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Nr. 140.
Freitag den 19. Juni
1891.
* Amtliches.
Bekanntmachung Kö.nigl. Landrathsamts. Jmpfordnung
für die diesjährigen öffentlichen Impfungen in den nachstehenden Gemeinden: 1) Kesselstadt: Mittwoch den 24. Juni, Nachmittags 4Uhr,Impfung; Mittwoch den 1. Juli, Nachmittags 4 Uhr, Nachschau.
2) Dörnigheim: Donnerstag den 25. Juni, Nachmittags 2 Uhr, Impfung; Donnerstag den 2. Juli, Nachmittags 2 Uhr, Nachschau. 3) Hochstadt: Donnerstag den 25. Juni, Nachmittags 4 Uhr, Impfung; Donnerstag den 2. Juli, Nachmittags 4 Uhr, Nachschau.
4) Wachenbuchen : Montag den 29. Juni, Nachmittags 2 Uhr, Impfung; Montag den 6. Juli, Nachmittags 2 Uhr, Nachschau.
5) Mittelbuchen: Montag den 29. Juni, Nachmittags 4 Uhr, Impfung ; Montag den 6. Juli, Nachmittags 4 Uhr, Nachschau
im Rathhaussaale daselbst.
Die Herren Ortsoorstände der vorstehend genannten Orte mache ich auf die für die Ausführung des Jmpfgeschäftes vom Bundesrath getroffenen Vorschriften (Amtsblatt 1866, Seite 105) aufmerksam und erwarte insbesondere genaue Befolgung der zu Anlage III. für die Ortspolizeibchörden gegebenen Vorschriften.
Hanau am 17. Juni 1891.
> Der Königliche Landrath
^ A. 1066 v. Oertzen.
In der Schafheerde des Oekonomen Christian Neuling auf dem #^ Sandhof dahier ist die Räude ausgebrochen (e i n Erkrankungsfall). Hanau am 18. Juni 1891.
Der Königliche Landrath.
V. 4029 I. A.: Meister, Regierungs-Assessor.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Eine Zange. Eine Gewerbelegitimationskarte, ausgestellt zu Aschaffenburg auf den Namen F. C. Becker. Ein Regenschirm (auf der Post stehen geblieben). Ein Mannsrock.
Zugelaufen: Ein junger grauer Pinscher. Ein hellgrauer Pinscher w. Geschl.
Vom Wasenmeister am 17. d. Mts. eingefangen: Ein gelber Pinscher w. Geschl.
Verloren: Ein Barbierstreichriemen mit eingeschnittenem Namen.
Hanau am 19. Juni 1891.
t Sozialdemokratie und Militär.
Die Sozialdemokraten sind grundsätzlich Gegner der stehenden Heere und die Abschaffung des Militärs in seiner gegenwärtigen Verfassung gehört zu ihren programmatischen Forderungen. Zwar gehen sie nicht so weit, die völlige Wehrlosigkeit einer Nation zu verlangen und die Noth- ^ wendigkeit der Abwehr feindlicher Ueberfälle im gegebenen Falle zu lâugnen, -^aber sie meinen, daß dieser Zweck vollkommen durch eine Art Milizsystem £ erreicht werden könne, in dem der Berufsoffizier, überhaupt die Kriegs- é Wissenschaft keinen Platz fände und die Wehrordnung mit kurzen Uebungen ( der waffenfähigen Leute im Wesentlichen erschöpft wäre. Wir verlieren natürlich kein Wort darüber, daß ein solches System praktisch ungefähr mit nationalem Selbstmord gleichbedeutend wäre; jeder Besonnene wird den Glauben an den Völkerfrieden, den die Abschaffung der stehenden Heere der Welt bringen werde, als eine haltlose Illusion erkennen. Nach sozialdemokratischer Ansicht entstehen Kriege freilich lediglich aus dem Ehrgeiz und der Eroberungssucht einzelner Gewalthaber, weshalb man diesen Gewalthabern die Mittel zur Kriegführung durch Errichtung von Milizen an Stelle der stehenden Heere entziehen müsse. Ein weiterer Grund aber — der eigent- ^ch bestimmende — für diese Feindschaft gegen die Armee liegt darin, daß ein starkes, fest gefügtes Heer die Aufrechterhaltung der inneren Ordnung rm Staate verbürgt. Nicht als ob die Sozialdemokraten absichtlich die Unordnung erstrebten, aber die bestehende Ordnung ist ihnen zuwider, der heutige Staat erscheint ihnen als Klasfenstaat, der umgestürzt werden muß,
was nicht anders als durch Untergrabung seiner Hauptstützen geschehen könnte.
Daher vor Allem das Bestreben, die aktive Dienstzeit im Heere als eine Zeit der größten Plage darzustellen und dem gemeinen Mann die Freude am Kriegsdienst nach Möglichkeit zu verleiden. Deshalb werden in der sozialistischen Presse etwa vorkommende Fälle von schlechter Behandlung der Soldaten recht aufgebanscht und dem Leben in der Kaserne alle guten Seiten abgesprochen. Bei unserem Landvolk ist damit kein Glück zu machen. Unsere Bauernsöhne dienen gern ihrem König bei der Fahne, die Alten gedenken voll Stolz der in Königs Rock verbrachten Zeit und freuen sich, wenn die strammen Jungen körperlich gewandter, geistig frischer, noch besser zur Zucht und Ordnung erzogen zur Pflugschaar oder zum sonstigen Werkzeug ihres Berufs zurückkehren. In Bezug auf die Industriearbeiter könnte man schon eher Besorgnisse hegen wegen der fortgesetzten Einwirkung der sozialdemokratischen Agitation. Aber auch hier schützen den Einzelnen aus der Masse die persönlichen Erfahrungen, die er beim Militär gemacht hat, das eben in Wirklichkeit trotz seiner durch die Disziplin gebotenen Härten ganz anders ist, als es die Agitatoren darstellen, und zwar in jeder Beziehung, so in Bezug auf Verpflegung, auf Karakterbildung, auf Freuden, die es dem pflichttreuen Soldaten in und außer dem Dienste gewährt.
Eine Bestätigung dafür, wie wenig das Gefühl der Masfe der Arbeiter, auch der sozialdemokratisch wählenden, mit der grundsätzlichen Abneigung der Führer gegen stehende Heere und ihren tendenziösen Versuchen, das Militärleben herabzusetzen, übereinstimmt, finden wir auch in den Beobachtungen, die der Kandidat Göhre während seines dreimonatigen Aufenthalts in einer Chemnitzer Maschinenfabrik als Handarbeiter gemacht hat. Nach seinem Buche „Drei Monate Fabrikarbeiter" beobachtete er bei seinen durchweg zur Sozialdemokratie haltenden Kameraden eine überraschend freundliche Gesinnung für das deutsche Vaterland, den Kaiser und das Heer. Jeder dachte gern an seine Dienstzett zurück. Wenn das Gespräch darauf kam, fing man bald Feuer dafür. Dann erzählte man mit Genugthuung von den Strapazen des Dienstes, den heißen Sommertagen auf dem Exerzierplätze und den kalten Winternächten auf Posten. Und mancher war auf sein Regiment besonders stolz und zeigte gern die Photographien, die er aus seiner Dienstzeit mitgebracht hatte. Der Verfaffer erzählt eine ganze Reihe Beispiele dieser Art. Zwei Packer, alte derbe Gesellen, erklärten gelegentlich bei der Arbeit: Wir sind mit Leib und Seele Soldat und werden cs bis an unseren Tod bleiben. Bei einem Streite über die Forderung der Abschaffung der stehenden Heere bezeichnete ein Arbeiter die Auflösung der Regimenter und die Entlassung der Hunderttausende junger Arbeitskräfte als Ruin der Arbeiterbevölkerung; dann werde die „industrielle Reservearmee" erst recht in's Unerträgliche anschwellen.
Die Freude an dem bunten militärischen Glanz, das frische heitere Leben, das die Militärzeit der Arbeiterjugend bringt und das Einerlei in der Fabrik unterbricht, bewirken auch, daß sich die Leute im Allgemeinen gern trotz des Ausfalles an Verdienst für die Faniilien an den Reserveübungen betheiligen. Durch das dem Reichstag vorliegende Gesetz auf Unterstützung der Familien während der Friedensübungen wird diese Bereitwilligkeit noch gefördert werden. Und so hoffey und glauben wir, daß es der „zielbewußten" Sozialdemokratie nicht gelingen werde, die Liebe zum deutschen Volksheer zu zerstören, das den heimischen Herd schützt, Karaktcr und Nerven unserer Jugend stählt und Alle zu dem gleichen Dienst des Vaterlandes verbindet.
Tagesschau.
Berlin, 18. Juni. Se. Majestät der Kaiser und König hörten gestern Vormittag den Vortrag des Reichskanzlers und Nachmittags denjenigen des Chefs des Zivilkabinets. Abends begaben Sich Beide Majestäten nach der Pfaueninsel, wohin Mitglieder beider Häuser des Landtages mit Einladungen beehrt waren. Heute Vormittag nahmen Seine Majestät die Vorträge des Kriegsministers und des Militärkabmets entgegen.
Berlin, 18 Juni. Im Herrenhause begann heute die Debatte über den Etat. Gegenüber dem Grafen Udo Stolberg, welcher auf die Abnahme der Bevölkerung Ostpreußens infolge der Auswanderung hinweist und die Lohnfrage damit in Verbindung bringt, erklärt der Reichskanzler von Caprivi: Die angeregten Fragen haben eine tiefgehende Bedeutung