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Hananer Anzeiger.

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Erscheint täglich mit M^t her G«m- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 122.

Donnerstag den 28. Mai.

Amtliches.

BeLanÄmachungen Königè. LandrathsKMts.

Interessenten wird bekannt gegeben, daß alle Gesuche um Erlaubniß zur Aufstellung von Schau- und Verkaufsbuden, zum Wirthschaftsbetrieb K. im Walde für die Dauer des Lamboyfestes an die Königliche Polizei- Direktion hier zu richten sind.

Die Platzfrage dagegen wird nach wie vor von der Oberförster« Neuhof geregelt.

Hanau am 5. Mai 1891.

Der Königliche Landrath

P. 2982 v. Oertzen.

Interessenten zur Nachricht, daß bei dem diesjährigen Lamboyfeste nur solche Personen zur Ausübung eines Gewerbes zugelassen werden, welche sich in dem Besitze eines für den Regierungsbezirk Cassel gültigen Wandergewerbescheins befinden, oder ein stehendes Gewerbe betreiben und für letzteres zur Gewerbesteuer veranlagt sind. Der bezl. Nachweis ist bei Einholung der Erlaubniß auf dem hiesigen Polizei-Büreau, Zimmer 14 und 15, vorzulegen. Für geschlossene Vereine auf Grund vorhandener Statuten bleiben die früheren Bestimmungen in Kraft, Erlaubniß ist jedoch in allen Fällen nothwendig.

Hanau am 14. Mai 1891.

Der Königliche Landrath"

P. 3210 v. Oertzen.

Tagesordnung

für die am Sonnabend den 30. Mai, Nachmittags 3 Uhr, im Gasthof zum goldenen Löwen hierselbst stattfindende Versammlung des landwirthschaftlichen Kreisvereins.

1. Vollkommenere Vertretung der landwirthschaftlichen Interessen durch Umgestaltung des Vereinswesens und Errichtung von Landwirth­schaftskammern. Referent: Landrath von Oertzen.

2. Die sogenannteBuch-Erde" im Hanauer Kreise. Referent: Reg.- Assefsor Dr. Holtermann.

3. Mittheilungen über den Stand der Landwirthschaftlichen Ausstellung. Referent: Herr H. Jung.

4. Verschiedenes.

Der Borstaud des landw. Kreisvereins.

Diejenigen Militärpflichtigen hiesiger Stadt, welche bei dem diesjährigen Ober Ersatz Geschäft znrückgestellt worden sind, werden anfgefordert, ihre Loosungsscheine innerhalb drei Tagen beim Meldeamt adzuholen.

Hanau am 27. Mai 1891.

Der Oberbürgermeister Westerburg.

Tagesschau.

Berlin, 27. Mai. Kaiser Wilhelm wird, nach derK. Z.", morgen Abend aus Ostpreußen im Neuen Palais wieder eintreffen und am Freitag und Samstag die Frühjahrs-Paraden des Gardekorps auf dem Tempelhofer Felde und in Potsdam abnehmen.

Berlin, 27. Mai. Im Abgeordnetenh ause wird die Be­rathung des Etats fortgesetzt. Auf eine Anfrage Lehmanns (Ztr.) er­klärte der Handelsminister beim Etat des Handelsministeriums, daß! über die Erhaltung der Organisation der rheinischen Gewerbegerichte hoffent- ; lich in den nächsten Tagen dem Hause ein Entwurf vorgelegt werde. ; v. Schenckendorff>regt die Schaffung einer Mittelstufe des gewerblichen ; Unterrichtswesens an. Hierüber entspinnt sich eine Diskussion über obli- ; gatorische und nicht obligatorische Fortbildungsschulen. Richter fragt an, ob die Erhebungen über die Getreidetheuerung, welche die Regierung ange- j ordnet habe, wie über die vorhandenen Getreidevorräthe abgeschlossen seien.

1891

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Der Landwirthschaftsminister v. Heyden verneint diese Fragen. Er ist überzeugt, daß die Befürchtungen über eine etwaige Mißernte unzutreffend seien. Die Stockung in der Getrcideversorgung sei wesentlich durch die Beunruhigung in Folge der Gerüchte über die Aufhebung der Getreidezölle hervorgerufen. Die Verbreiter dieser Gerüchte trügen an der Theuerung die Hauptschuld. Nach längerer Debatte, in der sich Graf Kanitz, der Landwirthschaftsminister v. Kardorff, v. Eynern, Brömel, Staats­minister v. Bötticher und Richter betheiligten, erklärt, nach denFr. N.", Minister v. Bötticher, hohe Getreidepreise allein würden die Regierung zu keinem Systemwechsel bewegen. Die Regierung werde die Existenz der Landwirthschaft nicht ohne zwingenden Nothstand gefährden. Die Zölle seien nicht der einzige Faktor der Preisbestimmung, die Preise würden sicher auch ohne Herabsetzung der Zölle sinken. Wie die Herabsetzung der Ge­treidezölle in Frankreich wirken werde, bleibe abzuwarten. Redner sei nicht im Stande, über irgend einen Theil der Handelsverträge Auskunft zu geben, und halte dies auch für unmöglich, weil ein Handelsvertrag nur in seiner Gesammtheit beurtheilt werden könne. Schließlich wird der Etat des Handelsministers bewilligt. Nächste Sitzung am Freitag.

Berlin, 27. Mai. Der heutigen Sitzung des Gesammtvorstandes der evangelischen Arbeitervereine Deutschlands wohnten seitens des Kultus­ministeriums Geheimrath Schwarzkopf, seitens des Handelsministeriums Professor Post (Hannover) bei. Pastor Rahlenbeck (Berlin) als Referent empfahl die Errichtung eines evangelisch-sozialen Seminars behufs Heran­bildung redegewandter Arbeiter zur Bekämpfung der Sozialdemokraten. Der Ausschuß des Gesammtverbandes der evangelischen Arbeitervereine Deutschlands stimmte den Vorschlägen des Referenten betreffs der Heran­bildung redegewandter Arbeiter zu, ebenso der Abhaltung eines internatio­nalen Sontagsschutzkongresses, der in Deutschland stattftnden soll. (F. N.)

Berlin, 27. Mai. Dem Königlich rumänischen General - Konsul mit dem Sitze in Hamburg Julius Schubert ist das Exequatur Namens des Reichs ertheilt worden.

Berlin, 27. Mai. Sämmtliche Mitglieder des Kolonialraths sind vom Reichskanzler zum Beginn ihrer Berathung zum Essen geladen wor­den. (K. Z.)

Halle a. d. S., 27. Mai. Vom Landgericht Gera wurde der 17jährige Arbeiter Künzel aus Lengenbach wegen Raubmordes an einer alten Witwe zu 15 Jahren Gefängniß verurtheilt. (K. Z.)

Die Einbecker Sozialdemokraten hatten richtig den Einsichtsvollsten aus ihrer Mitte als Vertreter nach Halle geschickt. Nach seiner Rückkehr erklärte derselbe, Maler Johannsen, aus den Verhandlungen auf dem Par­teitage habe er die Unaussührbarkeit der sozialdemokratischen Lehren erkannt, und so trete er aus der Partei aus.

München, 27. Mai. Seine Königliche Hoheit der Prinz-Regent ist heute früh 6 Uhr 40 Min. aus Wien in bestem Wohlsein hierher zu­rückgekehrt.

Stuttgart, 27. Mai. Der Staatsanzeiger schreibt: Der König leidet seit einiger Zeit an Unterleibsstörungen, wogegen eine Trinkkur von Wildunger Wasser gebraucht wird. Letzte Nacht zeigte sich etwas Fieber, wodurch der König heute veranlaßt wurde, im Bette zu bleiben.

Wien, 26. Mai. In der gestrigen Plenarsitzung des Weltpost­kongresses theilte der deutsche Staatssekretär Dr. v. Stephan mit, daß durch die kürzlich erfolgte Einführung der Seeposten zwischen Deutschland und Nordamerika ein bedeutender technischer Fortschritt erreicht worden sei und daß nach einem ihm zugegangenen Telegramm ein Schnelldampfer der Hamburger Paketfahrt-Gesellschaft die Reise von Southampton nach New- Aork in 6 Tagen und 14 Stunden zurückgelegt habe, wodurch die schnellste bisher erzielte Fahrt auf dieser Strecke um 1 Stunde und 55 Min. über­troffen worden sei.

Wren, 27. Mai. In einer gestern abgehaltenen Versammlung der Buchdrucker, an welcher ungefähr 3000 Personen theilnahmen, wurde beschlossen, an allen Forderungen festzubalten und den Strike fortzusetzen.

Dünkirchen, 27. Mai. Durch eine Petroleumexplosion gerieth, nach demRH. K.", eine Fabrik in Condekerque in Brand. Sieben be­nachbarte Häuser standen alsbald in Flammen. Zehn Personen sind in dem Feuer verschwunden, viele sind verwundet. Es herrscht allgemeine Panik, da die Explosion acht anderer Reservoirs befürchtet wird. Man