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Nr. 137.
Dienstag den 16. Juni
1891.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Eine gelbe Broche. Zwei Portemonnaies mit je etwas Geld. Ein goldener Ohrring. Eine Kette (Aufhalt). Einige Briefmarken nebst einem Geldstück (auf der Post liegen geblieben).
Verloren: Ein goldener Ring mit Brillant. Ein schwarzer Sommerüberzieher (im Lamboywald). Eine Halsbinde. Ein Zigarrenetui. Von der Pulverfabrik bis Hanau eine blaue Kattunblouse mit weißen Blumen.
Hanau am 16. Juni 1891.
Tagesschau.
Ein Eisenbahnunglück in der Schweiz.
Ueber ein Eisenbahnunglück, das sich am Sonntag Nachmittag bei Basel ereignete, liegen den „Fr. N." folgende Nachrichten vor:
Basel, 14. Juni. Heute Nachmittag stürzte die Eisenbahnbrücke vor Mönchenstein bei Basel ein; der passirende Zug entgleiste und stürzte theilweise ins Wasser.
Basel, 14. Juni. Bei dem heutigen Eisenbahnunglück vor Mön- , chenstein (Jura-Simplon-Linie) stürzten zwei Lokomotiven, zwei vollbesetzte Personenwagen, ein Post- und ein Gepäckwagen in die hochgehende Birs. , Bis jetzt sind 44 meist schrecklich verstümmelte Todte und über 100 Ber- . mundete heraufgeholt, meistens erdrückt oder ertrunken. Die Gesammtzahl der Todten wird auf 120 geschätzt.
Basel, 15. Juni. Das gestrige Eisenbahnunglück, welches den um 2 Uhr^.1ö Minuten von Basel nach Delsberg abgegangenen Personenzug bei Mönchenstein betroffen hat, ist das größte, welches in der Schweiz sich je ereignete. Die beiden Lokomotiven, zwei Personenwagen, ein Postwagen sind vollständig im Wasser. Die Personenwagen sind zertrümmert. Der dritte Personenwagen blieb zwischen dem Brückenkopf und den Trümmern schwebend^ Die erste Hilfe wurde von der Feuerwehr in Mönchenstein geleistet. Von Basel eilten Aerzte, Sanitälstruppen und Feuerwehr, von Liestal eine Sappeur- und Pionieratheilung an die Unglücksstätte. Die Verwundeten wurden nach Basel befördert. Die meisten der Verunglückten, etwa 150 Verwundete und 120 Todte, sind Baseler.
Basel, 15. Juni. Die Rettungsarbeiten, wegen der hochgehenden Birs sehr erschwert, wurden die ganze Nacht fortgesetzt. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen bewerkstelligt, der Güterverkehr über die Zentralbahn via Olten geleitet. Bisher verlautete nicht, daß deutsche Reichsangehörige verunglückt sind.
' Bas el, 15. Juni. Die „Köln. Ztg." schreibt: Ueber das gestrige Unglück werden noch folgende Einzelheiten mitgetheilt. Der Zug hatte kaum die unmittelbar unterhalb Mönchenstein über die Birs führende kleine Eisenbahnbrücke erreicht, als die aus Eisen konstruirte Brücke einbrach. Die i erste Lokomotive stürzte mit dem Schornstein nach unten, die zweite auf; ihre Räder in die Tiefe, ein Wagen erster und ein Wagen zweiter Klaffe; sowie ein Postgepäckwagen fielen ebenfalls herunter. Ein Wagen dritter i klaffe schwebt zwischen Brücke und Trümmerhaufen. Die Verwundeten ] wurden auf Fuhrwerken aller Art und Ambulanzwagen nach Basel geführt, | bie Todten _ sind am Birsufer hingelegt. Die Verwundungen sind zum Theil sehr schwer. Eine große Menschenmenge umsteht die Unglücksstütte. Die Aufregung ist unbeschreiblich.
Berlin, 15. Jpni. Der „Reichsanz." Nr. 138 veröffentlicht: Ver- i ordnung über die Inkraftsetzung des Gesetzes, betreffend die Emeritirungs- ; ordnung für die evangelisch-lutherische Kirche der Provinz Schleswig-Holstein, : vom 2. März 1891, vom 1. Juni 1891.
Berlin, 15. Juni. Se. Majestät der Kaiser und König erledig- ; ten am Sonnabend . im Neuen Palais im Laufe des Nachmittags Regie- rungsgeschäfte. Gestern Morgen besuchten Beide Majestäien gemeinsam den Gottesdienst in der Friedenskirche zu Potsdam. Mittags hatten Seine Majestät eine Besprechung mit dem Kultusminister Grafen Zedlitz. Während des Nachmittags erledigten Seine Majestät Regierungsgeschäfte. — ! Asche, als am Todestage des Hochseligen Kaisers Friedrich, besuchten Beide - Majestäten, nach vorhergegangenem Gottesdienst im Neuen Palais, das
Mausoleum an der Friedenskirche, um einen Kranz an dem Sarge des Entschlafenen niederzulegen.
Berlin, 14. Juni. Heute Vormittag fand in der Garnisonkirche unter sehr großer Betheiligung hervorragender Persönlichkeiten eine Ge- dächtnißfeier für Kaiser Friedrich statt. Hofprediger Pfarrer Platz stellte in der Gedächtnißrede den Kaiser als. Ringer nach der Wahrheit und Sieger im Lichte, dessen Gedächtniß beim deutschen Volke niemals erlöschen werde, dar. Die Feier eröffneten und schlossen Gesangs- und andere musikalische Vorträge.
Berlin, 15. Juni. In der heutigen Sitzung des Herrenhauses fand die Schlußberathung über das Sperrgeldergesetz statt. Die Vorlage wird nach längerer Debatte im Wortlaute des Abgeordnetenhauses mit großer Mehrheit angenommen. Das Haus nahm, nach dem „Rh. K.", sodann mit einer unwesentlichen Aenderung den mündlichen Bericht über den Gesetzentwurf, betreffend die außerordentliche Armenlaft, an. Gegenüber dem dazu gestellten Anträge des Grafen Stolberg auf Abänderung des Unterstützungswohnsitz-Gesetzes erklärt Minister Herrfurth, die Abänderung sei noch nicht an geneigt, man müsse erst den Erfolg der sozialpolitischen Gesetzgebung abwarten. Graf ©Wiberg zog hierauf seinen Antrag zurück. Die nächste Sitzung findet morgen Nachmittag 1 Uhr statt. — Das Abgeordnetenhaus nahm heute in dritter Lesung endgiltig den Gesetzentwurf, betreffend die Gewerbegerichte der Reinprovinz, an, und trat ; sodann in die .Berathung des.Wildschadengesetzes ein, welche aber nicht zu Ende geführt, vielmehr morgen fortgesetzt wird.
Berlin, 15. Juni. Die Feier der Grundsteinlegung für die mit Unterstützung des ^ ifer§ und unter dem Protektorat der Kaiserin in : Kolonie West Reinickendorf zu erbauende „Segenskirche" hat heute stattgesunden. In Vertretung des Kaisers erschien GeueraUieutenclut v. Wittich, für die Kaiserin Oberhofmeister Freiherr v. Mirbach und Kabinetsrath v. d. Recke; die Geistlichkeit war besonders stark vertreten, an ihrer Spitze .Generalsuperintendent Brückner, zum ersten Mal mit dem goldenen Amtskreuz geschmückt.'— Ueber die Berathungen der heute hier unter Vorsitz des Unterstae'"sekretärs Dr. v. Rottenburg eröffneten Handwerkerkonferenz ist den Mitgliedern vorläufig Stillschweigen auferlegt worden, um den vertraulichen Karakter der Berathungen zu wahren; die Verhandlungen werden voraussichtlich drei Tage dauern; zu morgen Abend sind die sämmtlichen Mitglieder der Konferenz vom Vorsitzenen zu Tisch gebeten worden. — Mit dem am 11. Juni von Neapel abgegangenen Dampfer der Deutschen Ostafrikalinie haben sich zwei Aerzte, Dr. Schwesinger und Dr. Wasserfall, ein Unteroffizier, drei Lazaretgehülfen und sechs Obermatrosen der kaiserlichen Marine, letztere, um den Dienst auf der dortigen Gouvernements- flotille anzuweten, nach Dar-es-Salaam begeben. Das deutsche Kolonialblatt bestätigt heute, daß Professor Dr. Schweinfurth vom Reichskanzler zum Mitglied des Kolonialrathes ernannt worden ist. . (K. W
Berlin, 14. Juni. Die „K. Z." schreibt: Unter den 20 Abgeordneten, welche für den Antrag Rickert über die Getreidezölle stimmten, befanden sich, wie die Nationalliberalle Korrespondenz bemerkt, die zwei Dänen. Die deutsch freisinnige Partei hat also nur 18 Stimmen aufgebracht. Da sie aber 28 Mitglieder zählt, so beweist diese mangelhafte Präsenz, mit wie geringem Ernst und Eifer die Partei selbst bei dieser künstlich aufgebauschten Sache war. Unter anderm fehlte Herr Munckel, der an demselben Abend sich in einer Volksversammlung in den wildesten Agitationen erging.
Berlin, 15. Juni. Der „Reichsanzeiger" bringt eine Rundschau über den Weltgetreidehandel im Monat Mai und hebt hervor, daß die Ernteaussichten sich im allgemeinen gebessert haben, besonders gebe der Getreidestand der Vereinigten Staaten und von Ostindien zu ausgedehnten Hoffnungen Raum.
Potsdam, 15. Juni. Heute früh 80g Uhr fand im Sterbezimmer des Kaisers Friedrich in Gegenwart der kaiserlichen Familie eine Gedächtnißfeier statt. Die Andacht hielt Kandidat Keßner. Um 9 Uhr erschienen die Majestäten und die drei ältesten Prinzen im Mausoleum bei der Friedenskirche und legten Kränze nieder: die Majestäten einen solchen aus weißen Nelken und Sedum mit Palinenwedeln und einer Schleife mit den Initialen des koiseilichen Paares, die Prinzen einen solchen aus weißen Seerosen mit einer Schleife mit den Worten: „Von den Enkeln". Auch der