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Erscheint täglich mit Anssahm« der Gönn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Freitag den 22. Mai.
1891
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Stellung zur internationalen Ausstellung in Chicago genommen und auch der Reichstag hat sich für die Betheiligung Deutschlands insoweit erklärt, als er die Mittel für die Vorarbeiten bewilligt hat. Die Ausstellung in ; Chicago findet bekanntlich 1893 statt. Wenn, wie regierungsseitig ge- , I wünscht wird, die am Export nach den Vereinigten Staaten Nordamerikas, j nach Südamerika wie nach China und Japan interessirte deutsche Industrie I in hervorragender und zweckentsprechender Weise die Chicagoer Ausstellung ! beschicken soll, so wird es als praktisch kaum bezeichnet werden können, den ! Plan einer nur zwei Jahre später in Berlin zu veranstaltenden Ausstellung augenblicklich weiter zu verfolgen. Unseres Erachtens — und wir glauben, damit würde auch den Intentionen entsprochen werden, welche an den maßgebenden Stellen vorhanden sind — sollte die Idee der Berliner Ausstellung vorläufig znrückgestellt werden, soll dieselbe anders nicht der Beschickung der Chicagoer Ausstellung, welche seitens der Reichsregierug vornehmlich unter Berücksichtigung der großen Interessen des deutschen Exports angeregt worden ist, hinderlich sein.
Einen Triumph der deutschen Schiffsbauindustrie stellt die erste Reise des neuen Schnelldampfers der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt- Aktiengesellschaft „Fürst Bismarck" von Hamburg nach Newyork dar. Der neue Dampfer hat die schnellste Ozeansahrt gemacht, welche von irgend einem transatlantischen „Renner" bis auf den heutigen Tag je erzielt worden ist. Besonders die deutsche Bevölkerung Newyorks ist durch den unerwarteten Sieg der deutschen Schiffsbaukunst auf das Freudigste überrascht. Denn wenn man auch dem Vulkan in Stettin, nachdem er die „Augusta Viktoria" für die Hamburger, sowie die „Spree" und „Havel" für den Bremer Llopd erbaut hat, eine gute Leistung in seinem neuesten Erzeugnisse zutraute, so war man allerseits doch weit davon entfernt, zu glauben, daß der Vulkan und in ihm die deutsche Schiffsbau-Industrie sich durch den Erfolg des neuesten Hamburger Schnelldampfers mit einem Schlage den Ehrenplatz erringen. würde, an welchem man bisher nur die ältesten englischen Werften zu sehen gewohnt war.
Der evangelische Arbeitervein Wilkau-Niederhaßlau hat nach i einem Bericht des „Chemn. Tgbl." vom 18. Mai in seiner letzten Ausschußversammlung Stellung zum Arbeiterkongreß in Paris genommen und erklärt, daß die Vertreter daselbst durchaus nicht berechtigt seien, im Namen der deutschen Arbeiter aufzutreten, da die evangelischen Arbeitervereine jederzeit des Wahlspruchs eingedenk seien: „Für König und Vaterland!"
Aus Schlesien. Ueber die Hausindustrie-Einrichtung für Handweber in Schlesien, die der Deutsche Offizierverein ins Leben gerufen, berichtet die „Schles. Ztg.", daß von fiskalischer Seite bereits eine versuchsweise Bestellung auf Lieferungswaaren ertheilt sein soll. Mit der endgültigen Einrichtung soll aber nicht eher begonnen werden, als bis eine fortlaufende Thätigkeit durch fiskalische Bestellungen sichergestellt ist. Inzwischen kaufen der Deutsche Offizierverein und das Waarenhaus für deutsche Beamten fortlaufend Handwebwaaren von kleinen Fabrikanten in Schlesien um diesen die Möglichkeit zu geben, ihre Handweber zu beschäftigen.
Viele Gegenden Schlesiens sind durch massenhaftes Auftreten von Maikäfern schwer heimgesucht. In Oels gleicht Abends ihr Summen in der Fasanerie dem Getöne einer in der Ferne arbeitenden Lokomobile. Die Eichen sind daselbst fast schon kahl gefressen. Der Schaden, den sie überall anrichten, ist sehr beträchtlich. Auf dem Versuchsfelde in Proskau wurden von zwei Personen in zwei Stunden 7500 Maikäfer gesammelt. Um des Uebels Herr zu werden, bedarf es durchaus eines andauernden, allseitigen Vorgehens, wie es ja auch schon in manchen Gegenden mit Erfolg durchgeführt worden ist. So führt das „Posener Tageblatt" an, daß im Flugjahre 1868 im Bereiche des landwirthschaftlichen Vereins der Provinz Sachsen und der anhaltischen Länder das Sammeln planmäßig betrieben und die Menge von 30,000 Zentnern zusammengebracht worden ist, woraus man etwa 1500 Millionen Käfer berechnet hat. Verwendet wurde das Ungeziefer meistens in Vermischung mit Kalk als Dünger. Nach diesem Feldzuge haben in Sachsen die „Flnqjahre" aufgehört, und es zeigen sich jetzt nur noch alljährlich vereinzelte Maikäfer. (Schles. Ftg.)
Halle a. Saale, 20. Mai. Der in Magdeburg verstorbene Rentier Karl Friedrich Schulze hat in seinem gestern eröffneten Testamente unsere Stadt zur Universalerbin seines l1^ Millionen Mark betragenden Nachlasses eingesetzt.
Tagesschau.
Berlin, 21. Mai. Seine Majestät der Kaiser und König verließen heute Vormittag um 11 Uhr Schlobitten und fuhren mit Wagen über Canthen nach Pröckelwitz.
Berlin, 20. Mai. Nach einem vom Bureau des Abgeordnetenhauses herausgegebenen Verzeichniß der noch unerledigten Vorlagen sind noch l 6 Regierungsvorlagen, 3 Anträge aus dem Hause, 32 Kommissionsberichle zu erledigen. Unter den Regierungsvorlagen sind die wichtigsten die nochmalige Berathung der Landgemeindeordnung und des Wildschaden- gesetzes, die dritte Etatsberathung, die 2. und 3. Lesung der Sperrgeldervorlage, des Sekundärbahngesetzes, des Rentengütergesetzes, der Wegeordnung für die Provinz Sachsen, des Entwurfs über Verlegung des Bußtags. (F.N.H
Berlin, 21. Mai. Der Weltpostkongreß ist gestern Mittag in Wien von dem Handelsminister Marquis Bacquehem mit einer Ansprache eröffne: worden, in welcher er die Versammlung Namens der Regierung begrüßte und des Berner Vertrags sowie der vorangegangenen Kongresse in Paris und Lissabon gedachte. Als die zwei besonders großen Aufgaben des Wiener Kongresses bezeichnete der Minister die Schaffung einer möglichst unveränderlichen Grundlage des Vereins und die Verwirklichung des I Gedankens, aus allen zivilisirten Ländern ein emziges Postgebiet zu bilden. Der deutsche Vertreter, Staatssekretär Dr. v. Stephan dankte nach einer Mittheilung des „Reichsanz." Namens der Versammlung für den Herzlichen^ Empfang, bezeichnete das Werk des Weltpostvereins als ein Werk des Friedens und der Zivilisation und bat den österreichischen Vertreter Sektionschef Obeutraut, den Vorsitz des Kongresses zu übernehmen. Sektionschef Obentraut wurde hierauf mit Akklamation zum Präsidenten gewählt. Sodann wurden vier Kommissionen zur Vorberathung der dem Kongresse vorliegenden Anträge gebildet. Zu Präsidenten und Vizepräsidenten der vier Kommissionen wurden Vertreter Deutschlands, Englands, Rußlands, Italiens und Ungarns gewählt.
Berlin, 21. Mai. Die „K. Z." schreibt: Seitens des Reichs- marineumts ist soeben eine für die Schlagfertigkeit und Verwendungsfähigkeit unserer Flotte wichtige Bestimmung erlassen worden, welche darauf abzielt, eine gewisse Bürgschaft dafür zu gewinnen, daß der maschinelle Apparat an Bord der im äußern Dienst befindlichen Schiffe sich in nn- tadelhafter Verfassung befindet und denselben eine bis zum Höchstmaß gesteigerte Fahrgeschwindigkeit zu geben vermag. Um diese Sicherheit zu gewähren, sollen, der „Nordd. Allg. Ztg" zufolge, die in Dienst gestellten Fahrzeuge von jetzt an alljährlich eine 24stündige Volldampffahrt ausführen, und zwar sobald der Kommandant die Ueberzeugung gewonnen hat, daß die Ausbildung des Maschinen- und Heizerpersonals die entsprechende Ausnutzung der Leistungsfähigkeit der Maschinen und Kessel ohne deren Gefährdung gewährleistet. Die Fahrten sind so zu legen, daß sie bei einem i bet vollen Ausrüstung annähernd entsprechenden Tiefgang vorgenommen werden. Außerdem sollen künftig in etwa vierteljährlichen Zwischenräumen von denselben Schiffen forcirte Fahrten von dreistündiger Dauer ausgeführt werden. Diese dreistündigen forcirten Fahrten sind unter Anwendung der an Bord vorhandenen Forcirungseinrichtungen für den Kesfelzug mit aus allen Heizerwachen ausgesuchtem guten und reichlich bemessenen Personal und e £a$ gründlicher Reinigung der Kessel vorzunehmen. Um ein Bild zu bekommen, wie eine längere Maschinenleistung des Schiffes sich nach vorübergehender äußerster Anspannung der Kräfte gestalten wird, ist in jedem Fahre eine dreser dreistündigen forcirten Fahrten mit der Mündigen Volldampf- W dergestalt zu verbinden, daß sie in die erste Hälfte der Volldampffahrt jâ' lieber den Verlauf der Volldampffahrt und der forcirten Fahrten rst demnächst, unfassender Bericht an des Reichsmarineamt zu erstatten.
Berlin, 21. Mai. S. M. Kanonenboot „Iltis", Kommandant Korvetten -Kapitän Ascher, ist am 19. Mai in Ngankin eingetroffen und beabsichtigt am 22. Mai nach Kinkiang in See zu gehen.
.. Seitens des Ausschusses des Deutschen Handelstages ist nunmehr lue Anfrage an alle Mitglieder _ ergangen, ob der Plan einer in Berlin ’ etwa im ^ahre 1895 zu veranstaltenden Ausstellung — als welche zunächst t eine national deutsche in Aussicht genommen wird — die Billigung und; Unterstützung der Betheiligten namentlich auch der industriellen Kreise in f den einzelnen Bezirken findet. Inzwischen hat aber die Reichsregierung ‘