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M 129.

Freitag den 5. Juni.

1891

Amtliches.

BeLarmtMackungeK KömgL. LandrathsaMts.

Nachstehende Bestimmungen, betreffend die Nachsuchung der Berech­tigung zum einjährig freiwilligen Dienste, werden hierdurch wiederholt bekannt gemacht.

Die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienste darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahre nachgesucht werden. Der Nachweis derselben ist bei Verlust des Anrechtes spätestens bis zum 1. April des ersten Mili- tärpflichljahres zu erbringen.

Wer die Berechtigung nachsuchen will, hat sich bei der Prüfungs- Kommisfion, in deren Bezirk der Wehrpflichtige gestellungspflichtig ist, spätestens bis zum 1. Februar des ersten Militärpflichtjahres schriftlich zu melden.

Alljährlich finden zwei Prüfungen statt, die eine im Frühjahr, die andere im Herbst.

Das Gesuch um Zulassung zur Prüfung muß für die Frühjahrs­prüfung spätestens bis zum 1. Februar, für die Herbstprüfung spätestens bis zum 1. August angebracht werden.

Hanau am 3. Juni 1891.

Der Königliche Landrath.

M. 2798 I. A.: Meister, Regierungs-Assessor.

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Entlaufen resp. entsprungen auf dem hiesigen Ostbahnhofe: ein Polineser Hund, Weitz und gelb gesteckt.

Hanau am 5. Juni 1891.

Tagesschar».

Berlin, 4. Juni. Dem zum persischen General-Konsul in Karls­ruhe (Baden) ernannten Bankier Leopold Willstätter ist das Exequatur Namens des Reichs ertheilt worden.

Berlin, 4. Juni. Beide Majestäten reisten gestern Abend um 11 Uhr mit Sonderzug von Kiel ab. Heute früh um 7 Uhr verließen Seine Majestät in Berlin (Friedrichstraße) den Zug und begaben Allerhöchstsich nach dem Tempelhofer Felde, um dort der Besichtigung der Garde-Dragoner- Regimenter beizuwohnen.

Berlin, 4. Juni. Das Abgeordnetenhaus nahm in dritter Lesung das Sp err geldergesetz nach den Beschlüssen der zweiten Lesung definitiv an und genehmigte die übrigen auf der Tagesordnung stehenden Vorlagen nach unerheblicher Debatte in dritter oder zweiter Lesung. Morgen gelangt die Rentengütervorlage zur Berathung. (Fr. N.)

Berlin, 4. Juni. Die „K. Z." schreibt: Zu einer gestern durch öffentliche Anschläge in Berlin einberufenen deutschfreisinnigen Versammlung, in welcher Herr, Schriftsteller Perls über die „Theurung und die Junker" Vortrag hielt, waren noch nicht hundert Personen erschienen. Diese imposante Versammlung nahm natürlich eine Resolution gegen die Getreidezölle an. Da die freisinnige Partei die Frage der Getreidezölle nochmals im Abge­ordnetenhaus aufrollen wird, dürfte ein Hinweis auf andere Lebensmittel, die auch mit zu den Haupt-Volksnahrungsmittein gehören, am Platze sein. Man spricht von einem Nothstand und setzt die ganze radikale Presse in Bewegung. Daß aber ein Nothstand mindestens in dem behaupteten Umfang nicht vorhanden ist, dürfte aus der einfachen Thatsache hervorgehen, daß sämmtliche Hülsenfrüchte, Erbsen, Bohnen, Linsen, seit dem Herbst einen fortgesetzten Preisrückgang erfahren haben und daß die Nachfrage nach diesen billigen Ernährungsmitteln gleich Null ist; ebenso müßte Reis in ganz anderer Weise gefragt sein; sämmtliche genannten Artikel müßten, wenn ein Nothstand wirklich vorhanden wäre, ebenfalls eine erhebliche Preis- j steigerung erfahren haben; da dies aber nicht der Fall ist, so muß man annehmen, daß eine Nothlage in irgend ausgesprochener Schärfe nicht vor­handen ist. Ein fernerer Beweis ist die letzte Brantwein-Statistik. Wenn der Jnlandverbauch vom April um 4'/s Millionen Liter größer ist als im i Vorjahre, so spricht dies doch wohl dafür, daß das Nothstandgeschrei vor- ! wiegend von interessirten Börsenkreisen unterhalten wird. '

Der Reichsanzeiger veröffentlicht eine Verfügung des Unterrichts­ministers vom 30. Mai, wodurch dem Mißstande vorgebeugt werden soll, daß die Lehrer an mittlern Schulen an Orten bis zu 10 000 Einwohnern im Einkommen schlechter gestellt find, als ihre frühern durch Gewährung der staatlichen Dienstalterszulagen begünstigten Kollegen an Volksschulen derselben Orte. In der Verfügung wird für mittlere Schulen die Fest­setzung von Grundgehältern und Einführung von Zulagen nach Maßgabe des Dienstalters anempfohlen und als spätester Termin für die neuen Ge­haltsfeststellungen der 1. Oktober bestimmt.

Der kaiserliche Gouverneirr für Ostafrika Freiherr v. Soden hat die Deutsche Kolonialgesellschaft gebeten, zur Errichtung einer deutschen Schule in Ostafrika hülfreiche Hand zu leisten. Durch dieselbe sollen auch niedere Bedienstete für die Regierung und die dort thätigen Erwerbsgesell­schaften die nöthige Vorbildung erhalten. Die Gesellschaft ist gebeten, das Jahresgehalt des Lehrers in Höhe von 4—6000 M. auf einen Zeitraum von drei bis vier Jahren zu bewilligen, wogegen der Gouverneur sich ver­pflichten will, für die kostenlose Hergabe des Grundes und Bodens, für die Errichtung des Schulgebäudes selbst sowie für die Ueberwachung der Anstalt Sorge zu tragen. Die Gesellschaft hat sich entschlossen, dem An­träge stattzugeben, und so darf der Verwirklichung des Planes recht bald entgegengesehen werden. Daß die künftige Anstalt den gleichen Erfolg wie diejenige in Kamerun haben wird, scheint uns bei der ungleich höhern politischen und wirthschaftlichen Bedeutung des Schutzgebietes von Ostafrika festzustehen. (K. Z.)

Die Opfer der Arbeitgeber für ihre Arbeiter werden recht an­schaulich nachgewiesen in einer Uebersicht über die Belastung des Bauge­werbes durch die Arbeiterversicherung im lausenden Jahre. Auf Grund dieser verhältnißmäßig sehr niedrig gehaltenen Schätzung ergibt sich, daß die Arbeitgeber des Baugewerbes im Jahre 1891 für die Krankenversicherung 2,600,000 Mark, für die Unfallversicherung 8,400,000 Mark und für die Jnvaliditäts- und Altersversicherung 2,200,000 Mark, mithin für die ge- sammte Arbeiterversicherung nicht weniger als 16,2 Millionen Mark auf­zubringen haben. Bei dieser Schätzung ist augenscheinlich so vorsichtig ver­fahren, daß man jene Summe von 16,2 Millionen eigentlich noch erheblich vermehren müßte, um die voraussichtlich eintretende Höhe derselben wirklich zu treffen. Auch ist nicht zu vergessen, daß zu dieser Summe noch der Antheil hinzukommt, mit welchem die Arbeitgeber an dem Reichszuschuß für die Jnvaliditäts- und Altersversicherung theilnehmen. Die obige Summe, welche also nur die - unmittelbare Belastung darstellt, zeigt jedenfalls schon zur Genüge, wie bedeutend ein einzelner Gewerbezweig an der staatlichen Arbeiterversicherung zu tragen hat.

Köln, 4. Juni. Die „Volkszeitung" meldet: Der Eisenbahnmi­nister beauftragte die Direktion Köln-rechtsrheinisch mit der Ausarbeitung eines Projekts, wonach die Werke der Großindustrie eigene Eisenbahnwagen behufs Versendung ihrer Produkte anschaffen. Es sollen dafür Frachtver- günstigungrn gewährt werden.

Schlebusch, 3. Juni. Die gestern gemeldete Dynamit-Explosion fand nicht in der Rheinischen Dynamitfabrik, die nach Opladen gehört, sondern in der Dynamit-Aktien-Gesellschaft früher „Alfred Nobel" Schlebusch statt. Es sind drei Arbeiter todt und zehn unerheblich verwundet. 16—20 Zentner Dynamit sind explodirt. (K. Z.)

Kiel, 4. Juni. In der letzten Nacht kam, wie die „Kieler Zeitung" meldet, in Folge kurzen Schlusses in der elektrischen Leitung in einer Ma­schinenkammer an Bord des Panzerschiffes „Oldenburg" Feuer aus, wel­ches innerhalb 20 Minuten, ohne größeren Schaden angerichtet zu haben, gelöscht wurde.

Chemnitz, 3. Juni. Eugen Ingold, welcher dem Zirkusdirektor Herzog 10 000 M. stahl, ward in Kommotau in Böhmen verhaftet und der größte Theil des gestohlenen Geldes noch bei ihm vorgefunden.

Bremen, 4. Juni. Heute fand Mittags 12 Uhr die feierliche Eröffnung der fünften Wanderausstellung der unter Protektorat Seiner- Majestät des Kaisers stehenden „Deutschen Landwirthschaftlichen Gesell­schaft" durch den Präsidenten der Letzteren, Erbgroßherzog Friedrich Au­gust von Oldenburg statt. Der Eröffnung wohnten die Mitglieder des Senats, zahlreiche Vertreter der Bürgerschaft, hohe Militärs, Deputationen" von Vereinen, Korporationen u. s. w. bei. Der Erbgroßherzog hielt eine