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Hanauer Astiger.

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Ntr. 130.

Samstag den 6. Juni.

1891

Amtliches.

Bekanntmachungen König!. Landrathsamts.

Mit Rücksicht auf das am Samstag den 13. d. Mts. stattfindende

Lamboyfest wird der auf diesen Tag fallende Hanauer Wochenmarkt auf

Freitag den 12. ds. Mts. verlegt.

Hanau am 5. Juni 1891.

Der Königliche Landrath

P. 3744__v. Oertzen._____________________________

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Hundemaulkorb. Eine Blechkanne. Eine Stickerei. Ein Regenschirm (auf der Post stehen geblieben). Eine Knabenmütze. Ein Geldstück. Ein weißes Taschentuch mit Monogramm. Eine stählerne Uhrkelte.

Entlausen: Ein junger Hund von gelber Farbe, m. Geschl., auf den Namen „Ali" hörend; dem Wiederbringer eine Belohnung.

Hanau am 6. Juni 1891.

Tagesschau.

Berlin, 5. Juni. Der „Reichsanzeiger" publizirt eine Bekannt­machung der Reichsschuldenverwaltung, worin für die Entdeckung der Ver­fertiger oder Verbreiter der in neuerer Zeit zirkulirenden falschen Reichs­kassenscheine zu fünfzig und fünf Mark eine Belohnung von 2000 Mark versprochen wird.

Berlin, 5. Juni. (Fr. N.) Im Abgeordnetenhause ge­langt die Rentengütervorlage zur zweiten Lesung. Nach längerer Debatte wird der § 1, betreffend die Ablösbarkeit dtr Renten auf den Antrag der Betheiligten, unverändert angenommen. Der § 4 (Aufhebung der wirth- schaftlichen Selbständigkeit des Rentengutes) wird mit dem Antrag Jtzen- plitz, wonach die Kapitalablösung nicht überhaupt, sondern innerhalb der ersten zehn Jahre mit Genehmigung der Generalkommission statthaft ist, angenommen. Der Rest des Gesetzes wird unverändert nach der Fassung der Kommission angenommen. Nächste Sitzung morgen: Kleine Vor­lagen.

Berlin, 5. Juni. Der Bundesrath ertheilte in der am 4. d. M. unter dem Vorsitz des Vize-Präsidenten des Staats-Ministeriums, Staats­sekretär des Innern Dr. von Boetticher abgehaltenen Plenarsitzung den Ge­setzentwürfen für Elsaß-Lothringen, betreffend die Aufhebung der Denun- ziantenautheilc, über die Einrichtung von Grundbüchern und über die Kosten in Grundbuchsachen, in der vom Landesausschuß beschlossenen Fassung die Zustimmung. Dem Jnnungsverbande „Bund deutscher Perrückenmacher­und Friseur-Innungen in Berlin" wurde auf Grund des § 104 h der Gewerbeordnung das Recht zugestanden, unter seinem Namen Rechte, ins­besondere Eigenthum und andere dingliche Rechte an Grundstücken zu er­werben, Verbindlichkeiten einzugehen, vor Grericht zu klagen und verklagt zu werden. Außerdem wurde über mehrere Eingaben in Zoll- und Steuer­angelegenheiten Beschluß gefaßt.

Berlin, 5. Juni. Die Kommission des Abgeordnetenhauses zur Vorbcrathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Verlegung des Landesbuß- und Bettages, nahm in ihrer heutigen Sitzung, welcher der Kultusminister beiwohnte, den Paragraphen an, wonach der Freitag nach dem letzten Trinitatis-Sonntage als Buß- und Bettag in Vorschlag gebracht wird. Das Gesetz soll am 1. Januar 1892 in Kraft treten. (Rh. K.)

Berlin, 5. Juni. Die „Nationalzeitung" veröffentlicht ein Schrei­ben v. Rauchhaupts, worin dieser gegenüber den Auslassungen der „Ham­burger Nachrichten" zur Landgemeindeordnung erklärt, daß die konservative Fraktion des Abgeordnetenhauses keinerlei Beziehungen zu den „Hamburger Nachrichten" habe, von einem Komplotte zur Vereitelung der Landgemeinde­ordnung also keine Rede sein könne.

Berlin, 5. Juni. Nach Konstantinopeler Depeschen haben die ■ Nâuber den Maschinisten Freudiger mit Briefen nach Kirkilisse geschickt, f welche Vorschläge wegen der Auszahlung des Lösegeldes enthalten. Seitens i der türkischen Regierung wurden wiederholt Befehle ertheilt, keine Truppen- l bewegungen vorzunehmen. ' (Fr. R.) -

, Trier 4. Juni. Am nächsten Sonntag wird in den Kirchen ein '■

1 Hirtenschreiben verlesen, welches die Ausstellung des heiligen Rockes in die- f sem Sommer ankündigt.

Halle a. v. S., 5. Juni. (K. Z.) Von dem Landgericht in Nordhausen ist der Sozialdemokrat Redakteur Schulze in Erfurt wegen Beleidigung der Verwaltung der Gewehrfabrik dortselbst zu zwei Monaten Gefängniß verurtheilt worden.

Liban, 5. Juni. Der „Liban'schen Zeitung" zufolge erhielt der englische Konsul in Libau von seiner vorgesetzten Behörde die Weisung, die russischen Juden dringend vor der Auswanderung nach England zu warnen, da sie dort wegen Ueberfluß an Arbeitskräften keine Beschäftigung finden würden.

Hamburg, 4. Juni. Der englische Dampfer „Efficient" überrannte nach einer telegraphischen Meldung der „Voss. Ztg." gestern Nacht bei Finken­wärder den kreuzenden, mit Mauersteinen beladenen Dampfer Ewer „Auguste", der sofort in die Tiefe sank. Der Schleppdampfer „Michel" eilte zur Unfallstelle und rettete den Sohn des Schiffers, der Schiffer selbst ertrank. Die Leiche ist noch nicht gefunden.

Hamburg, 5. Juni. Der „Hamburg. Börsenhalle" aus Kamerun vom 18. April vorliegende Berichte melden nichts von dem englischerseits berichteten Unfall einer angeblich deutschen Expedition. Der „Börsenhalle" zufolge sind die englichen Berichte erfunden. Es hat keine Expedition unter dem Gouverneur stattgehabt. Der Weg von der Wüste ist bis zur Ba­rombistation vollständig frei. (Fr. N.)

München, 5. Juni. Das Sommergetreide in ganz Bayern hat sich, nach einer offiziellen Nachricht, im Laufe des Monat Mai durchgehend bestens entwickelt. Die Wintersaaten, soweit dieselben nicht umgepflügt wurden, sind unbefriedigend. Sollte das Wetter günstig bleiben, wird das Sommengetreide den Ausfall des Winters genügend decken. (Fr. N.)g

Stuttgart, 4. Juni. Der Gemeinderath hat den Antrag Fischer und Lauser, die Regierung zu bitten, beim Bundesrath eine Suspension der Getreidczölle zu befürworten, durch Uebergang zur . Tagesordnung er­ledigt. (K. Z.)

Wien, 5. Juni. Der ehemalige Unterrichtsminister Hasner, der Schöpfer des Volksschulgesetzes ist heute in Ischl an einem Schlaganfall gestorben.

Prag, 5. Juni. In Angelegenheit des Prozesses gegen den Reichs- kandidalen Cizek wegen der bekannten Ausschreitungen in der Landesaus­stellung veröffentlicht Dr. Salz, der Rechtsanwalt des mißhandelten Aus­stellungsbesuchers Müller-Berlin, eine Erklärung gegen den Bericht, daß nach Aussage des gerichtlich vernommenen Wachtmeisters die angegriffene Gesellschaft augenscheinlich trunken gewesen sei. Der Wachtkommandant Sedlak habe vielmehr ausdrücklich erklärt, daß die Herren nüchtern waren und nur Herr Müller infolge des von Cizek erhaltenen Schlages auf­geregt gewesen sei. " (K. Z.)

Rom, 5. Juni. Von zwei Räubern, welche seit zweieinhalb Jahren die Gegend von Viterbo gebrandschatzt und im letzten Winter einen Land­mann ermordet hatten, wurde jetzt einer dingfest gemacht. Ein Carabinier­brigadier hat bei dem Kampfe das Leben eingebüßt.

Poris, 5. Juni. Infolge einer Unterredung des Ministers Aves Guyot mit einer Arbeiterabordnung und dem Direktor der Orleanseisenbahn- Gesellschaft ist die Gefahr eines Ausstandes beseitigt.

Charleroi, 5. Juni. Die Bürgermeister der umligenden Ortschaften traten, wie die „Fr. N." melden, zu einer von den Vereinen der Kaufleute einberufenen Versammlung zusammen, um über Maßnahmen zur Been­digung des Ausstandes zu berathen. Der Vorsitzende des Vereins der Kaufleute von Charleroi theilte mit, die Arbeiter würden auf ihre For­derungen verzichten und die Arbeit wieder aufnehmen, wenn sie die Ge­wißheit erhielten, daß die Arbeitgeber keine Vergeltung üben. Aus den Mittheilungen der anwesenden Bürgermeister geht hervor, daß die Arbeit­geber bereit sind, die Arbeiter, ausgenommen die Bergleute, wieder aufzu­nehmen. Man glaubt, daß die Arbeit am Montag wieder ausgenommen wird.

London, 5. Juni. Wie aus Rußland gemeldet wird, beträgt die Zahl der täglich aus Moskau vertriebenen Juden 50; die beiden letzten Dampfer aus Odeffa beförderten 780 Passagiere nach Palästina.

Pera, 4. Juni. Zu Ehren des Staatsekretärs Dr. v. Stephan