dauert fort. Eine lärmende Menge sammelte sich heute vor dem Palaste des Schahs; der dritte Sohn desselben, Kamran Mirza, welcher den Poften des Kriegsministers inne hat, versuchte vergebens, die Menge zu beruhigen, und mußte militärische Hülfe in Anspruch nehmen, um die Menge zu zerstreuen. Hierbei wurden mehrere Personen getödtet; die Ruhestörungen dauern fort.
New-Nork, 5. Jan. (Reichsanz.) Wie der Korrespondent des „New-Norker Herald" in Valparaiso erfährt, hätte die Regierung von Chile ihren Gesandten in Washington beauftragt, der Regierung der Vereinigten Staaten für den beklagenswerthen Angriff auf die Matrosen des Kreuzers „Baltimore" ihre aufrichtigste Entschuldigung zu übermitteln. Die Entschuldigung wäre eine unbedingte.
Bremen, 3. Januar. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Hannover" ist vorgestern in Montevideo angekommen.
Triest, 4. Januar. Der Lloyddampfer „Aglaja" ist gestern aus Konstantinopel hier eingetroffen.
-Wk- Fortsetzung der Tagesschau in der Beilage. ^
Depeschert-Burea« „Herold".
5. Januar, abends 8 Uhr:
Berlin, 5. Jan. Nach dem „Börsen-Kur." beabsichtigt die Re
gierung einen Gesetzentwurf über die Bestellung von Regierungskommissarer zur Ueberwachung des Börsenverkehrs.
Berlin, 5. Jan. Die „Nordd. Allg. Ztg." erhält aus Stuttgart die Nachricht, daß Minister v. Mittnacht einige Tage vor dem württem- bergischen Königspaar hier eintrifft. — Die „Nordd. Allg." dementirt die Meldung des „Temps", nach welcher der deutsche Gesandte in Santiago seine Vermittelung zur Beilegung des amerikanisch-chilenischen Konfliktes an geboten hätte.
Pest, 5. Jan. Der Reichstag wurde heute geschlossen. Die Thronrede betont die freundlichen Beziehungen nach allen Seiten und spricht zugleich die Befriedigung über die stetigen Fortschritte des Herres aus. Die Handelsverträge würden die politischen Bündnisse noch fester gestalten und die Beständigkeit der mitteleuropäischen Handelsbeziehungen für lange Zeit sichern.
Brüssel, 5. Jan. Das Gericht entdeckte die Fabrikanten und Fälscher der Brüsseler Universitäts-Diplome, an der Spitze der Fälscher steht ein Mitglied der höheren Aristokraiie.
Brüssel, 5. Jan. Woeste, der Führer der Rechten, ist gestern auf einen Ruf des Papstes nach Rom gereist, wo er heute in einer Privat- audienz empfangen wurde. Die „Jndep. Belge" meint, der Ruf sei wegen der Sklavereifrage erfolgt. Andere Blätter glauben, die Reise sei von Woeste unternommen, um Weisungen des Papstes betreffs der Sozialpolitik entgegenzunehmen.
Rom, 5. Jan. 2500 ausständige Lohnkutscher begaben sich gestern auf das Kapitol, wo der Gemeinderath über die Konzession der neuen Tramwaylinien berathen sollte. Weil die Berathung der Vorlage unterblieb, entstand ein großer Tumult. Ein aufgebotenes Infanterie-Bataillon vertrieb die Ruhestörer. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen.
6. Januar, vormittags 7 Uhr:
Hildesheim, 6. Januar. Bei der Reichstags-Ersatzwahl erhielten bisher L-ander 10550, Bauermeister 8186 Stimmen. Das Ergebniß von 13 Orten ist noch rückständig.
Wien, 6. Januar. Nach dem „Militärblatt" sollen die Reitertruppen in Galizien verstärkt werden. Der heute den Abgeordneten zuzustellende Bericht Hallwichs über die Handelsverträge sagt: „Die Verträge haben entfernt nicht die Bedeutung eines Handelsbündnisses, sie erhöhen aber den Werth der Meistbegünstigungsklausel so außerordentlich, daß Oesterreich bei weiterem Vertragsabschlusse mit der Einräumung der Klausel sehr sparsam umzugehen, Ursache hat.
Rom, 6. Januar- Der Kutscherstreik dauert fort. Ein Meeting wurde polizeilich verboten. 50 Streikende sind verhaftet. Augenblicklich herrscht allgemeine Ruhe.
Madrid, 6. Januar. Die Regierung bereitet einen Gesetzentwurf betr. Verlängerung der Handelsverträge vor.
London, 6. Januar. Hiesigen Blättern zufolge ist die Reise des Königs von Rumänien durch den bedenklichen Zustand der Königin verursacht.
Washington, 5. Januar. Montt leugnet ab, daß er Chile bei der Union wegen der Angelegenheit von Baltimore enschuldigt habe. Die Schwierigkeiten seien aber schon in nächster Zeit als beseitigt anzusehen.
Arrs Stadt, Provinz rmd Umgegend.
t Theater. Mit großem Erfolg und unter lebhabfter Antheilnahme des Publikums kam als erste Vorstellung im neuen Jahr Blumen- thal's und Kadelburg's vieraktiger Schwank „Die Großstadtluft" nm Neujahrstage zum erstenmale an unserer Bühne zur Aufführung. Das Autorenpaar führt uns einen jungen echten Berliner vor, der durch Heirach mitten aus dem Gewühl dem geräuschvollen Leben und Treiben der Großstadt plötzlich in eine ganz kleine Stadt, Ludwigswalde, versetzt wird, uni hier von dem spießbürgerlichen, kleinstädtischen Leben mit seinen langweiligen Lesekränzchen, nachbarlichen Klatschbasen u. s. w. bald so in Verzweiflung gebracht wird, daß er seine Frau und seinen Schwiegervater verläßt und wieder zurück nach Berlin eilt, wohin ihm seine Frau denn auch bald nachfolgt. Die Verfasser haben diese einfache Handlung sehr geschickt ausgenutzt und sehr amüsante und wirksame Effekte herausgearbeitet, sie erzielen damit die heitersten Wirkungen, ohne auch nur im Geringsten den guten Geschmack zu verletzen. Der witzige und elegante Dialog zeigt uns den liebenswürdigen Dichter Blumenthal mit seinem glänzenden Unterhaltungstalent, während die drastischen Aktschlüsse und die drolligen Situationen mehr die erfahrene Hand des Schauspielers Kadelburg verrathen. Gespielt wurde unter der Regie des Herrn Hauptmann sehr gut, auch war das Stück vorzüglich inszenirt. Die Damen Borne mann und Hesse als Sabine und Antonie waren recht unmuthig und von liebenswürdigem Temperament im Spiel; mit prächtigem Humor gestaltete Herr Biebrach seinen Fabrikanten Schröder. Herr Ebers zeigte als Fritz Flemming, daß er es an Fleiß nicht fehlen läßt und wir freuen uns die großen Fortschritte konstatiren zu können, die der junge Künstler mit jeder neuen Rolle macht. Eine prächtige Leistung voll liebenswürdigem Humor war der Bernhard Gempe des Herrn Demme. Der Darsteller hat es rasch verstanden sich die Gunst des Publikums zu erringen und zu erhalten. Ganz besondere Anerkennung verdient Herr Hauptmann als Dr. Crusius, der in der