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Nr. 147.

Samstag den 27. Juni

1891.

Amtliches.

Bekanntmachung König!. Landrathsamts.

Von dem hier garnisonirenden 2. Bataillon Füsilier-Regiments von Gersdorff (Hessisches) Nr. 80 findet am 30. d. M. von Morgens 6 bis Mittags gegen 12 Uhr in dem waldigen Terrain zwischen Chaussee Hanau- Kinzigheimerhof und Eisenbahn Hanau-Bruchköbel auf den sogenannten alten Hessischen Scheibenständen eine Schießübung mit scharfen Patronen statt.

Die Wege, welche von der Chaussee ostwärts in den Wald führen, werden abgesperrt. Auf dem Felde nördlich des Waldes zwischen Chaussee und Eisenbahn bis in die Höhe des Kinzigheimerhofes darf in der ange- 1 gebenen Zeit nicht gearbeitet werden.

Den ausgestellten Sicherheitsposten ist bei Meidung einer Strafe bis zu 15 Mark subs. 3 Tage Haft Folge zu geben. Ih^^

Die betr. Herren Orts- bezw. Gutsvorstände haben dies in orts­üblicher Weise zu veröffentlichen.

Hanau am 25. Juni 1891.

Der Königliche Landrath M. 3386 v. Oertzen.

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein HeftDeutsche Sprachschule". Ein Hundehals­band. Ein Portemonnaie mit einigen Pfennigen.

Hanau am 27. Juni 1891.

t Antheile der preußischen Provinzen am Ernteertrag 1890»

In derStat. Korr." werden die Antheile mitgetheilt, welche die einzelnen Provinzen an dem Gesammternteertrage von 1890 in Preußen nach der letzten Februarermittelung in den Hauptfrüchten gehabt haben. Im ganzen Staat waren 1890 bebaut mit Winterweizen 1 035 116 ha, die einen Ertrag von 1 396 174 t lieferten, mit Winterroggen 4 332 137 ha mit 3 864 605 t Ertrag, mit Sommergerste 863 767 ha (1 017 138 t), Hafer 2 566150 ha (2 920 7491), Kartoffeln 1980 460 ha (14177 8371). Was die einzelnen Provinzen betrifft, so stehen als Hauptversorger mit den nothwendigsten Nahrungsmitteln Schlesien und Sachsen obenan. Die Masse des gewonnenen Getreides betrug, wenn man die wichtigsten Halmfrüchte in Betracht zieht, in ersterer Provinz 1 221 202, in letzterer 1221072 t, das heißt je 13,3 pCt. der Gesammternte des Staats. Hierin standen sich also beide Landestheile fast gleich, nicht aber in Bezug auf die Anbaufläche. Die gleiche Menge wurde in Sachsen auf 833 071, in Schlesien aber auf 1284 729 ha gewonnen, so daß sich hier der Ertrag des Hektars bei Weitem niedriger stellt als in Sachsen. In den Erträgen der Kartoffeln wird dagegen Sachsen von Schlesien um mehr als die Hälfte seiner Ernte übertroffen. Als ein Haupterzeugungsland dieser Frucht weist sodann Brandenburg Beträge auf, welche den schlesischen sehr nahe kommen. Posen, Brandenburg, Schlesien und Sachsen ernteten 1890 zusammen über die Hälfte der im ganzen prenßischen Staat gewonnenen Kartoffeln. Desgleichen entfielen 45 pCt. des 1890 geernteten Winterweizens und Winterroggens auf die letzten drei der genannten Pro­vinzen zusammen mit Hannover. Der Hafer wurde zumeist in Schle­sien gebaut und geerntet (13,6 pCt. der Staatssumme), dem an zweiter Stelle das Rheinland mit 12,5 pCt. des Gesammtertrages im Staat folgte.

Tagesschau.

Berkin, 26. Juni. Seine Majestät der Kaiser und König haben Allergnädigst geruht den Geheimen Ober-Regierungsrath im Reichsamt des Innern Lohmann zum Wirklichen Geheimen Ober - Regierungsrath und Ministerial-Direktor im Ministerium für Handel und Gewerbe zu ernennen.

Berlin, 26. Juni. Se. Majestät der Kaiser und König bega­ben Sich, wie derReichsanz."' aus Kiel meldet, heute Morgen um 9 Uhr wieder an Bord desMeteor".

Berlin, 26. Juni. Ihre Majestät die Kaiserin und Königin traf heute Vormittag in Berlin ein und besichtigte zunächst das im Garten des

Tempelhofer Garnison-Lazereths von der Militärverwaltung gemeinsam mit dem Zentral-Komitee der deutschen Vereine vom Rothen Kreuz probeweise errichtete Baracken-Lazareth. Ihre Majestät besuchte sodann auch einzelne i Räume des Garnison-Lazareths und war später bei der Vorstellung des I Schlußkursus der Turnlehrerinnen in der Königlichen Bildungsanstallt an- : wesend. Herauf ertheilte Ihre Majestät im Königlichen Schloß Audienzen ; und kehrte später nach Potsdam bezw. dem Neuen Palais zurück.

Berlin, 26. Juni. Der Minister Dr. Miquel und Frhr. v. Ber­lepsch haben sich heute nach Stettin begeben, um die dortigen Hafenverhâlt- nisse genau in Augenschein zu nehmen, die Schiffsbauanstalt des Vulkan zu besuchen und demnächst auf einer Fahrt nach Swinemünde sich über die Frage der Vertiefung des Fahrwassers zu unterrichten.

Wie man derMagdeb. Ztg." aus Berlin meldet, darf als zweifellos angesehen werden, daß dem nächsten Reichstag das oft erwähnte Gesetz über Bekämpfung der Trunksucht zugehen wird. Die Vorarbeiten sind von langer Hand angeordnet und ziemlich weit gefördert; nur der übergroße Arbeitsstoff für die letzte Tagung hat zu einem Aufschub in der Einbringung der Vorlage geführt. Es werden noch verschiedentlich Berichte auf eingeforderte Gutachten erwartet, nach deren Eintreffen wohl Weiteres über den Stand dieser Angelegenheit bekannt werden wird.

Neisse, 26. Juni. Das Schwurgericht verurtheilte, nach dem Rhein. Kur.", den früheren hiesigen Reichsbankvorsteher Mayer wegen vielfacher Wechselfälschungen und Unterschlagungen zu zehn Jahren Zucht­haus.

Stuttgart, 26. Juni. Der Staatsanzeiger erklärt amtlich, daß sämmtliche für Schienenübernahme angeschaffte Stempel würtembergischer Bahnen non einem hiesigen Graveur im Auftrag und unter Kontrole der Bahnverwaltung angefertigt würden, daß der Bochumer Verein zur Stem­pelanfertigung niemals Auftrag erhalten habe; ob der Bochumer Verein sich in den Besitz eines würtembergischen Stempelabdruckes setzte, sei der Verwaltung nicht bekannt. Ermittelungen hierüber seien im Gange. (K. Z.)

Wien, 25. Juni. DasFremdenblatt" widmet dem Besuch des Kaisers auf dem britischen Geschwader einen schwungvollen Artikel, in wel­chem es auf die zahlreichen Fälle hinweist, in denen Engländer und Oester­reicher gemeinsam gekämpft haben im Dienste gemeinsamer Ideen und In­teressen. Die Anwesenheit des britischen Geschwaders im Adriatischen Meere bedeute eine herzliche Erwiederung des denkwürdigen vorjährigen Besuches der österreichischen Flotte in den britischen Gewässern. Ohne ein sensationelles Ereigniß zu sein, entbehre der Besuch des Kaisers nicht der Bedeutung. Die Worte des Kaisers, von wahrer Innigkeit und Herzlich­keit für die britische Herrscherin und die britische Flotte durchdrungen, ließen unwillkürlich des herzlichen Freundschaftsverhältnisses gedenken, dessen beide Reiche sich ehrlich erfreuen. Nirgends trübe ein düsterer Punkt die Echtheit dieser herzlichen Beziehungen. Wo die Interessensphäre beider Reiche sich noch am nächsten berührten, nämlich im Orient, begegneten sich die beiden Völker in demselben Streben und Bemühen. Wie England, kenne auch Oesterreich-Ungarn in der Balkanpolitik kein anderes Ziel, als die Aufrechthaltung der friedlichen Verhältnisse und heilsamen Verträge, die Förderung der selbständigen Entwickelung der Einzelstaaten und die Verhütung jeder Explosion. Der in dieser Beziehung erzielten Erfolge dürften beide Reiche sich gleichmäßig erfreuen. In diesen Zielen und in dieser Fürsorge für die Aufrechterhaltung des Friedens im Orient und der Welt begegne sich England naturgemäß auch mit dem Dreibunde, dessen Macht nur diesem Friedensziele geweiht sei. Der Besuch der britischen Flotte in Fiume, sowie der Besuch und der Trinkspruch des auch in Eng­land herzlich verehrten Kaisers hätten nur dazu beitragen können, die alte unverbriefte und doch besiegelte Freundschaft neuerdings zum Bewußtsein der Welt zu bringen und die allezeit bestandenen Sympathieen zwischen den Völkern Englands und Oesterreich-Ungarn zu verstärken. (K. Z.)

Wien, 26. Juni. Die Wiener Zeitung veröffentlicht die Verlo­bung der Erzherzogin Louise, Tochter des Großherzogs von Toscana, mit dem Prinzen Friedrich August von Sachsen.

Graz, 26. Juni. Die beabsichtigte Reise des Grafen Hartenau nach Karlsbad unterbleibt, weil die Gesundheit des Grafen anhaltend un­befriedigend ist. (K.Z.)

Bern, 26. Juni. Aus Emmenthal wird gemeldet, daß infolge