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und der gesammte Hof beiwohnten. Dryander hielt die Predigt. Nach Be­endigung des Gottesdienstes begab sich der Hof durch den Weißen Saal nach den innern Gemächern. Hierauf folgte im Weißen Saal die große Kour, welche der Reichskanzler eröffnet.

Berlin, 31. Dezember. Der Handelsminister von Berlepsch em­pfing heute Mitglieder der Zentralleitung des deutschen Buchdruckervereins in Angelegenheit des Buchdruckerstreiks. Es wurde konstatirt, daß der Minister nicht die Initiative zur Vermittelung in dem bestehenden Streik ergriffen, vielmehr auf eine Aufforderung hin sich bereit erklärt hat, einen Vermittler zu bezeichnen, falls beide Parteien freiwillig und bedingungslos einen entsprechenden Antrag stellen. Da die bezeichneten Vorbedingungen nicht bestehen, lag keine Veranlassung zur Bezeichnung eines Vermitt­lers von.

Berlin, 31. Dezember. DieKreuzzeitung" schreibt: Die Dar­stellung des zukünftigen Lehrplans für die Gymnasien, die dem Organ des Vereins für Schulreform" entnommen ist, enthält, wenigstens nach unsern Informationen, verschiedene Unrichtigkeiten. So wird für den Schreib­und Zeichen-Unterricht bestimmte Stundenzahl ganz außeracht gelassen, die sür das erstere in Sexta und Quinta je 2, für das andere in Quinta (der Zeichen-Unterricht in Sexta fällt fort), Quarta, Ober- und Unter­tertia auch je 2 Stunden betragen wird. Darnach beträgt die Gesammt- stundenzahl wöchentlich nicht 247, sondern 252. Dazu treten noch für jede Klaffe 3, statt bisher 2 wöchentliche Turnstunden und das von Sexta bis Quarta obligatorische Singen mit je 2 Stunden. Es ist ferner zwar richtig, daß fortan in VJ. 4 und in V. 3 Stunden für das Deutsche bestimmt sind, aber falsch, daß daneben in diesen Klassen je eine Geschichts­stunde eingesetzt ist. Diese fällt fort und cs ist dafür eine deutsche Stunde der Geschichtslesung zu widmen. Der jenem Lehrplan als obligatorisch von Ha bis la eingefügte Unterricht im Englischen wird nur fakultativ platz­greifen. Es ist natürlich, daß nach diesen Korrekturen die Gesammtstunden- zahl für die einzelnen Klassen sich anders gestaltet.

Berlin, 31. Dezember. Am 30. d. M. erlag hier den Folgen der Influenza der außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister Seiner Majestät des Königs von Portugal, Marquis de Penafiel, welcher seit dem Jahre 1881 am Riesigen Allerhöchsten Hofe beglaubigt war. Die Kaiserliche Regierung und mit ihr ein großer Kreis persönlicher Freunde theilt das Bedauern seines Souveräns über den Verlust eines so lang­jährigen und bewährten Vertreters.

Berlin, 31. Dezember. S. M. S.Moltke", Kommandant Ka­pitän zur See Freiherr von Erhardt, ist am 30. Dezember in St. Vincent (West-Indien) eingetroffen und beabsichtigt, am 31. Januar nach Dominica (St. Ruperts Bay) wieder in See zu gehen.

Metz, 31. Dezember. Der heute Hingerichtete Mörder Uebing war Kanonier von der 2. Batterie des Feld-Artillerie-Regiments Nr. 33. Im Oktober v. I. war er aus der hiesigen Garnison geflüchtet. Er kehrte bald heimlich zurück und schlich sich in der Nacht vom 6. auf den 7. Mai v. I. in die Wohnung des Oberstlieutenants Prager vom Königl. Sächsi­schen Fuß-Artillcrie-Regiment Nr. 12. Uebing überfiel in räuberischer Absicht den schlafenden Offizier niit einem Hammer und durchschnitt dann dem sich noch ausraffenden Opfer die Kehle. Mit geraubten Baarschaften und Kleidern begab sich der Verbrecher nach Luxemburg, wo er als Acker­knecht schon vorher thätig gewesen war. Er wurde bald verhaftet. Uebing gestand das Verbrechen und wurde am 19. September d. J. von dem Gouvernementsgericht zu Metz wegen Ermordung eines Vorgesetzten in Verbindung mit Raub zum Tode, wegen eines schweren Diebstahls zu zwei Jahren Zuchthaus und zu dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehren­rechte unter Entfernung aus dem Heere verurtheilt. Dieses Urtheil erhielt am 24. d. M. die kaiserliche Bestätigung. Gestern früh wurde der Ver- urtheilte an die Vollzugsbehörde des kaiserlichen Landgerichts überliefert. Die Hinrichtung mit dem Fallbeile vollzog der Scharfrichter Siller aus Württemberg. Uebing benahm sich bei Verkündigung der Entscheidung ruhig und gefaßt. (K. Z.)

Ratzeburg, 31. Dezember. Fürst Bismarck nahm gestern au der Sitzung des Kreistages theil. Er hielt verschiedene Reden und betheiligte sich wiederholt an der Erörterung. Nach Schluß der zweistündigen Sitzung fand ein Essen im Rathskeller statt, an welchem alle Abgeordneten und auch Graf Herbert Bismarck sowie der Reichstagabgeordnete Berling theil­nahmen. Erblandmarschall Bülow trank auf den Fürsten, dieser auf Lauen­burg, Landschaflsrath Walker auf Herbert Bismarck, dieser auf den Landrath Dolega-Kozierowski. Nach dem Essen führte der Fürst längere Gespräche mit mehrer« Abgeordneten. Die Stadt war festlich geschmückt. Das Aus­sehen des Fürsten war vortrefflich. Um 6 Uhr erfolgte mit Sonderzug die Rückfahrt nach Friedrichsruh.

Dresden, 31. Dezbr. Nach einem heute ausgegebenen Bulletin ist der Prinz Georg vorgestern unter Erscheinung einer heftigen Darmkolik plötzlich erkrankt. .Gestern steigerten sich die Beschwerden. Es bestehen Symptome, welche das Vorhandensein einer inneren Einklemmung wahr­scheinlich machen.

Dresden, 31. Dezember. Die Aerzte konstatirten Abends beim Prinzen Georg eine Darmknickung. Man beschloß, vorläufig von einer

Operation abzusehen. Die Leipziger Aerzte fuhren nach der Konferenz direkt zum König nach der Villa Strehlen. (Fr. Nachr.)

Rom, 1. Januar. Heute Mittag fand im Quirinal anläßlich des Jahres-Wechsels großer Empfang statt. Derselbe dauerte bis 5 Uhr nach­mittags. Wie dieAgenzia Stefani" erfährt, sprach König Humbert beim Empfang der Präsidenten und Deputationen des Senats und der Kammer seine Anerkennung betreffs der von dem Parlament bereits vollendeten Ar­beiten aus, welche den ernsten Willen bekunde, mit allen Kräften für die finanzielle und wirthschaftliche Besserung des Landes zu sorgen, insbesondere aber habe der König seine Genugthuung über den Abschluß der neuen Han­delsverträge ausgesprochen und der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß die politische Lage Europas die Annahme rechtfertige, das das Friedenswerk sich ohne Störung werde durchführen lassen. (Fr. Ztg.)

London, 31. Dezember. Im Saint-Jamespalast ist heute früh Prinz Viktor von Hohenlohe, genannt Graf Gleichen, gestorben. Derselbe war früher Admiral der britischen Marine. Die Königin, b« Prmz von Wales und der Herzog von Connaught übersandten der Familie Beileids­telegramme. (Fr. Nachr.)

London, 30. Dezember. Während des Nebels der Weihnachts­woche sind 25 Personen bei den Docks in der Themse ertrunken. Die meisten sind arme Dockarbeiter, welche eine hungernde Familie hinterlassen.

New-Nork, 31. Dezbr. Die der Standard-Oel-Gesellschaft gehö­rigen großen Böttcher-Werkstätten in Bergen-Point (New-Jersey) sind ab­gebrannt. DerNew Dork-Herald" schätzt den Schaden auf 1 Ve Millio­nen Dollars.

Bremen, 31. Dezember. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd Preußen" ist gestern in Colombo und der DampferStuttgart" heute in Shanghai eingetroffen.

New Uork, 31. Dezbr. Der PostdampferCity of Paris" der Jnman Linie" in Liverpool ist gestern wohlbehalten hier angekommen.

Aus Stadt, Provinz und Umgegend.

Versetzt. Der Verwalter der Oberförsterei Diez, Forstmeister Mühlhausen ist, wie derReichsanz." meldet, auf die Oberförsterstelle zu Hanau im Regierungsbezirk Cassel.

Ernannt. Der bisherige Privatdozent Dr. Adolf Elsas zu Mar­burg ist zum außerordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der dortigen Universität ernannt worden.

Dotation. Die Königl. Regierung zu Cassel hat eine Regulirung der Landdotation der Lehrer verfügt. Nach dem Erlaß soll für jeden Kreis ein bestimmter Satz durch die Kreisbehörde festgestellt und dieser dann für alle Stellen des Kreises ohne Unterschied in Anwendung gebracht werden.

Prüfungskommission. Die Königliche Prüfungskommission der Lehrer an Mittelschulen und der Rektoren zu Cassel ist für das Jahr 1892 aus folgenden Mitgliedern zusammengesetzt: Provinzial-Schulrath Kanne­gießer in Cassel, Vorsitzender, Regierungs- und Schulrath Sternkopf in Cassel, Regierungs- und Schulrath Dr. Roß in Wiesbaden, Realschul- Direkior Dr. Quiehl in Cassel, Seminar-Direktor Lotz in Dillenburg, Seminar-Lehrer Franke in Usingen.

Bitte. Jetzt beim Jahreswechsel, wo sich unter den bezogenen Zeit­schriften rc. manches Entbehrliche finden dürfte, sei an dieser Stelle darauf aufmerksam gemacht, daß in den hiesigen Krankenanstalten solche Lektüre immer noch gute Verwendung finden kann und manchem Kranken damit die Langeweile erträglicher gemacht werden kann.

Neujahrsnacht. Die diesmalige Neujahrsnacht ist ziemlich ruhig verlaufen, so daß Verhaftungen nicht vorgekommen sind.

Roheit. Zum zweiten Male seit kurzer Zeit ist die eine Erker­scheibe am Wetterhäuschen vor der Post zertrümmert und der eine Zeiger verbogen worden. Bedauerlich bleibt, daß solche Roheiten auch an einem als gemeinnützlich bekannten Gegenstände verübt werden.

Einbrnch. Trotz der unausgesetzt eifrigen Bemühungen der hiesi­gen Kriminalpolizei ist es bis jetzt nicht gelungen über den Verbleib der noch fehlenden bei Herrn Hofuhrmacher Elsaß geraubten Uhren im Be­trag von 600 Mk. irgend etwas ausfindig zu machen.

(Stoßet Schwindel. Bei einem hiesigen Bäckermeister erschien vorgestern ein Mädchen und erbat sich 50 Stutzwerke für einen hiesigen Gasthof mit dem Bemerken, vom folgenden Gebäck sollten noch 50 Stück ebendorthin geschickt werden. Das Mädchen erhielt das Verlangte, als aber die übrigen Stutzwecke abgeliefert werden sollten, mußte der Bäckermeister leider erfahren, daß er einer Schwindlerin in die Hände gefallen war.

Benefiz. Wie wir schon in unserem letzten Blatte bemerkten, findet nächsten Mittwoch die erste Benefizvorstellung statt. Den Reigen eröffnet diesmal Fräul. Gamber und es gebührt der trefflichen Künstlerin sicher­lich ein volles Haus. Zu ihrem Ehreuabend hat dieselbe das effektvolle Schauspiel von ScribeAdrienne Lecouvreur" ausgewählt und wir glauben, daß sie damit eine recht glückliche Wahl getroffen. Was wir schon öfter bei dieser beliebten Künstlerin hervorhoben: ihr fein durchdachtes und einfaches Spiel, das sich von allen Extravaganzen fernhält, ihr dramatisch belebter Vortrag, der für jede Situation den richtigen Ton findet, hat sie hier rasch beliebt gemacht und wir glauben, daß die Künstlerin kaum eine bessere Rolle wählen konnte um diese Vorzüge ihres Spieles in das rechte

2. Januar 1892.